Somnia - Kempowski, Walter

Walter Kempowski 

Somnia

Tagebuch 1991

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Somnia

'In seinen Tagebüchern zu lesen ist immer wieder ein Genuss.' -- Der Spiegel

'Meine Tage sind ein wüstes Ankämpfen gegen die Zeit.' -- Walter Kempowski

''Somnia' ist die weise und würdige Abschiedsgeste des deutschen Dichterchronisten Walter Kempowski.' -- Literarische Welt


Produktinformation

  • Verlag: Btb
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 556 S.
  • Seitenzahl: 556
  • btb Bd.74013
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 117mm x 41mm
  • Gewicht: 442g
  • ISBN-13: 9783442740130
  • ISBN-10: 3442740134
  • Best.Nr.: 26283340
In seinen Tagebüchern zu lesen ist immer wieder ein Genuss. Der Spiegel

" 'Somnia' ist die weise und würdige Abschiedsgeste des deutschen Dichterchronisten Walter Kempowski."

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 11.06.2008

Medientagebuch und Mördergrube
Wiedervereinigt mit der Geschichte: Walter Kempowskis Aufzeichnungen aus dem Jahr 1991
Ein Eintrag aus Walter Kempowskis Tagebuch von 1991 gilt dem Zappen. Da schreibt er: „,Zapper‘ heißen die Leute, die dauernd das Programm wechseln.” Der Zapper war damals, als das Privatfernsehen gerade erst begann, unser Leben umzukrempeln, noch ein neues, kulturkritisch beklagtes Phänomen. In den besseren Kreisen zeigte man mit dem Finger auf den, der zappte – wie auf jemanden, der nicht still auf seinem Stuhl sitzen kann. Bei Kempowski ist das anders. Er ist förmlich von stolzer Freude erfüllt, für ein neues Medien-Verhalten sogleich einen anschaulichen Begriff zur Hand zu haben. Weiß er, dass er selber zu den Zappern gehört? Wenn es je einen begnadeten Zapper gab, dann war es nämlich Walter Kempowski.
Sein neues, nun posthum erschienenes, aber noch von ihm selbst redigiertes Tagebuch „Somnia” ist auch ein Fernseh-Tagebuch. Wie sein Kollege Peter Rühmkorf, dessen Tagebücher geradezu Exzesse des TV-Glotzens dokumentieren, hat auch Kempowski haltlos ferngesehen. Das ist nicht überraschend. In gewisser Weise ist das …

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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Einen interessanten Blick in die Welt Walter Kempowskis gewährt für Eva Behrendt das nun vorliegende, postum erschienene Tagebuch von 1991. Sie schreibt über ihre Lektüre Kempowskis als Siebzehnjährige, wundert sich über damalige Begeisterung für den Schriftsteller, zeigt sich nun distanzierter und differenzierter im Urteil, aber immer noch sehr wohlwollend. Zudem rekapituliert sie Kempowskis Schriftsteller-Leben und geht besonders auf die zielsichere Selbstinszenierung dieses durchaus humorvollen, aber auch eitlen und pedantischen "deutschen Dichterkauzes" als Künstler und Spießer ein. "Somnia - Tagebuch 1991" bietet für Behrendt eine gute Möglichkeit, in die Welt Kempowskis einzutauchen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 29.03.2008

Nie wieder was davon gehört

Das letzte Buch, das Walter Kempowski fertiggestellt hat: Sein Tagebuch "Somnia" hadert mit den historischen Umbrüchen des Jahres 1991 - und mit täglichen Lästigkeiten.

Von Hannes Hintermeier

Wir schreiben das Jahr, in dem der Kommunismus "in einer großen Wolke von Schutt untergegangen" ist. Es ist das Jahr des ersten Irak-Krieges, als Saddam Hussein die dreiste Spielfigur im ersten Fernsehkrieg der Geschichte gibt. Sechzehn Fernsehprogramme bieten, so notiert der leidenschaftliche Fernsehkritiker Walter Kempowski, die Möglichkeit, sich seine eigene Wirklichkeit zusammenzustellen. Es ist auch das Jahr, in dem er die Reaktionen auf sein erstes Tagebuch "Sirius" verkraften muss; in dem er häufig in seine alte Heimatstadt Rostock und quer durch Neufünfland fährt; in dem er hadert mit Nachbarn, Gesundheit, Literaturbetrieb. Es berühren sich Weltgeschichte und Leibschneiden, schlechte Schnitzel und perfekte Kirchenmusik, Hakeleien mit dem Verlag und lästige Besucher, merkwürdige Träume und unauslöschliche Hoffnungen.

Dabei könnte es Walter Kempowski in jenem Jahr, wenn er denn der ausschließliche …

