Schöpfung und Evolution - Zwei Paradigmen und ihr gegenseitiges Verhältnis
Die Frage nach der Entstehung der Welt und des Menschen gehört zu
den Urfragen der Menschheit. Die jüdisch-christliche Antwort darauf
ist der Glaube an Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Die
Bibel handelt schon auf den ersten Seiten ausführlich davon: Gott
hat die Welt und alle Lebewesen ins Dasein gesetzt. Charles Darwins
Evolutionstheorie zeigt, dass die Arten nicht unwandelbar sind,
sondern sich entwickeln und verändern. Wenn nun aber für die
Entstehung der Arten eine natürliche Erklärung gefunden werden
kann, wird dann die Schöpfungstheologie nicht überflüssig? Kardinal
Schönborn zeigt in seinem Essay auf, dass Naturwissenschaft und
Theologie, konkret Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube,
keineswegs notwendigerweise in einen Konflikt geraten müssen. Der
gemeinsame Ursprung alles Lebendigen kann für den Theologen nicht
ernsthaft in Frage gestellt werden. Er steht mit dem
Schöpfungsglauben in Einklang, wenn dieser in seiner ganzen Tiefe
dargestellt wird.
Christoph Kardinal Schönborn trat nach der Matura dem Dominikanerorden bei und studierte Theologie, Philosophie und Psychologie. 1970 wurde er von Kardinal Franz König in Wien zum Priester geweiht und absolvierte danach ein Studienjahr in Regensburg, wo der jetzige Papst Benedikt XVI., Joseph Ratzinger, sein Lehrer war. 1980 wurde er Mitglied der internationalen Theologenkommission des Heiligen Stuhls, 1987 Redaktionssekretär des Weltkatechismus. 1991 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof für die Erzdiözese Wien, 1995 zum Erzbischof und 1998 zum Kardinal. Das Wirken von Kardinal Schönborn ist geprägt von der Hinwendung zur Not der Nichtglaubenden und des kleinen Weges für die suchenden Menschen von heute.
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