Es gibt Bücher, die sind von den Umständen ihrer Entstehung so sehr
geprägt, dass man sie, sobald man diese Umstände kennt, mit anderen
Augen betrachtet und nie mehr unbefangen lesen kann. Das Manuskript
von Selbstmord hat Édouard Levé im Oktober 2007 an seinen Verleger
geschickt, der ihn kurz darauf zurückrief, seine Begeisterung
mitteilte, und ein Treffen mit ihm ausmachte, um über den Text zu
sprechen. Zu diesem Treffen kam es nie: Édouard Levé, zu diesem
Zeitpunkt 42 Jahre alt, erhängte sich nur wenige Tage nach dem
Telefonat und noch vor dem verabredeten Treffen in seiner Pariser
Wohnung. Selbstmord ist sein Vermächtnis, es ist eine Ansprache an
ein Gegenüber, das Selbstmord verübt hat, es ist die
Rekonstruktion, das Wiederaufrufen einer scheiternden Biografie.
Derjenige, der sich selbst tötet, hinterlässt den Hinterbliebenen
offene, unbeantwortbare Fragen. Er lässt sie mit diesen alleine.
Vor dem Hintergrund der Geschichte des Autors gewinnt dieser zarte,
kluge, suchende Text eine schockierende Dringlichkeit, die aufwühlt
und bewegt, bestürzt und berührt.
"Dieses Buch entzieht sich allen Kategorien. (...) 'Das Glück überholt mich / Die Traurigkeit verfolgt mich / Der Tod erwartet mich.' Das sind die letzten Zeilen. Wenn man dort angelangt ist, hat man eine lange Meditation über den Tod und die Erinnerunf hinter sich. Und weiß einmal mehr: Das Schreiben von Büchern ist immer eine Sache auf Leben und Tod." [Quelle: Katrin Schumacher, MDR Figaro, 22. November 2012]
"Was für ein Buch! (...) Entstanden ist ein furioses, in seiner Dichte unvergleichliches Nachtstück über das Dunkle in uns. Und über den nicht mehr zu kittenden Riss, der plötzlich durch unser Leben gehen kann. Große, mit dem Leben bezahlte Literatur." [Quelle: Peter Henning, ZEIT Online, 04. November 2012]
"Édouard Levés Roman 'Selbstmord' ist ein atemberaubender Text. Auf nur 110 Seiten erzeugt es einen geradezu unheimlichen Sog. Ein leiser, trauriger, aber letzlich nicht bedrückender Roman." [Quelle: Helmut Mörchen, DRadio Büchermarkt, 13. September 2012]
"Hinter dem schlichten Titel verbirgt sich eine intime Auseinandersetzung mit einem der großen Tabus der Menschheit: Der Selbsttötung. [...] Man sagt, Pilze sind schwer verdauliche Lebensmittel. Bis zu 48 Stunden kann es dauern, bis der Magen sie verdaut. Es gibt Bücher, die sind wie Pilze. So ein Buch ist 'Selbstmord'." [Quelle: Nora Gantenbrink, Spiegel Online, 11. Juli 2012]
Édouard Levé (1965 - 2007) war ein französischer Schriftsteller, Künstler und Fotograf. Er veröffentlichte zahlreiche Fotobände sowie vier Prosabände.
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