Seelenzauber - Vaget, Hans R.

Hans R. Vaget 

Seelenzauber

Thomas Mann und die Musik

Broschiertes Buch
 
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Seelenzauber

Keine andere Kunstform hat Thomas Mann so sehr bewegt und bestimmt wie die Musik, angefangen bei den Opernbesuchen in der Kindheit bis hin zur Begegnungen mit großen Persönlichkeiten wie Bruno Walter oder Arnold Schönberg.
Die Musik war für Thomas Mann zentraler Bestandteil der deutschen Kultur und dadurch mitverantwortlich für die große Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Auf dieser Grundlage analysiert und beschreibt Hans Rudolf Vaget die Bedeutung der Musik im Werk Thomas Manns. Sei es in der Bewertung des deutschen Kunstlieds oder in der Auseinandersetzung mit Furtwängler, sei es Thomas Manns Wagner-Bild oder die Zusammenarbeit mit Adorno diese fundierte Studie bündelt kulturgeschichtliche Zusammenhänge und erschließt immer wieder neue Gänge durch das Werk Thomas Manns.


Produktinformation

  • Verlag: Fischer Taschenbuch
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 512 S., . 24 SW-Fotos. 190 mm
  • Seitenzahl: 512
  • Fischer Taschenbücher Bd.17085
  • Deutsch
  • Abmessung: 187mm x 126mm x 35mm
  • Gewicht: 390g
  • ISBN-13: 9783596170852
  • ISBN-10: 3596170850
  • Best.Nr.: 33371621
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 26.02.2007

Geheimnis und Seelenzauber
Zwei neue Bücher über Thomas Mann und die Musik
Groß ist das Interesse an Thomas Manns Beziehung zur Musik und das nicht erst, seit musikliebende Schauspieler das Grammophonkapitel nahe dem Ende des Romans „Der Zauberberg” mit dem Kapitel-Titel „Fülle des Wohllauts” für launige und belehrende Auftritte genutzt haben. Thomas Manns Musikleidenschaft durchzieht das Leben des Schriftstellers, von den ersten Wagner-Exerzitien im Lübecker Stadttheater mit einem ruckweise anschwimmenden Lohengrin-Schwan bis zu den späten unerquicklichen Auseinandersetzungen mit Arnold Schönberg um die im „Doktor Faustus” thematisierte Methode, mit zwölf Tönen zu komponieren, von der Schönberg so viel verstand; nur eines verstand er nicht: Spaß – wenn‘s um seine Priorität und Eigentumsrechte in musikalischen Dingen ging.
Da ausgerechnet der von Schönberg durchaus misstrauisch beäugte Theodor W. Adorno Thomas Mann als „wirklicher geheimer Rat” bei diesem Roman in Sachen Musik an der Seite stand, konnte der Ko-Exilant auf Milde nicht hoffen. Zwei Bücher sind jüngst erschienen, die sich dem Thema „Thomas Mann und die …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 08.12.2006

Deutschland einig Wunderland
Seelenzauber: Zwei Bücher über Thomas Mann und die Musik / Von Eckhard Heftrich

Zu dem durchaus überschaubaren Kreis der Granden der Thomas-Mann-Forschung zählt seit langem Hans R. Vaget. Den 1938 geborenen deutschen Germanistikstudenten zog es früh in die Vereinigten Staaten, wo er als Professor für deutsche Literatur und Komparatistik reüssierte. Zu seinem steten Interesse an Thomas Mann kam die immer intensivere Erkundung jener Musik, die schon Thomas Manns Leidenschaft und Leiden ausgemacht hatte. Zu erwarten war, daß Vaget seine weitverstreuten Aufsätze einmal zusammenführen werde.

Das nun vorgelegte Buch sprengt aber den Rahmen üblicher Sammelbände; und nicht nur, weil das bereits Publizierte ergänzt oder verändert wurde. Und auch nicht, weil es sich bei einem Drittel der insgesamt fünfzehn Kapitel um Erstveröffentlichungen handelt. Sondern, weil alle Beiträge nun als detailreiche Beweis-Facetten einer zentralen Interpretationsthese erscheinen. Sie läuft zwar unter der abgenutzten Titulatur "Mentalitätsgeschichte". Aber Vagets Experiment, eine von der Geschichtswissenschaft auf so ganz anderen …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Hans Rudolf Vaget würdigt der Rezensent als ausgewiesenen Kenner der Thomas-Mann-Forschung, mit seinem Buch kann er sich dennoch nicht gänzlich anfreunden. In dem Sammelband, der ältere, allerdings überarbeitet und neu kommentierte Aufsätze neben vielen hier erstmals publizierten Texten bietet, geht es dem Autor um die Beweisführung einer einzigen These, meint der Rezensent. Vaget möchte nämlich mit Thomas Manns Musikverehrung, die höchst problematische politische Auswirkungen hatte, wie der Autor argumentiert, ein Stück deutsche "Mentalitätsgeschichte" ausfindig machen, erklärt der Rezensent. Thomas Mann einzig als "Großmeister" dieser deutschen Mentalitätsgeschichte zu lesen, erfordert allerdings einige mutwillige Zitatverkürzungen, zum Teil gar rigorose Umdeutungen der Texte, moniert der Rezensent. Auch wenn er sich der Grundthese der Vagetschen Argumentation nicht unbedingt anschließen möchte, so betont Heftrich dennoch, dass es sich bei diesem Sammelband um eines der wichtigsten Thomas-Mann-Bücher der vergangenen zehn Jahre handelt. "Anregungen und Provokationen" enthält es auf jedenfalls genug, um zu fesseln, lobt der Rezensent.

