Rezensent Uwe Stolzmann weiß diese vierbändige Werkausgabe des russischen Avantgardisten Daniil Charms (1905-1942) zu schätzen. Die von Vladimir Glozer und Alexander Nitzberg herausgegebene deutsche Ausgabe erschließt für ihn das breite Oeuvre des Schriftstellers und verdeutlicht, dass Charms nicht nur ein "Meister grotesker Prosa" war, sondern auch Lyriker, Dramatiker und Performance-Künstler. Zahlreiche Texte waren nach Auskunft des Rezensenten bisher nicht ins Deutsche übertragen oder nur in weniger überzeugenden Übersetzungen zu lesen. Nicht immer scheint Stolzmann die Lektüre der vier Bände die reine Freude zu sein, finden sich unter den Texten doch auch einige Belanglosigkeiten. Auf der anderen Seite hat er immer wieder Überraschendes entdeckt. Die Ausgabe ermöglicht in seinen Augen jedenfalls einen neuen, umfassenderen Blick auf Charms sowohl im Blick auf die Breite seines Oeuvres als auch im Blick auf die Abgründe des Schriftstellers.
Daniil Ivanovic Charms (bürgerlich Juvacev), geb. 1905 in St. Petersburg, starb 1942 während der Blockade im Gefängnis in Leningrad. 1927 gründete er mit seinen Freunden, unter anderen den Dichtern Konstantin Vaginov und Aleksander Vvedenskij, in Leningrad die Avantgarde-Gruppe "Oberiu" (Vereinigung der Realen Kunst), die 1930 verboten wurde.