Süßer Tod - Brown, Sandra

Süßer Tod

Thriller

Sandra Brown 

Übersetzung: Christoph Göhler
 
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Süßer Tod

'Sandra Brown schafft es wieder einmal perfekt, Hochspannung und Herzschmerz zu verbinden. Fesselnd!' -- tv-media (A)

"Spannend." -- SUPERillu

Nichts brennt so heiß wie die Rache!
Sie kann sich an nichts erinnern: Die Journalistin Britt Shelley wacht im Bett neben dem Polizisten Jay Burgess auf, der durch seinen Einsatz bei einem Feuer vor sieben Jahren zum Helden wurde. Aber sie weiß nicht, wie sie dort gelandet ist und warum Jay tot neben ihr liegt ...
Britt gerät schnell ins Visier der Polizei, doch gefährlicher sind ihre anderen Verfolger. Allen voran der Ex-Feuerwehrmann Raley Gannon. Er war es, der bei dem Feuer damals Verdächtiges fand und dann alles verlor: seinen Job, seinen guten Ruf, seine Verlobte. Seitdem sinnt er auf Rache und dazu braucht er Britt. Kurzerhand kidnappt er die junge Reporterin, um sie zu verhören. Doch plötzlich werden Britt und Raley gemeinsam zum Ziel von sehr mächtigen Feinden. Eine abenteuerliche Flucht beginnt ...


Produktinformation

  • Verlag: Blanvalet
  • 2011
  • 2. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 511 S.
  • Seitenzahl: 511
  • Deutsch
  • Abmessung: 215mm x 135mm
  • Gewicht: 693g
  • ISBN-13: 9783764503666
  • ISBN-10: 3764503661
  • Best.Nr.: 31382188
"Hansi Jochmann brilliert wie gewohnt mit einer fulminanten Lesung."
Sandra Brown arbeitete mit großem Erfolg als Schauspielerin und TV-Journalistin, bevor sie mit ihrem ersten Romanauf Anhieb einen großen Erfolg landete. Sandra Brown lebt mit ihrer Familie abwechselnd in Texas und South Carolina.

Leseprobe zu "Süßer Tod"

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Leseprobe zu "Süßer Tod" von Sandra Brown

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Gott sei Dank schlief er noch tief und fest.

Aufzuwachen und zu entdecken, dass sie mit Jay Burgess im Bett lag, war schon peinlich genug, da wollte sie ihm nicht auch noch ins Gesicht sehen müssen. Wenigstens nicht, bevor sie Zeit gehabt hatte, sich zu sammeln.

Zentimeter um Zentimeter schob sie sich an die Bettkante und schlüpfte unter der Decke hervor, um ihn nicht aufzuwecken. Am Matratzenrand setzte sie sich auf und schielte über ihre Schulter. Aus dem Lüftungsschlitz über dem Bett blies ein kalter Luftzug, unter dem sich die Härchen an ihren Armen aufstellten. Obwohl Jay nackt und nur bis zur Taille zugedeckt war, hatte ihn die Eiseskälte nicht geweckt. Ganz behutsam verlagerte sie ihr Gewicht vom Bett auf ihre Füße und stand auf.

Der Raum kippte zur Seite weg. Um nicht ihrerseits umzukippen, streckte sie instinktiv die Arme aus. Ihre Hand traf mit einem Klatschen auf der Wand auf, das wie ein Schellenschlag durch das stille Haus hallte. Ohne sich noch groß darum zu kümmern, ob sie Jay aufweckte, sondern nur noch fassungslos, wie viel sie gestern Abend getrunken hatte, atmete sie an die Wand gelehnt durch und fixierte einen festen Punkt, bis sie das Gleichgewicht wiedergefunden hatte.

Wie durch ein Wunder hatte sie Jay mit ihrer Tollpatschigkeit nicht aufgeweckt. Sie erspähte ihren Slip, schlich zum Fußende des Bettes, holte ihn und arbeitete sich dann auf Zehenspitzen durch den Raum, um ihre übrigen Sachen einzusammeln, die sie züchtig an ihre Brust presste, auch wenn das unter den gegebenen Umständen eher lächerlich war.

Der Bußgang. Der Begriff aus dem College passte. Er bezeichnete Studentinnen, die sich nach einer Nacht mit einem Mitstudenten aus dessen Zimmer stahlen. Sie war längst übers Collegealter hinaus und außerdem Single, genau wie Jay, weshalb beide nach Belieben miteinander schlafen konnten, wenn sie sich dazu entschlossen.

Wenn sie sich dazu entschlossen.

Der Nebensatz peitschte ihr ins Genick wie ein straff gezogenes Gummiband.

Plötzlich wich das Entsetzen darüber, in Jays Bett aufgewacht zu sein, der erschreckenden Erkenntnis, dass sie keine Ahnung hatte, wie sie dort hineingeraten war. Sie glaubte nicht, dass sie irgendwann den bewussten Entschluss gefasst hatte, mit ihm zu schlafen. Sie konnte sich nicht erinnern, Pro und Kontra abgewogen zu haben und zu der Überzeugung gelangt zu sein, dass das Pro überwog. Sie konnte sich auch nicht erinnern, so lange umworben worden zu sein, bis die Vernunft von schierer Lust erdrückt worden war. Sie konnte sich nicht einmal erinnern, im Geist mit den Achseln gezuckt und gedacht zu haben: Was soll's? Wir sind erwachsen.

Sie konnte sich an überhaupt nichts erinnern.

Sie drehte eine langsame Pirouette und nahm dabei den Schnitt und die Einrichtung des Zimmers in sich auf. Es war ein angenehmer Raum, geschmackvoll möbliert und auf einen allein lebenden Mann zugeschnitten. Aber nichts hier drin kam ihr bekannt vor. Gar nichts. Es war, als würde sie ihn zum ersten Mal sehen.

Offenbar waren sie tatsächlich in Jays Wohnung; hier und da standen Bilder von ihm, größtenteils Ferienschnappschüsse mit verschiedenen Freunden beiderlei Geschlechts. Sie war ganz sicher noch nie in diesem Raum oder in diesem Haus gewesen. Sie hätte nicht einmal die Adresse gewusst, obwohl sie eine vage Erinnerung daran hatte, dass sie zu Fuß hierher gegangen war - aber von wo aus?

Genau, aus dem Wheelhouse. Dort hatte sie sich mit Jay auf einen Drink getroffen. Er hatte schon einiges intus gehabt, als sie angekommen war, aber das war nicht ungewöhnlich. Jay trank gern und vertrug erstaunlich viel Alkohol. Sie hatte ein Glas Weißwein bestellt. Anschließend hatten sie geplaudert und sich gegenseitig erzählt, was es Neues gab.

Dann hatte er gesagt... Als ihr wieder einfiel, was er ihr erzählt hatte, überlief sie eine Gänsehaut, die nichts mit der Kälte im Zimmer zu tun hatte. Die Hand auf den Mund gepresst, um ein leises Aufstöhnen zu unterdrücken, drehte sie sich zum Bett um. Sie hauchte ein bekümmertes "O Jay" und wiederholte damit die Worte, die sie ausgestoßen hatte, als er ihr gestern Abend die grauenvolle Neuigkeit eröffnet hatte.

Können wir zu mir gehen und dort weiterreden?, hatte er gefragt. Ich bin inzwischen umgezogen. Eine alte Tante ist gestorben und hat mir ihre weltlichen Güter hinterlassen. Einen Haufen Porzellan, Kristall, antike Möbel, lauter alten Krempel. Ich habe alles zu einem Antiquitätenhändler geschleppt und mir von dem Erlös ein Haus in der Stadt gekauft. Gleich hier in der Nähe.

Er plauderte fröhlich weiter, so als hätten sie nur über die nahende Hurrikan-Saison gesprochen, dabei hatte seine Nachricht wie eine Bombe eingeschlagen. Grauenvoll. Nicht zu glauben. Es hatte ihr den Boden unter den Füßen weggezogen. War ihr Mitgefühl schließlich in ein anderes Gefühl umgeschlagen? Erklärte das die Liebesnacht?

Mein Gott, warum konnte sie sich nicht erinnern?

Auf der Suche nach Antworten und nach ihren restlichen Kleidern schlich sie weiter ins Wohnzimmer. Ihr Kleid und ihre Strickjacke lagen zusammengeknüllt auf einem Sessel, ihre Sandalen standen auf dem Boden. Auf dem Tisch vor dem Sofa sah sie eine offene Flasche Scotch und zwei Gläser. In der Flasche war nur noch ein Fingerbreit Flüssigkeit. Die Sofakissen waren eingedellt und verrutscht, so als hätte sich jemand darauf herumgewälzt.

Offenbar sie und Jay.

Im nächsten Moment lief sie ins Schlafzimmer zurück und weiter in das dahinter liegende Bad. Sie drückte lautlos die Tür zu, aber diese Vorsichtsmaßnahme war angesichts der Tatsache, dass sie schon Sekunden später würgend über der Toilette hing, überflüssig. Ihr Magen wurde von heftigen Krämpfen geschüttelt und stieß scheinbar literweise Scotch aus. Sie war noch nie eine große Scotch-Trinkerin gewesen, aber jetzt würde sie nie wieder einen Tropfen von diesem Gift anrühren, so viel stand fest.

