Schlangenhaus - Bolton, Sharon J.
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Schlangenhaus

Thriller

Sharon J. Bolton 

Aus d. Engl. v. Marie-Luise Bezzenberger
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Schlangenhaus

Eine englische Dorfidylle. Mysteriöse Todesfälle. Und die Rückkehr eines Alptraums

'Wie hat alles angefangen? Ich denke, es begann an dem Tag, an dem ich ein Neugeborenes vor einer giftigen Schlange rettete, vom Tod meiner Mutter erfuhr und meinem ersten Geist begegnete ...' Der Alptraum beginnt an einem friedlichen Morgen in einem idyllischen englischen Dorf. Im Kinderbett eines schlafenden Babys wird eine Schlange entdeckt, und die junge Tierärztin Clara Benning wird zu Hilfe gerufen. Doch das ist erst der Anfang: Eine mysteriöse Schlangenplage, für die auch Clara keine Erklärung hat, sucht den Ort heim. Als ein Mann unter seltsamen Umständen nach einem Schlangenbiss stirbt, lässt ihr die Sache keine Ruhe mehr. Sie beginnt dem Rätsel mit Hilfe eines Ermittlers der örtlichen Polizei und eines exzentrischen Schlangenforschers nachzugehen. Dabei kommt Clara einem Geheimnis auf die Spur, in dessen Mittelpunkt barbarische Rituale, ein verlassenes Haus und eine tödliche Tragödie stehen, über die alle Überlebenden eisernes Schweigen bewahren. Aber nun drängt die Wahrheit ans Licht und fordert immer neue Opfer ...


Produktinformation

  • Verlag: Manhattan
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 505 S.
  • Seitenzahl: 505
  • Deutsch
  • Abmessung: 215mm x 135mm
  • Gewicht: 702g
  • ISBN-13: 9783442546343
  • ISBN-10: 3442546346
  • Best.Nr.: 25563010
Sharon Bolton wurde im englischen Lancashire geboren, hat eine Schauspielausbildung absolviert und Theaterwissenschaft studiert. Sie arbeitete erfolgreich im Bereich PR und Marketing und begann schließlich mit dem Schreiben. 'Todesopfer', ihr erster Roman, wurde von Lesern und Presse begeistert gefeiert und machte die Autorin über Nacht zum neuen Star unter den britischen Spannungsautorinnen. Mit 'Schlangenhaus' stellt sie nun ihr brillantes Können erneut unter Beweis. Sharon Bolton lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Oxford.

Leseprobe zu "Schlangenhaus"

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Leseprobe zu "Schlangenhaus" von Sharon J. Bolton

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Leseprobe zu "Schlangenhaus" von Sharon J. Bolton

Die finsterste Stunde, die ich jemals erlebt habe, brach letzten Donnerstag an, kurz bevor die Sonne aufging.

Ich weiß noch, wie ich dachte, dass es ein schöner Morgen werden würde, als ich das Haus verließ; sanft und schwül, voller geflüsterter Versprechen, wie nur ein Sommertag beginnen kann. Die Luft war noch kühl, doch ein Schimmern am Horizont ließ den heißen Tag bereits ahnen. Die Vögel sangen, als könne jeder Ton ihr letzter sein, und sogar die Insekten waren früh aufgestanden. Schwalben flitzten um mich herum, so nahe, dass sie mich fast berührten.

Als ich auf die Auffahrt zuging, die zu Matts Haus führte, stieg der Duft wilder Kamille vom Wegrand auf. Sein Lieblingsgeruch. Einen Augenblick starrte ich regungslos den Weg an, der zwischen Lorbeerbüschen verschwand. Unwillkürlich scharrte ich mit den Schuhen im Kies, um den Geruch aufzuwirbeln und dachte, dass Kamille nach reifen Äpfeln roch und nach dem ersten Hauch von Holzrauch in der herbstlichen Brise. Ich konnte nicht anders, ich überlegte, wie es wohl wäre, die Auffahrt hinaufzugehen, mich ins Haus zu stehlen und Matt zu wecken, indem ich Kamille auf sein Kopfkissen rieb.

Ich ging weiter.

