Ungarn in der Nußschale - Dalos, György

György Dalos 

Ungarn in der Nußschale

Geschichte meines Landes

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Produktbeschreibung zu Ungarn in der Nußschale

Wie sagt ein ungarisches Sprichwort: "Außerhalb von Ungarn gibt es kein Leben; und wenn, dann ist es nicht dasselbe." Was prägte die Ungarn? Was waren die zentralen historischen Erfahrungen der Bewohner eines Landes, das immer wieder erobert, zerstückelt, beherrscht und fremden Zielen unterworfen wurde? Ursprünglich sind die Ungarn ein aus Asien stammendes Nomadenvolk. Am Ende des 1. Jahrtausends christianisiert und unter Stephan dem Heiligen den Anschluß an die westeuropäische Kultur suchend, führten die Ungarn über Jahrhunderte hinweg einen Abwehrkampf gegen Mongolen, Türken und schließlich auch gegen die Habsburger, die die Ungarn erst 1918 in die Unabhängigkeit entließen. Heute steht das Land vor dem Beitritt in die EU 2004 und unterhält auch intensive Beziehungen zu Deutschland. Der Schriftsteller György Dalos fängt in seinem prägnanten, brillant geschriebenen Überblick über die mehr als 1000jährige Geschichte Ungarns die Essenz des ungarischen Lebens ein.

Produktinformation


  • Verlag: Beck
  • 2004
  • Ausstattung/Bilder: 200 Seiten
  • Seitenzahl: 199
  • Deutsch
  • Gewicht: 305g
  • ISBN-13: 9783406510328
  • ISBN-10: 3406510329
  • Best.Nr.: 11745386
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 22.03.2004

Tausend Jahre Würdenträger
György Dalos zeigt Ungarn, sein Land
Wer die lange Geschichte Ungarns auf 190 Seiten darstellen will, setzt sich vorab dem Verdacht aus, einen weiteren überflüssigen Beitrag zur Kultur der Häppchen und der Schnäppchen zu liefern. Dass György Dalos’ Ungarn in der Nußschale solchen Argwohn glänzend entkräftet, hat einen doppelten Grund.
Zum einen ist Dalos ein Erzähler, dessen zahlreiche Qualitäten in einer vor allem zusammenschießen: Dichte. Dichte aber macht Kürze wett, nein – erhebt sie zur Tugend. Über das Bedenken, hier werde möglicherweise ein komplexer Gegenstand flott und billig zu ebenso schnellem wie folgenlosem Konsum zugerichtet, erhebt sich Dalos aber auch als einer, der die ungarische Geschichte schmerzhaft an sich selbst erfahren hat.
1968 – Dalos war damals 25 Jahre alt – erhielt er wegen „staatsfeindlicher Aktivitäten” Berufs- und Publikationsverbot; seit 1984 lebt er im deutschen Exil. Im Possessivpronomen des Untertitels, „Geschichte meines Landes”, ist, unter der Oberfläche eines flüssig, ja unterhaltsam geschriebenen Textes, Wehmut virulent. Schmerz aber macht aufmerksam. Die …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 08.02.2005

Helden sterben, Dichter singen
György Dalos erzählt die kollektive Biographie seiner Heimat Ungarn

Ungarn war immer eine Nußschale, unsanft herumgewirbelt auf dem stürmischen Meer europäischer Machtpolitik, und so lag es nahe, auch seine tausendjährige Geschichte in eine winzige Nußschale zu packen. György Dalos, ungarischer Autor, Kulturvermittler und übrigens auch diplomierter Historiker, hat jetzt die "kollektive Biographie" seines Landes in knappen Skizzen und launigen Anekdoten erzählt.

Erklären heißt auf ungarisch "magyarázni", ungarisch machen, und so erklärt er sein Ungarn der Welt als ein "unerschöpfliches Märchen": Ein wildes Steppenvolk, berüchtigt für seine barbarische Arglist und Räubereien, wird auf dem Lechfeld 955 gezähmt, unter König Stephan christianisiert, vom Renaissancemenschen Matthias Corvinus humanisiert und europäisiert - und bleibt doch der ewige Verlierer. Ungarn war Schwert und "Schild der Christenheit" gegen Mongolen, Türken und Russen; aber immer wenn es ernst wurde - 1241 bei Mohi, 1526 bei Mohács, 1848 und noch 1956 -, wurden seine vielbesungenen Freiheitskämpfer von Europa allein gelassen: …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Auf nur 190 Seiten "die lange Geschichte Ungarns" darzustellen, das kann eigentlich nicht angehen, meint Rezensent Andreas Dorschel. Aber nur eigentlich, denn György Dalos' schmales Buch hat ihn vom Gegenteil überzeugt. Seine "Dichte" macht nicht etwa die Kürze wett, schwärmt der Rezensent, sie erhebt sie zur "Tugend". Dazu komme, dass Dalos die Geschichte ja auch "schmerzhaft an sich selbst erfahren" habe, und Schmerz, schreibt der Rezensent, "macht aufmerksam". Besonderes Augenmerk richte Dalos auf "die Rolle der Gewalt in der Geschichte", und nachdem er "souverän" die Epoche der osmanischen Herrschaft umrissen habe, ohne sich irgendeiner "Dämonisierung" oder "Verklärung" hinzugeben, bringe er "geschickt und unprätentiös" Zusammenhänge und sowie Machtstrukturen der jüngeren Zeit zutage. Fast schon erschreckend erscheint dem Rezensenten angesichts der geschilderten Machenschaften, der ungarische "Sinn für Tragikomik", der immer wieder aufblitzt. Jeder Satz, so Dorschels beeindrucktes Fazit, besitzt einen derart "urbanen Zug", dass man nur den Hut ziehen könne vor soviel weiser "intellektueller Konsequenz".

© Perlentaucher Medien GmbH
György Dalos, geb. 1943 in Budapest in einer jüdischen Familie, gehörte zur demokratischen Opposition Ungarns und lebte in den achtziger Jahren nach Aufenthalten in Berlin in Wien und Budapest. György Dalos wurde vielfach in Deutschland und Ungarn ausgezeichnet und war bis 1999 der Direktor des ungarischen Kulturinstituts in Berlin und im selben Jahr literarischer Leiter des Ungarn-Schwerpunkts während der Frankfurter Buchmesse. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter 1995 der "Adelbert-von-Chamisso-Preis", 2000 die "Goldene Plakette der Republik Ungarn" und 2010 der "Preis der Leipziger Buchmesse für Europäische Verständigung".§György Dalos lebt als Autor in Berlin.

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