In dem Spiegelschrank über dem Waschbecken stöberte sie etwas Zahnpasta auf, drückte sie auf ihren Zeigefinger und versuchte, den Schmutzfilm und den schlechten Geschmack von den Zähnen zu massieren. Danach fühlte sie sich zwar besser, aber immer noch so schmutzig, dass sie unbedingt duschen wollte. Wenn sie sauber war, würde sie Jay selbstbewusster gegenübertreten können, und die Exzesse der letzten Nacht wären ihr nicht mehr ganz so peinlich.

Die Duschkabine war bis unter die Decke gefliest und mit einer fest montierten Regendusche ausgestattet. Direkt unter dem Pseudoregen stehend, seifte und spülte sie sich mehrmals ab. Besonders sorgsam und gründlich wusch sie den Bereich zwischen ihren Beinen. Sie shampoonierte sich auch die Haare.

Nachdem sie fertig geduscht hatte, verlor sie keine unnötige Zeit. Bestimmt hatte ihn der Lärm, den sie veranstaltet hatte, inzwischen aufgeweckt. Sie zog sich wieder an, glättete ihr Haar mit seiner Bürste, holte tief Luft, um ihren ganzen Mut zusammenzunehmen, und riss die Badezimmertür auf.

Jay schlief immer noch. Wie war das möglich? Er war ein trainierter Trinker, offenbar hatte die vergangene Nacht sogar ihm zugesetzt. Wie viel Scotch war in der Flasche gewesen, als sie zu trinken angefangen hatten? Hatten sie tatsächlich zu zweit einen knappen Liter geleert?

Allem Anschein nach. Warum konnte sie sich sonst nicht erinnern, wie sie sich ausgezogen hatte und mit Jay Burgess ins Bett gehüpft war? Sie hatten vor Jahren eine kurze Affäre gehabt, die aber schnell erkaltete und geendet hatte, bevor sie sich zu einer echten Beziehung auswachsen konnte. Beide waren mit ungebrochenem Herzen daraus hervorgegangen. Es hatte keine Szene gegeben, keiner hatte offiziell Schluss gemacht. Sie hatten einfach aufgehört, miteinander auszugehen, und waren dennoch Freunde geblieben.

Nichtsdestotrotz hatte Jay, der charmante und unverbesserliche Jay, jedes Mal versucht, sie ins Bett zu locken, wenn sich ihre Wege gekreuzt hatten. "Man kann auch nur befreundet sein und trotzdem hin und wieder miteinander in die Kiste gehen", hatte er ihr mit seinem verführerischsten Lächeln versichert.

Sie sah das anders, und genau das hatte sie ihm immer erklärt, wenn er sie überreden wollte, um der alten Zeiten willen bei ihm zu übernachten.

Gestern Nacht hatte sie sich offensichtlich breitschlagen lassen.

Sie hätte erwartet, dass er in aller Frühe aus dem Bett springen würde, um mit seiner Eroberung zu prahlen, oder dass er sie mit einem Kuss wecken und sie ironisch zu einem Frühstück im Bett einladen würde. Sie konnte ihn fast auftrumpfen hören: "Wenn du schon hier bist, kannst du die Burgess-Behandlung auch bis zum Schluss genießen."

Warum war er eigentlich nicht zu ihr unter die Dusche gehüpft? Das wäre typisch Jay. Eigentlich hätte er sich zu ihr stellen und erklären müssen: Du hast eine Stelle auf deinem Rücken vergessen. Huch, und da vorne auch. Aber nicht einmal die Dusche hatte ihn geweckt. Genauso wenig wie das mehrmalige Spülen der Toilette.

Wie konnte er all das verschlafen? Er hatte sich nicht einmal .

Bewegt.

Ihr Magen hob sich wie auf einer Flutwelle. Ätzender Schleim schoss ihr in die Kehle, und sie hatte Angst, sich gleich wieder zu übergeben. Sie schluckte schwer. "Jay?", fragte sie zaghaft. Dann lauter: "Jay?"

Nichts. Kein Seufzen und kein Schniefen. Nicht die leiseste Bewegung.

Wie angewurzelt stand sie da und spürte ihr Herz klopfen. Dann setzte sie sich widerstrebend in Bewegung, trat ans Bett, legte die ausgestreckte Hand an seine Schulter und rüttelte sie mit aller Kraft. "Jay!"

1 Hinter dem quietschenden Protest der Scharniere zog Raley die verrostete Fliegentür auf. "Hey! Bist du da?"

"Bin ich doch immer!"

Ein ausgeblichener roter Lacksplitter löste sich, als der Holzrahmen hinter Raley zuschlug und er in die winzige Hütte trat. Es roch nach gebratenem Schweinefleisch und nach der mäuselöchrigen Armeedecke auf der Pritsche in der Ecke.

Seine Augen brauchten ein paar Sekunden, bis sie sich an die Dunkelheit gewöhnt und den Alten entdeckt hatten. Er saß an seinem dreibeinigen Tisch, über seine Kaffeetasse gekrümmt wie ein bissiger Hund, der einen mühsam erkämpften Knochen bewacht, und starrte auf den verschneiten Bildschirm eines Schwarz-Weiß-Fernsehers. Geisterhafte Schemen zogen über das Bild. Aus dem Lautsprecher kam nur statisches Rauschen.

"Guten Morgen."

Der Alte schnaubte einen Willkommensgruß durch die buschigen Nasenhaare. "Nimm dir ein'." Er nickte zu der Emailkanne auf dem Herd hin. "Aber besser ohne Sahne. Die hat über Nacht einen Stich gekriegt."

Raley stieg über die drei reglos am Boden liegenden Jagdhunde hinweg und trat an den Kühlschrank, der eingeklemmt zwischen einer zur Speisekammer zweckentfremdeten antiquierten Kuchenvitrine und einem Werktisch stand, der keinerlei Zweck erfüllte, außer Staub anzusammeln und den verfügbaren Platz in der übervollen Hütte zu verstellen.

Der Griff am Kühlschrank war abgerissen, wahrscheinlich schon vor Jahrzehnten, aber wenn man die Finger an der richtigen Stelle in die weiche Gummidichtung bohrte, konnte man die Tür aufbekommen. "Ich habe dir Fisch mitgebracht." Raley legte den in Zeitungspapier eingewickelten Katzenwels auf ein rostiges Kühlschrankgitter und schloss hastig die Tür vor dem Duftgemisch aus saurer Sahne und allgemeiner Verwesung.

"Hab zu danken."

"Gern geschehen." Der Kaffee war wahrscheinlich mehrmals aufgekocht worden und hatte mittlerweile die Konsistenz von frischem Asphalt angenommen. Ohne Sahne zur Verdünnung verzichtete Raley dankend.

Er warf einen Blick auf den stummen Fernseher. "Du musst deine Hasenohren neu ausrichten." Dabei streckte er eine Hand nach der schleifenförmigen Zimmerantenne aus.

"Das sind nicht die Hasenohren. Ich hab den Ton abgestellt." "Wieso das?"

Der alte Mann reagierte mit einem rituellen Schnauben, das heißen sollte, dass er sich nicht zu einer Antwort herablassen würde. Der selbst ernannte Eremit hauste seit "dem Krieg" im frei gewählten Exil, wobei er sich nie genauer darüber ausgelassen hatte, welchen Krieg er meinte. Er wollte so wenig wie möglich mit anderen Homo sapiens zu tun haben.

Kurz nachdem Raley in seine Nachbarschaft gezogen war, hatten sich ihre Wege im Wald gekreuzt. Raley hatte gerade in die Knopfaugen einer toten Beutelratte gestarrt, als der alte Mann durchs Unterholz gekracht kam und ihn angegeifert hatte: "Denk nicht mal dran!"

"Woran?"

"Mir mein Opossum wegzunehmen."

Den grauenvoll stinkenden, aufgedunsenen und mit Fliegen übersäten Kadaver mit dem rosa Schwanz anzurühren war so ziemlich das Letzte, was Raley in den Sinn gekommen wäre. Er hob kapitulierend die Hände und trat beiseite, damit der barfüßige alte Mann im fleckigen Overall seine Beute aus dem Metallkiefer der kleinen Falle lösen konnte.

"So wie du hier rumtrampelst, hätt's mich nicht gewundert, wenn du in meiner Falle gelandet wärst und nicht das Opossum", grummelte er.

Raley war davon ausgegangen, dass um die Hütte, die er kürzlich erworben hatte, meilenweit niemand lebte. Er brauchte keinen Nachbarn, schon gar keinen, der über sein Kommen und Gehen Buch führte.

Als der alte Mann aufstand, protestierten seine Knie mit so lautem Knacken und Knirschen, dass er unter Schmerzen das Gesicht verzog und einen Schwall von Flüchen ausstieß. Den baumelnden Kadaver in der Hand haltend, taxierte der Alte Raley von der Baseballkappe und dem bärtigen Gesicht abwärts bis zu den Wanderschuhen. Nach abgeschlossener Inspektion spuckte er einen Strahl Tabaksaft in den Dreck, um seine Meinung über diesen Anblick kundzutun. "Is' schließlich nicht verboten, im Wald rumzulaufen", sagte er. "Aber lass bloß die Finger von meinen Fallen."

"Es würde die Sache vereinfachen, wenn ich wüsste, wo sie stehen."

Die Lippen des Alten verzogen sich zu einem breiten Grinsen, bei dem er tabakfleckige Stummel entblößte, wo früher einmal Zähne gewesen sein mussten. "Kann ich mir vorstellen." Immer noch keckernd wandte er sich ab. "Die findest du schon, da wette ich drauf." Noch lange nachdem er im dichten Unterholz verschwunden war, hörte Raley sein meckerndes Lachen.

