Tiger, Tiger - Fragoso, Margaux

Margaux Fragoso 

Tiger, Tiger

Roman

Aus d. Amerikan. v. Andrea Fischer
Gebundenes Buch
 
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Tiger, Tiger

An einem Sommertag in einem öffentlichen Freibad trifft Margaux Fragoso auf Peter Curran, der mit seinen Stiefsöhnen dort ist, und fragt, ob er mit ihr spielen will. Sie ist sieben, er 51. Als sie einige Zeit später mit ihrer Mutter in sein ungewöhnliches Haus eingeladen wird, findet das Mädchen dort ein zauberhaftes Kinderparadies vor, voller seltsamer Haustiere, Bücher, Musik und magischer Spielzeuge. Margaux Mutter ist liebevoll, aber vom Alltag überfordert und psychisch krank. Immer mehr überlässt sie Peter in fataler Verkennung dessen, was vor ihren Augen geschieht, ihre Tochter. Bald will Margaux ihre gesamte Zeit bei Peter verbringen, der eine ganze Welt für sie erschafft - ganz so wie Lewis Carroll es für Alice getan hat.
Ihre Beziehung entwickelt sich schnell vom Unschuldigen zum Illegalen. Mit der Zeit erschleicht sich Peter die Rolle von Margaux Spielkameraden, wird zu ihrem Vater, dann zum Liebhaber und Eroberer. Charmant und abstoßend, warmherzig und gewalttätig, liebevoll und manipulativ dringt Peter in jeden Bereich von Margaux Leben ein und verwandelt sie von einem vor Phantasie und Gefühl sprühenden Mädchen in eine jung-alte Frau am Rande des Suizids. Die Umwelt wird auf das ungleiche Paar aufmerksam, doch alle Erkundungen von außerhalb verlaufen im Sand. Als sie 22 ist, ist es Peter, der sich, gequält von der Angst, sie zu verlieren, mit 66 Jahren das Leben nimmt.

Margaux Fragoso hat unerschrocken ihre eigene Geschichte aufgeschrieben: Lolitas Geschichte, erzählt aus der Perspektive des Mädchens. In poetischer Sprache und mit bestrickender Klarheit hat Margaux Fragoso die dunkelsten Phasen ihres eigenen Lebens niedergeschrieben, und hilft uns damit zu verstehen, wie Pädophile vorgehen, ganz öffentlich und doch geheim, um Kindern ihre Kindheit zu stehlen. Entstanden ist ein außergewöhnlicher autobiographischer Roman, der einen nie da gewesenen Einblick in ein unbegreifliches Geschehen gibt, und mehr als nur das: ein Roman, der die heilende Kraft beschwört, die das Erinnern und das Aussprechen der Wahrheit haben kann.
"Tiger, Tiger" ist ihre erste Buchveröffentlichung. Margaux Fragoso heute selbst Mutter will mit ihrem autobiographischen Roman Eltern und Kinder für das Thema Pädophilie sensibilisieren. Sie versteht ihren Text als Beitrag, um zu verhindern, dass noch mehr Kinder in den Bann eines Menschen wie Peter geraten und dass sich das, was sie selbst über den Zeitraum von 15 Jahren durchlebt hat, wiederholt.


Produktinformation

  • Abmessung: 211mm x 137mm x 43mm
  • Gewicht: 654g
  • ISBN-13: 9783627001728
  • ISBN-10: 3627001729
  • Best.Nr.: 32687706
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 20.02.2011

Ich war seine Religion

Fünfzehn Jahre lang waren sie heimlich ein Paar. Als ihre Geschichte begann, war sie sieben, er einundfünfzig. Sie war sein Opfer, seine Freundin und Geliebte. Jetzt hat die amerikanische Schriftstellerin Margaux Fragoso den unglaublichen und wahren Roman ihres Lebens aufgeschrieben

Ja, das ist eine Liebesgeschichte. Eine grauenvolle, zärtliche, zerstörerische, kranke, romantische Liebesgeschichte. Eine Geschichte aus der Hölle, aus einem scheinbaren Paradies, aus einem umzäunten Garten der Heimlichkeiten. Es geschieht vor den Augen der Nachbarn, der Freunde, der Familie und der Sozialarbeiter, und es geschieht in dem dunklen Keller eines kleinen Hauses: Die Geschichte von Margaux Fragoso und Peter Curran. Als sie sich kennenlernen, ist sie sieben, er ist 51. Ihre Geschichte endet fünfzehn Jahre später mit Peter Currans Selbstmord.

