Schöner neuer Orient - Kermani, Navid

Navid Kermani 

Schöner neuer Orient

Berichte von Städten und Kriegen

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Schöner neuer Orient

Erhellend, ernüchternd, irritierend: Navid Kermanis brillante Reportagen machen das scheinbar Irrationale des Orients verständlich, das Fremde beängstigend vertraut. Sie führen uns zwischen Ägypten und Indonesien in all jene Regionen der islamischen Welt, die heute im Brennpunkt stehen: der Nahe Osten ebenso wie Zentralasien, Iran ebenso wie Pakistan. So präzise er einzelne Situationen und Menschen schildert, so weisen doch die Schlüsse, die er zieht, immer über den Gegenstand seiner Reportage hinaus. Es sind Analysen auch unserer Welt, die aus der konkreten Erfahrung erwachsen.
Der Krieg als Wirtschaftsunternehmen, Städte, die ihren Zerfall organisieren, die Hauptstadt des größten muslimischen Landes als Tempel des Konsums, der religiöse Extremismus als die perfideste Form der Globalisierung - der Orient, den Navid Kermani bereist, hat mit den hübschen Märchen aus tausendundeiner Nacht so wenig zu tun wie mit den finsteren Klischees von Allahs bärtigen Kriegern. Die Welt, die sich in seinen Reportagen auftut, ist modern, erschreckend modern sogar: In vielen Aspekten nimmt sie vorweg, was auch unseren Wohlstandsgesellschaften droht, wenn ihre Fliehkräfte übermächtig werden sollten. Immer umfassendere Ordnungsstrukturen regulieren unser Leben wirtschaftlich, technologisch und politisch und führen zu einer Angleichung der Lebensverhältnisse und Werte. Zugleich wächst die Kluft zu jenen Ländern, Regionen oder Stadtvierteln, die mit der Entwicklung nicht mehr mithalten, bis sie gänzlich von unserer Realität abgekoppelt sind - um am Ende um so gewaltsamer in unser Bewußtsein zurückzukehren.


Produktinformation

  • Verlag: Beck
  • 2003
  • 2., durchgesehene Auflage
  • Ausstattung/Bilder: 2003. 240 S. m. 6 Fotos.
  • Seitenzahl: 240
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 131mm x 27mm
  • Gewicht: 357g
  • ISBN-13: 9783406502088
  • ISBN-10: 3406502083
  • Best.Nr.: 11338872
"Journalismus im besten Sinne." (Elisabeth Kiderlen, Badische Zeitung)<br />"Kermani tut mehr, als bloß zu berichten. Er inszeniert seine Berichte, verwandelt die Recherche in ein Minidrama, mit Guten und Bösen, Häschern und Märtyrern und den abenteuerlichsten Peripetien. Shakespeare hätte seine Freude daran gehabt." (Stefan Weidner, DIE ZEIT)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 29.07.2003

Tausendundeine Welterfahrung
Navid Kermani reist durch den modernen Orient
Einen schönen neuen Orient führt Navid Kermani mit seinen Reportagen da vor! Deren literarische Qualitäten freilich treten in der Zusammenstellung zu einem Buch so richtig zu Tage. Nach einer scharfsichtigen einleitenden Betrachtung der Weltinnenpolitik, von Provinzialismus, bornierter Rechthaberei allenthalben und der globalisierten Gegenwart jener Zustände, die guten Nährboden für terroristischen Hass hergeben, wenden sich diese Berichte Ländern und Städten der sog. islamischen Welt zu, in denen sich solche Probleme auf unterschiedlichste Weise verdichtet haben und exemplifizieren lassen. Es ist dies kein undifferenzierter „Orient”. Kermani spricht nicht von „den Arabern”, „den Muslimen” oder „den Islamisten” wie manche vollmundigen Orientexperten, Prognostiker oder sonstige Eingeweideschauer. Hier wird genau beobachtet und fein unterschieden – und ebenso präzise und brillant geschrieben.
Diese islamische Welt ist nicht die Welt irgendwelcher Menschenmassen mit einer opaken, mehr oder weniger bedrohlichen Befindlichkeit, sondern eine von Menschen, die …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.04.2003

