Soll das ein Witz sein? - Karasek, Hellmuth

Hellmuth Karasek 

Soll das ein Witz sein?

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Mit einem Vorwort von Eckart von Hirschhausen

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Soll das ein Witz sein?

Seit seiner Jugend sammelt Hellmuth Karasek, Journalist und Schriftsteller, Witze in allen Varianten. Diktatorenwitze, jüdische Witze, Arztwitze, Irrenwitze, Männerwitze, Frauenwitze, Elefantenwitze – kein Lebensbereich, der nicht als Witz taugt. Viele davon gibt er in seinem Buch preis. Natürlich interessiert er sich dabei auch für den geistigen Hintergrund, für Freuds psychoanalytische Deutung, für die Psychologie hinter der Pointe: Was macht Witze witzig? Gibt es ganz neue oder nur immer wiederkehrende Varianten? Ist der Witz eine wirksame Waffe der Unterdrückten? Unterscheidet sich der Humor von Frauen und Männern? So macht er sich stark für eine fast vergessene Kultur, die angeblich keine ist. Er versteht den Witz als die kürzeste und präziseste Form von erzählter Literatur. Romanautoren brauchen Hunderte Seiten, um die Realität zu erfassen, ein Witz kann dies in wenigen Zeilen auf den Punkt bringen. Angeregt wurde Karaseks Buch von gemeinsamen Auftritten mit dem Arzt, Bestsellerautor und erfolgreichen Komiker Eckart von Hirschhausen.


Produktinformation

  • Verlag: (Quadriga)
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 380 S.
  • Seitenzahl: 384
  • Deutsch
  • Abmessung: 223mm x 146mm x 38mm
  • Gewicht: 612g
  • ISBN-13: 9783869950150
  • ISBN-10: 3869950153
  • Best.Nr.: 33359428
Hellmuth Karasek, Herausgeber des Berliner "Tagesspiegel", nachdem er über 20 Jahre im "Spiegel" für Kulturberichte und Kritik verantwortlich war und seit 13 Jahren mit Marcel Reich-Ranicki und Sigrid Löffler im "Literarischen Quartett" über Bücher streitfreudig diskutiert. Schrieb drei Theaterstücke (und zwar Komödien), eine Billy-Wilder- Biographie ("Nahaufnahme"), eine Biographie der 50er Jahre ("Go West"), stellte in "Mein Kino" seine "hundert schönsten Filme" vor, beschrieb und durchlitt die Telefonitis in "hand in handy" und schrieb den hart umkämpften Journalisten-Roman "Das Magazin".

Leseprobe zu "Soll das ein Witz sein?" von Hellmuth Karasek

POLITIK IM WITZ (S. 287-288)

Es ist eine Binsenwahrheit, dass der politische Witz unter politischem Druck am besten gedeiht. Den Titel der Fernseh-Dauersoap könnte man einfach abwandeln in Gute Zeiten, schlechte Witze(GZSW) oder, umgekehrt, Schlechte Zeiten, gute Witze(SZGW). Und Brechts Kalenderspruch »Glücklich das Land, das keine Helden braucht« ohne Weiteres zu der Variante umformen: »Glücklich das Land, das keine Witze braucht.« Wie gesagt, eine Binsenwahrheit, die aber doch die Freud’sche Witztheorie stützt. Je größer der Druck, desto stärker die Witze. Wie im Falle Moral und Sexualität, dem anderen großen Spielplatz des Witzes, gilt auch hier:

Wenn der Druck zum Überdruck wird, muss er pfeifend entweichen. Das Pfeifen im Walde wird im Witz zum Lachen im Walde, selbst wenn man sich dazu verstecken muss. Oder um ein falsches Bild zu wählen: wenn man dazu in den Keller muss. Das Verbotene, Tabuisierte, Verdrängte ist auch in der Politik der stärkste Witz-Druck. Wer nichts zu lachen hat, braucht den Witz. Mark Twain, der große amerikanische Humorist und Erzähler, hat einmal die sicher weise Feststellung getroffen, dass im Himmel nicht gelacht würde. Die brauchen das dort nicht, weil sie ohne Lachen vollkommen zufrieden sind.

Ich hatte, um es zynisch zu sagen, was meine Wahrnehmung des Witzes bis zum achtzehnten Lebensjahr betrifft, ein Riesenglück. Ich lebte in zwei unmittelbar aufeinanderfolgenden Diktaturen, den schrecklichsten, blutigsten, mörderischsten der europäischen Geschichte: in der Kriegs- und KZ-Diktatur Hitlers und anschließend in der Diktatur des Gulag, des stalinistischen Terrors, der Schauprozesse, der Menschenverschleppungen und Vertreibungen – was für ein furchtbar fruchtbarer Boden für die grausigsten Witze, für das sardonische Todesgrinsen zweier Menschenschlächter namens Adolf Hitler und Josef Wissarionowitsch Stalin, die alle umbrachten, die ihnen widersprachen, ihnen im Wege waren, ihr Missfallen erregten.

Sie verwüsteten die Erde, von der sie meinten, sie müsse ihnen untertan sein. Auch wenn man nur Witze erzählte, konnte man umgebracht werden: wegen Volksverhetzung, Wehrkraftzersetzung, Sabotage, Beleidigung und Verleumdung des jeweiligen Führers. Auch das Lachen, das sie provozierten, konnte lebensbedrohlich, lebensgefährlich für diejenigen sein, die den Despoten witzig oder komisch kommen wollten. Todesstrafe, Straflager, Volksgerichtshof, Schauprozess, Dachau, Sibirien, Auschwitz, Bautzen.

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