Sommerlicht - Geras, Adèle

Sommerlicht

Roman

Adèle Geras 

Aus d. Engl. v. Theda Krohm-Linke
 
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Sommerlicht

Willow Court schmückt sich zum Fest. Leonora Walsh, Tochter eines berühmten Malers, feiert ihren 75. Geburtstag. Und alle kommen ins herrschaftliche Haus am See. Doch jeder Gast - Töchter, Enkel, Freunde - bringt mehr als nur Geschenke. Wie ein schmerzhafter Splitter liegt bei drei Generationen der Familie die Vergangenheit unter der Haut und will endlich ans Licht. Das größte Geheimnis jedoch birgt das alte Kinderzimmer: ein Puppenhaus, gebaut von Leonoras früh verstorbener Mutter...


Produktinformation

  • Verlag: Blanvalet
  • 2004
  • Ausstattung/Bilder: 2004. 447 S.
  • Seitenzahl: 447
  • Blanvalet Taschenbuch Nr.36162
  • Deutsch
  • Abmessung: 18, 5 cm
  • Gewicht: 335g
  • ISBN-13: 9783442361625
  • ISBN-10: 3442361621
  • Best.Nr.: 12857266
"Eine zauberhafte und warmherzige Geschichte!"
(Sonntagsjournal)

"Spannende Unterhaltung!"
(Sonntag aktuell)

"Ein richtig schöner Schmöker!"
(Kleine Zeitung/Graz)
Adèle Geras, geboren 1944 in Jerusalem, aufgewachsen in Nigeria, Borneo und Gambia. Später Studium des Französischen und Spanischen in Brighton und Oxford. Tätig als Schauspielerin und Sängerin, ehe sie Französischlehrerin wurde. Seit 1976 freiberufliche Schriftstellerin mit zahlreichen Auszeichnungen und einer Nominierung für den Whitbread Children's Book Award 2000. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Manchester.

Leseprobe zu "Sommerlicht"

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Leseprobe zu "Sommerlicht" von Adèle Geras

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Was du nicht weißt, das kann dir nichts anhaben. Aber sie weiß es doch, und sie muss vergessen, was sie weiß. Sie muss so tun, als wisse sie nichts, als hätte sie nie etwas gewusst, sonst wird es kommen und sie verletzen. Das Haus ... dort wohnt das Geheimnis, und sie will am liebsten gar nichts wissen und ganz weit weg sein.

Sie steht am Fenster. Kein Windhauch bewegt die weißen Vorhänge, und das Gras liegt trocken und braun unter den letzten Sonnenstrahlen. Es ist Sommer, früher Abend, und sie ist noch nicht im Bett. Sie ist schon fast acht Jahre alt, und es ist noch viel zu früh zum Schlafen. Alle machen irgendetwas, und niemand achtet auf sie. Die Bäume werfen schwarze Schatten auf den Rasen, und die späten Rosen sind von einem Goldschimmer überzogen. Durch das Laub der Trauerweide glitzert silbrig das Wasser; das ist der See. Schwäne schwimmen dort, und sie könnte ans Ufer gehen, um den weißen Vögeln zuzuschauen. Niemand würde es wissen, und was du nicht weißt, das kann dir nichts anhaben.

Sie muss über den Teppich mit dem Muster aus Blumen und verschlungenen Bäumen laufen, und dann geht die Tür auf, und sie ist im Flur, und dort ist es immer dunkel, selbst wenn draußen die Sonne scheint, und alles ist in dichtes Schweigen gehüllt, das sich bis zur Treppe ausbreitet, und sie muss auf Zehenspitzen hinuntergehen, um die Ruhe nicht zu stören. Die Gemälde an den Wänden starren sie an. Stilleben und Landschaften ergießen seltsame Farben und ihr eigenes Licht in die Stille, und die Porträts rufen hinter ihr her, aber sie kann sie nicht hören. Der Marmorboden in der Halle ist wie ein schwarzweißes Schachbrettmuster, und sie hüpft über die schwarzen Quadrate hinweg, weil sonst bestimmt etwas Schlimmes passiert. Vielleicht hat sie ja auch auf dem Weg in den Garten ein schwarzes Quadrat berührt, aber das zählt doch nicht, oder?

