Sternstunden der Bedeutungslosigkeit - Schamoni, Rocko

Rocko Schamoni 

Sternstunden der Bedeutungslosigkeit

Roman

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Produktbeschreibung zu Sternstunden der Bedeutungslosigkeit

Erwachsenwerden ist nicht leicht. Vor allem, wenn man schon die ersten grauen Haare hat.

Er ist Student und er kellnert. Hauptamtlich ist Sonntag aber damit beschäftigt, an sich, der Welt, den Frauen, den Spießern und an Magenproblemen zu leiden. Die Spießer: verachtungswürdig, aber glücklich. Die Frauen: begehrenswert oder zu haben, niemals aber beides zugleich. Einen Ausweg aus dem komischen Elend gibt es nicht. Oder vielleicht doch?

Produktinformation


  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 249 S.
  • Seitenzahl: 249
  • rororo Taschenbücher Nr.24726
  • Deutsch
  • Abmessung: 194mm x 115mm x 20mm
  • Gewicht: 230g
  • ISBN-13: 9783499247262
  • ISBN-10: 3499247267
  • Best.Nr.: 23846414
kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag

"Das Multitalent ist sowohl der Bohlen des Underground als auch der Adorno des Punk (...) in der Tradition des Entwicklungsromans gelingen dem genialen Dilettanten Erkenntnissplitter von zeitloser Tiefe." - Focus

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 08.06.2007

Schopenhauer kam bis Cloppenburg

Was kommt nach einem Leben als Dorfpunk? Rocko Schamoni ist alle Illusionen los und feiert in seinem neuen Roman als verkrachte Großstadtexistenz "Sternstunden der Bedeutungslosigkeit".

Von Edo Reents

Die Popkultur und Schopenhauer - zwei, die sich (endlich) gefunden haben. 1970 gab es im Schopenhauer-Jahrbuch einen Aufsatz über pessimistisch-nihilistische Strömungen in der Rockmusik; als Untersuchungsmaterial diente unter anderem die erste Platte von Rod Stewart. Anderthalb Jahrzehnte später gab ein längst wieder vergessenes Popduo im deutschen Fernsehen zu Protokoll, sich privat mit Metaphysik zu befassen, am liebsten mit Nietzsche und Schopenhauer. Dann sangen die "Ärzte" das Lied "Schopenhauer", das mit dem Philosophen allerdings gar nichts zu tun hatte.

Und nun kommt Rocko Schamoni mit einem Schopenhauer-Roman. Geht das? Schamoni war Punker, und wenn man Punk als die Lebens- und Weltverweigerung schlechthin bezeichnen mag, dann liegt es auf der Hand, wo er in einem Alter, in dem Punk doch etwas albern wird, weltanschaulich landen musste, ohne dass er sich innerlich ganz vom Punk als Lebensgefühl …

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Rocko Schamoni, 1966 in Deutschland geboren, veröffentlichte zahlreiche CDs, arbeitet für Theater, Film und Fernsehen, tourt regelmäßig solo oder mit Band durch die Republik und hat inzwischen eine eingeschworene Fangemeinde. Er veröffentlichte die Romane 'Risiko des Ruhms' (2000) und 'Dorfpunks' (2004).

