Leseprobe zu "Schokolade zum Frühstück\Bridget Jones Am Rande..."
Gute Vorsätze zum neuen Jahr
WAS ICH NICHT MEHR TUN WERDE:
- Mehr als vierzehn Alkoholeinheiten pro Woche trinken.
- Rauchen.
- Geld für folgende Gegenstände vergeuden: Nudelmaschinen, Eismaschinen oder anderen kulinarischen Schnickschnack, den ich sowieso nie benutze; Bücher von unlesbaren, hochliterarischen Autoren, die man sich nur ins Regal stellt, um Eindruck zu schinden; ausgefallene Unterwäsche, da sinnlos, weil kein Freund vorhanden.
- Mich zu Hause gehenlassen; werde mir statt dessen vorstellen, beobachtet zu werden.
- Mehr ausgeben, als ich verdiene.
- Den Korb mit der eingehenden Post überquellen lassen.
- Auf irgend etwas vom folgenden hereinfallen: Alkoholiker, Workaholics, Beziehungspaniker, Typen mit festen Freundinnen oder Ehefrauen, Frauenfeinde, Größenwahnsinnige, Chauvis, emotionale Flachwichser oder Schmarotzer, Perverse.
- Mich über Mum, Una Alconbury oder Perpetua ärgern.
- Mich über Männer aufregen; werde statt dessen die gelassene und kühle Eiskönigin geben.
- Mich in Männer verknallen; werde statt dessen nur Beziehungen eingehen, die auf reifer charakterlicher Würdigung beruhen.
- Hinter ihrem Rücken über andere Leute herziehen; werde mich statt dessen positiv über jeden äußern.
- Mich auf Daniel Cleaver fixieren, da erbärmlich, a la Miss Moneypenny et al. in den Boß verknallt zu sein.
- Darüber jammern, keinen Freund zu haben, sondern statt dessen innere Ausgeglichenheit und Autorität entwickeln sowie Gefühl für mich selbst als gestandene Frau, die auch ohne festen Freund vollwertig ist, da beste Methode, um Freund zu finden.
WAS ICH TUN WERDE:
- Das Rauchen aufgeben.
- Nicht mehr als vierzehn Alkoholeinheiten pro Woche trinken.
- Oberschenkelumfang mit Hilfe von Antizellulitisdiät um acht Zentimeter reduzieren (d. h. jeden um vier Zentimeter).
- Sämtliches überflüssige Zeug aus der Wohnung schaffen.
- Alle Klamotten, die ich zwei Jahre oder länger nicht getragen habe, für Obdachlose spenden.
- Beruflich aufsteigen und neuen, ausbaufähigen Job suchen.
- Geld in Form von Ersparnissen anlegen. Evtl. auch Rentenversicherung abschließen.
- Selbstsicherer sein.
- Entschlossener auftreten.
- Die Zeit besser nutzen.
- Nicht jeden Abend ausgehen, sondern zu Hause bleiben, gute Bücher lesen und klassische Musik hören.
- Einen Teil meines Einkommens für wohltätige Zwecke spenden.
- Freundlicher sein und anderen mehr helfen.
- Mehr Hülsenfrüchte essen.
- Morgens sofort nach dem Aufwachen aufstehen.
- Dreimal die Woche ins Fitneßstudio gehen, und zwar nicht nur, um ein Sandwich zu essen.
- Fotos ins Fotoalbum einkleben.
- Compilations für verschiedene Stimmungen aufnehmen, damit Kassetten mit sämtlichen romantischen/tanzbaren/feministisch aufstachelnden Lieblingsstücken bereitliegen, anstatt zu einem volltrunkenen Pseudo-DJ zu werden und Kassetten über den ganzen Fußboden zu verstreuen.
- Eine funktionierende Beziehung mit einem verantwortungsbewußten erwachsenen Menschen eingehen.
- Lernen, den Videorecorder zu programmieren.
