Träum weiter, Liebling - Phillips, Susan E.

Susan E. Phillips 

Träum weiter, Liebling

Roman

Ins Dtsch. übertr. v. Gertrud Wittich
Broschiertes Buch
 
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Produktbeschreibung zu Träum weiter, Liebling

Typisch! Rachel Stones Auto gibt ausgerechnet in der Kleinstadt den Geist auf, wo ihr verstorbener Gatte sich nicht gerade beliebt gemacht hatte. Rachel hat einen kleinen Sohn, wenig Geld und keinen Job. Und so überredet sie Gabe Bonner, ihr Arbeit zu geben. Lange schon hat der wortkarge Mann vergessen, was Zärtlichkeit bedeutet. Bis das liebenswert-chaotische Gespann sein Leben völlig auf den Kopf stellt ...

Produktinformation


  • Verlag: Blanvalet
  • 1999
  • 1999.
  • Ausstattung/Bilder: 445 S.
  • Seitenzahl: 448
  • Blanvalet Taschenbuch Nr.35105
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 116mm x 34mm
  • Gewicht: 343g
  • ISBN-13: 9783442351053
  • ISBN-10: 3442351057
  • Best.Nr.: 07949565
Susan Elizabeth Phillips ist eine der meist gelesenen Autorinnen der Welt. Ihre Romane erobern jedes Mal auf Anhieb die Bestsellerlisten in Deutschland, England und den USA. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in der Nähe von Chicago.

Leseprobe zu "Träum weiter, Liebling" von Susan E. Phillips

Das Glück ließ Rachel Stone endgültig im Stich, als sie gerade am "Pride of Carolina", einem Autokino, vorbeikam. Genau dort, auf der schmalen bergigen Asphaltstraße, die in der heißen Julisonne flimmerte, gab ihr altersschwacher Chevy Impala seinen letzten Atemzug von sich.

Sie schaffte es kaum, den Wagen an den Straßenrand zu lenken, als auch schon eine dicke, schwarze Rauchwolke aus dem Motor hervorquoll und ihr die Sicht nahm. Das Vehikel starb direkt unter dem großen sternenförmigen, gelblilafarbenen Eingangsschild des Autokinos ab.

Dieser letzte Schicksalsschlag war einfach zuviel. Sie legte die Hände aufs Lenkrad und ließ verzweifelt den Kopf darauf sinken. Sie konnte nicht mehr; seit drei langen Jahren kämpfte sie sich nun schon durch, doch nun konnte sie einfach nicht mehr. Hier, auf dieser kleinen Landstraße in North Carolina, kurz vor dem Städtchen, das ironischerweise auch noch Salvation hieß, war sie am Ende ihrer Kraft angelangt. Salvation - Rettung. Wo blieb ihre Rettung?

"Mommy?"

Sie wischte sich die Augen mit ihren Fingerknöcheln ab und hob den Kopf. "Ich dachte, du schläfst, mein Schatz."

"Hab ich auch. Der komische Knall hat mich aufgeweckt."

Sie drehte sich um und blickte ihren Sohn an, der vor kurzem seinen fünften Geburtstag gefeiert hatte. Er saß auf dem Rücksitz inmitten schäbiger Schachteln und Kisten, in denen sich alles befand, was sie noch besaßen. Der Kofferraum des Impalas war leer, weil er vor Jahren einmal eingedrückt worden war und sich seitdem nicht mehr öffnen ließ.

Auf Edwards Wangen waren Abdrücke von der Kiste, auf der sein Kopf gelegen hatte, und eine hellbraune Haarsträhne stand an dieser Stelle in die Höhe. Er war klein für sein Alter, auch viel zu dünn und immer noch ziemlich blaß von einer erst kürzlich überstandenen, lebensbedrohlichen Lungenentzündung. Sie liebte ihn über alles.

Seine ernsten braunen Augen blickten sie über den Kopf von Pferdchen, seinem abgenuckelten Kuscheltierhasen, an, der von klein auf sein unentbehrlicher Begleiter war. "Is' wieder was Schlimmes passiert?"

Mit steifen Lippen rang sie sich ein beruhigendes Lächeln ab. "Bloß eine kleine Autopanne, das ist alles."

