Selbst ist der Mensch - Damasio, Antonio R.

Antonio R. Damasio 

Selbst ist der Mensch

Körper, Geist und die Entstehung des menschlichen Bewusstseins

Aus d. amerikan. Engl. v. Sebastian Vogel
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Selbst ist der Mensch

Vom Sein zum Bewusstsein
Eine atemberaubende Reise in die Tiefen des menschlichen Geistes

Antonio Damasio ist einer der bedeutendsten Neurowissenschaftler unserer Zeit, seine Bücher sind internationale Bestseller. In seinem neuesten Werk widmet er sich einer Frage, die Neurologen, Philosophen und Psychologen seit Jahrhunderten rätseln lässt: Wie entsteht Bewusstsein? Mit seiner Antwort erklärt Damasio, wie der Mensch zum selbstbewussten Wesen wurde und dabei Fähigkeiten wie Sprache, Kreativität und Moral entwickelte.

Seit dreißig Jahren erforscht Antonio Damasio, wie der menschliche Geist arbeitet. Aufgrund überraschender wissenschaftlicher Ergebnisse kann er zeigen, dass das menschliche Bewusstsein ein biologischer Prozess ist, der im Gehirn entsteht. Damit widerlegt Damasio die hartnäckige Vorstellung vom menschlichen Geist als etwas Eigenständiges, das vom Körper getrennt betrachtet werden müsse. In seiner Arbeit geht Damasio über die klassischen Wege, den menschlichen Geist zu untersuchen, hinaus: Neben der Verhaltensforschung und den Neurowissenschaften führt er erstmals eine evolutionäre Perspektive ein. Dadurch gelingt es ihm, unser Verständnis von der Entwicklung des menschlichen Geistes entscheidend zu erweitern.



"In Selbst ist der Mensch beschäftigt sich Antonio Damasio, einer der weltweit angesehensten Neurowissenschaftler, mit Fragen, die grundlegend für jeden von uns sind: Wer sind wir? Was bedeutet es, ein Selbst-Bewusstsein zu besitzen? Und was ist menschliche Psychobiologie? Klar, elegant und mit einem Augenzwinkern geschrieben, verortet Damasios neuestes Buch die Grundlagen des Selbst und des Geistes in evolutionsgeschichtlich alten Netzwerken des Gehirns, die wir mit Myriaden anderer Geschöpfe gemeinsam haben. Ein aufregendes Buch von einem wunderbaren Denker." -- Siri Hustvedt

"Antonio Damasio stellt seine grundlegenden neurowissenschaftlichen Erkenntnisse in den größeren Zusammenhang der biologischen und kulturellen Entwicklung. Mit seinem bahnbrechenden Buch verändert er unsere Art zu denken, über uns, unsere Geschichte und die Bedeutung der Kultur für unsere Zukunft. " -- Yo-Yo Ma, Musiker

"Das Wunderbare an Antonio Damasios Buch ist, dass man beim Lesen dem Hirn dabei zusehen kann, wie es die eigene, ganz private Wirklichkeit, das Selbst, erzeugt." -- V.S. Naipaul, Literaturnobelpreisträger


Produktinformation

  • Verlag: Siedler
  • 2011
  • 3., Auflage.
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 367 S. m. Abb.
  • Seitenzahl: 367
  • Deutsch
  • Abmessung: 234mm x 150mm x 38mm
  • Gewicht: 730g
  • ISBN-13: 9783886809240
  • ISBN-10: 3886809242
  • Best.Nr.: 32546584

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Mit einer groß angelegten Theorie sucht der amerikanische Neurowissenschaftler seine These, wie menschliches Bewusstsein entsteht, zu belegen, stößt damit bei Dominik Perler aber auf Widerstand. Damasio legt, wie der Rezensent zugeben muss, fesselnd und verständlich seine Vorstellung vom Gehirn als einer sowohl vom inneren Körper wie von äußeren Wahrnehmungen Karten anlegenden und miteinander verknüpfenden Instanz dar. Aus dieser Kartografierung lässt sich laut Autor ein Zustand sowohl subjektiv empfinden als auch objektiv beschreiben, so der Rezensent. Dabei entstehen in seinen Augen allerdings zwei Probleme: Der Autor geht sowohl von einem "intentional" agierenden wie materiellem Gehirn aus, ohne für diese Position Belege zu haben. Dazu geht er davon aus, dass allein durch die Verknüpfung der im Gehirn entstehenden "Karten" von Anfang an eine interpretierende Instanz angelegt ist, die damit für ein Selbst und ein Bewusstsein dieses Selbst sorgt. Hier ist für Perler allerdings eher magisches Denken als der Einsatz handfester Belege am Werk, und er findet, dass sich der Autor mit dem "umfassenden Erklärungsanspruch" seiner Theorie grandios "verhebt".