Dann ist sie auf dem Rasen, und die Luft ist weich, und sie läuft, so schnell sie kann, die Terrassenstufen hinunter, vorbei an all den Blumen und an den zu Kegeln, Bällen und Spiralen gestutzten hohen Hecken vorbei, bis sie den Wilden Garten erreicht, wo die Pflanzen ihren Rock streifen, und sie läuft und läuft bis zu der Stelle, wo immer die Schwäne waren, aber jetzt sind sie fort. Sie sind zum anderen Ufer geschwommen. Sie kann sie sehen. Es ist nicht so weit, also läuft sie dorthin.

Etwas erregt ihre Aufmerksamkeit. Im Schilf ist ein dunkler Fleck im Wasser, und als sie genauer hinschaut, sieht es aus wie ein Laken oder ein Tuch, unter Wasserpflanzen und graugrünen Weidenästen mit ihren fingerdünnen Blättern halb verborgen. Wenn sie näher heran könnte, dorthin, wo das Wasser ans Ufer schlägt, könnte sie danach greifen, es zu sich heranziehen und nachsehen, was es ist. Das Wasser ist kühl auf ihrer Hand, und aus dem Stoff ragt etwas hervor, das aussieht wie ein Fuß. Ob da jemand schwimmt? Niemand schwimmt, ohne sich zu bewegen.

Plötzlich ist ihr ganz kalt, und was sie nicht weiß, das kann ihr nichts anhaben, aber sie weiß, dass hier etwas nicht stimmt. Das hier ist schlimm. Sie sollte besser weglaufen und jemanden holen, aber sie muss doch die Hand nach dem dunklen Tuch ausstrecken, das auf der Oberfläche des Sees liegt. Sie zieht daran, und etwas Schweres gleitet auf sie zu, und die Zeit wird zu einer Ewigkeit, und da ist ein Gesicht mit glasigen, offenen Augen und blasser, grünlicher Haut, und die Haare ganz lose, wie Tang schweben sie um den offenen Mund, und sie spürt, dass sie anfängt zu schreien, aber es ist kein Laut zu hören, und sie dreht sich um und rennt zurück zum Haus. Jemand muss kommen. Jemand muss ihr helfen, und sie rennt, um sie zu rufen, und sie schreit, aber niemand kann sie hören. Nasse Finger steigen aus dem See auf und strecken sich über das Gras bis zum Haus, um sie zu berühren. Sie kann sie spüren, auch dann noch, als sie schon ganz alt ist; sie kennt diese Finger, und sie kennt jede Falte des nassen Kleides und die blicklosen Augen, aus denen das Silberwasser strömt, und auch das aufgelöste Haar.

Alles weiß sie jetzt, und sie kann nie mehr aufhören, davon zu wissen.

Mittwoch, 21. August 2002

Ich bin allergisch gegen meine Mutter, dachte Rilla. Sie lehnte sich in der Wanne zurück, schloss die Augen und ließ sich vom heißen Wasser und dem Vanilleduft des Schaums einhüllen. Es passierte jedesmal. Die Schlange kam zurück. Sie konnte spüren, wie sie sich in ihrem Versteck aufrollte, so tief in ihrem Kopf, dass sie sie die meiste Zeit vergaß. Eine weiße Schlange, so stellte Rilla sie sich vor, die sich zuckend entrollte und durch ihre Gehirnwindungen glitt, um ihr Kopfschmerzen zu bescheren. Spannungskopfschmerzen, hatte der Arzt gesagt, als Rilla das Problem einmal zur Sprache brachte, aber sie hatte ihm natürlich nicht erzählt, was die Schmerzen wirklich verursachte. Sie wusste es ganz genau. Es war Leonora, ihre Mutter, aber nicht nur sie allein. Ich bin allergisch gegen alles dort, sagte sie sich. Willow Court, Gwen, das ganze Drum und Dran. Es ist immer dasselbe, wenn ich dorthin muss: Die weiße Schlange gleitet durch meinen Kopf, und mein Herz schlägt seltsam. Sie lächelte. Nach ein paar Stunden in Gesellschaft ihrer Mutter erholte Rilla sich für gewöhnlich so weit, dass sie mehr oder weniger normal funktionierte, aber sie konnte der Tatsache nicht entrinnen: Die Aussicht, Leonora besuchen zu müssen, erfüllte sie mit Angst.