"Müssen wir jetzt sterb'n?"

"Nein, natürlich nicht, mein Schatz. Warum steigst du nicht aus und vertrittst dir ein wenig die Beine, während ich mir die Sache ansehe. Aber bleib von der Straße weg."

Er nahm Pferdchens verschlissene Hasenohren zwischen die Zähne und kletterte über einen Wäschekorb voller Se-cond-Hand-Kleidung und alter Handtücher. Er hatte erbärmlich dünne, blasse Streichholzbeinchen mit knochigen Knien, und auf seinem Nacken war ein kleiner Leberfleck, den sie besonders gern küßte. Sie reckte sich über die Sitzlehne zurück und half ihm beim Öffnen der Wagentür, die nur wenig besser funktionierte als der kaputte Kofferraumdeckel.

Müssen wir jetzt sterben? Wie oft hatte er ihr diese Frage in letzter Zeit gestellt? Edward war von Natur aus ein eher in sich gekehrtes Kind, und die letzten Monate hatten ihn noch scheuer und ängstlicher gemacht, viel zu ernst für sein Alter.

Sie vermutete, daß er Hunger hatte. Die letzte halbwegs anständige Mahlzeit lag schon vier Stunden zurück: eine vertrocknete Orange, eine Tüte Milch und ein Marmeladensandwich, das er an einem Picknicktisch auf einem Rastplatz in der Nähe von Winston-Salem vertilgt hatte. Was für eine Mutter war sie, daß sie ihrem Kind nichts Besseres bieten konnte?

Eine Mutter, die nur noch neun Dollar und etwas Kleingeld in der Tasche hatte.

Sie sah sich zufällig im Rückspiegel des Wagens und mußte daran denken, daß sie früher einmal als ausgesprochen hübsch gegolten hatte. Jetzt wiesen ihre Mundwinkel Falten auf, die das harte Leben dort eingegraben hatte, ebenso wie in den Augenwinkeln. Groß sahen sie aus, ihre grünen Augen, so groß, als wollten sie ihr ganzes Gesicht verschlingen. Die sommersprossige Haut über ihren Wangenknochen war blaß und so gespannt, daß es schien, als würde sie jeden Moment platzen. Sie hatte kein Geld für Schönheitssalons, und ihre wilde, kastanienrote Haarmähne umrahmte wirr ihr abgemagertes Gesicht. Das einzige, was sie noch an Schminke besaß, war ein moccafarbener Lippenstiftstummel, der ganz unten in ihrer Handtasche lag, doch hatte sie sich schon seit Wochen nicht mehr die Mühe gemacht, ihn zu benutzen. Wozu auch? Obwohl sie erst siebenundzwanzig war, fühlte sie sich wie eine alte Frau.

Sie warf einen Blick hinunter auf ihr ärmelloses Karokleid, das ihr von den knochigen Schultern hing. Der Stoff war schon ganz ausgebleicht und schlotterte ihr um den mageren Körper. Einer der sechs roten Knöpfe war zerbrochen, und sie hatte ihn durch einen braunen ersetzen müssen. Edward hatte sie erklärt, daß das jetzt "in" war.

Die Tür des Impalas ließ sich nur unter einem protestierenden Quietschen aufdrücken, und sie stieg aus. Sofort spürte sie die Hitze des Asphaltbelags unter ihren dünnen, absatzlosen, weißen Sandalen. Ein Riemchen war gerissen, und sie hatte es wieder zusammengeflickt, doch seitdem rieb ihr der so entstandene Knubbel die Außenseite ihrer großen Zehe auf. Ein kleiner Schmerz verglichen mit dem weit größeren Problem: zu überleben.

Ein Pickup sauste ohne anzuhalten vorbei. Der Fahrtwind peitschte ihr ihre lockige Haarmähne ums Gesicht, und sie hob den Unterarm, um sich die Haare aus dem Gesicht zu streichen und auch, um ihre Augen vor dem Staub zu schützen, den der vorbeirasende Truck aufwirbelte. Sie blickte hinüber zu Edward. Er stand neben einem Gebüsch, hatte sich Pferdchen unter die Achseln geklemmt und den Kopf weit in den Nacken geneigt, um zu der großen, gelb-lila Anzeigentafel über ihm hinaufstarren zu können, die wie eine explodierende Galaxis von Sternen dort schwebte. In bunten Glühbirnen standen dort die Worte Pride of Carolina, der Stolz von Carolina.

