Über das Zaudern - Vogl, Joseph

Joseph Vogl 

Über das Zaudern

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Über das Zaudern

Der Band dokumentiert die erweiterte Fassung der Antrittsvorlesung Joseph Vogls an der Humboldt-Universität zu Berlin. Ausgehend von Freuds "Moses des Michelangelo" entwickelt Vogl nicht nur eine Theorie des Zauderns, sondern stellt ein veritables Zaudersystem vor. Die Zauderfunktion tritt als kontrapunktischer Begleiter einer das Abendland prägenden Geschichte der Tat in Erscheinung. Dies läßt sich über die "Orestie" und Schillers "Wallenstein" bis zu den "Titanen" des Zauderns im 19. und 20. Jahrhundert verfolgen - ob es nun Melvilles Bartleby ist oder Musils "Mann ohne Eigenschaften".Das Zaudern ist dabei keineswegs als simple Suspension des Handelns zu begreifen. Vielmehr markiert es die Schwelle zwischen Handeln und Nichthandeln, an der sich ein Zwischenraum reiner schöpferischer Potenz und Kontingenz auftut. In Form unrealisierter Varianten, die sich gleich einer "Dunstschicht" um das Ereignis legen, läßt sich das systematische Zaudern methodisch für ein historisches und ästhetisches Untersuchungsprogramm reklamieren. Es erweist sich als Methode der Komplikation, mittels derer sowohl historisches als auch diskursives Geschehen auf seinen Nullpunkt zurückgeführt und in seiner Setzungsgewalt revidiert werden kann. Als Welt-haltung, als Geste der Infragestellung werden das Zaudern und seine Pause schließlich zum Stützpunkt, zum Operationsfeld des Diskurses selbst.


Produktinformation

  • Verlag: Diaphanes
  • 2008
  • 2. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 127 S.
  • Seitenzahl: 127
  • Deutsch
  • Abmessung: 180mm x 124mm x 12mm
  • Gewicht: 155g
  • ISBN-13: 9783037340202
  • ISBN-10: 3037340207
  • Best.Nr.: 22845656

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Interessant scheint Michael Mayer dieses Buch über das Zaudern, das der Kulturwissenschaftler Joseph Vogl vorgelegt hat. Er unterstreicht die Anknüpfung an Freuds Arbeit über Michelangelos "Moses", die Vogl als Text über das Zaudern versteht, und weist auf die Abgrenzung des Zauderns von scheinbar verwandten Phänomen wie Willens- und Antriebsschwäche, bloßer Unentschlossenheit und Trägheit hin. Instruktiv findet er Vogls Rekonstruktion des Zauderns bei Hamlet, bei Aischylos' Orest, bei Schillers Wallenstein, bei Musil, bei Kafka und anderen. Dabei betont er besonders dessen These, Zaudern sei kein rein passives Geschehen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 02.11.2007

Wer zaudert, hat mehr vom Leben

Beinahe alles, was Joseph Vogl schreibt, elektrisiert - wie jetzt sein kleiner Versuch übers richtige Denken.

Joseph Vogl ist das leuchtende Beispiel dafür, dass selbst hinter der Berufsbezeichnung Kulturwissenschaftler (ja Medienwissenschaftler) eine Kanone stecken kann. Vogl ist so eine Kanone auf dem (Berliner) Lehrstuhl. Beinahe alle seine Sachen elektrisieren, haben thrill. Er findet immer wieder neue unverbrauchte oder in Vergessenheit geratene Module aus Literatur und Philosophie, mit denen er sich den Menschen versuchsweise zusammensteckt. Auf Vogl aufmerksam geworden bin ich in den Neunzigern, als er sich des Öfteren mit Alexander Kluge im Fernsehen unterhielt. Zu so klassischen Vogl-Themen wie "Gedanken und Geschwindigkeiten" oder "Was heißt Denken nach dem Ende des Durchblicks?". Hinreißend. Dann, vor drei, vier Jahren, die große Studie über "Kalkül und Leidenschaft", in der Vogl die Entstehungsgeschichte des ökonomischen Menschen dramatisiert - materialreich, analytisch dicht und dabei doch ganz und gar zurückgenommen. So, als wolle er dem Leser sagen: Sei nie schlechterdings hingerissen! Wahre die Form …

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Joseph Vogl (geboren 1957 in Eggenfelden) ist Inhaber des Lehrstuhls für Literatur- und Kulturwissenschaft/Medien an der Humboldt-Universität zu Berlin und Permanent Visiting Professor an der Princeton University, USA. Er lehrte u.a. an der Bauhaus Universität in Weimar und der Ludwig-Maximilians-Universität in München und hat zahlreiche Monographien und Artikel veröffentlicht. Für seine Übersetzungen von Schlüsselwerken der neueren französischen Philosophie erhielt er 1988 den Übersetzerpreis zur Förderung der deutsch-französischen Beziehungen.

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