Theorie des Bildakts - Bredekamp, Horst

Horst Bredekamp 

Theorie des Bildakts

Frankfurter Adorno-Vorlesungen 2007

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Theorie des Bildakts

Die Unvollendete Geschichte, erschienen 1975 in Sinn und Form, liegt seit 1977 al Buch vor. Sie wurde zum Bestseller und Schultext. Geschildert wird die unmögliche Liebesbeziehung zwischen der achtzehnjährigen Tochter eines DDR-Funktionärs, Ratsvorsitzenden des Kreises K., und einem jener typischen "Asozialen", die sich dem Staat durch ihren Lebensstil verweigerten.Zwanzig Jahre später, 1996, nach Einsicht in seine Stasiakte, schreibt der Autor "Das Ende der Unvollendeten Geschichte". Das Vorbild seiner Karin, erfuhr er, berichtete als IM "Martina" der Stasi von diesem Kontakt. Volker Braun nimmt die Eröffnung zum Anlaß für einen kritischen Rückblick auf die eigene Rolle des dissidenten, der DDR gleichwohl durch die Utopie des Sozialismus verbundenen Intellektuellen.

Seit dem byzantinischen Bilderstreit und dem Bildersturm der Reformation ist nicht mehr in solcher Intensität über Bilder nachgedacht worden wie in den letzten Jahrzehnten. Neben der Archäologie und der Kunstgeschichte haben sich zahlreiche weitere Fächer an Fragestellungen rund um das Bild geradezu festgebissen. Angesichts dessen geht einer der bedeutendsten Kunsthistoriker der Gegenwart der Frage nach, warum Begriff und Geltung sowie Macht und Ohnmacht von Bildern so hartnäckig verfolgte Themen unserer Tage geworden sind.
Vordergründig geht dieser Boom auf die nie zuvor dagewesene Dominanz des Visuellen in fast allen Lebensbereichen zurück. Dahinter verbirgt sich jedoch ein tieferliegendes Problem als Paradoxon: Bilder besitzen zwar als von Menschen geschaffene Artefakte kein autonomes Leben, entwickeln aber immer wieder eine Präsenz, die sie mehr sein läßt als nur toter Stoff. Darauf gründet die Erwartung, daß das Nachdenken über sie mehr hervorzubringen vermag als der bloße Blick auf sie.
Im Doppelspiel von lebloser Starre und Lebendigkeit liegt die handlungsstiftende Kraft von Bildern. Mit Blick darauf entwirft Bredekamp eine Theorie des Bildakts als Gegenstück zur Lehre vom Sprechakt und verfolgt das Phänomen wirkkräftiger Bilder in drei Bereichen: der künstlichen Lebendigkeit, des Austausches von Bild und Körper und der Eigentätigkeit der Form. Das Buch ist die stark erweiterte Fassung seiner im Jahr 2007 gehaltenen und vielbeachteten Frankfurter Adorno-Vorlesungen - und die Summe jahrzehntelanger Forschungen zur bildaktiven Phänomenologie.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2010
  • 2. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 463 S. m. zahlr. Abb.
  • Seitenzahl: 463
  • Best.Nr. des Verlages: 58516
  • Deutsch
  • Abmessung: 204mm x 129mm x 35mm
  • Gewicht: 645g
  • ISBN-13: 9783518585160
  • ISBN-10: 3518585169
  • Best.Nr.: 29745036
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 31.01.2011