Mit einem Gefühl tiefer Resignation öffnete sie die Motorhaube und wich dann vor der dicken, schwarzen Rauchwolke zurück, die hervorquoll. Der Mechaniker in Norfolk hatte sie gewarnt, daß es der Motor nicht mehr lange machen würde, und sie wußte, daß dies nicht ein Problem war, das sich mit Ersatzteilen vom Schrottplatz lösen ließ. Sie ließ den Kopf hängen. Es war nicht nur so, daß sie damit ihr Auto verlor, sondern gleichzeitig auch ihr Zuhause, denn sie und Edward schliefen schon seit fast einer Woche im Wagen. Sie hatte Edward weisgemacht, daß sie Glückspilze wären, weil sie ihr Heim überallhin mitnehmen konnten wie Schildkröten.

Sie ging in die Hocke und versuchte, diesen neuerlichen Schicksalsschlag zu verdauen, einen Schlag, der nur das Ende einer langen Kette ähnlicher Schicksalsschläge bildete, die sie letztlich in dieses Städtchen zurückgeführt hatten, einen Ort, den sie geschworen hatte, nie wieder zu betreten.

"Verschwinde da, Junge."

Die tiefe, bedrohliche Männerstimme riß sie aus ihrer Verzweiflung. Sie schoß so schnell in die Höhe, daß ihr einen Moment lang schwindlig wurde und sie sich an der Motorhaube festhalten mußte, um nicht umzukippen. Als ihr Kopf wieder klar war, sah sie ihren Sohn wie erstarrt vor einem bedrohlich aussehenden Fremden in Jeans, einem alten blauen Arbeitshemd und einer Spiegelglasbrille stehen.

Sie hastete so rasch um das Auto herum, daß ihre Sandalen auf dem Kies abrutschten und sie beinahe hingefallen wäre. Edward war starr vor Schreck und konnte sich nicht rühren. Der Mann streckte den Arm nach ihm aus.

Früher einmal war sie ein sanftes, ausgesprochen höfliches, ja verträumtes Mädchen vom Lande gewesen, doch das Leben hatte sie hart gemacht, und sie fauchte den Mann an: "Rühren Sie ihn ja nicht an, Sie Bastard!"

Er ließ langsam den Arm sinken. "Ihr Kind?"

"Ja. Und unterstehen Sie sich, ihn anzufassen!"

"Er hat in meine Büsche gepinkelt." Die rauhe, ausdruckslose Stimme des Fremden besaß die gedehnte Sprechweise der Bewohner der Südstaaten, ohne jedoch eine Spur von Emotion aufzuweisen. "Sehen Sie zu, daß er von dort verschwindet."

Jetzt erst sah sie, daß Edwards Hosenschlitz offenstand, was ihren zarten kleinen Jungen noch verwundbarer aussehen ließ. Schreckerstarrt stand er da, Pferdchen unter die Achsel geklemmt, und starrte zu dem riesigen Mann hoch, der sich vor ihm auftürmte.

Der Fremde war schlank und hochgewachsen, hatte glattes, dunkles Haar und einen verbitterten Zug um den Mund. Sein Gesicht war lang und schmal, eigentlich gutaussehend, mit den deutlich hervortretenden Wangenknochen und den kantigen Zügen, für ihren Geschmack aber zu kalt und grausam. Sie war froh, daß er die Spiegelglasbrille trug, denn ein Gefühl sagte ihr, daß sie ihm lieber nicht in die Augen sehen wollte.

Sie packte Edward und zog ihn an sich. Schmerzliche Erfahrung hatte sie gelehrt, daß sie sich nicht herumschubsen lassen durfte, also meinte sie höhnisch: "Sind das Ihre ganz persönlichen Pinkelbüsche? Haben Sie die gepachtet? Sie wollten Sie selbst benutzen, oder was?"

Sein Mund bewegte sich kaum, als er antwortete. "Das ist mein Grundstück. Verschwinden Sie von hier."

