Solar - McEwan, Ian

Ian McEwan 

Solar

Roman

Aus d. Engl. v. Werner Schmitz
Buch mit Leinen-Einband
 
3 Kundenbewertungen
**** sehr gut
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Solar

Michael Beard ist Physiker - und Frauenheld. Er hat den Nobelpreis erhalten, doch ist er alles andere als nobel: Im Beruf ruht er sich auf seinen Lorbeeren aus, privat hält es ihn auf Dauer bei keiner Frau. Bis die geniale Idee eines Rivalen für Zündstoff in seinem Leben sorgt. In 'Solar' geht es nicht nur um Sonnen-, sondern auch um kriminelle Energie.

Er gehörte zu jener Sorte Männer – nicht wirklich attraktiv, meist kahl, klein, dick und klug –, die auf gewisse schöne Frauen unglaublich anziehend wirken. Zugute kam ihm dabei auch, dass manche Frauen ihn für ein Genie hielten, das man retten musste. Im Moment allerdings war Michael Beard nicht in bester Verfassung, lustlos, verzweifelt, nur auf eins fixiert, denn gerade ging seine fünfte Ehe in die Brüche. Michael Beard, 53, ist Nobelpreisträger der Physik. Doch seine besten Zeiten hat er hinter sich. Er lebt von seiner Reputation, gibt seinen Namen für Briefköpfe her, käut seine prämierte Idee in Vorträgen wieder und ergattert Fördergelder für ein politisches Prestigeprojekt: das Institut für Erneuerbare Energien. Wirklich neue Energie aber steckt er nur in den privaten Bereich: Während seiner fünften Ehe hat er es zu elf Affären gebracht. Nun aber rächt sich seine Frau und nimmt sich einen Liebhaber. Genau in dem Moment, als alles ins Wanken gerät, bietet sich ihm die Gelegenheit zu einem Coup. ›Solar‹ führt den Leser von London in die Arktis und bis nach New Mexico. Ian McEwans Roman ist eine ebenso gnadenlose wie vielschichtige Abrechnung mit der Politik, dem Wissenschaftsbetrieb – und einer Sorte Mann. Ein Buch, das den Faktor Mensch auf literarisch neue Art und Weise in die Klimarechnung einführt.


Produktinformation

  • Verlag: Diogenes
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 405 S.
  • Seitenzahl: 405
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 126mm x 27mm
  • Gewicht: 379g
  • ISBN-13: 9783257067651
  • ISBN-10: 3257067658
  • Best.Nr.: 29382327
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.04.2010

Neun Lachsbrötchen
Eiskalt kalkuliert: Ian McEwans neuer Roman „Solar”
Auf der viertletzten Seite des Romans, als der schließlich in vielfacher Gestalt auftretende Teufel schon heftig an seinem Helden zerrt, um ihn in den Höllenschlund zu reißen, bekommt Professor Michael Beard noch eine Einladung. Sie gilt einer Rede vor Außenministern auf der Klimakonferenz in Kopenhagen, eben jenem Weltereignis vom vergangenen Dezember, das mit einem „Minimalkonsens” endete, der keinen der teilnehmenden Staaten verpflichtete, und das seitdem als Debakel gilt. „He would be at one with its spirits”, denkt sich der Held, „he was, he supposed, the perfect choice. He would be there.” Diese Einigkeit ist selbstverständlich, von Seiten des Autors betrachtet, tiefe Ironie. Was auch heißt: Der Autor ist mit seinem Helden von Grund auf einverstanden, als die Übertreibung, die er sein soll.
Zu Beginn von Ian McEwans Roman „Solar” (Jonathan Cape Publishers. 286 Seiten, 18.99 Pfund), der in Großbritannien vor drei Wochen erschienen ist und zum bisher größten Publikumserfolg dieses Autors zu werden scheint, ist der Physiker Michael Beard dreiundfünfzig Jahre …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 10.10.2010