Wovor hatte sie bloß Angst? Sie blickte sich in ihrem Badezimmer, ihrem Hafen, ihrer Zuflucht, um. Diesen Raum liebte sie am meisten auf der ganzen Welt. Ihr kleines Haus ('Wie klug von dir, Liebling, dir so ein hübsches, kleines Haus zu kaufen. Und dann noch in Chelsea'!, hatte Leonora damals gesagt) war, je nach Standpunkt des Betrachters, entweder von oben bis unten renovierungsbedürftig oder der Gipfel künstlerischer Lebensart. Rilla fand, sie und ihr Haus passten gut zusammen. Wir haben die beste Zeit hinter uns, dachte sie oft, aber wir haben doch einiges erreicht. Zumindest war es ihr gelungen, sich ein eigenes Haus zu kaufen, was ihre ältere Schwester Gwen nicht von sich behaupten konnte. Sie hatte immer nur, unter Leonoras Aufsicht, auf Willow Court gewohnt. Rilla konnte beim besten Willen nicht verstehen, wie ihre Schwester das aushielt. Sie wirkte zwar ganz glücklich, aber bei Gwen konnte man das nie so genau sagen. Vielleicht sehnte sie sich schon seit Jahren danach, wegzukommen, und hatte nur nie ein Wort gesagt. Diese Art von Märtyrerverhalten wäre typisch für sie, aber wahrscheinlich hatte Gwen sich einfach nur daran gewöhnt, eine Gefangene zu sein. Wenn jemand sie gefragt hätte, warum sie und ihr Mann ihre Tage in den Tiefen Wiltshires verbrachten, murmelte sie wahrscheinlich irgendwas von dem Privileg, mit der Pflege der Gemälde ihres Großvaters Ethan Walsh (sie nannte sie die Walsh-Sammlung) betraut zu sein, und ähnlich langweiliges Zeug. Sie würde ganz sicher nicht erwähnen, dass ihr ständiges Zusammensein mit Leonora und ihre lebenslange Verpflichtung Haus und Besitz gegenüber es zur natürlichsten Sache der Welt machten, nach Leonoras Tod Willow Court einmal zu erben. Nun, das konnte Gwen gerne tun. Rilla hätte es als Strafe empfunden, dort für immer wohnen zu müssen, aber sie war sich durchaus im Klaren darüber, dass die meisten ihre Ansicht nicht teilten.

Für die meisten Menschen, dachte sie, zählten ihre Schwester und ihre Mutter. Aber warum soll ich mir Gedanken darüber machen, was sie denken? Ich bin achtundvierzig, und mein Badezimmer geht nur mich und niemanden sonst etwas an. Sie betrachtete die Kerzen auf dem langen Regal neben dem Spiegel. Sie hatte sechs Stück aufgestellt, und jedesmal, wenn sie badete, morgens oder abends, zündete sie sie an. Die kleinen, einfachen Kerzenhalter waren aus mattem Glas: blau, rosa und ein schimmerndes Perlweiß, das Rilla am besten gefiel. Niemand verstand, was ihr daran lag, und wie sollte sie jemandem erklären, dass ihr das Herz aufging, wenn sie in die flackernden Flammen schaute, oder wie sehr ihr die bizarren Formen gefielen, die das herabgetropfte Wachs annahm, oder dass der schwache Duft ihr Frieden, Schönheit und Beruhigung vermittelte? Und die Pflanzen! Über dem Becken und auf der Fensterbank wucherte ein richtiger Dschungel, und die Blattpflanzen (deren Laub sämtliche Grünschattierungen aufwies: manche bläulich, manche gelb oder braun angehaucht, manche gestreift oder mit Flecken und Punkten geschmückt) stellten ihren Garten dar, der zudem noch wenig Pflege brauchte, weil sie ihn einfach gedeihen ließ und sich an den Trieben, die über die Fliesen bis zur Wanne herabhingen, erfreute.