Im Sommer nach seinem Tod beginnt Margaux Fragoso, die Geschichte ihres Lebens aufzuschreiben, die Geschichte dieser Liebe, "in der Hoffnung, dem, was geschehen ist, einen Sinn zu geben". Jetzt, zehn Jahre nach jenem Sommer, in dem sie zu schreiben begann, erscheint das Buch. Es heißt …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Nach der Lektüre von "Tiger, Tiger" hatte Rezensentin Bernadette Conrad weniger das Bedürfnis zu schreiben als vielmehr laut zu schreien. So viel Verzweiflung ergreift sie über das hier von Margaux Fragoso beschriebene Kinderschicksal eines kleinen Mädchens, das, aufgewachsen bei einer nervenkranken Mutter und einem übermoralischen Vater, ab dem achten Lebensjahr in die Hände eines Mannes gerät, dessen "Zuneigung" sie bald mit sexuellen Diensten auf dem Kellerboden erwidern muss. Auch als sie immer weiter abmagert und depressiver wird, muss sie noch die manischen Redeflüssen ihres Vaters über Anstand über sich ergehen lassen. Auch wenn sich die Rezensentin selbst wundert, wie detailliert Fragoso ihre Erinnerungen niederschreibt, ärgert sie sich über die Entscheidung des deutschen Verlags, den im englischen Original als "memoir" bezeichneten Text als Roman herauszugeben. Dadurch wären Kritiker heraufbeschworen worden, die dem Buch aufgrund der undeutlichen Abgrenzung vom pädophilen Täter "mangelndes moralisches Bewusstsein" vorwarfen. Conrad liest den Text hingegen als persönliche, "packend" erzählte Missbrauchsgeschichte, die verdeutlicht, wie schwer der emotionale Ablöseprozess vom Täter auch Jahre nach der Tat noch ist.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Als Geschichte eines Opfers ergreifend. Als literarisches Werk ein Triumph." Alice Sebold

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 26.03.2011

Missbrauchter
Missbrauch
Margaux Fragosos
Leidensbericht „Tiger, Tiger“
Ist es zynisch, dieses Buch für nicht lesenswert zu halten? Ignoriert man das Leid, wenn man die Leidensgeschichte nicht empfehlen kann? Klar: Jedes Unrecht ist es wert, erzählt zu werden, und jede aufgeschriebene Seite, die dem Opfer hilft, ist eine gute Seite – für den Verfasser. Nicht unbedingt aber für ein Publikum, das über den Selbsthilfekreis hinausgeht. Denn nicht jeder therapeutische Text kann eine gesellschaftliche Debatte voranbringen, nicht jede Lebensgeschichte vermittelt unbekannte Einsichten über die Täter, und vor allem: nicht jedes Opfer kann schreiben.
Die Amerikanerin Margaux Fragoso hat Schreckliches erlitten, sie wurde fünfzehn Jahre von einem Pädophilen missbraucht. Ihre Autobiographie „Tiger, Tiger“ aber muss man jener Kategorie von Lebensberichten zurechnen, die einigen Wirbel erzeugen, als Texte aber kaum bestehen können. Sowohl die begeisterte „Wie grauenhaft“-Lesart als auch die wortreiche „Was für ein schlechtes Buch“-Empörung nützen wohl bloß dem Hype, den die Verlage weltweit ankurbeln. „Tiger, Tiger“ sei „Lolitas …

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Andrea Fischer, geb. 1969, lebt seit 1989 in Düsseldorf und übersetzt aus dem britischen und amerikanischen Englisch u.a. Stephen King, Dennis Lehane, Peter Robinson.