Während der folgenden Monate waren sie sich immer wieder zufällig im Wald begegnet. Zumindest waren es für Raley zufällige Begegnungen gewesen. Er nahm an, dass sich der Alte nur zeigte, wenn ihm danach war, und unsichtbar blieb, wenn er keine Lust hatte, seinem neuen Nachbarn einen Gruß zuzu- grunzen.

An einem heißen Nachmittag trafen sie in der Tür des Lebensmittelladens im nächsten Ort aufeinander. Raley wollte gerade hinein, der alte Mann heraus. Sie nickten einander zu. Als Raley später mit mehreren Einkaufstüten wieder nach draußen kam, sah er den Alten in einem Korbsessel auf der schattigen Veranda vor dem Laden sitzen und sich mit dem Hut Luft zufächeln. Aus einem Impuls heraus zerrte Raley eine gekühlte Bierdose aus dem Sixpack und warf sie dem Alten zu, der sie in einem exzellenten Reflex mit einer Hand auffing.

Raley lud die Einkäufe auf der Ladefläche des Pick-ups ab und kletterte hinter das Steuer. Der Alte beobachtete mit sichtlichem Misstrauen, wie er den Rückwärtsgang einlegte und aus der Parklücke setzte, aber Raley war aufgefallen, dass er die Dose geöffnet hatte.

Am nächsten Morgen klopfte jemand an Raleys Hütte. Nachdem er noch nie Besuch bekommen hatte, näherte er sich argwöhnisch der Tür. Vor ihm stand der Alte, in der Hand hielt er eine gesprungene Keramikschüssel mit einem Berg von rohem Fleisch unbekannter Herkunft. Es sah aus wie Aas, das sogar das Jagdhundetrio verschmäht hatte.

"Für das Bier. Ich mag keine Schulden bei niemand haben."

Raley nahm die Schüssel entgegen, die ihm an die Brust gedrückt wurde. "Danke." Sein Besucher machte kehrt und stapfte die Stufen hinab. Raley rief ihm nach: "Wie heißen Sie eigentlich?"

"Wer will das wissen?"

"Raley Gannon."

Der Alte zögerte und brummelte dann: "Delno Pickens."

Von jenem Morgen an hatte sich zwischen ihnen eine Art Freundschaft entwickelt, die auf Einsamkeit und dem gemeinsamen Widerwillen beruhte, mit anderen Menschen Kontakt aufzunehmen.

Alles in allem waren Delnos Besitztümer keine hundert Dollar wert. Ständig schleifte er Sachen nach Hause, die er weiß Gott wo aufgetrieben und für die er keine Verwendung hatte. Seine Hütte stand auf Pfählen, zum Schutz vor Überschwemmungen, wenn der Combahee über die Ufer trat. Doch der Hohlraum unter dem Boden war mit Sperrmüll vollgestopft, wie um der Hütte ein solideres Fundament zu geben. Das Gelände um die Hütte war ebenfalls mit Schrott übersät, der nie auch nur zentimeterweise bewegt wurde, soweit Raley feststellen konnte. Das Sammeln schien Delno wichtiger zu sein als die Fundstücke selbst.

Er fuhr einen Pick-up, den Raley insgeheim "Frankenstein" getauft hatte, weil er aus den verschiedensten Einzelteilen bestand, die Delno im Lauf der Zeit zusammengetragen hatte, und hauptsächlich von Draht und Klebeband in Form gehalten wurde. Raley empfand es jedes Mal als Wunder, dass Delno das Gefährt überhaupt in Gang brachte, aber wie Delno sagte: "Es ist nicht schön, aber es bringt mich hin, wo ich hin will."

Er aß alles. Wirklich alles. Alles, was er aus dem Wald, aus einer Falle oder aus dem Fluss zerren konnte. Aber was es auch war, er war stets bereit, es mit Raley zu teilen, seit sie Freundschaft geschlossen hatten.

Überraschenderweise war er sehr belesen und konnte sich fundiert über Themen unterhalten, bei denen man ihm das nie zugetraut hätte. Im Lauf der Zeit begann Raley zu argwöhnen, dass der Hillbilly-Akzent und das dazugehörige Vokabular nur zur Tarnung dienten. Genau wie das Elend, in dem er hauste, waren sie ein Protest gegen sein früheres Leben.

Aber was das für ein Leben gewesen war, blieb Delnos Geheimnis. Niemals erwähnte er eine Heimatstadt, seine Kindheit oder seine Eltern, eine frühere Beschäftigung, Kinder oder eine Ehefrau. Er redete ausschließlich mit seinen Hunden und mit Raley. Seine Intimbeziehungen beschränkten sich auf einen Stapel zerlesener Nackedei-Heftchen, die er unter seiner Pritsche versteckt hatte.

Auch Raley erzählte Delno nichts aus seinem Leben. Wenigstens nicht während der ersten zwei Jahre ihrer Bekanntschaft. Bis Delno eines Abends bei Sonnenuntergang vor Raleys Hütte stand, unter die Arme zwei Einmachgläser mit einer schlammigen Flüssigkeit geklemmt, die er selbst fermentiert hatte.

"Hab dich die ganze Woche nicht gesehen. Wo hast du gesteckt?"

"Hier."

Raley wäre lieber allein geblieben, aber Delno hatte sich schon in seine Hütte gedrängt. "Dachte, du könntest vielleicht einen Schluck vertragen." Er musterte Raley abfällig. "Wenn ich dich so sehe, hab ich wohl richtig gedacht. Du siehst wirklich übel aus. Konnte dich schon unten an der Veranda riechen."

"Ausgerechnet du willst das Aussehen und die Körperhygiene anderer Leute kritisieren?"

"Wen hast du angerufen?"

"Wie bitte?"

"Dieses Plappermaul an der Kasse im Laden? Die mit der Zuckerwattefrisur und dem Gehänge an den Ohren? Die hat mir erzählt, du bist letzte Woche reingekommen, hast dir eine Handvoll Münzen geben lassen und damit das Telefon vor dem Laden gefüttert. Sie hat gesagt, du hast kurz telefoniert, dann hast du aufgelegt, und danach hast du ausgesehen, als wolltest du gleich wen umbringen. Dann bist du in deinen Truck gestiegen und losgerast, ohne deinen Einkauf zu zahlen, sagt sie."

Er öffnete eines der Gläser und reichte es Raley, der kurz daran schnüffelte und es dann kopfschüttelnd zurückgab. "Darum frage ich", fuhr Delno nach einem tiefen Schluck aus dem Glas fort, "wen hast du angerufen?"

Der Morgen dämmerte schon, als Raley fertig erzählt hatte. Bis dahin hatte Delno beide Gläser geleert. Raley fühlte sich ebenfalls leer - emotional, mental, körperlich. Es war eine schmerzhafte, aber therapeutische Katharsis gewesen. Ein ganzes Dutzend eitriger Wunden hatte er dabei aufgestochen.

Als alles gesagt war und Raley keine Kraft mehr zum Reden hatte, sah er den alten Mann an, der stundenlang zugehört hatte, ohne einen Ton von sich zu geben. Das faltige, lederige Gesicht zeigte tiefe Trauer. Zum ersten Mal, seit sie sich kennengelernt hatten, sahen ihn die alten Augen offen und ohne Argwohn an, und Raley begriff, dass er in die Seele eines Menschen blickte, der unaussprechlichen Kummer durchgemacht hatte. Es schien, als hätte Delno Pickens alles Leid und alle Ungerechtigkeit der Welt in diesen einen hoffnungslosen Blick gepackt.

Dann seufzte er und streckte, obwohl sie sich noch nie berührt hatten, die Hand aus, um Raleys Knie zu tätscheln. "Geh und wasch dich unter den Armen, sonst kotz ich den ganzen guten Schnaps wieder aus, weil du so stinkst. Ich mach dir solange Frühstück."

Sie sprachen nie wieder über das, was Raley in jener Nacht erzählt hatte. Es war, als hätte es diese Nacht nie gegeben. Aber Raley hatte nie vergessen, wie leidgeprüft Delno ihn damals angesehen hatte.

"Was ist?" Raleys Herz setzte einen Schlag aus, und ihm schoss automatisch das Wort Katastrophe durch den Kopf. Eine vollbesetzte 747, die in einen Berg gekracht war. Ein Anschlag auf den Präsidenten. Ein terroristisches Attentat wie der Angriff auf das World Trade Center.

"Mach jetzt bloß keine Dummheiten, okay?", warnte ihn Delno.

"Was ist denn los?"

Unter griesgrämigen Flüchen über das "beschissene Programm da" nickte Delno zum Fernseher hin.

Raley trat an den uralten Apparat, drehte die Lautstärke auf und hantierte an der Zimmerantenne herum, um ein besseres Bild zu bekommen.

Das Bild blieb verschneit und der Ton kratzig, trotzdem war ihm Sekunden später klar, was passiert war und warum Delno nicht den Mut aufgebracht hatte, es ihm zu erzählen.

Jay Burgess war tot.

2 Die glauben mir nicht, stimmt's?"

Britt richtete die Frage an den Fremden, den sie als Anwalt engagiert hatte. Seit sie entdeckt hatte, dass Jay neben ihr im Bett gestorben war, waren vierundzwanzig Stunden vergangen, trotzdem gab sie die Hoffnung nicht auf, dass alles nur ein schrecklicher Traum sein möge, aus dem sie bald wieder erwachen würde.

