In der Auseinandersetzung traten bereits überwunden geglaubte
antisemitische Ressentiments massiv zutage. Erst 1991 sollte der
damalige Bundeskanzler Franz Vranitzky in seiner Rede vor dem
israelischen Parlament jene Worte des Bedauerns und der
Entschuldigung finden, die man vergeblich von Kurt Waldheim
erwartet hatte.
Wie antisemitisch ist die österreichische Bevölkerung heute - ein
Vierteljahrhundert nach der Affäre Waldheim? Das Buch Üble Melange
geht der Frage nach, was sich an den antisemitischen
Einstellungsmustern geändert hat. Dabei verknüpft der Autor
aktuelle Forschungsergebnisse mit Erhebungen aus den 1980er-Jahren.
Darüber hinaus setzt er sich kritisch mit antisemitischen
Stereotypen im medialen Diskurs auseinander. Diese Befunde
ermöglichen erstmals ein differenziertes Urteil über Kontinuität
und Wandel antisemitischer Ressentiments in Österreich.
Am 8. Juni 1986 wurde Kurt Waldheim zum österreichischen
Bundespräsidenten gewählt. Die vor, während und nach dieser Wahl
geführte nationale wie internationale Diskussion zur
Kriegsvergangenheit Waldheims und seinem Umgang damit ("Ich
habe nur meine Pflicht getan.") markierte eine Zäsur in der
politischen Kultur der Zweiten Republik. Zum ersten Mal wurde die
Mitverantwortung Österreichs an den Gräueln des Nationalsozialismus
auf breiter Basis diskutiert.
Maximilian Gottschlich, geboren 1948 in Wien, seit 1983 Professor am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien. Zahlreiche Studien und Veröffentlichungen u. a. zu Problemen der Kommunikationsgesellschaft, der Medienethik, des modernen Antisemitismus, des Verhältnisses von Religion, Medien und Gesellschaft. Langjährige Beschäftigung mit Fragen jüdisch-christlicher Verständigung und Spiritualität.
Sitemap: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20