"Würd ich ja liebend gern, aber mein Auto hat andere Ideen."

Der Besitzer des Autokinos blickte ohne Interesse auf den zusammengebrochenen Impala. "Da ist 'n Telefon im Ticketschalter und auch die Nummer von Dealy's Autowerkstatt. Halten Sie sich von meinem Grundstück fern, während Sie auf den Abschleppdienst warten."

Er wandte sich auf dem Absatz um und stapfte davon. Erst nachdem er hinter der riesigen Filmleinwand verschwunden war, ließ sie ihr Kind wieder los.

"Ist schon okay, mein Schatz. Kümmere dich nicht um den. Du hast nichts Falsches gemacht."

Edwards Gesicht war bleich; seine Unterlippe zitterte. "D-der Mann hat mir angst gemacht."

Sie fuhr ihm mit den Fingern durchs Haar und kämmte die aufgerichtete Haarsträhne zurück. "Ja, das weiß ich, aber er ist bloß ein dummer Pißkopf, und ich war ja da, um dich zu beschützen."

"Du hast doch gesagt, ich soll nich' Pißkopf sagen."

"Nun, hier handelt es sich um mildernde Umstände."

"Was sind mildernde Umstände?"

"Das heißt, daß er wirklich ein Pißkopf ist."

"Ach so."

Sie blickte hinüber zu dem kleinen, hölzernen Ticketschalter, in dem sich das Telefon befand. Er war frisch gestrichen worden, in Senfgelb und Lila, denselben knalligen Tönen wie auf dem Schild, doch sie machte keine Anstalten, dorthin zugehen. Sie hatte weder Geld fürs Abschleppen noch für die Reparatur, und ihre Kreditkarten hatte man ihr schon vor langer Zeit weggenommen. Da sie Edward nicht einer zweiten Begegnung mit dem knurrigen Besitzer des Autokinos aussetzen wollte, zog sie ihn weiter, ein Stück die Straße entlang. "Meine Beine sind ganz steif vom langen Sitzen im Auto. Ich könnte einen kleinen Spaziergang vertragen. Was meinst du?"

"Okay."

Er schlurfte zögernd den staubigen Straßenrand entlang, und da wußte sie, daß er noch immer verängstigt war. Ihr Zorn auf Pißkopf wuchs. Was für ein Arschloch benimmt sich so einem Kind gegenüber?

Sie griff durchs offene Wagenfenster und holte eine blaue Plastikflasche mit Wasser und die letzten paar schrumpeligen Orangen heraus, die sie von einem Obststand mit heruntergesetzten Waren ergattert hatte. Während sie ihr Kind zu einer kleinen Baumgruppe auf der anderen Seite der Landstraße dirigierte, machte sie sich erneut heftige Vorwürfe, weil sie Clyde Rorsch nicht nachgegeben hatte, der bis vor sechs Tagen ihr Boß gewesen war. Sie hatte ihm eins über den Kopf gehauen, als er versuchte, sie zu vergewaltigen, dann hatte sie sich Edward geschnappt und Richmond für immer den Rücken gekehrt.

Jetzt wünschte sie, sie hätte nachgegeben. Wenn sie mit ihm geschlafen hätte, dann könnten sie und Edward jetzt mietfrei in einem Zimmer in Rorschs Motel wohnen, wo sie als Zimmermädchen gearbeitet hatte. Warum hatte sie nicht einfach die Augen zugemacht und ihn gewähren lassen? Skrupel waren ein Luxus, den man sich nicht leisten konnte, wenn das eigene Kind Hunger litt und kein Dach über dem Kopf hatte.