Sachbücher des
Monats Februar
Empfohlen werden nach einer monatlich erstellten Rangliste Bücher der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften sowie angrenzender Gebiete.
1. HELMUT JAMES u. FREYA VON MOLTKE: Abschiedsbriefe Gefängnis Tegel: September 1944 - Januar 1945. Herausgegeben von Helmuth Caspar von Moltke und Ulrike von Moltke. C. H. Beck Verlag, 608 Seiten, 29,95 Euro.
2. TOBY LESTER: Der vierte Kontinent. Wie eine Karte die Welt veränderte. Aus dem Amerikanischen von Klaus Binder und Bernd Leineweber. Berlin Verlag, 527 Seiten, 39,90 Euro.
3. JOHN KEEGAN: Der amerikanische Bürgerkrieg. Übersetzt von Hainer Kober. Rowohlt Berlin Verlag, 512 Seiten, 26,95 Euro.
4. HORST BREDEKAMP: Theorie des Bildakts. Frankfurter Adorno-Vorlesungen 2007. Suhrkamp Verlag, 463 Seiten, 39,90 Euro.
5. BERNHARD PÖRKSEN, WOLFGANG KRISCHKE (Hrsg.): Die Casting-Gesellschaft. Die Sucht nach Aufmerksamkeit und das Tribunal der Medien. Herbert von Halem Verlag, 346 Seiten, 18 Euro.
6.-7. FRANK KOLB: Tatort Troia. Geschichte – Mythen – Politik. Ferdinand Schoeningh Verlag, 310 Seiten, 29,90 Euro.
UNSICHTBARES KOMITEE: Der kommende …

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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Bei allem Respekt, dieses Buch des Kunsthistorikers Horst Bredekamp ist dem Rezensenten Hanno Rauterberg zu esoterisch. Bredekamp macht sich in dieser Universalgeschichte daran, die Macht des Bildes zu ergründen, und laut Rauterberg tut er dies folgendermaßen: Der Mensch möchte gesehen und erkannt werden, und diese Anerkennung verschaffen ihm die Bilder mit ihrer eigenen "Ich-Form". Dass es sich beim Bild um ein "beseeltes Gegenüber" handelt, erkläre Bredekamp mit zahlreichen Kunstwerken, deren Inschriften dies bekunden: "Ich bin das Trinkgefäß des Tharois." Vorsichtig gesagt, hätte sich der Rezensent hier eine größere Unterscheidung von Zuschreibung und Realität gewünscht. Behauptungen zum Lebensrecht des Bildes oder zur Bildhaftigkeit der Natur findet der Rezensent dann so vage wie die Rede von der magischen Wirkmacht eines Bildes. Schließlich fürchtet er gar einen "mystic turn" in der Kunstwissenschaft, wenn sich solch "dingmagisches Denken" durchsetzen sollte.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 27.01.2011

Erkundungen der Bildermacht

Von der Höhlenvenus bis zum Bildschirm im Kampfjet: Horst Bredekamp durcheilt auf den Spuren unserer Empfänglichkeit für Bilder die Geschichte.

Bilder bewegen uns. Nicht alle natürlich, mit denen wir zu tun bekommen, doch viele von ihnen. Ob nun Bilder, die wir aufsuchen, oder solche, denen wir nicht aus dem Weg gehen können. In Museen oder auf Plakatwänden, auf Bildschirmen oder Leinwänden, in Zeitschriften oder Büchern, als Fotografien, Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und so fort. Verwunderlich ist das nicht, denn sie wurden schließlich dazu gemacht, unsere Aufmerksamkeit zu erregen, uns auf bestimmte Ideen oder auch Handlungen zu bringen. Andernfalls wären sie gar keine Bilder. Obwohl es fast nichts braucht, um sie hervorzubringen. Die Vorgabe einer Perspektive, um eine Landschaft zu betrachten zum Beispiel, ja auch nur eine Geste, die uns einen Blickpunkt auf ein Objekt empfiehlt - und schon sind wir (auch) in der Sphäre der Bilder.

Dass weniges reicht, um uns ein Bild vor Augen zu stellen, daran erinnert Horst Bredekamp zu Beginn seines Buchs. Von Bildern in einem ganz grundlegenden Sinn handelt er …

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»[Der Autor] ist originell, versiert und souverän genug, um die Untiefen gängiger ästhetischer Theoriebildung zu umsteuern.«
Horst Bredekamp, Jahrgang 1947, ist Professor für Kunstgeschichte an der Universität Hamburg, seit 1993 an der Berliner Humboldt-Universität und seit 2003 Permanent Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin. Er war Fellow des Institute of Advanced Study in Princeton, des Wissenschaftskollegs in Berlin, des Getty Center in Los Angeles und des Collegiums Budapest. Er wurde 2000 mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa ausgezeichnet.
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