Nach dem Umbau des Badezimmers hatte Gwen es als Erste besichtigt, und sie hatte gar nichts sagen müssen. Das liegt an mir, dachte Rilla. Irgendetwas stimmt wohl mit mir nicht, wenn ich mich noch nach so vielen Jahren so deutlich an alles erinnern kann. Wie Gwen Becken und Badewanne stumm gemustert, sich dann umgedreht und gesagt hatte: "Bist du sicher, dass es nicht ein bisschen 'zu viel' ist?"

Damals war Rilla heftig in Jon verliebt gewesen. Sie standen kurz vor der Hochzeit, und alles, was sie tat, tat sie strahlend, glücklich, voller Leidenschaft. Jon Frederick war ein Popstar, und obwohl er selbst auf der Höhe seines Ruhms nie wirklich zu den ganz Großen gezählt hatte, gehörten sie beide doch zu den prominenten jungen Paaren Londons in jener Zeit. Sie hatte gerade in einem Film, 'Geschöpfe der Nacht', mitgespielt, eine alberne Rolle, die aber zumindest gut bezahlt gewesen war, und auf Jons Drängen hatte sie den Künstler Curtis Manstrum beauftragt, Wanne und Becken zu bemalen. Er war berühmt für seine Brunnendekore und hatte eine Technik entwickelt, dank der er Waschbecken mit Bildern versehen konnte, deren Farben auch nach vielen Jahren noch dem Wasser standhielten. Rillas Badezimmer hatte er so wunderschön gestaltet, dass ein Magazin Fotos machte und eine Zeit lang ganz London von nichts anderem sprach - jedenfalls die Kreise, die über solche Dinge klatschten.

"Was ist denn damit?", hatte Rilla Gwen gefragt und zum ersten Mal alles mit den Augen ihrer Schwester gesehen: Blau, Grün und Rosa in einer von Matisse inspirierten Pinselführung, die einen schwindlig machte, bedeckten jeden Quadratzentimeter Porzellan.

"Nun ..." Gwen zögerte. Ihr fehlen die Worte, dachte Rilla. Sie ist die Enkelin eines berühmten Künstlers, und sie hat trotzdem keine Ahnung. Sie hat all diese Gemälde jeden Tag um sich, und ihr fällt kein einziger intelligenter Satz dazu ein. Schließlich murmelte Gwen, und das auch nur, weil sie direkt gefragt worden war: "Die Farben sind ziemlich kräftig, nicht wahr? Und all diese Muster finde ich etwas verwirrend. Übertrieben. Sieh mich nicht so beleidigt an, Rilla! Du hast mich gefragt. Und ich muss ja schließlich nicht hier baden."

"Nein, das stimmt", erwiderte Rilla. "Ich habe gesehen, was du mit dem Badezimmer neben eurem Schlafzimmer angestellt hast. Rosa, wohin das Auge blickt. Rosa Becken, rosa Wanne und rosa Handtücher für Sie und Ihn, sorgfältig über die geheizte Handtuchstange drapiert."

"Du brauchst gar nicht so gehässig zu werden", sagte Gwen.

Rilla hatte ein "Du kannst mich mal" heruntergeschluckt und sie rasch aus dem Badezimmer geführt, um den exquisiten Geschmack ihrer Schwester nicht länger zu beleidigen. Bis auf den heutigen Tag konnte sie sich genau daran erinnern, was sie bei Gwens Worten empfunden hatte: Sie hatte sich im Unrecht gefühlt, missbilligt, wie jemand, der viel zu lautstark nach Aufmerksamkeit verlangt.