Sie schaffte es bis Norfolk, als der Kühler ihres klapprigen Impalas den Geist aufgab, und die Reparatur verschlang einiges von ihren ohnehin mageren Geldreserven. Sie wußte, daß andere Frauen in ihrer Lage um finanzielle Unterstützung beim Staat ersucht hätten, doch das kam für sie nicht in Frage. Vor zwei Jahren, als sie und Edward in Baltimore wohnten, war sie gezwungen gewesen, genau das zu tun. Die Dame vom Sozialamt hatte sie damals mit der Frage überrascht, ob sie denn überhaupt in der Lage wäre, für Edward zu sorgen. Sie meinte, es wäre kein Problem, den Jungen vorübergehend in eine Pflegefamilie zu geben, bis Rachel wieder auf die Füße gekommen war. Sie mochte es ja gut gemeint haben, doch Rachel erschreckten ihre Worte zu Tode. Bis zu diesem Augenblick war es ihr nie in den Sinn gekommen, daß man versuchen könnte, ihr Edward wegzunehmen. Sie war noch am selben Tag aus Baltimore geflohen und hatte geschworen, sich nie wieder an eine staatliche Stelle um Unterstützung zu wenden.

Seitdem ernährte sie sich und ihr Kind mit mehreren, mies bezahlten Jobs, was ihr gerade genug zum Überleben einbrachte, aber nicht genug, um etwas beiseite zu legen, so daß sie wieder zur Schule gehen und einen ordentlichen Beruf lernen konnte. Ein weiteres, großes Problem war, eine gute Betreuung für Edward zu finden, während sie arbeitete. Dafür ging eine Menge von ihrem ohnehin mageren Lohn drauf, und es machte sie außerdem krank vor Sorge - eine Babysitterin beispielsweise hatte Edward den ganzen Tag vor den Fernseher gesetzt, während eine andere ihren Freund schickte und selbst einfach verschwand. Dann hatte Edward auch noch Lungenentzündung bekommen.

Als er das Krankenhaus schließlich wieder verlassen durfte, hatte sie ihren Job bei einer Fast-Food-Kette wegen zu häufigen Fehlens verloren. Die Krankenhauskosten hatten alles verschlungen, was sie besaß, einschließlich ihrer jämmerlich kleinen Ersparnisse, und sie saß obendrein auf einer Arztrechnung, die sie nie im Leben würde bezahlen können. Außerdem brauchte das Kind auch jetzt noch sorgfältige Pflege, um sich wieder ganz erholen zu können, und zu allem Übel hatte man ihr einen Räumungsbescheid wegen unterlassener Mietzahlungen in ihr heruntergekommenes, kleines Apartment geschickt.

Sie hatte Clyde Rorsch angefleht, sie in einem der kleineren Motelzimmer mietfrei wohnen zu lassen, und versprochen, dafür ihre Arbeitszeit verdoppeln. Aber er wollte mehr als das - er wollte Sex auf Abruf. Als sie sich weigerte, wurde er wild, und sie mußte ihm das Bürotelefon überziehen, um ihn sich vom Leib zu halten.

Sie erinnerte sich daran, wie ihm das Blut über eine Gesichtsseite gelaufen war, und an seinen haßerfüllten Blick, als er ihr drohte, sie einsperren zu lassen. "Wollen doch mal sehen, wie du dich um dein Zuckerpüppchen kümmerst, wenn du im Knast sitzt!"

Wenn sie doch bloß stillgehalten und ihn hätte gewähren lassen. Was ihr noch vor einer Woche undenkbar erschienen war, kam ihr nun gar nicht mehr so abscheulich vor. Sie war hart im Nehmen. Sie hätte es überlebt. Seit es Menschen gibt, benutzten Frauen ihre Körper als Tauschobjekte, und auf einmal fiel es ihr schwer, sich vorzustellen, daß sie diese Frauen früher einmal verdammt hatte.

Sie setzte sich mit Edward unter einen Roßkastanienbaum, schraubte die Plastikflasche auf und reichte sie ihm. Als sie die Orange schälte, konnte sie der Versuchung nicht länger wiederstehen, den Blick zu den Bergen hinaufzurichten.

Die Sonne fiel glitzernd und gleißend auf einen beeindruckenden Glasbau, den Tempel von Salvation. Er stand also immer noch, obwohl sie gehört hatte, daß er nun eine Kartonfabrik beherbergte. Vor fünf Jahren war dies das Hauptquartier und die Übertragungsstation von G. Dwayne Snopes gewesen, einem der reichsten und bekanntesten Fernsehprediger des Landes. Rachel drängte die unerfreulichen Erinnerungen beiseite und reichte Edward einen Orangenschnitz nach dem anderen. Er saugte so entzückt daran, als wäre es ein Schokoriegel statt einer alten, vertrockneten Orange, die eigentlich in den Abfall gehört hätte.

