Leseprobe zu "Sorry!" von Gitte Härter
4. Ich erwarte eine Entschuldigung! (S. 119-120)
Entschuldigungen annehmen – oder auch nicht
Stehen Sie auf dem Standpunkt, dass sich jemand entschuldigen sollte, ergeben sich für Sie verschiedene Möglichkeiten. Das Wichtigste: sich nicht durch das Ausbleiben der Entschuldigung verrückt zu machen. Das passiert schneller als man schauen kann, denn je wichtiger Ihnen die Entschuldigung ist, desto fingertrommelnder warten Sie darauf. So eine Wartezeit hat gleichzeitig ihre Tücken, denn sie kann eine schlimme Sache noch schlimmer machen. Verletzungen werden durch Grübeleien heftiger und durch die vermeintliche Ignoranz des anderen noch schmerzhafter. Und auch Wut steigert sich oft ins Unermessliche, wenn eine Entschuldigung ausbleibt.
In diesem Kapitel sehen wir uns an,
¦ wie Sie damit umgehen können, wenn eine Entschuldigung nicht kommt.
¦ was Sie tun können, wenn Sie eine Entschuldigung als nicht aufrichtig erleben oder sie zurückweisen möchten.
¦ in welcher Form Sie einem anderen eindeutig signalisieren, dass er am Zug ist, sich zu entschuldigen.
Mein Hauptanliegen ist es, dass Sie nie einfach passiv abwarten, sondern sich größtmögliche Unabhängigkeit verschaffen: Es ist in Ordnung, eine Entschuldigung haben zu wollen, es darf aber nicht sein, dass Ihr Verhalten und Ihre Gefühle davon abhängen, ob und in welcher Form sie erfolgt. Ich weiß: Das liest sich leichter, als es ist. Aber keine Sorge. Sie erfahren einige ganz praktische Vorgehensweisen, wie Sie diese Unabhängigkeit für sich erreichen.
Nicht zu vergessen: Manche Menschen (oder Unternehmen) entschuldigen sich partout nicht. Das muss man hinnehmen, aber Sie können in diesen Fällen trotzdem glasklar Ihren Standpunkt mitteilen. Damit ist von Ihrer Seite aus alles gesagt … und wer weiß: Der eine oder andere lernt daraus vielleicht für die Zukunft.
Vermissen Sie eine Entschuldigung?
Jetzt ist es also wieder mal so weit. Sie erwarten eine Entschuldigung – doch sie kommt nicht. Was jetzt? Grollen? Es mit sich selbst ausmachen? Abwarten und Tee trinken? Die Sache einfach vergessen? Oder die Entschuldigung sogar einfordern?
Möglichkeit 1: Grollen?
So ein Groll hat es ganz schön in sich. Manchmal beginnt er mit Enttäuschung, entwickelt sich aber schnell in Richtung Bitterkeit, Unmut, Hass, Rachegefühle – unsere Beziehung zum anderen kühlt sich ab oder wir werden richtiggehend feindselig. Darin liegt auch schon die Antwort: So menschlich das Grollen auch ist, so bringt es Ihnen gar nichts. Im Gegenteil: Auch wenn es sich manchmal ganz gut anfühlt, über jemanden herzuziehen oder innerlich zu schimpfen, so schadet Groll immer. In erster Linie Ihnen selbst!
Nutzen Sie aufkommenden Groll bitte immer als Sprungbrett dafür, konstruktiv mit den Gegebenheiten umzugehen. Ich weiß, ich weiß, das klingt jetzt arg nach „Ommmm“ und ein besserer Mensch sein, aber das ist überhaupt nicht gemeint. Konstruktiv mit Groll umgehen heißt weder ihn wegdrücken noch sich die Sachen schönreden. Es heißt lediglich: Nehmen Sie Ihre Gefühle wahr und nehmen Sie sie ernst. Wenn Sie enttäuscht oder grantig sind, weil sich jemand in Ihren Augen falsch verhalten hat und jetzt noch nicht mal darauf eingeht, dann sind das ganz legitime Gefühle. Der Impuls, nie mehr mit jemandem zu reden oder ihm sogar den Kragen umzudrehen, ist ebenfalls ganz normal. Doch wenn Sie sich jetzt von diesen Gedanken komplett leiten lassen und sich immer weiter hineinsteigern, wie ignorant oder unfair oder gemein der andere war, dann machen Sie sich zum Sklaven Ihrer Gefühle. Das berühmte Elefantengedächtnis, das viele Menschen gerade bei Enttäuschungen hegen und pflegen, ist eine äußerst schlechte Idee.
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