JANUAR
Ein außergewöhnlich schlechter Anfang
Sonntag, 1. Januar
5,5 kg (post-weihnachtlicher Ausnahmezustand), Alkoholeinheiten 14 (umfaßt aber eigentlich zwei Tage, da vier Stunden der Party auf Neujahr gefallen sind), Zigaretten 22, Kalorien 5424.
Heute verzehrte Nahrungsmittel:
2 Packungen Emmentaler in Scheiben 14 kalte neue Kartoffeln
2 Bloody Marys (enthalten Worcestersauce und Tomaten und
zählen damit als Essen)
1A Laib Ciabatta-Brot mit Brie
Korianderblätter - lA Päckchen
12 Milk-Tray-Pralinen (am besten sämtliche von Weihnachten übriggebliebenen Süßigkeiten auf einmal aufessen und morgen ganz von vorn anfangen)
2 Weihnachtspasteten
Cocktailspießchen mit Käse und Ananas
eine Portion von Una Alconburys Truthahncurry mit Erbsen und Bananenscheiben
eine Portion von Una Alconburys Himbeerdessert mit in Dosenhimbeeren ersäuften Bourbon-Keksen, angerichtet in Schichten mit 30 Litern Schlagsahne und hübsch dekoriert mit glasierten Kirschen und kandierter Angelikawurzel.
Mittag. London. Meine Wohnung. Uäh. Das letzte, wozu ich mich körperlich, emotional oder geistig gerüstet fühle, ist, zu Una und Geoffrey Alconburys Neujahrs-Truthahncurry nach Grafton Underwood zu fahren. Geoffrey und Una sind die besten Freunde meiner Eltern und kennen mich, wie Onkel Geoffrey nie zu erwähnen müde wird, seit ich splitternackt auf der Wiese herumgetollt bin. Meine Mutter hat mich am letzten Feiertag im August morgens um halb neun angerufen und mir das Versprechen abgerungen, daß ich hingehe. Na ja, ihre Taktik war auch einzigartig. Von hinten durch die Brust ins Auge.
"Oh, hallo, Liebes. Ich wollte nur mal hören, was du dir zu Weihnachten wünschst." "Weihnachten?"
"Oder soll es lieber eine Überraschung werden?" "Nein!" brüllte ich. "Entschuldige. Ich meine..." "Vielleicht möchtest du ja ein paar Rollen für deinen Koffer haben."
"Ich habe doch gar keinen Koffer."
"Dann kaufe ich dir eben einen kleinen Koffer mit Rollen dran. Du weißt schon, wie Stewardessen sie haben." "Ich habe schon eine Reisetasche."
"Ach, Liebes, du kannst doch nicht mit diesem schmuddeligen grünen Segeltuchding wegfahren. Damit siehst du aus wie eine Kreuzung aus Mary Poppins und Pechmarie. Einfach ein kompakter kleiner Koffer mit einem Griff zum Herausziehen. Es ist erstaunlich, wieviel man da hineinkriegt. Willst du einen in Marineblau auf Rot oder in Rot auf Marineblau?"
"Mum. Es ist halb neun Uhr morgens. Es ist Sommer. Es ist sehr heiß. Ich will keinen Stewardessenkoffer."
"Julie Enderby hat einen. Sie sagt, sie nimmt nie was anderes."
"Wer ist Julie Enderby?"
"Du kennst doch Julie, Liebes! Die Tochter von Mavis Enderby. Julie! Die, die diesen sagenhaften Job bei Arthur Andersen hat..."
"Mum. .."
"Nimmt ihn immer mit, wenn sie auf Reisen geht. . ."
"Ich will keinen kleinen Koffer mit Rollen dran."
"Paß mal auf. Wäre es nicht am besten, Jamie, Daddy und ich würden alle zusammenlegen und dir einen richtigen großen, neuen Koffer und einen Satz Rollen besorgen?"
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