Leider war alles absolut real.

Kurz nach ihrem hektischen Anruf in der Notrufzentrale waren ein Notarzt und zwei Polizisten in Jays Stadthaus erschienen. Wenig später folgten ein Gerichtsmediziner und zwei Detectives, die sich als Clark und Javier vorstellten. Die beiden hatten sie in Jays Wohnzimmer vernommen, während im Schlafzimmer der Leichnam untersucht und für den Abtransport in die Pathologie vorbereitet worden war. Dann war sie mit den Detectives in die Polizeizentrale gefahren, um ihre formelle Aussage zu machen. Nachdem das letzte i-Pünktchen gesetzt und der letzte t-Strich gezogen war, hatte sie geglaubt, alles überstanden zu haben - bis auf das Trauern.

Aber heute Morgen hatte Clark sie zu Hause angerufen. Nachdem er sich für die frühe Störung entschuldigt hatte, hatte er ihr eröffnet, er und Javier wollten noch ein paar Details klären, ob sie noch einmal in die Polizeizentrale kommen könne.

Die Bitte war freundlich, fast beiläufig geäußert worden, dennoch hatte sie Britt Unbehagen bereitet, und zwar so großes, dass sie es für ratsam gehalten hatte, sich von einem Anwalt begleiten zu lassen. Wenn sie bislang mit Anwälten zu tun gehabt hatte, dann nur bei Steuerfragen, in Immobilienangelegenheiten und wegen der Hinterlassenschaft ihrer Eltern. Sie bezweifelte, dass Anwälte, die solche Dinge regelten, je auf einem Polizeirevier gewesen waren.

Auf der Suche nach einer Empfehlung hatte sie den Manager des Senders angerufen.

Natürlich hatte jeder Sender gestern Abend ausführlich über Jay Burgess' schockierenden Tod berichtet. Ihre Kollegen hatten sich nur zurückhaltend über ihre Verwicklung in diesen Todesfall geäußert, aber auch wenn sie sich gebremst hatten, war es eine heiße Story: Britt Shelley, die renommierteste Reporterin auf dem Markt, machte plötzlich selbst Schlagzeilen.

Vom Standpunkt eines Fernsehreporters aus musste sie zugeben, dass das eine pikante Ironie und gleichzeitig eine Sensationsmeldung war.

Der Manager hatte ihr Trost zugesprochen. "Das muss wirklich schrecklich für dich gewesen sein, Britt."

"Ja, das war es. Ist es, genauer gesagt. Darum rufe ich dich auch zu Hause an."

"Ich bin für dich da. Ich helfe dir, wo ich kann", hatte er beteuert. Dann hatte sie ihn gefragt, ob er ihr einen Anwalt empfehlen könne.

"Einen Strafverteidiger?"

Sie hatte ihm sofort versichert, dass das eine reine Vorsichtsmaßnahme sei, dass das Gespräch - sie vermied den Ausdruck "Vernehmung" - nur Routine und eine reine Formalität sei. "Trotzdem möchte ich einen Rechtsbeistand dabeihaben." Er hatte sofort zugestimmt und versprochen, sich telefonisch für sie umzuhören.

Als Bill Alexander auf dem Revier erschienen war, hatte er sich atemlos entschuldigt, weil er zehn Minuten zu spät gekommen war. "Ich stand im Stau."

Sie hatte auf einen imposanten, gebieterischen und charismatischen Gentleman gehofft und konnte ihre Enttäuschung nur schwer verhehlen, als der schmächtige, unaufdringliche und fahrig wirkende Alexander ihr seine Karte entgegenstreckte. Er hatte gerade noch Zeit, sich vorzustellen, bevor die beiden Detectives ins Zimmer kamen.

Im Gegensatz zu ihm personifizierten Clark und Javier das Klischee der hartgesottenen Detectives.

Als die beiden am Vortag in Jays Stadthaus erschienen waren und erkannt hatten, dass sie mit der Britt Shelley von den Channel Seven News sprachen, hatten sie kurz ehrfürchtig und verlegen herumgedruckst, wie es die Menschen manchmal taten, wenn sie einer Persönlichkeit aus dem Fernsehen in Fleisch und Blut begegneten.

Die Detectives hatten sich dafür entschuldigt, dass sie Britt direkt nach einem so traumatischen Erlebnis am Tatort aufhalten und sie einer Befragung unterziehen müssten, aber leider sei es ihr Job herauszufinden, was genau vorgefallen war. Britt hatte alle Fragen nach bestem Vermögen beantwortet, und allem Anschein nach hatten die beiden nichts an ihrer Darstellung auszusetzen gehabt.

Heute Morgen hatte sich der Tenor der Befragung leicht, aber spürbar verändert. Inzwischen wirkten Clark und Javier ganz und gar nicht mehr verlegen. Verglichen mit gestern kamen die Fragen wesentlich schärfer.

Britt kooperierte, so gut sie konnte, denn sie wusste, dass die Weigerung, mit der Polizei zusammenzuarbeiten, gewöhnlich als Schuldeingeständnis gedeutet wurde. Dabei war sie höchstens schuldig, mit einem Mann geschlafen zu haben, der danach im Schlaf gestorben war. Die Geschichte bot Stoff für unzählige Scherze über Jays sexuelle Fähigkeiten - und natürlich ihre.

Die hat ihn definitiv flachgelegt. Zwinker, zwinker.

Aber er ist mit einem Lächeln auf den Lippen gestorben. Zwinker, zwinker.

Er ist im selben Atemzug gekommen und gegangen. Zwinker, zwinker.

Falls diese Detectives auf erotische Details aus waren, musste Britt sie enttäuschen. Sie konnte sich nur daran erinnern, wie sie aufgewacht war und Jay tot neben ihr im Bett gelegen hatte. Sie konnte sich nicht daran erinnern, was in diesem Bett passiert war. Doch sie hatte nicht den Eindruck, dass ihr die Detectives glaubten, nicht einmal, nachdem sie Britt eine Stunde lang eingehend befragt hatten.

Gerade hatten Clark und Javier vorgeschlagen, eine kurze Pause einzulegen, und sie dabei mit ihrem eben erst verpflichteten Anwalt allein gelassen, was ihr Gelegenheit gab, sich mit ihm bekannt zu machen und ihn vor allem zu fragen, wie er die Situation interpretierte.

"Die glauben mir nicht, stimmt's?", wiederholte sie ihre Frage, nachdem sie ihm beim ersten Mal keine Antwort entlockt hatte.

Diesmal lächelte er sie arglos an. "Das Gefühl habe ich ganz und gar nicht, Ms Shelley." Er klang, als würde er einem verängstigten Kätzchen Mut zusprechen. "Sie sind gründlich, aber das müssen sie auch sein, wenn jemand unter so ungewöhnlichen Umständen stirbt."

"Jay Burgess litt an unheilbarem Krebs."

"Ja, aber "Er hatte viel getrunken. Wahrscheinlich hat sich der Alkohol nicht mit den starken Medikamenten vertragen."

"Ganz zweifellos."

"Es kommt oft vor, dass jemand stirbt, weil er starke Medikamente eingenommen und Alkohol dazu getrunken hat. Jay ist bestimmt an einem Herzstillstand oder Atemstillstand gestorben. Irgendwas in der Richtung."

"Da haben Sie bestimmt recht."

"Dann erklären Sie mir, warum ich so lange vernommen werde."

"Zum Teil ist das ein Reflex auf den plötzlichen Tod eines Kollegen", erklärte er ihr.

Gott sei Dank schlief er noch tief und fest.

Aufzuwachen und zu entdecken, dass sie mit Jay Burgess im Bett lag, war schon peinlich genug, da wollte sie ihm nicht auch noch ins Gesicht sehen müssen. Wenigstens nicht, bevor sie Zeit gehabt hatte, sich zu sammeln.

Zentimeter um Zentimeter schob sie sich an die Bettkante und schlüpfte unter der Decke hervor, um ihn nicht aufzuwecken. Am Matratzenrand setzte sie sich auf und schielte über ihre Schulter. Aus dem Lüftungsschlitz über dem Bett blies ein kalter Luftzug, unter dem sich die Härchen an ihren Armen aufstellten. Obwohl Jay nackt und nur bis zur Taille zugedeckt war, hatte ihn die Eiseskälte nicht geweckt. Ganz behutsam verlagerte sie ihr Gewicht vom Bett auf ihre Füße und stand auf.

Der Raum kippte zur Seite weg. Um nicht ihrerseits umzukippen, streckte sie instinktiv die Arme aus. Ihre Hand traf mit einem Klatschen auf der Wand auf, das wie ein Schellenschlag durch das stille Haus hallte. Ohne sich noch groß darum zu kümmern, ob sie Jay aufweckte, sondern nur noch fassungslos, wie viel sie gestern Abend getrunken hatte, atmete sie an die Wand gelehnt durch und fixierte einen festen Punkt, bis sie das Gleichgewicht wiedergefunden hatte.

Wie durch ein Wunder hatte sie Jay mit ihrer Tollpatschigkeit nicht aufgeweckt. Sie erspähte ihren Slip, schlich zum Fußende des Bettes, holte ihn und arbeitete sich dann auf Zehenspitzen durch den Raum, um ihre übrigen Sachen einzusammeln, die sie züchtig an ihre Brust presste, auch wenn das unter den gegebenen Umständen eher lächerlich war.