Leseprobe zu "Sternstunden der Bedeutungslosigkeit" von Rocko Schamoni

Gesundheitstermine sind die letzten Termine die ich noch einhalten kann. Wenn man den Arzttermin nicht mehr schafft, tut sich vor einem eine bodenlose Leere auf. Der Arzt ist der letzte, der jemanden wie mich in einem sinnvollen, menschlichen Rahmen halten kann, Ärzte stehen noch über Chefs, über Politikern, über Eltern, nach dem Arzt kommt das Nichts. Für einen wie mich. Eben habe ich mal wieder in das eine alte Auge von Fräulein Bethke, der Sprechstundenhilfe, gestarrt. Man kann nur in das eine blicken, denn das andere ist, seitdem ich in diese Praxis komme, zugeklebt. Ich weiß nicht, warum es zugeklebt ist, die Frau ist deutlich über Fünfzig, ihre Sehschärfe kann man nicht mehr richten wie bei einer Fünfjährigen, wieso also verklebt man ihr das eine Auge? Oder ist sie viel jünger als sie aussieht? Blödsinn. Das eine Auge ist verklebt und das andere stiert einen missmutig durch eine Hornbrille an, die aber für zwei Augen geschliffen wurde. Das Pflaster hinter der blinden Seite wird durch das Brillenglas vergrößert. Da das sehende Auge so missmutig ist, starre ich immer auf die Poren des Pflasters, kann dort aber keine Ablenkung finden vor der stählernen Prüfung des Blickes der Zyklopin. 'So, guten Tag, was möchten Sie?"Ich möchte zum Herrn Doktor, gibt es noch einen Termin heute Vormittag? "Wir haben jetzt offene Sprechstunde, Sie müssen aber Zeit mitgebracht haben.' 'Ja.' "Waren Sie schon mal bei uns? 'Ich war schon etwa dreißig Mal in dieser Praxis und habe immer zur Begrüßung in dieses eine Auge geschaut. Warum fragt sie mich diese Frage immer wieder? Ich verstehe das nicht. 'Ja, ich war schon oft hier', antworte ich wie jedes Mal. 'Haben Sie Ihre Karte dabei?' 'Ja, hier.' Ich gebe ihr die Karte. 'Worum geht es denn überhaupt?' fragt sie mich nebensächlich. 'Es geht um mehrere Dinge, ich habe seit einigen Tagen wieder starke Bauchschmerzen, so Krämpfe und gestern kamen dann noch so Stiche in der Brust dazu, ich habe Angst, dass ...' 'Gut, setzen Sie sich ins Wartezimmer, der Herr Doktor ruft Sie dann auf.' Mann, ist die stumpf, denke ich. Und was wäre, wenn ich jetzt wirklich etwas hätte? Kann doch sein. Wenn ich hier gleich auf dem Wartezimmerteppich verenden würde? Wahrscheinlich passiert das nicht. Ich werde schwitzend warten und irgendwann wird mein Name aufgerufen. Irgendwann an diesem bedeutungslosen Tag wird jemand meinen Namen klar und deutlich aussprechen. Dann weiß ich, dass ich da bin. Ich heiße, also bin ich. Heute sind nur wenige Patienten hier, ich sitze allein auf einem braunen Korbstuhl und starre auf ein kleines Aquarium, genauer gesagt ein ballförmiges Glas mit etwas Sand und einem kleinen Fisch darin, wahrscheinlich einem Guppy. Ich bin nervös, habe einen ziemlichen Kater, ich schwitze und weiß, dass ich ungesund aussehe. Ich atme aus der Nase, damit die anderen Anwesenden wenigstens nichts von meiner Leidenschaft riechen können. Die Nase beherbergt aufwändige Filtersysteme, die den Mundgeruch herausfiltern, glaube ich. Ich habe noch nie bei einem Trinker seine Fahne durch die Nase gerochen, also muss es so sein. Je länger ich sitze, desto mehr bekomme ich Durst, ich traue mich nicht aufzustehen um mir ein Glas Wasser zu holen, das würde meinen Nachdurst verraten. Ich kann den Mund nicht öffnen, meine Zähne sind mit Betonspeichel zusammengeklebt. Ich starre auf den Guppy, ich bin nicht dazu in der Lage, Zeitung zu lesen, ich sehe ihn dort drinnen seine Runden drehen, gefangen und beobachtet, er ist wie ich, vielleicht wartet er auch darauf, aufgerufen zu werden? Seit Jahren. Minuten, Stunden, zähes Rinnen, die vor mir liegende Wartezeit kommt mir vor wie eine Falle, mein Durst wird unmenschlich. Schließlich bin ich der Letzte im Wartezimmer, kurz vor der Mittagspause. Kalter Schweiß steht auf meiner Stirn. Ich begreife, dass ich keinen Ausweg finden werde, ich stehe auf, packe das Aquarium, setze es an und trinke es mit einem Zug aus. Der kleine Fisch rinnt mir die Kehle herunter, ich spüre ihn in meinem Hals zappeln, es ist die umgedrehte Geschichte von Jona und dem Wal. Ich setze das Glas ab und wische mir mit dem Ärmel die Mundwinkel trocken, ein brackiger Geschmack breitet sich in meinem Rachen aus, Sand knirscht zwischen meinen Zähnen, ich schleiche ins Vorderzimmer, durchquere es im toten Winkel der Einäugigen und verlasse die Praxis, um auf die Straße zu stürzen. Was ist bloß mit mir los?

