Studienarbeit aus dem Jahr 2007 im Fachbereich Germanistik - Neuere
Deutsche Literatur, einseitig bedruckt, Note: 1,0,
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, 20 Quellen im
Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: In Lessings
Trauerspielen fällt am Ende der Vorhang über die Leichen der
Kinder. Hinter ihnen stehen die Väter. Vom Licht einer Vater-Idee
getroffen, werfen sie Schatten, die größer sind als ihre Gestalt.
In [ ] Miß Sara Sampson ist es die Idee der gütigen Vaterschaft. [
] In Emilia Galotti verbindet sich nun das strafende Vater-Bild mit
einer dramatischen Gestalt. [Neumann 1977, S. 37]
Für die Literatur der Aufklärung ist die Frage nach der rechten
Vaterschaft sehr zentral. Wie soll der ideale Vater sein?
Lessing hat die Trauerspiele Miß Sara Sampson und Emilia Galotti in
unmittelbarer zeitlicher Nähe verfasst. Obwohl auch der Ausgang der
beiden Dramen nahezu der Gleiche ist beide Töchter sterben ,
scheinen Lessings Vater- und Tochter-Figuren grundlegend
verschieden zu sein.
Auf den ersten Blick wird klar, dass die Vater-Tochter-Beziehungen
in beiden Trauerspielen von den Begriffen Tugend und Laster
maßgeblich bestimmt werden: Die Rettung von Emilias Tugend ist der
Grund für ihren Tod.
In Miß Sara Sampson wird die Bedeutung der beiden Begriffe schon zu
Beginn des ersten Aktes deutlich.
In jedem Drama Lessings werden einzelne Elemente der
Vater-Autorität isoliert und dem Streit der Meinungen unterworfen.
Dieser Meinungs-Streit ist das Kernstück der dramatischen
Konflikte. Väter und Kinder stehen sich gegenüber; sie glauben zu
wissen, wie ein Vater sein soll , aber ihre Gewissheiten sind durch
Vorurteile getrübt. [Neumann 1977, S. 16f.]
Allerdings sind Lessings Dramen keine reinen Erziehungsratgeber
darüber, wie das Verhältnis zwischen Vater und Kind sein sollte,
sondern sie sind vor allem auch Kritik an der bestehenden
Gesellschaftsordnung.
Die Vaterfigur steht stellvertretend für jede Art von
Autoritätsperson in Politik, Religion und Gesellschaft. Im Philotas
stellt Lessing die Frage: Was ist ein König, wenn er kein Vater
ist? Tatsächlich steht jede Autorität und zuletzt sogar das Wesen
der Gottheit zur Diskussion, sobald die Gestalt eines Vaters in
literarischen Werken des 18. Jahrhunderts erscheint. [Neumann 1977,
S. 11]
Ziel dieser Arbeit ist es, zu belegen, dass das Handeln der Vater-
und Tochter-Figuren in Lessings Trauerspielen Miß Sara Sampson und
Emilia Galotti sowie die Beziehungen zwischen Vater und Tochter
maßgeblich durch ihr Verständnis von Tugend beeinflusst werden.
Anhand ausgewählter Textstellen wird die Einstellung der Figuren zu
Tugend und Moral herausgearbeitet.