Unruhestifter - Raddatz, Fritz J.

Fritz J. Raddatz 

Unruhestifter

Erinnerungen

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Unruhestifter

Fritz J. Raddatz zählt zu den großen Feuilletonisten und Literaturkritikern unserer Zeit. Fast 50 Jahre lang hat er in unterschiedlicher Funktion dem deutschen Literaturbetrieb wichtige Impulse gegeben, hat heftige Debatten ausgelöst, Maßstäbe gesetzt. Nun legt er seine Memoiren vor. Der Rückblick auf sein bewegtes Leben ist zugleich ein kulturhistorisches Panorama der vergangenen Jahrzehnte.

Wo er hinkam, stiftete er Unruhe - aber eine aufklärerische, anregende, produktive.

Furios und brillant wie eh und je führt uns Fritz J. Raddatz durch sein bewegtes Leben. Alle Großen aus Literatur und Publizistik der vergangenen Jahrzehnte treten auf: von James Baldwin bis Henry Miller, von Christa Wolf bis Günter Grass. Ein kulturhistorisches Kaleidoskop unserer Zeit - glamourös, amüsant, bewegend.


Produktinformation

  • Verlag: List Tb.
  • 2005
  • Ausstattung/Bilder: 2005. 494 S. m. Fotos, 4 Fototaf.
  • Seitenzahl: 494
  • List Taschenbücher Nr.60479
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 125mm x 29mm
  • Gewicht: 416g
  • ISBN-13: 9783548604794
  • ISBN-10: 354860479X
  • Best.Nr.: 12800684
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 20.10.2003

Wild, unsentimental und selbstverliebt
Auf mich hat sich nie etwas gereimt: Fritz J. Raddatz’ Autobiographie „Unruhestifter”
Betroffen von Salvador Dalis spanisch-stolzer, perversions-satter Autobiographie notierte George Orwell einige kluge, zeitlos richtige Überlegungen in seinem meisterhaften Dali-Essay „Zu Nutz und Frommen der Geistlichkeit”. Über literarische Selbstdarstellungen hält Orwell dort fest: „Autobiographien sind nur glaubwürdig, wenn sie etwas Unschönes zugeben. Jemand, der über sein Leben nur Gutes zu sagen weiß, lügt in den meisten Fällen, weil jedes Leben von innen her gesehen nichts weiter als eine Kette von Niederlagen ist.”
Fritz J. Raddatz gab seinen fabelhaft fesselnd geschriebenen, durchaus finster-faszinierenden „Erinnerungen” den Titel „Unruhestifter” – ohne weiteres in Kauf nehmend, dass eine solche Selbstcharakteristik affektiert wichtigtuerisch wirken könnte, auch wenn sie zuträfe. Doch auf Bescheidenheit kam es Raddatz beim autobiographischen Fazit-Ziehen überhaupt nicht an. Er schont nichts und niemanden, am wenigsten sich selber. Er hat keineswegs nur Literarisches zu erörtern, Branchen-Klatsch. …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.10.2003

Völlig aus dem Reim gegangen
Ein Mensch in seiner ganzen Kulturwahrheit: Die Erinnerungen von Fritz J. Raddatz stolzieren in den Fußstapfen Rousseaus / Von Heinz Ludwig Arnold

Wer ihn kennt, hat es sich ja denken können: Wenn der Publizist und Schriftsteller Fritz J. Raddatz einmal seine Memoiren schriebe, würden in den Feuilletons die Fetzen fliegen. Und so ist es denn auch gekommen. Noch bevor das Buch der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, stand in der "Zeit", deren Feuilletonchef Raddatz von 1977 bis 1985 gewesen ist, eine herbe Zurechtweisung von Theo Sommer, der ihm vorwarf, die Beschimpfungen seiner früheren Mitstreiter gerieten zur "unfreiwilligen Selbstbespiegelung".

Unfreiwillig nun gerade nicht. Das alles hat der "Unruhestifter" - so der Titel seines Buchs - schon sehr bewußt, wenn auch sehr rücksichtslos und rückhaltlos, aufgeschrieben; denn Raddatz setzt ein mit einem Motto aus Jean-Jacques Rousseaus "Bekenntnissen": "Ich beginne ein Unternehmen, das ohne Beispiel ist und das niemand nachahmen wird. Ich will meinesgleichen einen Menschen in der ganzen Naturwahrheit zeigen, und dieser Mensch werde ich sein. Ich allein." …

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»Bravourös« Focus »Nur wenige Autobiografien sind gut - zum Beispiel die von Raddatz.« Die Welt »Ohne Zweifel das Beste, was dieser Autor je geschrieben hat« Der Spiegel »Raddatz' Erinnerungen sind egoman und verrückt, aber gerade darum großartig.« Berliner Zeitung

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Für Rezensent Heinz Ludwig Arnold haben diese Memoiren fast durchweg den Anschein, als zöge sich da einer bis auf die Unterhosen aus, nur um die schönen blauen Flecken zu zeigen, die ihm andere verpasst haben. Bei aller Sympathie ist Arnold doch immer wieder sichtlich enttäuscht von Raddatz' so unverhohlen zutage tretenden Charakterschwächen. Da sieht er ihn beispielsweise von Prominenten, mit denen er sich in diesem Buch abbilden lässt "und in deren Ruhm auch er ein wenig glänzte", manch hässliches, ja geschmackloses Zerrbild zeichnen. Und obwohl Klatsch und Tratsch für Arnold durchaus zur "Hintergrundmusik" des intellektuellen Betriebs gehören, geraten viele Porträts für seinen Geschmack zu peinlichen Abrechnungen. Unwohl ist dem Rezensenten auch, weil sich ihm diese Erinnerungen als "zu monströser Selbstüberhebung aufgeblasener Minderwertigkeitskomplex" aufdrängen. Dass Raddatz auch anders kann, beweist dem Rezensenten insbesondere die Porträtskizze des Verlegers Feltrinelli. Auch die "sich entwurzelnde Kriegs- und Nachkriegszeit" findet er in einem farbigen Panorama entworfen, und interessant erzähle Raddatz von den ersten zehn DDR-Jahren.

© Perlentaucher Medien GmbH
Fritz J. Raddatz, geb. 1931 in Berlin, 1960-69 stellvertretender Leiter des Rowohlt Verlags, 1977-85 Feuilletonchef der Zeit, von 1969- 2011 Vorsitzender der Kurt-Tucholsky- Stiftung. 2010 wurde er mit dem Hildegard-von-Bingen-Preis für Publizistik geehrt.

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