Schöner wird's nicht - Sedaris, David

David Sedaris 

Schöner wird's nicht

Aus d. Amerikan. v. Georg Deggerich
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Schöner wird's nicht

Wahre Schönheit kommt nicht von innen. Sie kommt von Sedaris.

Seine Geschichten sind Satire und Sozialstudie, Eigentherapie und Eventliteratur in einem, sein Humor brachte ihm Grammy-Nominierungen und internationale Bestseller ein. Endlich gewährt uns Staressayist David Sedaris mit "Schöner wird's nicht" nun wieder einen Aufenthalt. Und zwar in dem neurotischen, von skurrilster Materie erfüllten und in unnachahmlicher Tragikomik erstrahlenden Universum, das er sein Leben nennt.

Dem Alltag wohnt der Wahnwitz inne: Wer daran verzweifelt, findet Trost bei manch kurzweiligem Kolumnisten. David Sedaris ist das nicht genug. Ihn witzig zu nennen hieße, das Weltall als geräumig zu bezeichnen. Das Beste an seinem Leben ist, dass er darüber Buch führt. Ob er seine Kindheit aufarbeitet (die Hölle eines amerikanischen Vorortes, begleitet von einer trinkenden Mutter, schizophrenen Schwestern und schwulen Ambitionen), seiner Jugend nachspürt (der Versuch, der Hölle durch haarsträubende Jobs und persönlichkeitsverändernde Drogen zu entkommen) oder einen erwachsenen Wahlfranzosen darstellt: Sedaris' Beobachtungen und Erinnerungen sind immer präzise, ernstlich überraschend und herrlich wahrhaftig.

"Schöner wird's nicht" liefert die sehnlich erwarteten neuen Episoden aus dem Paralleluniversum des Kultautors. Er erläutert, wie man sich mit Schallplattenhüllen vor psychopathischen Singvögeln schützt, was modische Herrenaccessoires über Erektionsschwierigkeiten verraten und warum man in Tokio weder Japanisch lernen noch mit dem Rauchen aufhören sollte. Und er stellt unter Beweis, dass Kreuzworträtsel viel mit Lebensbewältigung gemein haben. Du kannst immer die passende Lösung aufschreiben. Du musst einfach nur die Vorgaben ignorieren.

"Ein Magier, der aus Leiden Lachen macht." Die Welt

"Sedaris schafft es, die tragischsten Ereignisse unversehens in Klatsch und Tratsch zu verwandeln und als schiere Normalität zu verkaufen." Süddeutsche Zeitung

"Wieder belustigt, erschreckt und befreit uns die Offenheit, mit der Sedaris so kühl wie präzis von seinen Ticks, Phobien und Phantasien erzählt." Neue Zürcher Zeitung


Produktinformation

  • Verlag: Blessing
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 320 S.
  • Seitenzahl: 320
  • Deutsch
  • Abmessung: 222mm x 144mm x 33mm
  • Gewicht: 524g
  • ISBN-13: 9783896673855
  • ISBN-10: 3896673858
  • Best.Nr.: 23805649
"Manche Autoren erfinden ihr eigenes Literatur-Genre: Katzenkrimis oder Hämorrhoiden-Pornos. David Sedaris ist der herausragende Vertreter des Mein-Leben-als-David-Sedaris-Genres. Auch sein neues Buch handelt von seiner Kindheit in North Carolina, von den wilden Jahren als drogenabhängige Putzhilfe und dem Alltag mit seinem schwulen Freund in Paris. Neu ist, dass Sedaris immer zärtlicher, aber nicht weniger komisch wird ... Sedaris Sprache wird immer einfallsreicher ... Eine gelungene Fortsetzung seines Lebensromans - und der perfekte Einstieg für Sedaris-Neulinge." (Brigitte)

"Wieder belustigt, erschreckt und befreit uns die Offenheit, mit der Sedarisso kühl wie präzis von seinen Ticks, Phobien und Phantasien erzählt." (Neue Zürcher Zeitung)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 18.12.2008

