Telewischn! - Schatz, Roman
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Roman Schatz 

Telewischn!

Roman

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Telewischn!

Europa sucht den Superdepp
50.000 Euro plus Spesen sind nicht zu verachten, denkt sich der finnische Kameramann Yrjö. Schon gar nicht, wenn man eine teuere Scheidung und ein kleines Alkoholproblem hat. Und irgendwie würde er die beiden anderen Knalltüten auch überleben. Die beiden anderen sind die junge Journalistin Franziska aus Österreich und der schwule Tontechniker Jesús aus Spanien. Ihr Auftrag: den Weg einer mit einem Sender ausgestatteten Euromünze durch Europa mit Filmbildern und Interviews zu verfolgen. Was sie allerdings nicht wissen: Ihre Jagd wird vom größten privaten Fernsehsender als Reality-Show gleich mit aufgezeichnet. Alles läuft perfekt, und auch als der Euro für kurze Zeit im Sparstrumpf einer kreuzfrommen Italienerin verschwindet, weiß der sangesfreudige Yrjö einen Ausweg. Doch dann landet der Euro als vermeintliche Fälschung in den Tresoren von Europol - und beim Fernsehsender schrillen die Alarmglocken. Abschreiben oder einbrechen? Der Kampf um die Quote zwingt zu außerordentlichen Entscheidungen.
In einer überdrehten Satire auf den TV-Irrwitz schickt Roman Schatz eine ahnungslos gecastete Medien-Meute auf die Jagd nach einer Euro-Münze.


Produktinformation

  • Verlag: Eichborn
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 253 S.
  • Seitenzahl: 253
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 130mm x 24mm
  • Gewicht: 320g
  • ISBN-13: 9783821858388
  • ISBN-10: 3821858389
  • Best.Nr.: 26225059
Roman Schatz ist Finnlands bekanntester Deutscher. 1960 in Überlingen am Bodensee geboren, verliebte er sich während des Studiums in Berlin in eine Finnin und folgte ihr 1986 in ihre Heimat. Er schrieb Deutschlehrbücher und Drehbücher fürs Schulfernsehen und arbeitet in Helsinki als Produzent, Regisseur, Buchautor, TV-Moderator und Schauspieler.

Leseprobe zu "Telewischn!"

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Leseprobe zu "Telewischn!" von Roman Schatz

60°2348" N / 25°0616" O Palopolku, Kerava, Finnland 12. August, 11.01 h OEZ Yrjö ging in die Hocke und breitete die Arme aus. Lady, seine zweijährige Golden-Retriever-Hündin, und Silja, seine blonde, zwölfjährige Tochter, rannten schwanzwedelnd beziehungsweise lachend auf ihn zu. Noch wenige Meter, dann würde ihm Silja um den Hals fallen undLady sein Gesicht ablecken. Yrjö trat mit einem Fuß etwas zurück, denn aus Erfahrung wusste er, dass weder Hund noch Mädchen bremsenwürden, und er wollte nicht unter dem Aufprall ihrer Liebe umfallen und wie ein Käfer hilflos auf dem Rücken liegen. Plötzlich hörte erMusik. Jemand grölte Im on the highway to hell. Die idyllische Szenerie vor seinen Augen löste sich in grobe Pixel auf, verblasste und verschwand. Yrjö wachte auf. Sein Kopf fühlte sich an wie ein Kürbis, genauer gesagt wie ein sonnengetrockneter Kürbis, der von einer Horde Globalisierungsgegner mit Baseballschlägern traktiert worden war. And Im going down, all the way down, Im on the highway to hell... Wo war dieses Scheißtelefon schon wieder? Nach einigem Fluchen und Suchen fand er sein Nokia-Handy im linken Schuh. Warum hatte er eigentlich diesen blöden Klingelton noch nicht geändert? AC/DC war ja wohl etwas lächerlich für einen Mann in seinem Alter. Wer wollte ihn jetzt sprechen, an einem Mittwoch um elf Uhr morgens? Aufträge hatte er schon seit Wochen keine mehr bekommen. Falsch verbunden wahrscheinlich. Oder es war wieder der blutsaugende Anwalt seiner Ex-Frau. Hörte das denn nie auf? Was wollte sie denn noch, diese elende Schlampe? Das Kind und den Hund hatte sie doch schon, und das Haus und das Auto auch. Und er, Yrjö, hatte ein Kontakt- und Näherungsverbot am Hals und durfte sich jetzt in aller Ruhe am Arsch der Welt zu Tode saufen, während diese raffgierige Kuh die Früchte seiner jahrelangen harten Arbeit genoss, mit seinem geliebten Volvo Kombi herumfuhr, mit Silja und Lady heile Welt spielte, mit ihrem Rechtsanwalt schlief und ihren Freundinnen erzählte, was für ein haltloser Versager er, Yrjö, ihr Ex-Mann war. Yrjö kniff die geschwollenen Augen zusammen und starrte auf das Display: Der Anruf kam aus dem Ausland, so viel konnte er sehen, aber die internationale Vorwahlnummer erkannte er nicht. Nicht jetzt, verdammt noch mal. In diesem Zustand würde er nicht abnehmen, schon gar nicht, wenn er am Telefon Englisch sprechen müsste. Wenn die Sache wichtig war, würde man ihm eine Nachricht hinterlassenoder sich wieder melden. Er ließ das Handy neben sich auf die Matratze fallen und richtete sich mühsam auf seinem quietschenden Feldbett aus finnischen Armeebeständen auf. Schon wieder ein verkaterter Morgen in dieser winzigen Abstellkammer in Kerava, eine knappe halbe Autostunde nördlich von Helsinki. Und dabei musste er noch dankbar sein, dass er dieses Kämmerchen auf eigenen Namen mieten konnte. Um ihn herum standen Metallregale mit elektronischen Geräten, seine Kameraausrüstung, verschiedene Objektive, Mikrofone, Videokassetten, Kabel, Ersatzteile, Linsen und Stative. Wenn nicht bald ein Job hereinkäme, würde er den ganzen Krempel meistbietend verkaufen müssen.

Leseprobe zu "Telewischn!" von Roman Schatz

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