Der Bußgang. Der Begriff aus dem College passte. Er bezeichnete Studentinnen, die sich nach einer Nacht mit einem Mitstudenten aus dessen Zimmer stahlen. Sie war längst übers Collegealter hinaus und außerdem Single, genau wie Jay, weshalb beide nach Belieben miteinander schlafen konnten, wenn sie sich dazu entschlossen.

Wenn sie sich dazu entschlossen.

Der Nebensatz peitschte ihr ins Genick wie ein straff gezogenes Gummiband.

Plötzlich wich das Entsetzen darüber, in Jays Bett aufgewacht zu sein, der erschreckenden Erkenntnis, dass sie keine Ahnung hatte, wie sie dort hineingeraten war. Sie glaubte nicht, dass sie irgendwann den bewussten Entschluss gefasst hatte, mit ihm zu schlafen. Sie konnte sich nicht erinnern, Pro und Kontra abgewogen zu haben und zu der Überzeugung gelangt zu sein, dass das Pro überwog. Sie konnte sich auch nicht erinnern, so lange umworben worden zu sein, bis die Vernunft von schierer Lust erdrückt worden war. Sie konnte sich nicht einmal erinnern, im Geist mit den Achseln gezuckt und gedacht zu haben: Was soll's? Wir sind erwachsen.

Sie konnte sich an überhaupt nichts erinnern.

Sie drehte eine langsame Pirouette und nahm dabei den Schnitt und die Einrichtung des Zimmers in sich auf. Es war ein angenehmer Raum, geschmackvoll möbliert und auf einen allein lebenden Mann zugeschnitten. Aber nichts hier drin kam ihr bekannt vor. Gar nichts. Es war, als würde sie ihn zum ersten Mal sehen.

Offenbar waren sie tatsächlich in Jays Wohnung; hier und da standen Bilder von ihm, größtenteils Ferienschnappschüsse mit verschiedenen Freunden beiderlei Geschlechts. Sie war ganz sicher noch nie in diesem Raum oder in diesem Haus gewesen. Sie hätte nicht einmal die Adresse gewusst, obwohl sie eine vage Erinnerung daran hatte, dass sie zu Fuß hierher gegangen war - aber von wo aus?

Genau, aus dem Wheelhouse. Dort hatte sie sich mit Jay auf einen Drink getroffen. Er hatte schon einiges intus gehabt, als sie angekommen war, aber das war nicht ungewöhnlich. Jay trank gern und vertrug erstaunlich viel Alkohol. Sie hatte ein Glas Weißwein bestellt. Anschließend hatten sie geplaudert und sich gegenseitig erzählt, was es Neues gab.

Dann hatte er gesagt... Als ihr wieder einfiel, was er ihr erzählt hatte, überlief sie eine Gänsehaut, die nichts mit der Kälte im Zimmer zu tun hatte. Die Hand auf den Mund gepresst, um ein leises Aufstöhnen zu unterdrücken, drehte sie sich zum Bett um. Sie hauchte ein bekümmertes "O Jay" und wiederholte damit die Worte, die sie ausgestoßen hatte, als er ihr gestern Abend die grauenvolle Neuigkeit eröffnet hatte.

Können wir zu mir gehen und dort weiterreden?, hatte er gefragt. Ich bin inzwischen umgezogen. Eine alte Tante ist gestorben und hat mir ihre weltlichen Güter hinterlassen. Einen Haufen Porzellan, Kristall, antike Möbel, lauter alten Krempel. Ich habe alles zu einem Antiquitätenhändler geschleppt und mir von dem Erlös ein Haus in der Stadt gekauft. Gleich hier in der Nähe.

Er plauderte fröhlich weiter, so als hätten sie nur über die nahende Hurrikan-Saison gesprochen, dabei hatte seine Nachricht wie eine Bombe eingeschlagen. Grauenvoll. Nicht zu glauben. Es hatte ihr den Boden unter den Füßen weggezogen. War ihr Mitgefühl schließlich in ein anderes Gefühl umgeschlagen? Erklärte das die Liebesnacht?

Mein Gott, warum konnte sie sich nicht erinnern?

Auf der Suche nach Antworten und nach ihren restlichen Kleidern schlich sie weiter ins Wohnzimmer. Ihr Kleid und ihre Strickjacke lagen zusammengeknüllt auf einem Sessel, ihre Sandalen standen auf dem Boden. Auf dem Tisch vor dem Sofa sah sie eine offene Flasche Scotch und zwei Gläser. In der Flasche war nur noch ein Fingerbreit Flüssigkeit. Die Sofakissen waren eingedellt und verrutscht, so als hätte sich jemand darauf herumgewälzt.

Offenbar sie und Jay.

Im nächsten Moment lief sie ins Schlafzimmer zurück und weiter in das dahinter liegende Bad. Sie drückte lautlos die Tür zu, aber diese Vorsichtsmaßnahme war angesichts der Tatsache, dass sie schon Sekunden später würgend über der Toilette hing, überflüssig. Ihr Magen wurde von heftigen Krämpfen geschüttelt und stieß scheinbar literweise Scotch aus. Sie war noch nie eine große Scotch-Trinkerin gewesen, aber jetzt würde sie nie wieder einen Tropfen von diesem Gift anrühren, so viel stand fest.

In dem Spiegelschrank über dem Waschbecken stöberte sie etwas Zahnpasta auf, drückte sie auf ihren Zeigefinger und versuchte, den Schmutzfilm und den schlechten Geschmack von den Zähnen zu massieren. Danach fühlte sie sich zwar besser, aber immer noch so schmutzig, dass sie unbedingt duschen wollte. Wenn sie sauber war, würde sie Jay selbstbewusster gegenübertreten können, und die Exzesse der letzten Nacht wären ihr nicht mehr ganz so peinlich.

Die Duschkabine war bis unter die Decke gefliest und mit einer fest montierten Regendusche ausgestattet. Direkt unter dem Pseudoregen stehend, seifte und spülte sie sich mehrmals ab. Besonders sorgsam und gründlich wusch sie den Bereich zwischen ihren Beinen. Sie shampoonierte sich auch die Haare.

Nachdem sie fertig geduscht hatte, verlor sie keine unnötige Zeit. Bestimmt hatte ihn der Lärm, den sie veranstaltet hatte, inzwischen aufgeweckt. Sie zog sich wieder an, glättete ihr Haar mit seiner Bürste, holte tief Luft, um ihren ganzen Mut zusammenzunehmen, und riss die Badezimmertür auf.

Jay schlief immer noch. Wie war das möglich? Er war ein trainierter Trinker, offenbar hatte die vergangene Nacht sogar ihm zugesetzt. Wie viel Scotch war in der Flasche gewesen, als sie zu trinken angefangen hatten? Hatten sie tatsächlich zu zweit einen knappen Liter geleert?

Allem Anschein nach. Warum konnte sie sich sonst nicht erinnern, wie sie sich ausgezogen hatte und mit Jay Burgess ins Bett gehüpft war? Sie hatten vor Jahren eine kurze Affäre gehabt, die aber schnell erkaltete und geendet hatte, bevor sie sich zu einer echten Beziehung auswachsen konnte. Beide waren mit ungebrochenem Herzen daraus hervorgegangen. Es hatte keine Szene gegeben, keiner hatte offiziell Schluss gemacht. Sie hatten einfach aufgehört, miteinander auszugehen, und waren dennoch Freunde geblieben.

Nichtsdestotrotz hatte Jay, der charmante und unverbesserliche Jay, jedes Mal versucht, sie ins Bett zu locken, wenn sich ihre Wege gekreuzt hatten. "Man kann auch nur befreundet sein und trotzdem hin und wieder miteinander in die Kiste gehen", hatte er ihr mit seinem verführerischsten Lächeln versichert.

Sie sah das anders, und genau das hatte sie ihm immer erklärt, wenn er sie überreden wollte, um der alten Zeiten willen bei ihm zu übernachten.

Gestern Nacht hatte sie sich offensichtlich breitschlagen lassen.

Sie hätte erwartet, dass er in aller Frühe aus dem Bett springen würde, um mit seiner Eroberung zu prahlen, oder dass er sie mit einem Kuss wecken und sie ironisch zu einem Frühstück im Bett einladen würde. Sie konnte ihn fast auftrumpfen hören: "Wenn du schon hier bist, kannst du die Burgess-Behandlung auch bis zum Schluss genießen."

Warum war er eigentlich nicht zu ihr unter die Dusche gehüpft? Das wäre typisch Jay. Eigentlich hätte er sich zu ihr stellen und erklären müssen: Du hast eine Stelle auf deinem Rücken vergessen. Huch, und da vorne auch. Aber nicht einmal die Dusche hatte ihn geweckt. Genauso wenig wie das mehrmalige Spülen der Toilette.

Wie konnte er all das verschlafen? Er hatte sich nicht einmal .

Bewegt.

Ihr Magen hob sich wie auf einer Flutwelle. Ätzender Schleim schoss ihr in die Kehle, und sie hatte Angst, sich gleich wieder zu übergeben. Sie schluckte schwer. "Jay?", fragte sie zaghaft. Dann lauter: "Jay?"

Nichts. Kein Seufzen und kein Schniefen. Nicht die leiseste Bewegung.

Wie angewurzelt stand sie da und spürte ihr Herz klopfen. Dann setzte sie sich widerstrebend in Bewegung, trat ans Bett, legte die ausgestreckte Hand an seine Schulter und rüttelte sie mit aller Kraft. "Jay!"