Als ich das obere Ende der Carters Lane erreichte, sah ich, dass die Tür von Violets Cottage einen Spaltbreit offen stand. Das konnte eigentlich nicht sein, nicht um diese Zeit. Ich ging zum Haus, blieb auf der Schwelle stehen und betrachtete die abblätternde Farbe, die Dunkelheit im Flur dahinter. Wahrscheinlich war sie eine Frühaufsteherin wie viele alte Menschen, doch beim Anblick dieser offenen Tür spannte sich irgendetwas in mir an.

Die Türschwelle war feucht. Jemand hatte kurz zuvor mit nassen Schuhen hier gestanden. Das hatte nicht unbedingt etwas zu bedeuten; es konnte durchaus Zufall sein, doch meine Unruhe wuchs. Ich drückte gegen dieT ür. Sie öffnete sich ein kleines Stück, bevor sie gegen ein Hindernis stieß.

"Violet?", rief ich. Keine Antwort. Wieder drückte ich gegen die Tür. Sie gab noch etwas nach und auf dem Boden wurde eine feuchte Spur sichtbar. Ich quetschte mich durch den Spalt und trat in den Flur.

Der Sack hinter der Tür war aus Jute, die Öffnung mit einer Schnur fest zugezogen. Er sah aus wie die Sandsäcke, die bei Hochwasser von der Behörde ausgegeben werden. Doch ich glaubte nicht, dass dieser Sack Sand enthielt. Zum einen war er nicht schwer genug. Außerdem hatte er nicht die pralle, regelmäßige Form eines Sandsacks, besonders eines feuchten. Und dieser hier war nicht nur feucht, er war triefnass.

"Violet!", rief ich abermals. Wenn Violet mich hören konnte, so antwortete sie nicht.

Die Tür am Ende des Flurs stand offen, und ich konnte sehen, dass das Zimmer dahinter leer war. Von Violets Hund Bennie war nichts zu sehen.

Das war der Augenblick, in dem sich meine Beklommenheit in Angst verwandelte. Denn ein Hund, selbst einer, der ziemlich betagt und krank ist, wird normalerweise niemandem gestatten, sein Haus zu betreten, ohne irgendwie zu reagieren. Violet könnte noch schlafen; vielleicht hatte sie mich nicht gehört. Bennie jedoch hätte mich gehört.

Obwohl es das Letzte war, was ich tun wollte, drehte ich mich um und bückte mich nach dem Sack. Kalt, nass, fest, aber definitiv kein Sand. Ich zog das kleine Taschenmesser hervor, das ich immer bei mir trage, und schnitt die Schnur durch. Dann packte ich die beiden unteren Enden und kippte den feuchten, leblosen Inhalt auf den abgetretenen Linoleumboden von Violets Hausflur.

Bennie sah sogar noch kleiner aus als zu Lebzeiten. Ich brauchte ihn nicht anzufassen, um zu wissen, dass er tot war, doch ich beugte mich trotzdem herab und strich über sein nasses Fell. Im Gesicht und am Hals hatte er ein paar Schürfwunden; bestimmt hatte er versucht, sich freizustrampeln, als man ihn in den Teich oder Fluss geworfen hatte. Doch der Sack war noch nicht leer. Ich schüttelte ihn leicht, und noch etwas anderes fiel heraus. Schwer verletzt, den Körper zerfleischt und stellenweise fast in Stücke gerissen, zuckte die Schlange einmal, ehe sie still dalag.

Einen Moment lang dachte ich, ich müsste mich übergeben. Ich sank auf den kalten Boden und wusste, dass ich Violet suchen musste, brachte jedoch nicht den Mut dazu auf. Und ein sehr eigenartiger Gedanke ging mir durch den Kopf.

Denn es schien, als fehle hier etwas. Ich dachte daran, wie wir in der Schule römische Geschichte durchgenommen und an den Lippen des Lehrers gehangen hatten, als dieser uns mit Schilderungen römischer Rechtsprechung unterhielt und von Folterungen und Hinrichtungen erzählte. Eine ganz besondere Todesart hatte unsere Fantasie schwer beschäftigt: Der Verurteilte (der wohl ein schreckliches Verbrechen begangen haben musste) wurde mit einem Hund, einer Schlange und noch etwas anderem in einen Sack eingeschnürt - war es ein Affe oder irgendein kleines Tier? - und in den Tiber geworfen. Die meisten in meiner Klasse hatten gelacht. Das war schließlich alles so lange her, und diese Menagerie hatte etwas Komisches an sich. Sogar ich konnte das sehen. Aber ich hatte nie darüber nachgedacht, wie es sein musste, zusammen mit einem Tier in einen Sack gesteckt und ins Wasser geworfen zu werden. Bestimmt würde man kämpfen, hysterisch, wie von Sinnen, überall Zähne und Krallen, während einem das Wasser in die Lunge drang. Und die Schmerzen wären jenseits aller ^ Ich musste Violet finden.