Warum besuchte sie sie überhaupt noch? Warum hatte sie sich nicht von der ganzen blöden Geschichte distanziert? Die Antwort war, wie immer, Liebe. Verwoben mit all den anderen Gefühlen, die sie erfüllten, wenn sie an ihre Familie dachte; so fest damit verknüpft, dass sie sich selbst zerstören würde bei dem Versuch, sie herauszuschneiden. Sie empfand einfach Liebe für ihre Mutter und ihre Schwester. Sie konnte nichts dagegen tun. Anscheinend stimmte dieser ganze Blödsinn, dass Blut dicker war als Wasser, eben doch. Es war so, als seien Leonora und Gwen Teile ihrer selbst, Teile, die sie zwar die meiste Zeit schwierig und irritierend fand, aber eben doch Teile des Ganzen. Außerdem gab es immer noch schöne Kindheitserinnerungen, und Erinnerungen warf man nicht so einfach weg. Man hielt sie wie eine Art Talisman fest, als Schutz gegen die Dinge, an die man nicht gern zurückdachte.

Rilla setzte sich auf und drückte den Schwamm über ihrer Schulter aus. Gwen und Mutter lieben mich auch, dachte sie, obwohl sie mein Leben nicht gutheißen. Wenn wir nicht blutsverwandt wären, würden sie sich zwar nicht unbedingt mit mir anfreunden, aber auch sie brauchen mich in ihrem Leben. Sie fragte sich, ob sich Gwen wohl noch an den Badezimmerzwischenfall aus ihrer Kindheit erinnerte. Rilla hatte ihn jedenfalls nicht vergessen. Sie hatte mit ihren Filzstiften einmal die weißen Wände bemalt. Es war kein Unfall gewesen. Sie konnte sich noch gut daran erinnern, dass sie gedacht hatte, wie viel hübscher die Wände aussähen, wenn sie Fische darauf malte. Sie hatte ihre Stifte aus dem Kinderzimmer geholt und sie alle neben das Waschbecken gelegt, und dann hatte sie sich darangemacht, die Umrisse von Fischen zu zeichnen, die sie dann sorgfältig in Türkis, Rot und Orange ausmalte. Sie sahen wunderschön aus. Mummy würde sich bestimmt freuen, wenn sie sah, wie sie über die Wand schwammen! Rilla war damals erst sieben, und sie reichte nicht besonders hoch, selbst wenn sie sich auf einen Stuhl stellte, aber es waren ganz viele Fische, und sie malte auch noch ein paar Algen dazu, weil es ja sonst kein richtiges Meer war. Als sie fertig war, rief sie Gwen, damit sie es sich ansah. Gwen wurde ganz blass. Die Farbe wich aus ihrem Gesicht, doch anschließend wurde sie dann wieder so rot, als ob sie sich schämte.

"Sie wird bestimmt wütend, Rilla. Du hast die ganze Wand schmutzig gemacht."

"Nein, das habe ich nicht." Rilla lachte. "Ich habe sie hübsch gemacht. Schau dir doch die Fische an. Gefallen sie dir nicht?"

"Es ist schrecklich, und ich werde es Mummy erzählen. Du wirst solchen Ärger bekommen! Wart's nur ab."

Rilla stieg aus der Badewanne und wickelte sich in eines der riesigen flauschigen Badetücher, die sie von Kopf bis Fuß einhüllten. Sie lächelte. Ja, ich habe Ärger bekommen, dachte sie. Kein Abendessen an jenem Abend, und dann durfte ich nicht mit in den Zirkus und musste vom Fenster aus zusehen, wie Mutter mit Gwen ins Auto stieg, um mit ihr zu den Clowns und den Elefanten zu fahren. Wie ich damals geweint und geschluchzt und gebettelt habe, aber Mutter berührte das nicht. 'Rilla, Liebes, hatte sie gesagt, das musst du lernen: Du musst richtig nachdenken, bevor du in etwas hineintrampelst und ungezogen bist'.