1 Hinter dem quietschenden Protest der Scharniere zog Raley die verrostete Fliegentür auf. "Hey! Bist du da?"

"Bin ich doch immer!"

Ein ausgeblichener roter Lacksplitter löste sich, als der Holzrahmen hinter Raley zuschlug und er in die winzige Hütte trat. Es roch nach gebratenem Schweinefleisch und nach der mäuselöchrigen Armeedecke auf der Pritsche in der Ecke.

Seine Augen brauchten ein paar Sekunden, bis sie sich an die Dunkelheit gewöhnt und den Alten entdeckt hatten. Er saß an seinem dreibeinigen Tisch, über seine Kaffeetasse gekrümmt wie ein bissiger Hund, der einen mühsam erkämpften Knochen bewacht, und starrte auf den verschneiten Bildschirm eines Schwarz-Weiß-Fernsehers. Geisterhafte Schemen zogen über das Bild. Aus dem Lautsprecher kam nur statisches Rauschen.

"Guten Morgen."

Der Alte schnaubte einen Willkommensgruß durch die buschigen Nasenhaare. "Nimm dir ein'." Er nickte zu der Emailkanne auf dem Herd hin. "Aber besser ohne Sahne. Die hat über Nacht einen Stich gekriegt."

Raley stieg über die drei reglos am Boden liegenden Jagdhunde hinweg und trat an den Kühlschrank, der eingeklemmt zwischen einer zur Speisekammer zweckentfremdeten antiquierten Kuchenvitrine und einem Werktisch stand, der keinerlei Zweck erfüllte, außer Staub anzusammeln und den verfügbaren Platz in der übervollen Hütte zu verstellen.

Der Griff am Kühlschrank war abgerissen, wahrscheinlich schon vor Jahrzehnten, aber wenn man die Finger an der richtigen Stelle in die weiche Gummidichtung bohrte, konnte man die Tür aufbekommen. "Ich habe dir Fisch mitgebracht." Raley legte den in Zeitungspapier eingewickelten Katzenwels auf ein rostiges Kühlschrankgitter und schloss hastig die Tür vor dem Duftgemisch aus saurer Sahne und allgemeiner Verwesung.

"Hab zu danken."

"Gern geschehen." Der Kaffee war wahrscheinlich mehrmals aufgekocht worden und hatte mittlerweile die Konsistenz von frischem Asphalt angenommen. Ohne Sahne zur Verdünnung verzichtete Raley dankend.

Er warf einen Blick auf den stummen Fernseher. "Du musst deine Hasenohren neu ausrichten." Dabei streckte er eine Hand nach der schleifenförmigen Zimmerantenne aus.

"Das sind nicht die Hasenohren. Ich hab den Ton abgestellt." "Wieso das?"

Der alte Mann reagierte mit einem rituellen Schnauben, das heißen sollte, dass er sich nicht zu einer Antwort herablassen würde. Der selbst ernannte Eremit hauste seit "dem Krieg" im frei gewählten Exil, wobei er sich nie genauer darüber ausgelassen hatte, welchen Krieg er meinte. Er wollte so wenig wie möglich mit anderen Homo sapiens zu tun haben.

Kurz nachdem Raley in seine Nachbarschaft gezogen war, hatten sich ihre Wege im Wald gekreuzt. Raley hatte gerade in die Knopfaugen einer toten Beutelratte gestarrt, als der alte Mann durchs Unterholz gekracht kam und ihn angegeifert hatte: "Denk nicht mal dran!"

"Woran?"

"Mir mein Opossum wegzunehmen."

Den grauenvoll stinkenden, aufgedunsenen und mit Fliegen übersäten Kadaver mit dem rosa Schwanz anzurühren war so ziemlich das Letzte, was Raley in den Sinn gekommen wäre. Er hob kapitulierend die Hände und trat beiseite, damit der barfüßige alte Mann im fleckigen Overall seine Beute aus dem Metallkiefer der kleinen Falle lösen konnte.

"So wie du hier rumtrampelst, hätt's mich nicht gewundert, wenn du in meiner Falle gelandet wärst und nicht das Opossum", grummelte er.

Raley war davon ausgegangen, dass um die Hütte, die er kürzlich erworben hatte, meilenweit niemand lebte. Er brauchte keinen Nachbarn, schon gar keinen, der über sein Kommen und Gehen Buch führte.

Als der alte Mann aufstand, protestierten seine Knie mit so lautem Knacken und Knirschen, dass er unter Schmerzen das Gesicht verzog und einen Schwall von Flüchen ausstieß. Den baumelnden Kadaver in der Hand haltend, taxierte der Alte Raley von der Baseballkappe und dem bärtigen Gesicht abwärts bis zu den Wanderschuhen. Nach abgeschlossener Inspektion spuckte er einen Strahl Tabaksaft in den Dreck, um seine Meinung über diesen Anblick kundzutun. "Is' schließlich nicht verboten, im Wald rumzulaufen", sagte er. "Aber lass bloß die Finger von meinen Fallen."

"Es würde die Sache vereinfachen, wenn ich wüsste, wo sie stehen."

Die Lippen des Alten verzogen sich zu einem breiten Grinsen, bei dem er tabakfleckige Stummel entblößte, wo früher einmal Zähne gewesen sein mussten. "Kann ich mir vorstellen." Immer noch keckernd wandte er sich ab. "Die findest du schon, da wette ich drauf." Noch lange nachdem er im dichten Unterholz verschwunden war, hörte Raley sein meckerndes Lachen.

Während der folgenden Monate waren sie sich immer wieder zufällig im Wald begegnet. Zumindest waren es für Raley zufällige Begegnungen gewesen. Er nahm an, dass sich der Alte nur zeigte, wenn ihm danach war, und unsichtbar blieb, wenn er keine Lust hatte, seinem neuen Nachbarn einen Gruß zuzu- grunzen.

An einem heißen Nachmittag trafen sie in der Tür des Lebensmittelladens im nächsten Ort aufeinander. Raley wollte gerade hinein, der alte Mann heraus. Sie nickten einander zu. Als Raley später mit mehreren Einkaufstüten wieder nach draußen kam, sah er den Alten in einem Korbsessel auf der schattigen Veranda vor dem Laden sitzen und sich mit dem Hut Luft zufächeln. Aus einem Impuls heraus zerrte Raley eine gekühlte Bierdose aus dem Sixpack und warf sie dem Alten zu, der sie in einem exzellenten Reflex mit einer Hand auffing.

Raley lud die Einkäufe auf der Ladefläche des Pick-ups ab und kletterte hinter das Steuer. Der Alte beobachtete mit sichtlichem Misstrauen, wie er den Rückwärtsgang einlegte und aus der Parklücke setzte, aber Raley war aufgefallen, dass er die Dose geöffnet hatte.

Am nächsten Morgen klopfte jemand an Raleys Hütte. Nachdem er noch nie Besuch bekommen hatte, näherte er sich argwöhnisch der Tür. Vor ihm stand der Alte, in der Hand hielt er eine gesprungene Keramikschüssel mit einem Berg von rohem Fleisch unbekannter Herkunft. Es sah aus wie Aas, das sogar das Jagdhundetrio verschmäht hatte.

"Für das Bier. Ich mag keine Schulden bei niemand haben."

Raley nahm die Schüssel entgegen, die ihm an die Brust gedrückt wurde. "Danke." Sein Besucher machte kehrt und stapfte die Stufen hinab. Raley rief ihm nach: "Wie heißen Sie eigentlich?"

"Wer will das wissen?"

"Raley Gannon."

Der Alte zögerte und brummelte dann: "Delno Pickens."

Von jenem Morgen an hatte sich zwischen ihnen eine Art Freundschaft entwickelt, die auf Einsamkeit und dem gemeinsamen Widerwillen beruhte, mit anderen Menschen Kontakt aufzunehmen.

Alles in allem waren Delnos Besitztümer keine hundert Dollar wert. Ständig schleifte er Sachen nach Hause, die er weiß Gott wo aufgetrieben und für die er keine Verwendung hatte. Seine Hütte stand auf Pfählen, zum Schutz vor Überschwemmungen, wenn der Combahee über die Ufer trat. Doch der Hohlraum unter dem Boden war mit Sperrmüll vollgestopft, wie um der Hütte ein solideres Fundament zu geben. Das Gelände um die Hütte war ebenfalls mit Schrott übersät, der nie auch nur zentimeterweise bewegt wurde, soweit Raley feststellen konnte. Das Sammeln schien Delno wichtiger zu sein als die Fundstücke selbst.

Er fuhr einen Pick-up, den Raley insgeheim "Frankenstein" getauft hatte, weil er aus den verschiedensten Einzelteilen bestand, die Delno im Lauf der Zeit zusammengetragen hatte, und hauptsächlich von Draht und Klebeband in Form gehalten wurde. Raley empfand es jedes Mal als Wunder, dass Delno das Gefährt überhaupt in Gang brachte, aber wie Delno sagte: "Es ist nicht schön, aber es bringt mich hin, wo ich hin will."

Er aß alles. Wirklich alles. Alles, was er aus dem Wald, aus einer Falle oder aus dem Fluss zerren konnte. Aber was es auch war, er war stets bereit, es mit Raley zu teilen, seit sie Freundschaft geschlossen hatten.