Über Vergänglichkeit

Auf dem Umschlag zum neuesten Buch des amerikanischen Kultautors David Sedaris ist Vincent van Goghs Totenkopf mit brennender Zigarette zu sehen. Das passt, denn die meisten der 22 Grotesken, von denen viele zuerst im "New Yorker" publiziert wurden, behandeln das barocke Motiv der Vanitas in unserer Gegenwart. Ob die Episoden in den stinkenden Anatomiesaal führen, menschliche Skelette im Schlafzimmer als Mahnbild zeichnen oder die Lieblingsangst der Amerikaner vor Krankheitserregern behandeln - fast immer geht es um Altern, Vergänglichkeit und Tod. Sedaris, der den Wahrheitsgehalt seiner Geschichten einmal auf 97 Prozent bezifferte, gibt sich keine Mühe, von sich, seinem Elternhaus oder seinem Partner Hugh Hamrick abzulenken, sie gehören zum Personal der bizarren Erlebnisse. Dass er sie irgendwann "mehr oder weniger aus Langeweile" aufzuschreiben begann, wie es in der Erzählung "Was ich lernte" heißt, glaubt man sofort. Sedaris' Talent liegt in der Wachheit und Aufmerksamkeit für das Absurde im Alltäglichen, das er kurzweilig und pointiert beschreibt. Man liest das gern, wird es aber ebenso schnell wieder vergessen. Denn Sedaris' …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

"Schöner wird's nicht", aber David Sedaris war auch schon mal besser. So lässt sich Merten Worthmanns Rezension dieses neuen Bandes mit gesammelten Texten des hoch erfolgreichen und von manchem fast kultisch verehrten Autors David Sedaris zusammenfassen. Komischer jedenfalls war Sedaris nach Auffassung des Rezensenten schon und weniger zu "Melancholie" und "Sentimentalität" geneigt. Zu tun hat die Veränderung mit der Wende, so Worthmann, die Sedaris' Leben genommen hat: nämlich in Richtung Riesenerfolg. Sedaris war ja vor allem auf komische Weise peinlich, einer, der sein "dysfunktionales" Leben so ehrlich wie selbstironisch zu schildern verstand. Nun aber klinge manches wie eine bloße "Skurrilisierung" eines in Wahrheit doch sehr weich gebetteten Daseins. Keineswegs will Worthmann missverstanden werden: Das mache immer noch Spaß, sei "launig" und immer "flüssig wegzulesen". Dennoch lautet die Diagnose: Sedaris befindet sich in einer "literarischen Midlifecrisis".

© Perlentaucher Medien GmbH

»Wieder belustigt, erschreckt und befreit uns die Offenheit, mit der Sedaris so kühl wie präzis von seinen Ticks, Phobien und Phantasien erzählt.«

"Christian Ulmen liest euphorisch und amüsiert die Erzählungen des Großmeisters der Groteske. Und scheint dabei unglaublich viel Spaß zu haben. Das steckt an. Selten hat Zuhören so viel Freude gemacht."

Über Vergänglichkeit

Auf dem Umschlag zum neuesten Buch des amerikanischen Kultautors David Sedaris ist Vincent van Goghs Totenkopf mit brennender Zigarette zu sehen. Das passt, denn die meisten der 22 Grotesken, von denen viele zuerst im "New Yorker" publiziert wurden, behandeln das barocke Motiv der Vanitas in unserer Gegenwart. Ob die Episoden in den stinkenden Anatomiesaal führen, menschliche Skelette im Schlafzimmer als Mahnbild zeichnen oder die Lieblingsangst der Amerikaner vor Krankheitserregern behandeln - fast immer geht es um Altern, Vergänglichkeit und Tod. Sedaris, der den Wahrheitsgehalt seiner Geschichten einmal auf 97 Prozent bezifferte, gibt sich keine Mühe, von sich, seinem Elternhaus oder seinem Partner Hugh Hamrick abzulenken, sie gehören zum Personal der bizarren Erlebnisse. Dass er sie irgendwann "mehr oder weniger aus Langeweile" aufzuschreiben begann, wie es in der Erzählung "Was ich lernte" heißt, glaubt man sofort. Sedaris' Talent liegt in der Wachheit und Aufmerksamkeit für das Absurde im Alltäglichen, das er kurzweilig und pointiert beschreibt. Man liest das gern, wird es aber ebenso schnell wieder vergessen. Denn Sedaris' vielgepriesener Witz lässt nur lächeln und nicht laut lachen. Gegenüber einem Autor wie Max Goldt fehlt es an Esprit, Raffinement und vor allem an Sprachsubversion. Oft wirkt der Text wie die Untertitel zu einer Originalfassung von Woody Allen. Witz merkt man der Übersetzung leider am ehesten an. (David Sedaris: "Schöner wird's nicht". Roman. Aus dem Amerikanischen von Georg Deggerich. Karl Blessing Verlag, München 2008. 320 S., geb., 19,95 [Euro].) kos

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
David Sedaris geboren 1956 in Johnson City, New York, aufgewachsen in Raleigh, North Carolina, lebt abwechselnd in Paris und in New York. Er schreibt u.a. für 'The New York Times', 'The New Yorker' und 'Esquire'. Mit seinen Büchern 'Naked', 'Fuselfieber' oder 'Ich ein Tag sprechen hübsch' wurde er zum Bestsellerautor.

