Trauer- und Todesrituale sind die zentralen Elemente der Kultur des
Volkes der Konso im südlichen Äthiopien. Die Trauerzeit für
verstorbene Männer beträgt neun Tage, für Frauen wird jedoch nur
sechs Tage getrauert. Stirbt ein Neugeborenes, fällt die Trauer
gänzlich aus. Stirbt ein sehr alter Mensch, ist es ein fröhliches
Fest, denn jeder Konso möchte dieses Alter erreichen. Stirbt ein
Chief, wird dessen Leichnam einbalsamiert und "lebt" als
Mumie bis zu neun Jahre als Clan-Oberhaupt weiter. Erst danach wird
er mit einer großen Zeremonie beigesetzt und seine Grabesstätte
wird durch eine Stele, ein "Wakka" geschmückt. Durch das
Sichtbarmachen anderer Möglichkeiten und ungewöhnlicher Rituale,
möchte der Autor Thomas Schlesier auf die interkulturelle
Pluralität im Umgang mit Tod und Trauer aufmerksam machen. Vor
allem die Pädagogik kann hier als "erziehende
Wissenschaft" mit ihren Werkzeugen und Möglichkeiten neue
Ansätze schaffen.
Geb. 1973, studierte Pädagogik und Erziehungswissenschaften an der Universität Salzburg. Er arbeitet als Sozialpädagoge mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen.