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Carolin Emcke 

Stumme Gewalt

Stumme Gewalt - Emcke, Carolin

Nachdenken über die RAF. Ausgezeichnet mit dem Theodor-Wolff-Preis 2008

Mit Beitr. v. Winfried Hassemer u. Wolfgang Kraushaar

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Produktinformation
  • Abmessung: 209mm x 134mm x 23mm
  • Gewicht: 300g
  • ISBN-13: 9783100170170
  • ISBN-10: 3100170172
  • Best.Nr.: 23280853

Leseprobe zu "Stumme Gewalt"

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Produktbeschreibung zu "Stumme Gewalt"

Beschreibung

Es schafft einen ganz eigenen Raum um sich herum, dieses Schweigen, in den werden wir eingeschlossen: Täter und Opfer zugleich.
Die Stille verfestigt sich wie eine Eisschicht.
Darin eingefroren, vergeht die Zeit ohne uns.

In ihrem berührenden, so persönlichen wie politischen Text argumentiert Carolin Emcke dafür, endlich das eisige Schweigen zwischen Tätern und Opfern des RAF-Terrors zu brechen. Sie sucht nach einer anderen Form des Schreibens über die RAF und argumentiert für einen gesellschaftlichen Dialog jenseits der Konfrontation.
Carolin Emckes Buch ist ein moralisches Plädoyer gegen Gewalt und für ein historisch differenziertes Nachdenken über die RAF und die politischen und sozialen Fragen unserer Zeit.

26.05.2008

Carolin Emcke liest in Frankfurt

Gewalt sagt deutlich, was sie will, ihren Opfern aber verschlägt sie die Sprache, oft auf lange Zeit. Als Alfred Herrhausen im November 1989 von den Terroristen der Rote Armee Fraktion ermordet wurde, war seine Patentochter Carolin Emcke 22 Jahre alt. Jetzt hat die Journalistin und Politikwissenschaftlerin ein Buch veröffentlicht, das sie "Stumme Gewalt" genannt hat. In ihm fordert sie die Aufklärung einiger Aspekte der RAF-Taten, die nie wirklich zur Sprache gekommen seien - sie nennt die mögliche Unterstützung der Terroristen durch den Staatssicherheitsdienst der DDR. Außerdem plädiert Emcke für ein "Forum der Aufklärung", das geständigen Tätern im Tausch für gesichertes Wissen eine Amnestie in Aussicht stellte. Für ihr Buch ist Emcke mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet worden. Heute um 20 Uhr liest sie im Verlagshaus S. Fischer in der Frankfurter Hedderichstraße 114.

balk.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main

30.05.2008

Die Täter sollen sprechen können
„Stumme Gewalt”: Carolin Emcke denkt über die RAF nach und setzt auf ein Forum „Freiheit gegen Aufklärung”
Drei Wochen nachdem die Mauer gefallen war, wurde Alfred Herrhausen ermordet. Carolin Emcke, die ihn seit langem kannte – er war ihr Patenonkel – fuhr zum Haus der Familie nach Bad Homburg. An diesem Tag begann sie zu rauchen. Er scheidet ihr Leben. Es gibt ein Davor und ein Danach und „in der Mitte nur eine Bruchstelle der Bewusstlosigkeit”.
Sie war damals 22 Jahre alt, sie ist Journalistin geworden, hat für den Spiegel geschrieben, aber über ihre Freundschaft zu Herrhausen und die Tage nach dem Attentat hat sie in den knapp zwei Jahrzehnten seither nicht berichtet. Jetzt tut sie es in einem schmalen Buch, das in Form und Gehalt so ungewöhnlich ist wie wenige. Gut sortierende Leser werden eine Weile zögern, bis sie für dieses „Nachdenken über die RAF” den richtigen Platz im Regal gefunden haben. Man wird es kaum zu den Werken der Zeitgeschichte stellen wollen. Emcke bemüht sich nicht, aus allerlei Quellen ein stimmiges Bild zu gewinnen, das Gewesene zu vergegenwärtigen. Meist stellt …

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Kundenbewertungen zu "Stumme Gewalt" von "Carolin Emcke"