Überraschenderweise war er sehr belesen und konnte sich fundiert über Themen unterhalten, bei denen man ihm das nie zugetraut hätte. Im Lauf der Zeit begann Raley zu argwöhnen, dass der Hillbilly-Akzent und das dazugehörige Vokabular nur zur Tarnung dienten. Genau wie das Elend, in dem er hauste, waren sie ein Protest gegen sein früheres Leben.

Aber was das für ein Leben gewesen war, blieb Delnos Geheimnis. Niemals erwähnte er eine Heimatstadt, seine Kindheit oder seine Eltern, eine frühere Beschäftigung, Kinder oder eine Ehefrau. Er redete ausschließlich mit seinen Hunden und mit Raley. Seine Intimbeziehungen beschränkten sich auf einen Stapel zerlesener Nackedei-Heftchen, die er unter seiner Pritsche versteckt hatte.

Auch Raley erzählte Delno nichts aus seinem Leben. Wenigstens nicht während der ersten zwei Jahre ihrer Bekanntschaft. Bis Delno eines Abends bei Sonnenuntergang vor Raleys Hütte stand, unter die Arme zwei Einmachgläser mit einer schlammigen Flüssigkeit geklemmt, die er selbst fermentiert hatte.

"Hab dich die ganze Woche nicht gesehen. Wo hast du gesteckt?"

"Hier."

Raley wäre lieber allein geblieben, aber Delno hatte sich schon in seine Hütte gedrängt. "Dachte, du könntest vielleicht einen Schluck vertragen." Er musterte Raley abfällig. "Wenn ich dich so sehe, hab ich wohl richtig gedacht. Du siehst wirklich übel aus. Konnte dich schon unten an der Veranda riechen."

"Ausgerechnet du willst das Aussehen und die Körperhygiene anderer Leute kritisieren?"

"Wen hast du angerufen?"

"Wie bitte?"

"Dieses Plappermaul an der Kasse im Laden? Die mit der Zuckerwattefrisur und dem Gehänge an den Ohren? Die hat mir erzählt, du bist letzte Woche reingekommen, hast dir eine Handvoll Münzen geben lassen und damit das Telefon vor dem Laden gefüttert. Sie hat gesagt, du hast kurz telefoniert, dann hast du aufgelegt, und danach hast du ausgesehen, als wolltest du gleich wen umbringen. Dann bist du in deinen Truck gestiegen und losgerast, ohne deinen Einkauf zu zahlen, sagt sie."

Er öffnete eines der Gläser und reichte es Raley, der kurz daran schnüffelte und es dann kopfschüttelnd zurückgab. "Darum frage ich", fuhr Delno nach einem tiefen Schluck aus dem Glas fort, "wen hast du angerufen?"

Der Morgen dämmerte schon, als Raley fertig erzählt hatte. Bis dahin hatte Delno beide Gläser geleert. Raley fühlte sich ebenfalls leer - emotional, mental, körperlich. Es war eine schmerzhafte, aber therapeutische Katharsis gewesen. Ein ganzes Dutzend eitriger Wunden hatte er dabei aufgestochen.

Als alles gesagt war und Raley keine Kraft mehr zum Reden hatte, sah er den alten Mann an, der stundenlang zugehört hatte, ohne einen Ton von sich zu geben. Das faltige, lederige Gesicht zeigte tiefe Trauer. Zum ersten Mal, seit sie sich kennengelernt hatten, sahen ihn die alten Augen offen und ohne Argwohn an, und Raley begriff, dass er in die Seele eines Menschen blickte, der unaussprechlichen Kummer durchgemacht hatte. Es schien, als hätte Delno Pickens alles Leid und alle Ungerechtigkeit der Welt in diesen einen hoffnungslosen Blick gepackt.

Dann seufzte er und streckte, obwohl sie sich noch nie berührt hatten, die Hand aus, um Raleys Knie zu tätscheln. "Geh und wasch dich unter den Armen, sonst kotz ich den ganzen guten Schnaps wieder aus, weil du so stinkst. Ich mach dir solange Frühstück."

Sie sprachen nie wieder über das, was Raley in jener Nacht erzählt hatte. Es war, als hätte es diese Nacht nie gegeben. Aber Raley hatte nie vergessen, wie leidgeprüft Delno ihn damals angesehen hatte.

"Was ist?" Raleys Herz setzte einen Schlag aus, und ihm schoss automatisch das Wort Katastrophe durch den Kopf. Eine vollbesetzte 747, die in einen Berg gekracht war. Ein Anschlag auf den Präsidenten. Ein terroristisches Attentat wie der Angriff auf das World Trade Center.

"Mach jetzt bloß keine Dummheiten, okay?", warnte ihn Delno.

"Was ist denn los?"

Unter griesgrämigen Flüchen über das "beschissene Programm da" nickte Delno zum Fernseher hin.

Raley trat an den uralten Apparat, drehte die Lautstärke auf und hantierte an der Zimmerantenne herum, um ein besseres Bild zu bekommen.

Das Bild blieb verschneit und der Ton kratzig, trotzdem war ihm Sekunden später klar, was passiert war und warum Delno nicht den Mut aufgebracht hatte, es ihm zu erzählen.

Jay Burgess war tot.

2 Die glauben mir nicht, stimmt's?"

Britt richtete die Frage an den Fremden, den sie als Anwalt engagiert hatte. Seit sie entdeckt hatte, dass Jay neben ihr im Bett gestorben war, waren vierundzwanzig Stunden vergangen, trotzdem gab sie die Hoffnung nicht auf, dass alles nur ein schrecklicher Traum sein möge, aus dem sie bald wieder erwachen würde.

Leider war alles absolut real.

Kurz nach ihrem hektischen Anruf in der Notrufzentrale waren ein Notarzt und zwei Polizisten in Jays Stadthaus erschienen. Wenig später folgten ein Gerichtsmediziner und zwei Detectives, die sich als Clark und Javier vorstellten. Die beiden hatten sie in Jays Wohnzimmer vernommen, während im Schlafzimmer der Leichnam untersucht und für den Abtransport in die Pathologie vorbereitet worden war. Dann war sie mit den Detectives in die Polizeizentrale gefahren, um ihre formelle Aussage zu machen. Nachdem das letzte i-Pünktchen gesetzt und der letzte t-Strich gezogen war, hatte sie geglaubt, alles überstanden zu haben - bis auf das Trauern.

Aber heute Morgen hatte Clark sie zu Hause angerufen. Nachdem er sich für die frühe Störung entschuldigt hatte, hatte er ihr eröffnet, er und Javier wollten noch ein paar Details klären, ob sie noch einmal in die Polizeizentrale kommen könne.

Die Bitte war freundlich, fast beiläufig geäußert worden, dennoch hatte sie Britt Unbehagen bereitet, und zwar so großes, dass sie es für ratsam gehalten hatte, sich von einem Anwalt begleiten zu lassen. Wenn sie bislang mit Anwälten zu tun gehabt hatte, dann nur bei Steuerfragen, in Immobilienangelegenheiten und wegen der Hinterlassenschaft ihrer Eltern. Sie bezweifelte, dass Anwälte, die solche Dinge regelten, je auf einem Polizeirevier gewesen waren.

Auf der Suche nach einer Empfehlung hatte sie den Manager des Senders angerufen.

Natürlich hatte jeder Sender gestern Abend ausführlich über Jay Burgess' schockierenden Tod berichtet. Ihre Kollegen hatten sich nur zurückhaltend über ihre Verwicklung in diesen Todesfall geäußert, aber auch wenn sie sich gebremst hatten, war es eine heiße Story: Britt Shelley, die renommierteste Reporterin auf dem Markt, machte plötzlich selbst Schlagzeilen.

Vom Standpunkt eines Fernsehreporters aus musste sie zugeben, dass das eine pikante Ironie und gleichzeitig eine Sensationsmeldung war.

Der Manager hatte ihr Trost zugesprochen. "Das muss wirklich schrecklich für dich gewesen sein, Britt."

"Ja, das war es. Ist es, genauer gesagt. Darum rufe ich dich auch zu Hause an."

"Ich bin für dich da. Ich helfe dir, wo ich kann", hatte er beteuert. Dann hatte sie ihn gefragt, ob er ihr einen Anwalt empfehlen könne.

"Einen Strafverteidiger?"

Sie hatte ihm sofort versichert, dass das eine reine Vorsichtsmaßnahme sei, dass das Gespräch - sie vermied den Ausdruck "Vernehmung" - nur Routine und eine reine Formalität sei. "Trotzdem möchte ich einen Rechtsbeistand dabeihaben." Er hatte sofort zugestimmt und versprochen, sich telefonisch für sie umzuhören.

Als Bill Alexander auf dem Revier erschienen war, hatte er sich atemlos entschuldigt, weil er zehn Minuten zu spät gekommen war. "Ich stand im Stau."

Sie hatte auf einen imposanten, gebieterischen und charismatischen Gentleman gehofft und konnte ihre Enttäuschung nur schwer verhehlen, als der schmächtige, unaufdringliche und fahrig wirkende Alexander ihr seine Karte entgegenstreckte. Er hatte gerade noch Zeit, sich vorzustellen, bevor die beiden Detectives ins Zimmer kamen.

Im Gegensatz zu ihm personifizierten Clark und Javier das Klischee der hartgesottenen Detectives.