Leseprobe zu "Schöner wird's nicht" von David Sedaris

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Leseprobe zu "Schöner wird's nicht" von David Sedaris

Meine Freundin Patsy erzählte mir eine Geschichte. "Ich bin also im Kino", sagte sie, "und ich habe meinen Mantel über meinen Sitz ausgebreitet, und dann kommt da so ein Typ ..." An dieser Stelle unterbrach ich sie, weil ich den Tick mit dem Mantel noch nie verstanden habe. Wenn ich ins Kino gehe, habe ich meinen entweder gefaltet auf dem Schoß oder ich lege ihn über die Armlehne, aber Patsy breitet ihren jedes Mal über den Sitz, als ob ihm kalt wäre und sie sich unmöglich im Kino amüsieren kann, während der Sitz friert.

"Warum machst du das?", fragte ich. Sie sah mich verwundert an und sagte: "Bazillen, Dummkopf. Alle möglichen Leute haben ihre Köpfe an das Polster gelehnt. Kriegst du da keine Gänsehaut?" Ich musste zugeben, dass ich noch nie darüber nachgedacht hatte.

"Du legst dich im Hotel ja auch nicht einfach auf die Tagesdecke auf dem Bett, oder?", fragte sie. Und wieder dachte ich: Warum nicht? Ich stecke sie mir vielleicht nicht in den Mund, aber sich darauf ausstrecken und ein paar Anrufe erledigen - das mache ich ständig.

"Aber du wischst doch vorher den Hörer ab."

"Äh, nein."

"Also, das ist ja . gefährlich", sagte sie. Eine ähnliche Situation hatte ich mit meiner Schwester Lisa in einem Supermarkt erlebt, als mir auffiel, dass sie den Einkaufswagen mit den Ellbogen vor sich her schob. "Hast du was?", fragte ich.

"Ach so", sagte sie. "Fass nie den Griff des Wagens mit bloßen Händen an. Darauf wimmelt es von Bazillen."

Ist das typisch amerikanisch oder denken die Leute überall so? In Paris sah ich einmal im Supermarkt um die Ecke einen Mann, der seinen Papagei zum Einkaufen mitgenommen hatte. Der Vogel war so groß wie ein halbwüchsiger Adler und hockte auf der Stange des Einkaufswagens.

"Siehst du", sagte Lisa. "Wer weiß, was für eine Krallenkrankheit das Tier vielleicht hat."

Das stimmte zwar, aber nicht jeder schleppt einen Papagei mit in den Supermarkt. In meinem ganzen Einkaufsleben war dies der erste exotische Vogel, der mir an der Fleischtheke begegnete.

Meine einzige Vorsichtsmaßnahme besteht darin, alle Klamotten aus dem Secondhandladen zu waschen, seit ich mir einmal durch eine gebrauchte Jeans Filzläuse geholt habe. Ich war damals Mitte zwanzig und hätte mich bis auf die Knochen wund gekratzt, wenn mich nicht ein Freund in die Apotheke geschleppt hätte, wo man mir ein Mittel namens Quell in die Hand drückte. Nachdem ich mich damit eingerieben hatte, kämmte ich mir mit einem speziellen Nissenkamm durchs Schamhaar und staunte nicht schlecht: das also waren die Biester, die sich seit Wochen von meinem Fleisch ernährten. Ich glaube, Patsy hat genau das Bild vor Augen, wenn sie den Sitz im Kino sieht, oder Lisa, wenn sie einen Einkaufswagen schiebt.

Doch ist das alles nichts gegen das, was Hugh erlebt hat. Als er acht Jahre alt war und im Kongo lebte, entdeckte er eines Tages einen roten Fleck auf seinem Bein; nichts Dramatisches, nur ein kleiner Pips, den er für einen Mückenstich hielt. Am nächsten Tag juckte der Fleck noch mehr, und wieder einen Tag später sah er plötzlich, wie ein Wurm aus seinem Bein kroch.