Das Villenviertel und der Orient

Die Vorstellung, die Welt ließe sich durch gezielte militärische Interventionen mittelfristig bessern, ist nicht voraussetzungslos. Sie beruht auf einer Aufteilung der Realität in zwei Zonen, die durch eine hohe Mauer voneinander getrennt sind und daher nichts miteinander zu tun haben: dem Villenviertel der westlichen Zivilisation, in dem das Leben durch immer vollkommenere Institutionen gesichert und verwaltet wird, und den mehr oder weniger verwahrlosten Slums ringsum, die durch eigentümliche Sitten, undurchsichtige Religionen, unberechenbare Herrscher, kurz: durch Gefahren jedweder Art gekennzeichnet sind. Der Islamwissenschaftler Navid Kermani leitet seine jetzt als Buch erschienenen Reportagen aus islamischen Ländern ("Schöner neuer Orient". Berichte von Städten und Kriegen. Verlag C. H. Beck, München 2003. 240 S., geb., 19,90 [Euro]) mit der Beobachtung ein, die Segregation der Dritte-Welt-Metropolen, in denen sich die Parklandschaften der Reichen durch hochtechnisierte Sicherheitssysteme vom Wildwuchs draußen abschirmen, bestimme längst auch den Blick, den selbst die Gutwilligsten in den Metropolen des Westens auf …

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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Navid Kermanis Band "Schöner neuer Orient", der seine Reportagen über Ägypten, Pakistan, Tadschikistan, Indonesien, Israel und Palästina sowie den Iran versammelt, hat Rezensentin Alexandra Senfft rundum überzeugt. Wie ein Reiseführer geleite Kermani den Leser sicher durch konfliktreiches Gebiet, lobt Senfft den Islamwissenschaftler. Dabei erzählt Kermani nicht nur vom früheren kulturellen Reichtum des Islam und dessen Sehenswürdigkeiten, berichtet Senfft, sondern führt dem Leser auch die Widersprüche und Ambivalenzen der islamischen Länder vor Augen. Vor allem aber geht es ihm nach Auskunft der Rezensentin um das alltägliche Leben der Menschen und ihre bedrückenden Lebensumstände. Trotz der komplexen Themen und vielen Informationen fällt es nicht schwer, dem Autor zu folgen, freut sich Senfft. Wie sie hervorhebt, belegt Kermani, dass die Moderne und islamische Traditionen miteinander vereinbar sind und Toleranz im Islam kein Fremdwort ist. Im iranischen Isfahan etwa hätten einst fünf Religionen friedlich nebeneinander existiert. Kermanis Ziel ist es, so Senfft, "die ideologischen Grenzlinien, die der Westen mit verschuldet hat, aufzuheben und sich auf ein multireligiöses, multikulturelles Konzept zurück zu besinnen". Mit seinem Buch habe er dazu einen wichtigen Beitrag geleistet.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Die glänzend geschriebenen Reportagen aus Ägypten, Pakistan, Tadschikistan, Indonesien, Israel, Palästina und Iran zeichnen differenzierte Bilder einer Welt im Umbruch."<br />Neue Zürcher Zeitung <br />
Navid Kermani, geboren 1967, promovierter Islamwissenschaftler und Publizist, gilt als führender Iran-Experte in Deutschland und hat zwischen 1995 und 2000 für die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Entwicklung in Iran verfolgt. Für das Studienjahr 2000/2001 ist er an das Wissenschaftskolleg in Berlin berufen worden. 2010 wurde Navid Kermani mit der "Buber-Rosenzweig-Medaille 2011" ausgezeichnet und 2011 erhielt er den "Hannah-Arendt-Preis" für seine "lagerüberwindenden, religionswissenschaftlichen und politischen Analysen".

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