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 23.08.2011

Wir sind das Haus
des Bewusstseins
Der Neurowissenschaftler Antonio Damásio erkundet die
biologischen Prozesse, die wir „Geist“ nennen
„Don’t judge a book by it’s cover!“ Dass man ein Buch nicht nach dem Umschlag beurteilen soll, gilt auch für die deutsche Ausgabe von Antonio Damásios neuem Werk: Den Umschlag ziert ein kopfloser Anzugmann, der wahrscheinlich „den Menschen“ symbolisieren soll. Ist das schon wieder ein trivialer Beitrag auf dem Felde der Populärphilosophie? Nein. Die Lektüre von „Selbst ist der Mensch“ lohnt sich für den sehr interessierten Laien, auch wenn sie in ihren wissenschaftlichen Details bisweilen mühevoll werden kann.
Antonio Damásio ist Neurologe und Neurowissenschaftler, seine Forschungen zu Entstehung und Funktionsweise des menschlichen Bewusstseins, die er seit den frühen neunziger Jahren in Büchern veröffentlicht, gelten als bahnbrechend. Er versucht, die komplexen Verästelungen der neurologischen Forschung einem breiten Publikum näher zu bringen. Auch haben seine Werke den Anspruch, einen philosophischen Beitrag zum immer noch aktuellen Diskurs um die uralte Leib-Seele-Problematik zu …

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»Schlichte Sprache, klare Worte, tolles Buch. Viel zu lernen.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 26.01.2012

Wenn Gespenster im Gehirn die Karten legen

Hoch der Anspruch und schief das Konzept: Antonio Damasio verhebt sich an einer Theorie von der Entstehung menschlichen Bewusstseins.

Wenn ich morgens von der Sonne geweckt werde, nehme ich sogleich die Helligkeit im Zimmer wahr. Gleichzeitig fühle ich die wohlige Wärme im Bett, die mich davon abhält, aufzustehen. Wie ist dieses bewusste Erleben möglich? Und wieso bin ich es, der etwas bewusst sieht und fühlt? Warum gibt es ein ganz eigenes, subjektives Erleben? Seit Jahrhunderten schlagen sich Philosophen, Psychologen und Naturwissenschaftler mit diesen Fragen herum.

Emil du Bois-Reymond, der Begründer der experimentellen Physiologie, behauptete 1872 in einem berühmten Vortrag, es könne keine Antwort auf diese Fragen geben. "Der in negativ unendlicher Zeit angesponnene Faden des Verständnisses zerreißt, und unser Naturerkennen gelangt an eine Kluft, über die kein Steg, kein Fittich trägt", hielt er mit blumigen Worten fest. Warum zerreißt der Faden? Naturwissenschaftliche Erklärungen beziehen sich immer auf Zustände und Ereignisse in der materiellen Welt, etwa auf neuronale Zustände, die …

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"Mit in sorgfältigsten Experimenten herausgerechneten Bildern fördert Antonio Damasio eine Theorie von Denken und Bewusstsein zutage, die auf der Verarbeitung von Bildern im Hirn basiert. Was ihn wiederum mit dem Philosophen Walter Benjamin verbindet, dem als Analphabet jener Fotograf gilt, der seine eigenen Bilder nicht lesen kann." Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2011

»Schlichte Sprache, klare Worte, tolles Buch. Viel zu lernen.«
Antonio R. Damasio ist Professor für Neurologie und Leiter des Department of Neurology an der Universität von Iowa. Mit seinen Forschungen zur Neuropsychologie gilt er als international anerkannte Autorität.