Durchschnittliche Kundenbewertung (aus 1 Bewertung):
3 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen *****
gut
Bewertung von mathcomp aus Heiligenhaus am 26.07.2010
*****
gut
Alfred Herrhausen, der damalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank, wurde 1989 auf dem Weg zur Arbeit durch eine Bombe morgens getötet. Carolin Emcke war seine Patentochter und reiste, nachdem sie in den Nachrichten vom Attentat gehört hatte, so schnell an seinen Ort, dass sie mittags zum abgesperrten Ort des Attentats gelangte, als der zerstörte Wagen noch zerbombt dastand. Sie beschreibt einen Schock und seine Wirkung, der darin bestand, dass der Anblick, der sich ihr bot, die Nachricht vom Tod Herrhausens, die sie in der Ferne bekommen hatte, wirklich machte. Vielleicht ist Emckes spätere Berufswahl Journalismus, wo das Aufsuchen von Orten, das In-Augenschein-Nehmen und das Berichten über das Gesehene zentrale Handlungen sind, auch dem Schock an diesem Tag geschuldet, aber das ist spekulativ. Sicher ist, dass Emckes Buch assoziativ arbeitet und über die ganze Länge organisiert ist über Sprünge zwischen Themen, Perspektiven, Ebenen, Zeiten und Intentionen. Springen ist Teil der Freiheit des Schreibens, aber der Eindruck, den die Sprünge bei mir hinterliessen, war der eines unverarbeiteten Schocks. Mich hat es merkwürdig berührt, dass Emcke so sehr beklagt, dass die RAF Terroristen hinter dem Herrhausen Attentat stumm und unauffindbar geblieben sind, aber dass sie von den vielen in der RAF, die hinter den Attentaten davor standen und die nicht stumm waren und die aufgespürt und ins Gefängnis gebracht wurden, nur Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar erwähnt. Es wirkt fast so, als ginge es ihr zu allererst um ein imaginiertes Gespräch mit den unbekannten und flüchtigen Mördern ihres Patenonkels und nur am Rande darum, was man vielleicht von der RAF und ihren Mitgliedern verstehen kann durch Studium der Äußerungen derer, die frühere Verbrechen begangen hatten, gefaßt wurden und für sie verurteilt wurden . Auch diese Wahl des einen Ansatzes und Auslasssung anderer ist Teil der Freiheit des Schreibens, aber Emcke bleibt eine Antwort schuldig, warum sie mit dieser sehr eingeschränkten Perspektive glaubt, den bisher von Polizei, Bundesanwaltschaft und Richtern beschrittenen Weg der Strafverfolgung von RAF Terroristen für nutzlos, gescheitert, ja sogar falsch erklären zu können. Emcke schlägt als Weg einen Verzicht auf Anklagen gegen die Terroristen vor, um im Gegenzug von ihnen Geständnisse zu bekommen. Hier stellt sich mir die Frage, für wen alles darin ein Nutzen liegen könnte, der über die Nutzen hinaus ginge, den diese Geständnisse ohne Zweifel hätten für Personen wie Emcke, die dem ermordeten Herrhausen nahestanden.
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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

20.05.2008

Stefan Reinecke kann sich derart mit den zentralen Aussagen dieses Buchs identifizieren, dass er  der Journalistin Carolin Emcke einige Seltsamkeiten nachsieht. Kern des Essays "Stumme Gewalt" ist die Forderung, RAF-Täter straffrei ausgehen zu lassen, wenn sie denn die Wahrheit darüber aussagen, wer wann an welchem Attentat beteiligt war. Für ihn hat diese Idee etwas "Öffnendes, Leuchtendes" gar. Ihre "Autorität" bezieht Emcke für Reinecke in ihrer Rolle als "kritische Zeitgenossin" und als "Angehörige", wie er sie bezeichnet. Sie war ein Patenkind des ermordeten Bankiers Alfred Herrhausen. Zu den irritierenden Punkte zählt Reinecke nichtsdestotrotz, dass Emcke recht "unbescheiden" auftritt, bisher nie zu der Frage Stellung bezogen hatte, wichtige Initiativen wie den Braunmühl-Brief nur am Rande erwähnt und schließlich den selbstverständlichen Gebrauch eines "Wir", das sich Reinecke einfach nicht erklären kann.

© Perlentaucher Medien GmbH

Autorenporträt zu "Carolin Emcke"

Carolin Emcke (Jg. 1967) studierte Philosophie, Politik und Geschichte in London, Frankfurt am Main und Harvard. Von 1998 bis 2006 war sie Redakteurin beim »Spiegel« und als Auslandsredakteurin in vielen Krisengebieten unterwegs, seit 2007 ist sie internationale Reporterin für das "ZEITmagazin". Für ihr Buch "Von den Kriegen" wurde sie mit dem Preis "Das politische Buch" der Friedrich-Ebert-Stiftung und dem Förderpreis des Ernst-Bloch-Preises ausgezeichnet.

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