Während der letzte Schnitz in seinem Mund verschwand, wanderte ihr Blick wie zufällig zum Eingangstor des Autokinos.

Leseprobe zu "Träum weiter, Liebling" von Susan E. Phillips

19 (S. 248-249)

Emmas Wangen glühten. Als Nächstes schlang sie den Arm um Tories Taille und blickte allen hochaufgerichtet in die Gesichter. Seine Schwester hatte Stiefel an, also war sie gut fünfzehn Zentimeter größer als Emma und stand da wie eine Salzsäule. Auf Dex’ Gesicht lag ein Ausdruck von Amüsement, Shelby stand der Mund offen, und Warrens robuster Teint war blass geworden. Hugh stieß ein Ächzen aus, ihm schienen die Augen hervorquellen zu wollen, und er sah aus wie ein gigantischer, nach Luft schnappender Karpfen.

»Ich hatte Angst, es dir zu sagen«, erklärte Emma lahm. Torie löste sich langsam aus ihrer Starre. Sie blickte auf Emma hinunter. »Wusste ja gar nicht, dass du so für mich empfindest …« Kenny kochte dermaßen, dass er sich kaum mehr beherrschen konnte. Dieses dickköpfige, besserwisserische, blind-sture Weibsbild hatte soeben ihre Karriere abgemurkst. Niemand würde sie jetzt mehr kleine Mädchen unterrichten lassen. Emma nagte an ihrer Unterlippe und ließ Torie schließlich los.

Hughs Gesicht hatte eine dunkelrote Färbung angenommen. »Du degeneriertes Weibsstück!« Und dann überschlugen sich die Ereignisse. Seine Hoheit machte einen Satz, holte aus und versetzte Emma eine schallende Ohrfeige. Die Kameracrew tauchte aus dem Roustabout auf. Zu spät, um Hughs Attacke mitzubekommen, aber rechtzeitig genug, um Kenny zu sehen, wie er sich mit einem Hechtsprung auf den Herzog warf und ihn in die Leibesmitte rammte.

Hugh war kräftiger, als er aussah - hielt aber keinem Vergleich mit Kenny stand und stolperte rückwärts. Bevor er auf dem Asphalt aufschlug, packte Kenny ihn und jagte ihm die Faust in den Magen. Eifrig surrte die Kamera und nahm alles auf: den großen, muskulösen Sportler, der hinterrücks über den kleinen Fettsack mit dem schütteren Haar herfiel. Der Aristokrat sank ächzend zusammen und versuchte seinerseits, den Kopf in Kennys Magen zu rammen. Kenny hob blitzschnell das Knie und erwischte ihn am Kinn.

Hugh stieß ein schmerzvolles Grunzen aus und brach auf der Asphaltdecke zusammen Aber er war noch bei Bewusstsein, und in seinem Gesicht stand die nackte Angst, als er zu Kenny aufblickte. Kenny bückte sich, um ihn hochzureißen - doch da hasteten sein Vater und Dex herbei und packten ihn jeweils an einem Arm. Beide Männer hielten ihn zurück. Benebelt vor Wut sah Kenny dennoch das Kamerateam, das alles unbarmherzig aufzeichnete. Hugh kam stolpernd und um Atem ringend auf die Füße.

Aus seinem Mund tropfte Blut. Kenny sah, dass der Fleck auf Emmas Wange purpurrot wurde, und auf einmal war ihm selbst das Kamerateam scheißegal. Alles, woran er denken konnte, war, den Mann auseinanderzunehmen, der ihr das angetan hatte. »Ich bin okay«, beruhigte er seinen Vater und Dex. »Es ist gut, ihr könnt mich jetzt loslassen.« Was sie auch taten.

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Bewertung von Boniefazius aus Rostock am 18.08.2011 ***** ausgezeichnet
Es war nicht mein erstes Buch von SEP und ich bin wieder begeistert gewesen. SEP hat ein Talent locker und Lustig zu schreiben. Ich habe das Buch mal wieder sehr schnell durchgelesen. Sehr empfehlenswert.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: eBook

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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 23.04.2006 ***** ausgezeichnet
Absolut lesenswert. Habe zuerst "Bleib nicht zum Frühstück" gelesen und kurze Zeit später Träum weiter Liebling. Die Charaktere waren somit schon bekannt, so dass es besonders fesselnd, war und ich es überhaupt nicht beiseite legen wollte.