Literatur Wer genau ist eigentlich der englische Schriftsteller Ian McEwan? In den letzten drei Romanen hat er seine Stimme jedes Mal geändert, von der großartigen Imitation eines Gesellschaftsdramas der dreißiger Jahre in "Abbitte" über den etwas überkonstruierten Gegenwartsrealismus in "Saturday" zum neuen Buch, das "Solar" heißt (Diogenes, 21,90 Euro) und wohl ein Schlüsselroman sein soll über den Klimawandel und den Messianismus, den er unter Umweltschützern und Wissenschaftlern auslöst. Es liest sich aber eigentlich wie der frühe William Boyd: englische Männer in englischen Hochnotpeinlichkeiten. Die Hauptfigur ist ein notgeiler dicker Nobelpreisträger, aber damit man an so einen Typ überhaupt glaubt, müsste McEwan mehr riskieren an erzählerischem Ernst. Das tut er nicht, er spielt nur herum, deswegen liest sich das Buch weg, ohne dass es etwas auslöst, erst recht keine neuen Erkenntnisse über Menschen im Klimawandel.

tob

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main

kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Ein verfressener, versoffener, rücksichtsloser Egomane ist der Held in Ian McEwans neuem Roman, der in drei Abschnitten zwischen 2000 und 2009 spielt. Der Physiker Michael Beard ruiniert gerade mit seiner elften Affäre seine fünfte Ehe, als der Entschluss von Gattin Patrice, sich auch ein paar Freiheiten zu nehmen, eine Kettenreaktion an Konsequenzen auslöst. "Solar" handelt aber nicht nur vom Privatleben Beards. Der 53-jährige Londoner Wissenschaftler, längst mit dem Nobelpreis ausgezeichnet und spezialisiert auf erneuerbare Energien, klaut einem Mitarbeiter grundsatztheoretische Ergebnisse, wonach man auf der Basis künstlicher Fotosynthese eine neue Generation von Solaranlagen entwickeln kann. Beard macht sich selbständig ... Ian McEwan hat wie schon in "Saturday" verdammt viel Wissenschaft in den Roman gepackt und strapaziert so den Leser manchmal über die Maßen. Versöhnt wird man dem Charakter Beards, den uns McEwan ohne Rücksicht auf seinen Helden vorführt. Seine moralische Verkommenheit mischt den ganzen Trubel um Solartechnik, Quantenphysik und Weltenrettertum gewaltig auf - bis zum Showdown in New Mexico. Dass der Schreibstil des Briten gewohnt perfekt ist, genauso seine Charakterzeichnungen und seine Fähigkeit, Zeitebenen von leichter Hand zu wechseln: Das versteht sich inzwischen von selbst. (jw)

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Die "handfeste Komik" dieses Buchs entlockte Christian Seiler eigenen Bekunden zufolge immer wieder lautes Glucksen. Denn Überraschung: so lustig und sarkastisch habe der sonst so ernst erzählende Autor noch nie geschrieben. Bereits die Beschreibung der Hauptfigur, eines Physikgenies, hat den Rezensenten sehr eingenommen: "Glatzköpfig, sexsüchtig, egozentrisch - und ziemlich klug." Dieser Nobelpreisträger nun führe mit Aberwitz durch Fragen des Klimawandels, und was Ian McEwans aus diesem Themenkomplex macht, sieht sich der begeisterte Kritiker nur unzureichend in der Lage, wiederzugeben: eine "Operette der Egomanie". Bei allem sei das Buch auch noch profund recherchiert.

© Perlentaucher Medien GmbH
Ian McEwan, geboren 1948, lebt in London. Schon seine ersten Erzählungen wurden 1976 mit dem Somerset-Maugham-Award ausgezeichnet. 1999 erhielt er den Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung für das Gesamtwerk und 2011 wurde er mit dem Jerusalem Preis für Literatur ausgezeichnet. Ian McEwan ist Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Sciences.