Einige Wochen danach passierte Ma Hamrick, so nenne ich Hughs Mutter Joan, das Gleiche, und obwohl der Wurm etwas kürzer war, dürfte das Erlebnis ungleich traumatischer gewesen sein. Wenn ich ein Kind wäre und etwas aus dem Bein meiner Mutter kriechen sähe, würde ich zum nächsten Waisenhaus gehen und mich auf die Adoptionsliste setzen. Ich würde alle Fotos von ihr verbrennen, alles vernichten, was von ihr stammt, und ganz von vorn anfangen, so sehr ekelte mich. Ein Dad kann meinetwegen Parasiten am ganzen Körper haben, was soll's, aber bei der eigenen Mutter oder sonst irgendeiner Frau ist es unverzeihlich.

"Also, das ist ganz schön chauvinistisch, findest du nicht?", sagte Ma Hamrick. Sie war über die Weihnachtstage zu Besuch in Paris, ebenso Lisa und ihr Mann Bob. Alle hatten ihre Geschenke ausgepackt, und Ma sammelte das Geschenkpapier vom Boden ein und strich es mit den Händen glatt.

"Es war bloß ein Guineawurm, das kam ständig vor." Sie sah zur Küche rüber, wo Hugh irgendetwas mit einer Gans anstellte. "Liebling, wo soll ich das Papier hin tun?"

"Verbrenn es", sagte Hugh.

"Oh, aber es ist tadellos. Meinst du nicht, dass ihr es noch mal gebrauchen könnt?"

"Verbrenn es", wiederholte Hugh.

"Wie war das mit dem Wurm?", fragte Lisa. Sie lag unter einer Decke auf der Couch, noch leicht benommen von ihrem Mittagsschlaf.

"Joan hatte einen Wurm, der bei ihr im Bein lebte", sagte ich. Ma Hamrick warf einen Bogen Geschenkpapier ins Feuer und sagte: "Also, leben würde ich das nicht nennen."

"Aber er war in Ihrem Bein?", fragte Lisa, und ich sah, wie die Rädchen in ihrem Kopf arbeiteten: War ich schon mal unmittelbar nach dieser Frau auf der Toilette? Habe ich eine Kaffeetasse von ihr in der Hand gehabt oder von ihrem Teller gegessen? Wann kann ich einen Test machen lassen? Sind die Krankenhäuser an Weihnachten geöffnet oder muss ich bis morgen warten?

"Es ist schon viele Jahre er", sagte Joan.

"Wie viele genau?", fragte Lisa.

"Ich weiß gar nicht mehr - 1968 vielleicht."

Meine Schwester nickte wie jemand, der gerade Zahlen im Kopf addiert. "Okay", sagte sie, und ich bereute es, überhaupt damit angefangen zu haben. Sie sah Ma Hamrick nicht an, sondern durch sie hindurch, als könnte sie mit einem Röntgenblick das blanke Knochengerüst sehen und dazwischen das Gewimmel der tausend Würmer, die ihren Wirt 1968 nicht verlassen hatten. Mir war es anfangs genauso gegangen, aber nach etwa fünfzehn Jahren hatte ich mich daran gewöhnt und jetzt sehe ich einfach nur Ma Hamrick. Ma Hamrick beim Bügeln, Ma Hamrick beim Spülen, Ma Hamrick beim Entsorgen des Mülls. Sie will ein angenehmer Gast sein und sucht ständig nach irgendeiner Aufgabe."Kann ich vielleicht ...?", fragt sie, und noch bevor sie zu Ende geredet hat, platze ich heraus, aber sicher, kein Problem.

Leseprobe zu "Schöner wird's nicht" von David Sedaris

Meine Freundin Patsy erzählte mir eine Geschichte. "Ich bin also im Kino", sagte sie, "und ich habe meinen Mantel über meinen Sitz ausgebreitet, und dann kommt da so ein Typ ..." An dieser Stelle unterbrach ich sie, weil ich den Tick mit dem Mantel noch nie verstanden habe. Wenn ich ins Kino gehe, habe ich meinen entweder gefaltet auf dem Schoß oder ich lege ihn über die Armlehne, aber Patsy breitet ihren jedes Mal über den Sitz, als ob ihm kalt wäre und sie sich unmöglich im Kino amüsieren kann, während der Sitz friert.

