Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension
Ein bisschen erscheint der Rezensentin Katharina teutsch Georges Perecs aus dem Nachlass edierte Abhandlung über den richtigen Zeitpunkt, beim Chef vorzusprechen, mit all ihrer Sprach- und Diskursverliebtheit als Botschaft aus den fernen Sechzigern. Hat sich Teutsch allerdings erst einmal an fehlende Satzzeichen und Kleinschreibung gewöhnt, gestaltet sich die Lektüre für sie einigermaßen störungsfrei, und sie versteht den hier ausbuchstabierten Schaltplan des Lebens als sprachlichen Hinweis auf ein stochastisches Problem: das mathematisch nachweisbare "anarchistische Wüten des Zufalls".
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"Kafka hätte wohl seine helle Freude an dieser Beschreibung eines in den Mühlen der Verwaltung gefangenen, langsam alternden modernen Sisyphus gehabt, dessen Gehalt trotz aller Mühe nie steigen wird. Perecs Text ist nicht nur ein glänzender literarischer Scherz, sondern auch aktuell wie eh und je." (Georg Renöckel, Neue Zürcher Zeitung, 5.12.2009)<br/><br/>"Dieses Buch ist ein lakonischer Ratgeber fürs Leben und eine Etüde des französischen Sprachspielers. ... Wenn die Welt nicht nach klaren Regeln funktioniert, warum sollte es die Literatur tun. Dieser Regelbruch markiert den Unterschied zwischen Mechanik und Literatur. Es ist die Kunst, die Freiheit, das Vergnügen am Text. "Man rettet sich manchmal durch das Lachen", hat Georges Perec gesagt. So ist es. Auch hier." (Nicole Golombek, Stuttgarter Nachrichten, 24.09.2009)<br/><br/>"Das Ganze ist ein Dokument der Vergeblichkeit und der Sinnlosigkeit allen Ehrgeizes, dabei im Ton so heiter wie melancholisch, ein bisschen so, als würde Jacques Tati Kafkas Parabel "Vor dem Gesetz" verfilmen." (Alex Rühle, Süddeutsche Zeitung, 11.08.2009)
"Kafka hätte wohl seine helle Freude an dieser Beschreibung eines in den Mühlen der Verwaltung gefangenen, langsam alternden modernen Sisyphus gehabt, dessen Gehalt trotz aller Mühe nie steigen wird. Perecs Text ist nicht nur ein glänzender literarischer Scherz, sondern auch aktuell wie eh und je." -- Georg Renöckel (Neue Zürcher Zeitung, 5.12.2009)<br/><br/>"Dieses Buch ist ein lakonischer Ratgeber fürs Leben und eine Etüde des französischen Sprachspielers. ... Wenn die Welt nicht nach klaren Regeln funktioniert, warum sollte es die Literatur tun. Dieser Regelbruch markiert den Unterschied zwischen Mechanik und Literatur. Es ist die Kunst, die Freiheit, das Vergnügen am Text. "Man rettet sich manchmal durch das Lachen", hat Georges Perec gesagt. So ist es. Auch hier." -- Nicole Golombek (Stuttgarter Nachrichten, 24.09.2009)<br/><br/>"Das Ganze ist ein Dokument der Vergeblichkeit und der Sinnlosigkeit allen Ehrgeizes, dabei im Ton so heiter wie melancholisch, ein bisschen so, als würde Jacques Tati Kafkas Parabel "Vor dem Gesetz' verfilmen." -- Alex Rühle (Süddeutsche Zeitung, 11.08.2009)
 | Besprechung von 26.03.2010 |
Ohne Punkt und KommaSpäte Entdeckung: Georges Perecs "Gehaltserhöhung"Hat man sich nach ein paar Seiten an die fehlenden Satzzeichen und die Kleinschreibung gewöhnt, liest sich dieses Buch vergleichsweise störungsfrei. Man versteht, worauf es dem Autor ankommt und auf was es hinausläuft: Der ideale Zeitpunkt, seinen Chef um eine Gehaltserhöhung zu bitten, lässt sich zwar arithmetisch ermitteln, führt aber keinesfalls zu der erwünschten Gehaltsanhebung.
Ein exemplarischer Angestellter jedenfalls gerät in Kalamitäten, wenn er sich dazu entscheidet, sein Anliegen an einem Freitag vorzubringen, schreibt Perec: "entweder ihr dienstvorgesetzter hat eine gräte verschluckt oder ihr dienstvorgesetzter hat keine gräte verschluckt". Und tatsächlich, das muss jedem einleuchten, wird es von der Wahl des Kantinengerichts abhängen, ob der Vorgesetzte später zu einem Gespräch aufgelegt ist oder nicht. Perec lässt seinen fiktiven Angestellten deswegen auf einen anderen Wochentag ausweichen, an dem sich die Unsicherheit aber nur fortsetzt, denn nun, da das Fischproblem aus der Welt geschafft ist, entsteht ein neues: das von faulen …
"Kafka hätte wohl seine helle Freude an dieser Beschreibung eines in den Mühlen der Verwaltung gefangenen, langsam alternden modernen Sisyphus gehabt, dessen Gehalt trotz aller Mühe nie steigen wird. Perecs Text ist nicht nur ein glänzender literarischer Scherz, sondern auch aktuell wie eh und je." Georg Renöckel (Neue Zürcher Zeitung, 5.12.2009) "Dieses Buch ist ein lakonischer Ratgeber fürs Leben und eine Etüde des französischen Sprachspielers. ... Wenn die Welt nicht nach klaren Regeln funktioniert, warum sollte es die Literatur tun. Dieser Regelbruch markiert den Unterschied zwischen Mechanik und Literatur. Es ist die Kunst, die Freiheit, das Vergnügen am Text. "Man rettet sich manchmal durch das Lachen", hat Georges Perec gesagt. So ist es. Auch hier." Nicole Golombek (Stuttgarter Nachrichten, 24.09.2009) "Das Ganze ist ein Dokument der Vergeblichkeit und der Sinnlosigkeit allen Ehrgeizes, dabei im Ton so heiter wie melancholisch, ein bisschen so, als würde Jacques Tati Kafkas Parabel "Vor dem Gesetz" verfilmen." Alex Rühle (Süddeutsche Zeitung, 11.08.2009)
Georges Perec, geb. 1936 in Paris; gest. 1982 in Ivry-sur-Seine, war französischer Schriftsteller und Filmemacher. Er war Mitglied der Oulipo-Gruppe und wird zu den wichtigsten Vertretern der französischen Nachkriegsliteratur gezählt.
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