Kundenbewertungen zu "Solar" von "Ian McEwan"

3 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.3 von 5 Sterne bei 3 Bewertungen **** sehr gut)
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Bewertung von R.E.R. am 09.08.2011 ***** sehr gut
Ein Nobelpreisträger gilt als Vorbild. Ein Mensch der auf einem bestimmten Gebiet etwas so außergewöhnliches geleistet hat, das er mit dieser Auszeichnung geehrt wird, muss etwas ganz besonders sein. Ein Muster an Integrität und Seriosität. Der gelebte Inbegriff des Genius. Ein Ideal dem nachzueifern als nobles Ziel gilt. Ian McEwan entzaubert in seinem Buch “Solar” diesen Mythos und lässt den Leser nicht nur vor Erleichterung auflachen.

Michael Beard hat als junger Physiker in den 1970er Jahren den Nobelpreis für ein Theorem erhalten, dass die Interaktion zwischen Materie und elektromagnetischer Strahlung erklärt, also die Nutzung der Sonne als Energiequelle beschreibt. Jetzt ist er über fünfzig und ruht sich seit fast dreißig Jahren auf diesen Lorbeeren aus. Gerade scheitert seine fünfte Ehe. Diesmal nicht an einem seiner zahlreichen Seitensprünge, sondern weil seine Frau den Spieß umdreht und er der Betrogene ist. Bevor er sich versieht ist er in einen Strudel privater Katastrophen geraten, die ihn auch beruflich ruinieren können.

Ian McEwan hat mit “Solar” zwei Bereiche verbunden. Er thematisiert die drohende Klima Katastrophe und lässt seinen Protagonisten Wege suchen und finden diese zu verhindern. Gleichzeitig führt er dieses wichtige Thema ad absurdum, weil er die persönlichen Befindlichkeiten der Hauptfigur stets wichtiger nimmt. Was ist schon das Schicksal des Planeten Erde gegen die Midlife Crisis eines alternden, übergewichtigen, genusssüchtigen Mannes!

Der Roman beginnt im Jahr 2000. Beard steht einem Londoner Institut vor, dass Wege zur Nutzung erneuerbarer Energien finden und nutzbar realisieren soll. Er ist umgeben von jungen, motivierten Wissenschaftlern die eine solche Fülle guter Ideen entwickeln, das man eigentlich nur auswählen müsste. Allein, das alternde Genie hat keine Lust bzw. andere Sorgen. Die Methoden seine Frau zurückzugewinnen sind grotesk. Man stelle sich einen Nobelpreisträger vor, der nackt auf Händen und Füße rückwärts die Treppe hinuntersteigt und sich dann mit einer Stimme im Radio unterhält um seiner Frau zu signalisieren er sei ebenfalls nicht allein. Das derselbe Mann der fatalistischen Meinung ist, “dass es der Welt egal sein konnte, ob Bush oder Gore, Tweedledum oder Tweedledee, in den ersten vier oder acht Jahren des einundzwanzigsten Jahrhunderts Präsident der Vereinigten Staaten war” verwundert nicht.

Der Autor läuft in diesem Roman zur altbekannten erzählerischen Hochform auf. Beard ist auf einer Expedition in der Arktis um sich vor Ort vom Schmelzen der Gletscher zu überzeugen. Die Schilderung seiner ersten Begegnung mit dem ewigen Eis ist eine Abfolge derart skurriler Missgeschicke, dass einem vor Lachen die Luft wegbleibt während man mit schmerzverzerrtem Gesicht die körperliche Pein selber zu spüren scheint. Nur soviel: Bei Minus dreißig Grad in eine Gletscherspalte zu urinieren sollte man tunlichst unterlassen.

An anderen Stellen überzeugen die ironische Spitzfindigkeiten. “Beard beeindruckte auch die Recherchearbeit, der Fleiß, mit dem diese rastlosen Zeitungsfritzen binnen weniger Tage tief in die dunklen Regionen, die Slums seines überbevölkerten Privatlebens eingedrungen waren und dem älteren Bruder seiner dritten Frau, einem nahezu taubstummen Einsiedler, der Beard noch nie ausstehen konnte und der ohne Telefon an einem Feldweg auf einer menschenleeren Halbinsel im Nordwesten von Bruny Island vor der Küste Tasmaniens lebte, im Handumdrehen ein buntes Bouquet boshafter Bemerkungen entlockt hatte.