"Warum machst du das?", fragte ich. Sie sah mich verwundert an und sagte: "Bazillen, Dummkopf. Alle möglichen Leute haben ihre Köpfe an das Polster gelehnt. Kriegst du da keine Gänsehaut?" Ich musste zugeben, dass ich noch nie darüber nachgedacht hatte.

"Du legst dich im Hotel ja auch nicht einfach auf die Tagesdecke auf dem Bett, oder?", fragte sie. Und wieder dachte ich: Warum nicht? Ich stecke sie mir vielleicht nicht in den Mund, aber sich darauf ausstrecken und ein paar Anrufe erledigen - das mache ich ständig.

"Aber du wischst doch vorher den Hörer ab."

"Äh, nein."

"Also, das ist ja . gefährlich", sagte sie. Eine ähnliche Situation hatte ich mit meiner Schwester Lisa in einem Supermarkt erlebt, als mir auffiel, dass sie den Einkaufswagen mit den Ellbogen vor sich her schob. "Hast du was?", fragte ich.

"Ach so", sagte sie. "Fass nie den Griff des Wagens mit bloßen Händen an. Darauf wimmelt es von Bazillen."

Ist das typisch amerikanisch oder denken die Leute überall so? In Paris sah ich einmal im Supermarkt um die Ecke einen Mann, der seinen Papagei zum Einkaufen mitgenommen hatte. Der Vogel war so groß wie ein halbwüchsiger Adler und hockte auf der Stange des Einkaufswagens.

"Siehst du", sagte Lisa. "Wer weiß, was für eine Krallenkrankheit das Tier vielleicht hat."

Das stimmte zwar, aber nicht jeder schleppt einen Papagei mit in den Supermarkt. In meinem ganzen Einkaufsleben war dies der erste exotische Vogel, der mir an der Fleischtheke begegnete.

Meine einzige Vorsichtsmaßnahme besteht darin, alle Klamotten aus dem Secondhandladen zu waschen, seit ich mir einmal durch eine gebrauchte Jeans Filzläuse geholt habe. Ich war damals Mitte zwanzig und hätte mich bis auf die Knochen wund gekratzt, wenn mich nicht ein Freund in die Apotheke geschleppt hätte, wo man mir ein Mittel namens Quell in die Hand drückte. Nachdem ich mich damit eingerieben hatte, kämmte ich mir mit einem speziellen Nissenkamm durchs Schamhaar und staunte nicht schlecht: das also waren die Biester, die sich seit Wochen von meinem Fleisch ernährten. Ich glaube, Patsy hat genau das Bild vor Augen, wenn sie den Sitz im Kino sieht, oder Lisa, wenn sie einen Einkaufswagen schiebt.

Doch ist das alles nichts gegen das, was Hugh erlebt hat. Als er acht Jahre alt war und im Kongo lebte, entdeckte er eines Tages einen roten Fleck auf seinem Bein; nichts Dramatisches, nur ein kleiner Pips, den er für einen Mückenstich hielt. Am nächsten Tag juckte der Fleck noch mehr, und wieder einen Tag später sah er plötzlich, wie ein Wurm aus seinem Bein kroch.

Einige Wochen danach passierte Ma Hamrick, so nenne ich Hughs Mutter Joan, das Gleiche, und obwohl der Wurm etwas kürzer war, dürfte das Erlebnis ungleich traumatischer gewesen sein. Wenn ich ein Kind wäre und etwas aus dem Bein meiner Mutter kriechen sähe, würde ich zum nächsten Waisenhaus gehen und mich auf die Adoptionsliste setzen. Ich würde alle Fotos von ihr verbrennen, alles vernichten, was von ihr stammt, und ganz von vorn anfangen, so sehr ekelte mich. Ein Dad kann meinetwegen Parasiten am ganzen Körper haben, was soll's, aber bei der eigenen Mutter oder sonst irgendeiner Frau ist es unverzeihlich.

"Also, das ist ganz schön chauvinistisch, findest du nicht?", sagte Ma Hamrick. Sie war über die Weihnachtstage zu Besuch in Paris, ebenso Lisa und ihr Mann Bob. Alle hatten ihre Geschenke ausgepackt, und Ma sammelte das Geschenkpapier vom Boden ein und strich es mit den Händen glatt.

"Es war bloß ein Guineawurm, das kam ständig vor." Sie sah zur Küche rüber, wo Hugh irgendetwas mit einer Gans anstellte. "Liebling, wo soll ich das Papier hin tun?"

"Verbrenn es", sagte Hugh.