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Bewertung von HelFi aus Bayern am 18.10.2005 ***** ausgezeichnet
Das war mein erstes Buch von S.E.P. und ich wal vollens begeistert. Ich habe so schnell gelesen, dass die Seiten schon heiß wurden. Meine Freundin hat es auch razt fatz gelesen und war auch voll von dem Buch angetan. Fazit: Super - absolut weiter zu empfehlen

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Bewertung von Martina aus Untereisesheim am 19.05.2002 ***** ausgezeichnet
Ohne Job, ohne Geld und ohne Wohnung steht Rachel zusammen mit ihrem Sohn Edward vor dem Autokino von Gabe Bonner. Dieser denkt anfangs nicht daran ihr aus den Schwierigkeiten zu helfen und will nur seine Ruhe. Nach einem Schicksalsschlag hat er allen Lebensmut verloren. Da es Rachel schafft, ihn davon zu überzeugen, sie einzustellen, hat er nun auch noch eine Frau, die in seinem Heimatort alles andere als gerne gesehen ist und einen Jungen am Hals, der ihn nicht ausstehen kann. Kann er die dickköpfige Rachel wieder los werden? Und will er das überhaupt noch...
Wieder ein sehr kurzweiliger Roman, der ohne weiteres noch einige Seiten länger sein dürfte.

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Bewertung von TuseJupiter aus Bochum am 22.11.2001 ***** ausgezeichnet
Ein Buch ganz im typischen Susan Phillips Stil und mein liebstes von ihr. Zum Lachen und Träumen gleichzeitig. Nicht nur die Liebesgeschichte des verbitterten Gabe Bonner, auch dessen Bruder Ethan findet noch ganz nebenbei sein Glück.

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Susan E. Phillips 

Träum weiter, Liebling

Träum weiter, Liebling - Phillips, Susan E.

Roman

Ins Dtsch. übertr. v. Gertrud Wittich

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Produktinformation
  • Verlag: Blanvalet
  • 1999
  • 1999.
  • Ausstattung/Bilder: 445 S.
  • Seitenzahl: 448
  • Blanvalet Taschenbuch Nr.35105
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 116mm x 34mm
  • Gewicht: 343g
  • ISBN-13: 9783442351053
  • ISBN-10: 3442351057
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Typisch! Rachel Stones Auto gibt ausgerechnet in der Kleinstadt den Geist auf, wo ihr verstorbener Gatte sich nicht gerade beliebt gemacht hatte. Rachel hat einen kleinen Sohn, wenig Geld und keinen Job. Und so überredet sie Gabe Bonner, ihr Arbeit zu geben. Lange schon hat der wortkarge Mann vergessen, was Zärtlichkeit bedeutet. Bis das liebenswert-chaotische Gespann sein Leben völlig auf den Kopf stellt ...

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Das Glück ließ Rachel Stone endgültig im Stich, als sie gerade am "Pride of Carolina", einem Autokino, vorbeikam. Genau dort, auf der schmalen bergigen Asphaltstraße, die in der heißen Julisonne flimmerte, gab ihr altersschwacher Chevy Impala seinen letzten Atemzug von sich.

Sie schaffte es kaum, den Wagen an den Straßenrand zu lenken, als auch schon eine dicke, schwarze Rauchwolke aus dem Motor hervorquoll und ihr die Sicht nahm. Das Vehikel starb direkt unter dem großen sternenförmigen, gelblilafarbenen Eingangsschild des Autokinos ab.

Dieser letzte Schicksalsschlag war einfach zuviel. Sie legte die Hände aufs Lenkrad und ließ verzweifelt den Kopf darauf sinken. Sie konnte nicht mehr; seit drei langen Jahren kämpfte sie sich nun schon durch, doch nun konnte sie einfach nicht mehr. Hier, auf dieser kleinen Landstraße in North Carolina, kurz vor dem Städtchen, das ironischerweise auch noch Salvation hieß, war sie am Ende ihrer Kraft angelangt. Salvation - Rettung. Wo blieb ihre Rettung?

