Leseprobe zu "Schöpferisch träumen" von Paul Tholey; Kaleb Utecht
»KNIGGE« FÜR KLARTRÄUMER (S. 106-107)
Zu Beginn des letzten Kapitels klang an, daß es verschiedene Möglichkeiten und Haltungen gibt, mit seinen Fähigkeiten umzugehen. Diese Haltungen kann man verkürzt - und damit sicher auch wertend - in »reife« und »unreife« unterteilen. Analog dazu unterscheiden wir zwischen »reifem« und »unreifem« Umgang mit Traumfiguren und Traumsituationen. Diese Unterscheidung soll Sie nicht abschrecken; sie soll lediglich einen qualitativen Unterschied deutlich machen, der besonders im Zusammenhang mit den sogenannten »Selbsterkenntnisträumen« zum Tragen kommt Es gibt unseres Wissens auch keinen Klarträumer, der mit seinen Trauminhalten immer nur auf reife Weise umgeht Auch als Fortgeschrittener braucht man immer wieder einmal den lustbetonten, »unreifen« Umgang mit der Traumrealität Vielleicht kann man an dieser Stelle auch von dem Unterschied zwischen »Traumarbeit« und »Traumurlaub« sprechen.
UNREIFER UMGANG MIT TRAUMBEGEBENHEITEN
Was, wie schon erwähnt, bei jedem Klarträumer immer wieder auftaucht, sind ekstatische, stark lustbetonte Flugerlebnisse. Es ist gar nicht verwunderlich, daß diese Flugträume so oft vorkommen, denn so verschieden die Menschen auch sind, sind sie doch alle der Schwerkraft unterworfen - keiner kann sich aus eigener Kraft für längere Zeit vom Boden lösen. Daneben hatte aber jeder auch schon Momente in seinem Leben, wo er aufgrund von seelischer oder körperlicher Erschöpfung unter seinem eigenen Gewicht oder anderen drückenden Lasten litt und er sich am liebsten frei wie ein Vogel davongeschwungen hätte.
So sind die meisten Klarträume immer auch Flugträume, und Flugerfahrungen sind - nach allgemeinem Bekunden - die schönsten Traumerlebnisse.
Es gibt noch zahlreiche andere Beispiele ftir den »unreifen «, aber durchaus befriedigenden Umgang mit Traumfiguren und -Situationen, wie die folgenden Träume beweisen. Dabei ist es uns unmöglich, hier das ganze Spektrum von Möglichkeiten darzustellen. Dazu sind die Menschen zu verschieden, und Sie selbst werden sicher noch ganz andere Varianten erleben.
Eine Frau berichtet von zwei Träumen, die sie im Abstand von ungefähr zwei Wochen hatte:
»Ich wurde klar, als ich mich auf der Flucht vor einem großen, schwarzen Hund befand. Ich versuchte gerade, über einen Zaun zu klettern. Meine linke Hand war steif, ich konnte sie nicht richtig gebrauchen. Mit der rechten Hand ging es nicht Da dachte ich an das Konzept der SENOI (siehe Seite 26) und ging dem Hund entgegen. Ich schlug ihn einfach nieder.
Was mich überraschte, war der entsetzliche Schrei, den das Tier ausstieß. Der Ton, der Schrei war eine Mischung von Mensch und Tier. Ich war sehr überrascht aber nicht ängstlich. Ich erwachte und war sicher, einen Fehler gemacht zu haben. Das Tier zeigte sich mir nun als >Underdog<. Ich hatte einen Underdog erschlagen, was mir sehr unangenehm war.
Ich stand an eine Mauer gelehnt - halb Mauer, halb Mensch -, und etwa zehn Meter vor mir stand eine männliche Figur, die mich mit Wurfpfeilen bewarf. Da ich das Senoi-Konzept anwenden wollte, bat ich die Traumfigur näherzukommen. Ich wollte sie bekämpfen. Der Mann sagte aber: >Ich bin doch nicht blödk Da wußte ich, daß das irgendwie mit dem Hund zu tun hatte, den ich im Klartraum erschlagen hatte. Es war der Hund aus dem Klartraum, der sich nun getarnt hatte. Er hatte etwas dazugelernt, eine Erfahrung gemacht...«
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