"Oh, aber es ist tadellos. Meinst du nicht, dass ihr es noch mal gebrauchen könnt?"

"Verbrenn es", wiederholte Hugh.

"Wie war das mit dem Wurm?", fragte Lisa. Sie lag unter einer Decke auf der Couch, noch leicht benommen von ihrem Mittagsschlaf.

"Joan hatte einen Wurm, der bei ihr im Bein lebte", sagte ich. Ma Hamrick warf einen Bogen Geschenkpapier ins Feuer und sagte: "Also, leben würde ich das nicht nennen."

"Aber er war in Ihrem Bein?", fragte Lisa, und ich sah, wie die Rädchen in ihrem Kopf arbeiteten: War ich schon mal unmittelbar nach dieser Frau auf der Toilette? Habe ich eine Kaffeetasse von ihr in der Hand gehabt oder von ihrem Teller gegessen? Wann kann ich einen Test machen lassen? Sind die Krankenhäuser an Weihnachten geöffnet oder muss ich bis morgen warten?

"Es ist schon viele Jahre er", sagte Joan.

"Wie viele genau?", fragte Lisa.

"Ich weiß gar nicht mehr - 1968 vielleicht."

Meine Schwester nickte wie jemand, der gerade Zahlen im Kopf addiert. "Okay", sagte sie, und ich bereute es, überhaupt damit angefangen zu haben. Sie sah Ma Hamrick nicht an, sondern durch sie hindurch, als könnte sie mit einem Röntgenblick das blanke Knochengerüst sehen und dazwischen das Gewimmel der tausend Würmer, die ihren Wirt 1968 nicht verlassen hatten. Mir war es anfangs genauso gegangen, aber nach etwa fünfzehn Jahren hatte ich mich daran gewöhnt und jetzt sehe ich einfach nur Ma Hamrick. Ma Hamrick beim Bügeln, Ma Hamrick beim Spülen, Ma Hamrick beim Entsorgen des Mülls. Sie will ein angenehmer Gast sein und sucht ständig nach irgendeiner Aufgabe."Kann ich vielleicht ...?", fragt sie, und noch bevor sie zu Ende geredet hat, platze ich heraus, aber sicher, kein Problem.

Kundenbewertungen zu "Schöner wird's nicht" von "David Sedaris"

2 Kundenbewertungen (Durchschnitt 2.5 von 5 Sterne bei 2 Bewertungen **** gut)
***** ausgezeichnet
***** sehr gut
 
(1)
***** gut
***** weniger gut
***** schlecht
 
(1)
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Bewertung von sabatayn76 am 23.02.2010 ***** schlecht
David Sedaris erzählt Geschichten aus seinem Alltag, die witzig gemeint sind, jedoch leider ihr Ziel verfehlen. Bei Nackt und Ich ein Tag sprechen hübsch habe ich noch sehr gelacht, und die frühen Erzählungen des Autors bleiben ob ihrer Obskurität und ihres Humors jahrelang in Erinnerung. 'Schöner wird´s nicht' ist meiner Meinung nach weder sonderlich witzig, noch sind die Geschichten ungewöhnlich. Vielmehr sind die Alltagserlebnisse oft platt und langweilig und klingen gezwungen.

Mein Resümee und meine Empfehlung:
Lesen Sie Sedaris' frühe Bücher (Nackt, Ich ein Tag sprechen hübsch, Holidays on ice) und belassen Sie es am besten dabei. Mich hat 'Schöner wird´s nicht' nur enttäuscht, und das Buch hat dafür gesorgt, dass ich mir kein weiteres Buch vom Autor kaufen werde.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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Bewertung von Lisega am 03.02.2009 ***** sehr gut
Ich gebe zu, Sedaris' Geschichten waren schon einmal besser. Viele Episoden in seinem neuen Buch sind doch recht banal. Aber er kann eben selbst die allerbanalsten Geschichten noch wunderbar selbstironisch und witzig erzählen. Seien es noch nicht bekannte Episoden aus seiner Jugend, wie etwa die über das tyrannische Kindermädchen Mrs. Peacock, oder seine Erinnerungen an die ewig fluchende New Yorker Nachbarin Helen, oder sein Bericht aus Japan, wo er sich das Rauchen abgewöhnt. Immer wieder musste ich nicht nur schmunzeln, sondern auch laut lachen. Da lasse ich ihm auch die eine oder andere schwächere Geschichte nochmal durchgehen ;-)

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