In Zeitsprüngen folgen wir der Hauptperson in die Jahre 2005 und 2009. Am Ende erinnert die Biographie Beards sehr an Heinrich den Achten von England. Auch dieser ein gichtgeplagter, aufgeschwemmter Fettkloß der ständig Frauen loswerden musste. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen liest sich der Roman sehr gut. Er ist intelligent formuliert, wandlungsreich konzipiert, durchaus lehrreich was die Fakten zum Klima betrifft und von einer bizarren Komik.

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Bewertung von Max aus Penzberg am 14.10.2010 ***** sehr gut
Ian McEwan wird allgemein bescheinigt, dass er mit seinem neuen Roman "Solar" als einer der ersten Großen das Thema Klimawandel literarisch verarbeitet.
Ich finde eher, dass es ein bitterböser Roman über die Machenschaften im Wissenschaftsbetrieb ist, die wesentlich eitler ist, als man sich das von außen vielleicht vorstellt. Wenn zwei Superhirne auf Podiumsdiskussionen aufeinander treffen, kann es offenbar schon mal sein, dass man sich gegenseitig demontiert, nur um als Sieger die Arena zu verlassen, nicht der Sache wegen.
Die Hauptfigur Micheal Beard ist sicher kein Sympathieträger, aber für diesen süffigen "Wissenschafts"roman hervorragend gezeichnet.
Streckenweise ein bisschen viel theoretische Physik, die man als Laie aber nicht bis ins kleinste Detail verstehen muss.

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Bewertung von MaWiOr aus Halle am 17.09.2010 ***** ausgezeichnet
Michael Beard ist Professor der Physik. Er gehört zu jener Sorte Mann, die auf gewisse schöne Frauen irgendwie anziehend wirkt. Dabei ist der 53jährige nicht besonders attraktiv, sondern übergewichtig, ein Säufer und Kettenraucher.

Der Frauenheld hat bereits vier gescheiterte Ehen und zig Affären hinter sich. Auch die fünfte Beziehung ist keine Musterehe, denn seine Frau tut es ihm gleich und hat ein Verhältnis mit einem anderen, natürlich attraktiveren Mann.

Erfolgreicher war da Beards Berufskarriere. Bereits als junger Wissenschaftler von knapp dreißig Jahren erhielt er für seine Forschungen auf dem Gebiet der Quantenphysik den Nobelpreis. In den letzten Jahren verwaltet er jedoch nur noch seine wissenschaftlichen Pfründe und ruht sich auf seinen Lorbeeren aus.

Jetzt wartet eigentlich noch einmal eine berufliche Herausforderung auf Beard, denn er wird wissenschaftlicher Leiter eines Forschungszentrums, dass alternative Energiequellen entwickeln soll, um so einen Beitrag gegen die Klimaerwärmung zu leisten. Doch Beard leitet mehr schlecht als recht. Während seine jüngeren Mitarbeiter voller Ideen und Tatkraft stecken, ist er auf Dienstreisen unterwegs und hält überall schöne Reden.

Als jedoch ein jüngerer Assistent stirbt, der die theoretischen Grundlagen für die künstliche Photosynthese konzipiert hat, gelangt er in den Besitz von dessen Aufzeichnungen, die ihn praktisch über Nacht zum Aktivisten der Umweltbewegung machen. Doch der „Weltretter“ Beard versucht, daraus privaten Nutzen zu schlagen, was zunächst auch zu gelingen scheint. In seiner selbstzerstörerischen Art gerät aber sein Leben schließlich völlig aus den Fugen.

Der britischer Schriftsteller Ian McEwan hat mit „Solar“ ein aktuelles Thema unserer Gesellschaft aufgegriffen. Gekonnt verknüpft er naturwissenschaftliche und politische Frage-stellungen mit einer Charakterstudie. Es ist der erste große Roman über den Klimawandel aus der Feder eines renommierten Schriftstellers. Zugleich ist das Buch aber auch eine bitterböse Satire sowie eine gnadenlose Abrechnung mit der Politik und dem Wissenschaftsbetrieb - und natürlich auch mit einer gewissen Sorte Mann und dessen allzu menschlichen Schwächen.

Manfred Orlick

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