Als die beiden am Vortag in Jays Stadthaus erschienen waren und erkannt hatten, dass sie mit der Britt Shelley von den Channel Seven News sprachen, hatten sie kurz ehrfürchtig und verlegen herumgedruckst, wie es die Menschen manchmal taten, wenn sie einer Persönlichkeit aus dem Fernsehen in Fleisch und Blut begegneten.

Die Detectives hatten sich dafür entschuldigt, dass sie Britt direkt nach einem so traumatischen Erlebnis am Tatort aufhalten und sie einer Befragung unterziehen müssten, aber leider sei es ihr Job herauszufinden, was genau vorgefallen war. Britt hatte alle Fragen nach bestem Vermögen beantwortet, und allem Anschein nach hatten die beiden nichts an ihrer Darstellung auszusetzen gehabt.

Heute Morgen hatte sich der Tenor der Befragung leicht, aber spürbar verändert. Inzwischen wirkten Clark und Javier ganz und gar nicht mehr verlegen. Verglichen mit gestern kamen die Fragen wesentlich schärfer.

Britt kooperierte, so gut sie konnte, denn sie wusste, dass die Weigerung, mit der Polizei zusammenzuarbeiten, gewöhnlich als Schuldeingeständnis gedeutet wurde. Dabei war sie höchstens schuldig, mit einem Mann geschlafen zu haben, der danach im Schlaf gestorben war. Die Geschichte bot Stoff für unzählige Scherze über Jays sexuelle Fähigkeiten - und natürlich ihre.

Die hat ihn definitiv flachgelegt. Zwinker, zwinker.

Aber er ist mit einem Lächeln auf den Lippen gestorben. Zwinker, zwinker.

Er ist im selben Atemzug gekommen und gegangen. Zwinker, zwinker.

Falls diese Detectives auf erotische Details aus waren, musste Britt sie enttäuschen. Sie konnte sich nur daran erinnern, wie sie aufgewacht war und Jay tot neben ihr im Bett gelegen hatte. Sie konnte sich nicht daran erinnern, was in diesem Bett passiert war. Doch sie hatte nicht den Eindruck, dass ihr die Detectives glaubten, nicht einmal, nachdem sie Britt eine Stunde lang eingehend befragt hatten.

Gerade hatten Clark und Javier vorgeschlagen, eine kurze Pause einzulegen, und sie dabei mit ihrem eben erst verpflichteten Anwalt allein gelassen, was ihr Gelegenheit gab, sich mit ihm bekannt zu machen und ihn vor allem zu fragen, wie er die Situation interpretierte.

"Die glauben mir nicht, stimmt's?", wiederholte sie ihre Frage, nachdem sie ihm beim ersten Mal keine Antwort entlockt hatte.

Diesmal lächelte er sie arglos an. "Das Gefühl habe ich ganz und gar nicht, Ms Shelley." Er klang, als würde er einem verängstigten Kätzchen Mut zusprechen. "Sie sind gründlich, aber das müssen sie auch sein, wenn jemand unter so ungewöhnlichen Umständen stirbt."

"Jay Burgess litt an unheilbarem Krebs."

"Ja, aber "Er hatte viel getrunken. Wahrscheinlich hat sich der Alkohol nicht mit den starken Medikamenten vertragen."

"Ganz zweifellos."

"Es kommt oft vor, dass jemand stirbt, weil er starke Medikamente eingenommen und Alkohol dazu getrunken hat. Jay ist bestimmt an einem Herzstillstand oder Atemstillstand gestorben. Irgendwas in der Richtung."

"Da haben Sie bestimmt recht."

"Dann erklären Sie mir, warum ich so lange vernommen werde."

"Zum Teil ist das ein Reflex auf den plötzlichen Tod eines Kollegen", erklärte er ihr.


Kundenbewertungen zu "Süßer Tod" von "Sandra Brown"

3 Kundenbewertungen (Durchschnitt 3.3 von 5 Sterne bei 3 Bewertungen   gut)
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Bewertung von Blacky (blacky-book@live.de) am 29.06.2013   sehr gut
Inhalt:
Die Journalistin Britt Shelley wacht im Bett neben dem Polizisten Jay Burgess auf, der durch seinen Einsatz bei einem Feuer vor sieben Jahren zum Helden wurde. Aber sie weiß nicht, wie sie dort gelandet ist und warum Jay tot neben ihr liegt ... Britt gerät schnell ins Visier der Polizei, doch gefährlicher sind ihre anderen Verfolger. Allen voran der Ex-Feuerwehrmann Raley Gannon. Er war es, der bei dem Feuer damals Verdächtiges fand - und dann alles verlor. Seitdem sinnt er auf Rache und kidnappt Britt, um sie zu verhören. Doch sie werden gemeinsam zum Ziel von sehr mächtigen Feinden ...

Eine spannende Story, die aber nicht ganz so interessant und fesselnd ist, wie andere Werke von Sandra Brown (Neid, Gier Weißglut u. a.). Erst nach und nach erfährt man, was hinter dieser ganzen Sache steckt und was damit alles zusammenhängt. Vieles ist ganz anders, als es zunächst scheint . Es bleibt also spannend bis zum Ende.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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Bewertung von Kerry aus Berlin am 26.07.2012   ausgezeichnet
Britt Shelley ist eine angesehene TV-Journalistin. Doch sie weiß partout nicht, wie sie in das Bett von Jay Burgess gekommen ist, in dem sie eines Morgens aufwacht. Noch bevor sie sich aus dem Haus heraus schleichen kann, muss sie feststellen, dass Jay die Nacht nicht überlebt hat. Dieser war schwer erkrankt und hatte nur noch wenige Wochen zu leben, von daher geht sie davon aus, dass er eines natürlichen Todes gestorben ist. Doch der herbeigerufenen Polizei fallen Ungereimtheiten auf und die Autopsie bringt Gewissheit: Jay Burgess, Polizist und Held, wurde ermordet. Das Britt sich nicht an die Nacht und die Stunden davor erinnern kann, gilt in den Augen der Polizei als wenig glaubwürdiges Alibi.

Doch einer ahnt, was Britt widerfahren sein kann. Vor sieben Jahren wachte der ehemalige Feuerwehrmann Raley Gannon ebenfalls neben einer toten Frau auf - auch ihm wollte niemand glauben. Er hatte Glück, Freunde setzen sich für ihn ein und das Opfer starb nachweislich an einer Überdosis. Doch warum passierte das genau zu dem Zeitpunkt, als er die Brandursache eines Brandes in der Polizeistation klären sollte? Und ausgerechnet Britt Shelley war es damals, die seinen guten Ruf endgültig zerstörte, indem sie immer und immer wieder über ihn berichtet. Damals zerbracht auch die Beziehung zu seiner Verlobten und er verlies die Stadt, um sich fernab ein neues Leben aufzubauen.

Jetzt, sieben Jahre später, weiß Raley, dass die Zeit zum Handeln gekommen ist. Mitten in der Nacht dringt er in Britts Wohnung ein und entführt sie. Er will sie zur Rede stellen, was mit Jay passiert ist, dieser war bis zu den Ereignissen vor sieben Jahren sein bester Freund. Ohne es zu ahnen, bewahrt er Britt durch seine Entführung vor der Verhaftung, denn die Polizei geht mittlerweile davon aus, dass sie Jay ermordet hat. Doch bald müssen Britt und Raley feststellen, dass sie nur gemeinsam klären können, warum genau Jay sterben musste. Sie fangen an zu ermitteln und es scheint eine direkte Verbindung zu geben, zu dem Brand, der vor sieben Jahren wütete und aus dem Jay Burgess und drei andere als Helden hervorgingen. Warum brach der Brand aus und wer versucht zu verhindern, dass die Wahrheit über die Brandursache an Licht kommt. Denn eines steht fest: Britt und Raley haben Feinde, die nicht davor zurückschrecken zu beenden, was mit Jay Burgess begann ...

Was mit Sandra Brown begann, wird mit diesem Buch fortgesetzt! Hierzu muss ich erklären, dass ich vor Jahren (Jahrzehnten???) meinen ersten Thriller las - es war "Die Zeugin" von Sandra Brown und seitdem bin ich diesem Genre verfallen, weshalb Sandra Brown immer einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal und Herzen haben wird. Der Plot des Buches wurde wieder sehr detailliert, mit ein bisschen Erotik und mit Wendungen versehen, die ein Erahnen der tatsächlichen Umstände nicht möglich machen. Bis zur Auflösung habe ich mitgefiebert, warum genau es zu dem Brand kam und wieso sowohl Raley, wie auch später Jay aus dem Weg geräumt werden mussten. Der Schreibstil ist ausgesprochen actionreich mit wunderschönen prickelnden Momenten versehen, sodass ich das Buch an einem Stück gelesen habe. Die Protagonisten wurden sehr facettenreich und tiefgründig in Szene gesetzt, sodass ich mich jederzeit in sie hineinversetzen konnte und somit förmlich in der Geschichte aufgegangen bin. Auf weitere Bücher der Autorin freue ich mich bereits jetzt.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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Bewertung von Cosmea aus Hamburg am 19.07.2011   schlecht
Leider bin ich wesentlich besseres von Sandra Brown gewohnt.
Zumindes was die Thriller betrifft.
Die Handlung war ja zugegebenermaßen schon immer zweitrangig, aber sie hat es
zumindest verstanden zwischen den Hauptcharakteren die Funken fliegen zu lassen.
Aber hier fliegt nicht mal ein Fünkchen.
Es war so langweilig, dass ich es nicht bis zum Ende gelesen habe.
Schade.

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