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"Eine meisterliche Verzahnung von kollektiver und persönlicher Erinnerung." Der Spiegel (Über "Alkor")<br/><br/>"Walter Kempowski ist ein Bibliothekar der Erinnerung." Süddeutsche Zeitung<br/><br/>"In der deutschen Literaturlandschaft ist Walter Kempowski eine Ausnahmeerscheinung, weil er dem Dokumentarischen soviel Aussagekraft zutraut." Frankfurter Allgemeine Zeitung<br/><br/>"Es wäre vielleicht um unser historisches Gedächtnis besser bestellt, hätten wir mehr als den einen Kempowski." Die Welt<br/><br/>"Kempowski - das zeigt sich immer deutlicher - ist nicht nur ein exquisiter Arrangeur historischer Dokumente, sondern auch ein Romancier [...] und Tagebuchschreiber erster Güte." Neue Zürcher Zeitung (über "Hamit")<br/><br/>"Freuen aber können wir uns auf jene drei Werke, welche er den Monaten vor seinem Tod noch abgetrotzt hat, einen Band mit Gedichten und einen mit Prosa und einen weiteren Band seines Tagebuchs." Süddeutsche Zeitung<br/><br/>"Das Werk eines Jahrhundertautors" Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Seine Tagebücher werden, ähnlich wie das Echolot, mit den Jahren immer wichtiger werden. Hat er dort die Stimmen der vielen gerettet, die sonst vergessen worden wären, spricht er hier - allein, nackt, sich gegen das Vergessen stemmend."
Walter Kempowski wurde am 29. April 1929 als Sohn eines Reeders in Rostock geboren. Er besuchte dort die Oberschule und wurde gegen Ende des Krieges noch eingezogen. 1948 wurde er aus politischen Gründen von einem sowjetischen Militärtribunal zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Nach acht Jahren im Zuchthaus Bautzen wurde Walter Kempowski entlassen. Er studierte in Göttingen Pädagogik und ging als Lehrer aufs Land. Seit Mitte der sechziger Jahre arbeitete Walter Kempowski planmäßig an der auf neun Bände angelegten "Deutschen Chronik", deren Erscheinen er 1971 mit dem Roman "Tadellöser & Wolff" eröffnete und 1984 mit "Herzlich Willkommen" beschloss. Kempowskis "Deutsche Chronik" ist ein in der deutschen Literatur beispielloses Unternehmen, dem der Autor das mit der "Chronik" korrespondierende zehnbändige "Echolot", für das er höchste internationale Anerkennung erntete, folgen ließ. Walter Kempowski verstarb am 5. Oktober 2007 im Kreise seiner Familie. Er gehört zu den bedeutendsten deutschen Autoren der Nachkriegszeit. Seit 30 Jahren erscheint sein umfangreiches Werk im Knaus Verlag.

Leseprobe zu "Somnia" von Walter Kempowski

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Leseprobe zu "Somnia" von Walter Kempowski

Juni 1991 (S. 202-203)

Nartum

So 2. Juni 1991
Jahrestag der Pionierorganisation der Ungarischen Volksrepublik

«Wenn man das Leid aus dem Fenster schütten könnte.» Lese Kafkas Tagebücher. Über seine Reise nach Weimar und in den Harz zu einer Nacktkur. «Auch alte Herrn, die nackt über Heuhaufen springen, gefallen mir nicht.» So was wird in Schulen nicht behandelt. Seit gestern mittag alleine hier. – Im Vorraum liegen Rostockiensien, die ein Rostocker über Mittag dort abgelegt hat, ein rotes Feuerversicherungsschild aus Emaille, ein (gedrucktes) Agitprop-Bild und ein FdJ-Schiffchen, das ich der FdJPuppe oben aufsetzte.

Die Angst weicht dem Triumph. Am Abend dann absolute Stille. Trotz der vielen Menschen (oder ihretwegen) Einsamkeitsgefühle. Auch jetzt. Da kennt man Tausende, und niemand, den man rufen könnte. 2007: Und niemand, der einen tröstet?

In der ZEIT über Susanne Albrecht:

Ganz unscheinbar und blaß sitzt sie zwischen ihren beiden sich väterlich gebärdenden Advokaten auf der Anklagebank, den mageren Oberkörper leicht nach vorne gebeugt, aber mit geradem Rücken. Susanne Albrecht sieht mädchenhaft aus mit ihrem kinnlangen Pagenschnitt, der weißen kurzärmeligen Hemdbluse, den grünen Blazer schützend über die Schultern geworfen.

Vor ihr liegt eine dicke Mappe mit Unterlagen, auf denen sie sich ab und zu Notizen macht… Eine Gisela Dachs hat das geschrieben. Heute früh kamen unsere Bremer Freunde noch einmal und brachten 20 000 Dias. Ich bummelte und machte die nächste Sendung für «Hörzu» fertig und den 15. Januar. Morgen geht das «Echolot» per Eilpost nach München. Der Versuch, auch noch das Register auszudrucken, mißlang. Die Hühner waren sehr zudringlich, als ich Kaffee trank, eins hüpfte auf meinen Arm und pickte mir Kuchen von den Lippen. Aber streicheln lassen sie sich nicht. Nach dem Kaffee gruppieren sie sich um mich herum, Augendeckel zugeklappt.

Eine einzelne Krähe kommt und sieht sich das an. TV: «Giulia», italienischer Film, gute Unterhaltung. Mit Hildegard telefoniert, sie will unbedingt, daß ich sie mit der Bahn besuche beziehungsweise abhole. Obwohl ich doch ein Auto gemietet habe. – Dort gehe es wie im Taubenschlag raus und rein. Und sie denkt, es sei nur bei uns so. Ich sei übrigens der einzige Mensch gewesen, der ihm in seiner Misere Geld angeboten hat, sagte Raddatz.

Das ist für ihn wichtig, obwohl er es doch bestimmt nicht braucht. Läßt er sich seine Freundschaft bezahlen? Oder: Nur wer Geld gibt, dem ist es ernst? Prof. Brake, damals, 1957 in Göttingen, als er von meiner Verlegenheit hörte, der mir 20 Mark schenken wollte. – Es ist schon was dran. Er griff zur Brieftasche. Die Zudringlichkeit der Hühner: Ich entdeckte später, daß ich sie des Morgens nicht gefüttert hatte. Sie waren also einfach sehr hungrig. – Für Musik sind sie nicht empfänglich. Oder doch? Sie zeigen es nicht, sie lassen es sich nicht anmerken. Man sollte ihnen mal van Goghs Sonnenblumen zeigen, was sie dann wohl sagen.

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