Kundenbewertungen zu "Tiger, Tiger" von "Margaux Fragoso"

1 Kundenbewertung (Durchschnitt 5 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
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Bewertung von Aenna (www.buecherspleen.blogspot.com) aus Niedersachsen am 21.08.2011 ***** ausgezeichnet
Margaux ist sieben, als sie Peter zum ersten Mal trifft.
"Kann ich mit Dir spielen?" fragt sie ihn, nicht ahnend, dass diese Frage ihr ganzes Leben verändern soll.
Denn Peter Curran ist 51 Jahre alt und hat eine Vorliebe für kleine Mädchen.
Und er hat leichtes Spiel, Margaux für sich einzunehmen, kommt sie doch aus schwierigen Familienverhältnissen mit einem Vater, den sie fürchtet und einer psychisch labilen Mutter.
So wird Peters Haus mit den vielen Tieren für das kleine Mädchen zu einem Paradies auf Erden, und Peter, der alles mitmacht und vor Einfallsreichtum sprüht, der beste Spielkamerad.
Die zunächst spielerischen, sexuellen Übergriffe bleiben unbemerkt...
Margaux wird zu Peters Obsession.
IDADULDFI bedeutet: "Ich Denke An Dich Und Liebe Dich Für Immer" und steht unter jedem Brief, den Margaux von Peter bekommt... 15 Jahre lang,...jeden Tag.

Margaux Fragoso hat alles aufgeschrieben. Ihr ganzes Leben, das eigentlich noch so jung ist, aber in dem schon so viel passiert ist. So viel Unglaubliches, so viel Leid.
"Tiger, Tiger" ist das schockierende Portrait eines Pädophilen, geschrieben mit der Feder seines Opfers.
Und dieses Opfer beschreibt keinesfalls ein Monster, nein, es erzählt von einem netten und charmanten Mann, einer Vaterfigur, die zu ihr hält, sich um sie sorgt.
Wir lesen die Gedanken und Worte eines kleinen Mädchens, das uns... eine Liebesgeschichte erzählt.
Eine Liebesgeschichte...?
Mein Innerstes wehrt sich gegen diesen Begriff. Kann das denn sein? Es kann.
Wir werden Zeuge des sog. "Stockholm-Syndroms".
Trotz sexuellem Missbrauchs, körperlicher Gewalt und psychischer Manipulation fühlt sich Margaux immer mehr zu Peter hingezogen, hält die "Beziehung" geheim.
Ihre Schutzmechanismen sind für sie ein Spiel.
Sie entwickelt eine emotionale Abhängigkeit von ihrem Peiniger und wird sogar krank, als sie von ihm getrennt wird.
Selbst als Erwachsene hält sie den Kontakt aufrecht.
Erst mit Peters Selbstmord endet der Leidensweg von Margaux, erst da ist es ihr möglich, sich aus seinen Klammern zu befreien.
"Seit Peters Tod war mir, als erwachte ich aus tiefem Schlaf zum Geheul eines Hundes oder Wolfs draußen in der Wildnis. Als hätte ich etwas geträumt, das von Sekunde zu Sekunde blasser wird."

Die Geschichte ist leicht zu lesende, aber sehr schwer verdauliche Kost.
Fragoso bedient sich einer schönen Sprache, die voll im Gegensatz zum Inhalt ihres Buches steht.
Sie erzählt unverblümt. Ohne Rücksicht (vor allen Dingen auf sich selbst) beschreibt sie ihr Erlebtes, selbst vor sexuellen Details macht sie keinen Halt, auch wenn ihr dies besonders schwer gefallen ist, wie sie in einem Interview erzählt.
Mit "Tiger, Tiger" publiziert die Autorin ein Tabuthema, und zwar aus erster Hand.
Sie zeigt den Täter als Menschen, was beim Leser ein gewisses Unbehagen hervorruft, aber auch viel Stoff zum Nachdenken gibt.
Denn es wird sehr deutlich, mit welchen Methoden und wie viel Manipulation ein Pädophiler vorgeht.
Womit letztendlich auch die Frage beantwortet wird, warum ein solcher Missbrauch überhaupt vor den Augen von Eltern, Nachbarn und Behörden möglich ist.

Mich hat diese Autobiographie sehr berührt und aufgewühlt.
Ich frage mich, wie viele Narben die heute 34-jährige Autorin trotzdem zurückbehalten hat...Kann man sich wirklich alles von der Seele schreiben?
Ich hoffe sehr, dass es Margaux möglich ist, mit ihrer Vergangenheit zu leben ...
...und danke ihr für den Mut, dieses Buch zu schreiben!

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