Selbst nach all den Jahren noch schmerzte die Ungerechtigkeit. Leonora hatte oft Dinge missverstanden, mit denen Rilla ihr eine Freude machen wollte. Sie fragte sich manchmal, ob sie nach so langer Zeit durch ihr ausgefallenes Badezimmer wieder zu sich selbst hatte finden und es allen hatte beweisen wollen. Aber wirklich wehgetan hatte das Wort trampeln. Das war ihr unter die Haut gegangen und hatte sich mehr als vierzig Jahre dort gehalten. Trampeln, das bedeutete Dicksein, Übergewicht und Ungeschicklichkeit.

Rilla trat ins Schlafzimmer. Ivan war wach und summte leise vor sich hin, während er die Zeitung las. Sie musste sich fertig machen. Sie wollte so früh wie möglich in Willow Court sein, auf jeden Fall vor dem Abendessen.

Rilla setzte sich an ihren Schminktisch und blickte in den dreigeteilten Spiegel, der das Bild ihres Liebhabers, bereits angekleidet auf dem Bett, leider dreifach wiedergab. Sie konnte sich kaum entscheiden, was deprimierender war: ihn anzusehen oder das Wrack zu betrachten, in das sie sich mit einem Mal verwandelt hatte. Im Badezimmer fiel es ihr leicht, so zu tun, als sei sie noch immer das großartige, zarthäutige Geschöpf von der Fotografie, die sie von ihrem Platz hinter den zahlreichen Parfümflakons aus verspottete. Ich mache doch einen Narren aus mir, dachte sie, wenn ich einen Film anhalte, der vor mehr als zwanzig Jahren gelaufen ist. Ich muss eine Masochistin sein. Diese Haare auf dem spitzengesäumten Kissen, diese perfekten Schultern im Satinnegligé - kein Wunder, dass ich das Monster in "Geschöpfe der Nacht" verführt habe. Die Ringe, die sie auf dem Foto trug, lagen auch noch irgendwo herum: verzierte Silberfassungen mit Mondsteinen und Opalen. Sie hatte sie behalten dürfen. Flüchtig durchzuckte Rilla der Gedanke, ob es sich wohl lohnte, die Wohnung auf den Kopf zu stellen, um sie zu finden. Wahrscheinlich nicht. Die Hälfte des Fotos bestand aus weißen Rosen, die das Bett bedeckten und fast aus dem Rahmen quollen. David, der Regisseur, hatte eine Ewigkeit gebraucht, um sie aufzuhäufen, ihr die Pelzdecke über die Füße zu drapieren und dafür zu sorgen, dass sie sich genau im richtigen Winkel gegen die Kissen lehnte. Ich sollte es wegnehmen, dachte sie. Es ist lächerlich, dieses Erinnerungsstück da stehen zu lassen. Vielleicht sollte ich einfach einen Schal darüber legen. Sie betrachtete sich und seufzte. Dann lächelte sie. Das musste ein Irrtum sein. Konnten all diese Falten, die dunklen Ringe und die schlaffe Hals- und Kinnpartie über Nacht entstanden sein? Ich bin doch erst achtundvierzig, dachte sie. Das Gesetz der Schwerkraft, daran lag es. Aber da war Gwen, zwei Jahre älter als sie, mit einer Haut wie Milch und Rosen, ohne dass sie jemals, außer bei besonderen Gelegenheiten, mehr als einen Hauch Puder und Lippenstift auftrug. Es gab keine Gerechtigkeit auf der Welt. Sie hörte förmlich, wie ihre Mutter sagte: 'Fairness hat damit nichts zu tun, Cyrilla, Liebes. Deine Schwester ist eine Person, und du bist eine andere, und ihr seid mir beide lieb und teuer'. Leonora war die Einzige, die jemals den albernen Namen aussprechen durfte, mit dem sie ihre Tochter bei der Geburt bedacht hatte. Ihre Schwester hatte sich mit Gwendolen zufrieden geben müssen. Auch das kein toller Name, aber die Leute hatten ihn wenigstens schon mal gehört. Als Rilla in die Schule kam, fragten alle: Ist Cyrilla ein Nachname? Die anderen Kinder hatten immer gelacht, wenn sie mit Namen angesprochen wurde, also hatte sie ihn ganz schnell abgekürzt, und dabei war es dann geblieben.

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