© Perlentaucher Medien GmbH
Hans Rudolf Vaget ist Professor of German Studies and Comparative Literature am Smith College (Northampton, Massachusetts). Die Schwerpunkte seiner Forschung sind Goethe, Wagner und Thomas Mann, über die von ihm zahlreiche Veröffentlichungen vorliegen. Für die Edition des Briefwechsels Thomas Manns und Agnes E. Meyers wurde ihm die Thomas-Mann-Medaille verliehen. Hans R. Vaget ist Mitherausgeber der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe Thomas Manns sowie der Zeitschrift wagnerspectrum.

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Kundenbewertungen zu "Seelenzauber" von "Hans R. Vaget"

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Bewertung von Wulf Rehder aus Kalifornien am 24.01.2012 ***** ausgezeichnet
Seelenzauber mit finsteren Konsequenzen

Dieses subtile, gelehrte, temperamentvolle Buch hätte eigentlich „Seelenzauber mit finsteren Konsequenzen“ heissen müssen, und ein Untertitel wie „Der Nexus von Musik und Politik bei Thomas Mann“ hätte den Leser gewarnt, dass es hier nicht um Thomas Manns Lieblingsmusik geht, sondern um die Aufhellung des dunkelsten Kapitels in der deutschen Geschichte, in der der Seelenzauber guter Musik böse Politik „ermöglicht und begünstigt“ hat. Die 15 Kapitel handeln von: Thomas Manns Begegnung mit Opern und Kunstliedern; Einfluss von Wagners „Ring“ auf die Architektur der „Buddenbrooks“; Thomas Manns kritische Haltung zu Furtwängler; Bruno Walter, der ein seltener Duz-Freund und der wichtigste musikalische Mentor Thomas Manns war, bevor Theodor Adorno der „wirkliche Geheime Rat“ für die Musikpassagen im „Doktor Faustus“ wurde. Kakophonien werden laut im dritten Teil des Buches. Unter der Überschrift „Wehvolles Erbe, dem ich verfallen“ geht es um die zwiespältige Haltung Thomas Manns zu Bayreuth und um seinen für „die stehengebliebene Wagnerei“ skandalösen Aufsatz „Leiden und Grösse Richard Wagners“ von 1933. Der darauf folgende Protest des Münchner Musik-Establishments um Knappertsbusch, Richard Strauss und Pfitzner veranlasste Thomas Mann, nach einer Vortragsreise nicht wieder nach Deutschland zurückzukehren.

Die Verknüpfung von Thomas Mann individuellem Geschick mit dem Schicksal Deutschlands seit 1933 wird in dem Roman „Doktor Faustus“ zum Zentralthema gemacht – allerdings nicht in dem allegorischen Sinne, wonach ein unschuldiges Deutschland sich dummerweise auf einen Vertrag mit dem Teufel, Hitler, einlässt und dafür bestraft wird, während gute Deutsche wie Thomas Mann es immer schon gewusst und vom Exil aus vor den katastrophalen Folgen gewarnt hätten. Emphatisch wendet sich Vaget dagegen, wenn Leverkühns Teufelverschreibung nicht historisch ernst genommen, sondern, wie bei dem Musikkritiker Joachim Kaiser, höchstens als eine poetisch „plausible Metapher für den scheiternden Genius unseres Volkes“ gesehen und im nachhinein mit allerlei ökonomischen und soziologischen Faktoren der Zeit erklärt und entschuldigt wird.

Vagets These lautet, dass der nationalsozialistische Imperialismus schon angelegt war in der als selbstverständlich angenommenen Vorrangstellung der deutschen Musik spätestens seit Beethoven und Schubert, über Brahms zum Kulminationspunkt Wagner, und, nach Schönbergs Voraussage, sogar „für die nächsten 100 Jahre“. Besonders der weltweite Triumph Wagners galt als Ausdruck einer kulturellen Hegemonie, die durch Hitler in einen Anspruch auf Weltherrschaft umfunktioniert und verhunzt wurde.

Diese mentalitätsgeschichtliche Deutung besagt, dass die Musik als „Seelen- und Geistesvefassung“ eine ganz konkrete Nazi-Barbarei, die „finstere Konsequenz“, nicht nur „antizipiert“, sondern sogar „legitimiert“ hat. Zur tiefen persönlichen Ironie gehört es, wenn Thomas Mann keineswegs verschweigt, dass auch er im Banne Wagners stand und in dessen Namen in den „Betrachtungen eines Unpolitischen“ für den gerechten, notwendigen Krieg Deutschland gegen den feindlichen Rest der Welt argumentiert hatte.

Als Bonus gibt es mehrere gekonnten Wendungen. Zum Beispiel:

Wenn Thomas Mann auf Druck von Katia und Erika die Lobpreisung Adornos für dessen Assistenz bei den musikalischen Passagen im Faustus um 120 Zeilen kürzt, dann kommentiert Vaget, dies sei „ein melancholisches Beispiel mehr für die Opferung der Wahrheit auf dem Altar des Familienfriedens.“ An anderer Stelle wird Thomas Manns Art zu philosophieren mit Felix Krulls Tennisspiel verglichen, in dem dieser sich bemühte, mit „Entschlossenheit [...] auf augenverblendende Weise meinen Mann zu stehen in einem Spiel, das ich zwar angeschaut und in mich genommen, in Wirklichkeit aber nie geübt hatte.“

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

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