Leseprobe zu "Selbst ist der Mensch" von Antonio R. Damasio

IV. Bewusstsein und seine Folgen (S. 238-239)

11. Leben mit Bewusstsein

Warum sich das Bewusstsein durchsetzte

Eigenschaften und Funktionen verändern sich in der Geschichte des Lebendigen, je nachdem, wie stark sie zum Erfolg von Lebewesen beitragen. Warum sich das Bewusstsein in der Evolution durchgesetzt hat, lässt sich am unmittelbarsten damit erklären, dass es die Überlebensaussichten der damit ausgerüsteten Spezies nennenswert verbesserte. Das Bewusstsein kam, sah und eroberte. Es gedieh. Es scheint, als werde es erhalten bleiben.

Aber welchen Beitrag hat das Bewusstsein eigentlich geleistet? Die Antwort: Es brachte viele, mehr oder weniger offensichtliche Vorteile für das Lebensmanagement mit sich. Schon auf seinen einfachsten Ebenen hilft das Bewusstsein, die Reaktionen auf Umweltbedingungen zu optimieren. Bilder, die im bewussten Geist verarbeitet werden, liefern Detailinformationen über die Umwelt, und diese Details können dafür genutzt werden, die Präzision einer notwendigen Reaktion zu verbessern – durch eine exakte Bewegung kann man beispielsweise einer Bedrohung entgehen oder eine Beute mit höherer Sicherheit packen.

Aber die Genauigkeit der Bilder ist nur einer der vielen Vorteile eines bewussten Geistes. Der Löwenanteil der Vorteile ergibt sich nach meiner Vermutung aus der Tatsache, dass die Verarbeitung von Bildern aus der Umwelt in einem bewussten Geist durch ein bestimmtes Ensemble innerer Bilder – genauer gesagt, die Bilder des eigenen, lebenden Organismus, wie er im Selbst repräsentiert ist – eine Orientierung erhält. Das Selbst fokussiert den Geistesprozess, durchtränkt das Abenteuer, anderen Objekten und Ereignissen zu begegnen, mit einer Motivation, und infiltriert den Drang, die Welt zu erkunden, mit der größten und wichtigsten Sorge, die ein Organismus haben muss: der erfolgreichen Lebenssteuerung.

Diese Besorgnis entsteht, ganz natürlich, direkt aus dem Selbst-Prozess heraus, der seine Grundlage in ursprünglichen und abgewandelten körperlichen Gefühlen hat. Das spontane und von innen heraus fühlende Selbst liefert – als Folge der Wertigkeit und Intensität seiner affektiven Zustände – unmittelbare Signale, die das Ausmaß der Sorgen und Bedürfnisse in jedem einzelnen Augenblick anzeigen. Als der Bewusstseinsprozess immer komplizierter wurde und die durch Koevolution entstandenen Funktionen Gedächtnis, Vernunft und Sprache ins Spiel kamen, konnte das Bewusstsein weiteren Nutzen bringen. Diese Nutzeffekte haben im Wesentlichen mit Planung und gezieltem Handeln zu tun. Hier sind die Vorteile Legion.

Es wurde möglich, sich Zukunftsszenarien vorzustellen und automatische Reaktionen entweder hinauszuzögern oder völlig zu unterdrücken. Ein Beispiel für diese entwicklungsgeschichtlich neue Fähigkeit ist die aufgeschobene Belohnung, das vorberechnete Eintauschen von etwas Gutem gegen etwas, das später noch besser sein wird – oder der Verzicht auf etwas Gutes, wenn die Abschätzung der Zukunft vermuten lässt, dass damit später vielleicht auch etwas Schlechtes einhergeht. Diese Bewusstseinsentwicklung brachte uns einen immer besseren Umgang mit der grundlegenden Homöostase und letztlich auch die Anfänge der soziokulturellen Homöostase (auf die ich später in diesem Kapitel zurückkommen werde).

Eine Fülle bewusster, höchst erfolgreicher Verhaltensweisen findet man auch bei vielen Tierarten, deren Gehirn komplex genug ist: Beispiele um uns herum sind nicht zu übersehen und zeigen sich am deutlichsten bei Säugetieren. Seinen bisherigen Höhepunkt hat das Bewusstsein aber dank erweitertem Gedächtnis, Vernunft und Sprache beim Menschen erreicht.

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