"Mommy?"

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19 (S. 248-249)

Emmas Wangen glühten. Als Nächstes schlang sie den Arm um Tories Taille und blickte allen hochaufgerichtet in die Gesichter. Seine Schwester hatte Stiefel an, also war sie gut fünfzehn Zentimeter größer als Emma und stand da wie eine Salzsäule. Auf Dex’ Gesicht lag ein Ausdruck von Amüsement, Shelby stand der Mund offen, und Warrens robuster Teint war blass geworden. Hugh stieß ein Ächzen aus, ihm schienen die Augen hervorquellen zu wollen, und er sah aus wie ein gigantischer, nach Luft schnappender Karpfen.

»Ich hatte Angst, es dir zu sagen«, erklärte Emma lahm. Torie löste sich langsam aus ihrer Starre. Sie blickte auf Emma hinunter. »Wusste ja gar nicht, dass du so für mich empfindest …« Kenny kochte dermaßen, dass er sich kaum mehr beherrschen konnte. Dieses dickköpfige, besserwisserische, blind-sture Weibsbild hatte soeben ihre Karriere abgemurkst. Niemand würde sie jetzt mehr kleine Mädchen unterrichten lassen. Emma nagte an ihrer Unterlippe und ließ Torie schließlich los.

Hughs Gesicht hatte eine dunkelrote Färbung angenommen. »Du degeneriertes Weibsstück!« Und dann überschlugen sich …

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Bewertung von Boniefazius aus Rostock am 18.08.2011
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Es war nicht mein erstes Buch von SEP und ich bin wieder begeistert gewesen. SEP hat ein Talent locker und Lustig zu schreiben. Ich habe das Buch mal wieder sehr schnell durchgelesen. Sehr empfehlenswert.
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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 23.04.2006
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Absolut lesenswert. Habe zuerst "Bleib nicht zum Frühstück" gelesen und kurze Zeit später Träum weiter Liebling. Die Charaktere waren somit schon bekannt, so dass es besonders fesselnd, war und ich es überhaupt nicht beiseite legen wollte.
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Bewertung von HelFi aus Bayern am 18.10.2005
*****
ausgezeichnet
Das war mein erstes Buch von S.E.P. und ich wal vollens begeistert. Ich habe so schnell gelesen, dass die Seiten schon heiß wurden. Meine Freundin hat es auch razt fatz gelesen und war auch voll von dem Buch angetan. Fazit: Super - absolut weiter zu empfehlen
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Bewertung von Martina aus Untereisesheim am 19.05.2002
*****
ausgezeichnet
Ohne Job, ohne Geld und ohne Wohnung steht Rachel zusammen mit ihrem Sohn Edward vor dem Autokino von Gabe Bonner. Dieser denkt anfangs nicht daran ihr aus den Schwierigkeiten zu helfen und will nur seine Ruhe. Nach einem Schicksalsschlag hat er allen Lebensmut verloren. Da es Rachel schafft, ihn davon zu überzeugen, sie einzustellen, hat er nun auch noch eine Frau, die in seinem Heimatort alles andere als gerne gesehen ist und einen Jungen am Hals, der ihn nicht ausstehen kann. Kann er die dickköpfige Rachel wieder los werden? Und will er das überhaupt noch...
Wieder ein sehr kurzweiliger Roman, der ohne weiteres noch einige Seiten länger sein dürfte.
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Bewertung von TuseJupiter aus Bochum am 22.11.2001
*****
ausgezeichnet
Ein Buch ganz im typischen Susan Phillips Stil und mein liebstes von ihr. Zum Lachen und Träumen gleichzeitig. Nicht nur die Liebesgeschichte des verbitterten Gabe Bonner, auch dessen Bruder Ethan findet noch ganz nebenbei sein Glück.
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Autorenporträt zu "Susan E. Phillips"

Susan Elizabeth Phillips ist eine der meist gelesenen Autorinnen der Welt. Ihre Romane erobern jedes Mal auf Anhieb die Bestsellerlisten in Deutschland, England und den USA. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in der Nähe von Chicago.

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