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Kundenbewertungen zu "Sternstunden der Bedeutungslosigkeit" von "Rocko Schamoni"

Durchschnittliche Kundenbewertung 5 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** ausgezeichnet
(aus 1 Bewertung)

Bewertung von Jessicooo aus Hof am 28.12.2010 ***** ausgezeichnet
Habe diese Buch an einem Tag durchgelesen. Konnte es einfach nicht mehr aus den Händen legen. Super witzig und selbstironisch geschrieben, in gewohnter Schamoni Manier. Für alle die gerne Bücher über kaputte Charaktere und absurde Geschichten lesen ein Muss. Mein Favorit!

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Sternstunden der Bedeutungslosigkeit

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  • Deutsch
  • Abmessung: 194mm x 115mm x 20mm
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Erwachsenwerden ist nicht leicht. Vor allem, wenn man schon die ersten grauen Haare hat.

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Er ist Student und er kellnert. Hauptamtlich ist Sonntag aber damit beschäftigt, an sich, der Welt, den Frauen, den Spießern und an Magenproblemen zu leiden. Die Spießer: verachtungswürdig, aber glücklich. Die Frauen: begehrenswert oder zu haben, niemals aber beides zugleich. Einen Ausweg aus dem komischen Elend gibt es nicht. Oder vielleicht doch?

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Gesundheitstermine sind die letzten Termine die ich noch einhalten kann. Wenn man den Arzttermin nicht mehr schafft, tut sich vor einem eine bodenlose Leere auf. Der Arzt ist der letzte, der jemanden wie mich in einem sinnvollen, menschlichen Rahmen halten kann, Ärzte stehen noch über Chefs, über Politikern, über Eltern, nach dem Arzt kommt das Nichts. Für einen wie mich. Eben habe ich mal wieder in das eine alte Auge von Fräulein Bethke, der Sprechstundenhilfe, gestarrt. Man kann nur in das eine blicken, denn das andere ist, seitdem ich in diese Praxis komme, zugeklebt. Ich weiß nicht, warum es zugeklebt ist, die Frau ist deutlich über Fünfzig, ihre Sehschärfe kann man nicht mehr richten wie bei einer Fünfjährigen, wieso also verklebt man ihr das eine Auge? Oder ist sie viel jünger als sie aussieht? Blödsinn. Das eine Auge ist verklebt und das andere stiert einen missmutig durch eine Hornbrille an, die aber für zwei Augen geschliffen wurde. Das Pflaster hinter der blinden Seite wird durch das Brillenglas vergrößert. Da das sehende Auge so missmutig ist, starre ich immer auf die Poren des Pflasters, kann dort aber keine Ablenkung finden vor der stählernen Prüfung …

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08.06.2007

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Von Edo Reents

Die Popkultur und Schopenhauer - zwei, die sich (endlich) gefunden haben. 1970 gab es im Schopenhauer-Jahrbuch einen Aufsatz über pessimistisch-nihilistische Strömungen in der Rockmusik; als Untersuchungsmaterial diente unter anderem die erste Platte von Rod Stewart. Anderthalb Jahrzehnte später gab ein längst wieder vergessenes Popduo im deutschen Fernsehen zu Protokoll, sich privat mit Metaphysik zu befassen, am liebsten mit Nietzsche und Schopenhauer. Dann sangen die "Ärzte" das Lied "Schopenhauer", das mit dem Philosophen allerdings gar nichts zu tun hatte.

Und nun kommt Rocko Schamoni mit einem Schopenhauer-Roman. Geht das? Schamoni war Punker, und wenn man Punk als die Lebens- und Weltverweigerung schlechthin bezeichnen mag, dann liegt es auf der Hand, wo er in einem Alter, in dem Punk doch etwas albern wird, weltanschaulich landen musste, ohne dass er sich innerlich ganz vom Punk als Lebensgefühl …

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*****
ausgezeichnet
Habe diese Buch an einem Tag durchgelesen. Konnte es einfach nicht mehr aus den Händen legen. Super witzig und selbstironisch geschrieben, in gewohnter Schamoni Manier. Für alle die gerne Bücher über kaputte Charaktere und absurde Geschichten lesen ein Muss. Mein Favorit!
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Rocko Schamoni, 1966 in Deutschland geboren, veröffentlichte zahlreiche CDs, arbeitet für Theater, Film und Fernsehen, tourt regelmäßig solo oder mit Band durch die Republik und hat inzwischen eine eingeschworene Fangemeinde.

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