Schwester - Waberer, Keto von

Keto von Waberer 

Schwester

Roman

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Schwester

Die Schwester ist kränklich und beansprucht die ständige Aufmerksamkeit der Mutter. Sie ist die erste und engste Spielkameradin, Miterfinderin wunderbarer Fantasiewelten. Sie ist eine hasserfüllte Gegnerin und begehrtes Objekt schwesterlicher Liebe. Die Krankheit treibt sie schließlich in eine immer größere Verletzbarkeit und Schwäche, die der Schwester gegenüber in Kälte und Grausamkeit umschlägt. Als sie stirbt, hinterlässt sie die Erzählerin in einem Zustand der Lähmung. Selten ist mit solch anrührender Offenheit und solch stilistischer Souveränität zugleich geschrieben worden. Ein literarisches Meisterwerk, das von großer Unerschrockenheit und Menschlichkeit zeugt.

Die Schwester ist blond und hellhäutig, sie ist immer kränklich und beansprucht die Aufmerksamkeit der Mutter fast vollständig. Sie ist der erste und engste Spielkamerad, Miterfinderin und Mitbewohnerin wunderbarer Fantasiewelten. Sie ist eine hasserfüllte Gegnerin und begehrtes Objekt schwesterlicher Liebe, sie ist Verbündete und Rivalin. Die Krankheit treibt sie schließlich in eine immer größere Verletzbarkeit und Schwäche, die der Schwester gegenüber in Ablehnung, Kälte, Grausamkeit umschlägt. Die Entfremdung ist unüberwindbar. Als sie an einem Asthmaanfall stirbt, hinterlässt sie die Erzählerin in einem Zustand der Lähmung.


Produktinformation

  • Abmessung: 188mm x 118mm x 17mm
  • Gewicht: 185g
  • ISBN-13: 9783833301001
  • ISBN-10: 3833301007
  • Best.Nr.: 12411758
"... sie hat höchste Anerkennung verdient, spätestens mit dieser berückenden Erzählung, die ihr persönlichstes und zugleich bestes Buch bisher ist." (Hajo Steinert/Die Welt)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.12.2002

Abschiedsszenen
Keto von Waberer trauert um ihre Schwester
Abschied und Trauer sind große literarische Motive. Wie ein Autor mit diesen Themen umgeht, mit dem Wagnis des Trauerns, gibt Auskunft über seine Größe. Erinnert sei etwa an Georges Perec, der schrieb, um seiner ermordeten Eltern zu gedenken. In seinem beeindruckenden Roman „La disparition” kommt Perec ganz ohne die Verwendung des Vokals „e” aus. Das Fehlen dieses Buchstabens steht für „sie” („eux”), Perecs verschwundene Eltern. In jeder Faser dieses Romans steckt die Trauer, ohne sie auszusprechen. Dem Autor gelingt hier die Übersetzung in eine literarische Form.
Dieser Schritt der Übersetzung fehlt Keto von Waberers Text „Schwester” und macht seine Lektüre zu einer so zwiespältigen. Auch hier werden Abschied und Trauer um eine Verstorbene zum Thema. Permanent spricht ein Ich. Es ist die Autorin selbst: „Im Supermarkt, vor einem Regal mit Waschmitteln, fange ich an zu weinen und kann nicht mehr aufhören.” Am Ende der Passage heißt es: „Ich brauche sehr lange, um herauszufinden, dass ich um meine tote Schwester weine. Sie ist vor zwei Jahren gestorben.” Wir haben …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.10.2002

Sünder ohne Sünde
Beklommenheit statt Rührung: Keto von Waberer entwirft die idyllische, schaurige Schwesternliebe

Keto von Waberers Geschichte einer Schwesternliebe endet mit einem Traum, in dem die jüngere Schwester die ältere auf einer Bank sitzen sieht, übermütig und Tränen lachend. Die Erzählung aber beginnt damit, daß die jüngere Schwester in Tränen ertrinkend durch den Supermarkt irrt: "Die Tränen kommen, wann sie wollen, ohne Grund, so wie die Ängste in meinen Nächten. - Ich brauche sehr lange, um herauszufinden, daß ich um meine Schwester weine. Sie ist vor zwei Jahren gestorben." Lachen und Weinen bestimmen den Rhythmus dieser Suche nach der Verstorbenen. Der Albtraum der überlebenden Schwester, die verweinten Nächte ihres Erwachsenenlebens öffnen die Pforten, die ins Traumglück der Kindheit führen. Jeder Spaziergang aber in diesen schönen Garten läßt die Keime sehen, aus denen damals schon, zwischen dem Glück, das Unglück sproß.

Unauflöslich verbunden tauchen aus dem Gedächtnis nicht nur die zwei Schwestern auf, die ältere, immer kranke, die alle Mutterliebe auf sich zieht, und die um fünf Jahre jüngere, …

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Die Schwester ist kränklich und beansprucht die ständige Aufmerksamkeit der Mutter. Sie ist die erste und engste Spielkameradin, Miterfinderin wunderbarer Fantasiewelten. Sie ist eine hasserfüllte Gegnerin und begehrtes Objekt schwesterlicher Liebe. Die Krankheit treibt sie schließlich in eine immer größere Verletzbarkeit und Schwäche, die der Schwester gegenüber in Kälte und Grausamkeit umschlägt. Als sie stirbt, hinterlässt sie die Erzählerin in einem Zustand der Lähmung. Selten ist mit solch anrührender Offenheit und solch stilistischer Souveränität zugleich geschrieben worden. Ein literarisches Meisterwerk, das von großer Unerschrockenheit und Menschlichkeit zeugt.

Leseprobe zu "Schwester" von Keto von Waberer

"Wir spazieren auf der Strandpromenade, es ist Nachmittag, heiß und die Fähnchen auf der Balustrade zum Meer flattern im Wind, und wir gefallen uns, wir sind schön angezogen. Wir haben lange Zeit vor dem Spiegel verbracht. Meine Schwester trägt ein schulterfreies Kleid aus einem Stoff, der aussieht, als hätte jemand beim Aquarellieren den Pinsel immer wieder nachlässig daran abgewischt. Ich beneide sie um dieses Kleid."

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