Langsam ging ich durch den Flur ins Wohnzimmer. Eine Tür am anderen Ende führte zur Treppe. Ich fand einen Lichtschalter. Es war keine lange Treppe, doch es schien eine Ewigkeit zu dauern, sie hinaufzusteigen.

Oben waren zwei offene Türen. Zur Linken ein kleines Zimmer: zwei Einzelbetten, ein Kamin und ein Fenster mit Blick auf den Wald. Ich holte tief Luft und wandte mich nach rechts.

Teil I Sechs Tage vorher Wie hatte alles angefangen? Wahrscheinlich mit jenem Tag, an dem ich ein Neugeborenes vor einer Giftschlange rettete, vom Tod meiner Mutter erfuhr und meinem ersten Gespenst begegnete. Wenn ich recht darüber nachdenke, könnte ich sogar die genaue Uhrzeit angeben. An einem Freitagmorgen, ein paar Minuten vor sechs, geriet mein ruhiges, geordnetes Leben völlig außer Kontrolle.

Sieben Minuten vor sechs. Ich hatte mich beim Laufen ziemlich verausgabt. Keuchend und schweißnass fand ich meine Schlüssel und drückte die Hintertür auf. Augenblicklich begannen meine jungen Schützlinge zu kreischen.

Ich rubbelte mir mit einem Handtuch den Nacken ab, ging in die Küche und hob den Deckel des Brutkastens an. Darin kauerten drei hungrige, übellaunige Flaumbälle, jeweils kaum mehr als eine Handvoll: Schleiereulenküken. Zwei Wochen alt und nach nur drei Tagen zu Waisen geworden, als ihre Mutter gegen einen riesigen Lastwagen geprallt war. Ein Hobby- Ornithologe hatte die tote Eule entdeckt und gewusst, wo ihr Nest zu finden war. Er hatte die Küken in die Klinik für Wildtiere gebracht, wo ich als Tierärztin arbeitete. Sie waren dem Tod nahe gewesen, unterkühlt und ausgehungert.

Und hungrig waren sie seitdem ständig. Ich hob ein Tablett vom Kühlschrank, nahm eine Pinzette und hielt eine winzige tote Maus in den Brutkasten. In ein paar Wochen, so hoffte ich, würde ich sie mit gefiederten Pflegeeltern bekannt machen können, die ihnen das Jagen beibringen sollten.

Drei Minuten vor sechs. Ich wollte gerade zum Duschen nach oben gehen, als das Telefon klingelte und ich mich mental darauf einstellte, in die Klinik gerufen zu werden, um wieder einmal ein Reh zu versorgen, das auf der A35 angefahren worden war.

"Miss Benning? Ist da Miss Benning, die Tierärztin?" Die Stimme einer jungen Frau. Die Stimme einer sehr erregten jungen Frau.

"Ja, am Apparat", antwortete ich und fragte mich, ob ich überhaupt noch zum Duschen kommen würde.

"Hier ist Lynsey Huston. Ich wohne in derselben Straße wie Sie, ein Stück den Hügel hinauf. In Nummer zwei. In dem Bettchen von meinem Baby ist eine Schlange. Ich weiß nicht, was ich machen soll! Ich weiß nicht, was ich verdammt noch mal tun soll!" Ihre Stimme wurde mit jedem Wort lauter, sie war kurz davor, hysterisch zu werden.

"Sind Sie sicher?" Blöde Frage, ich weiß, aber ganz ehrlich, eine Schlange in einem Babybett sieht man nicht alle Tage.

"Natürlich bin ich sicher! Ich stehe genau davor! Was zum Teufel soll ich machen?"

Sie war zu laut.

"Bleiben Sie ruhig, und machen Sie keine schnellen Bewegungen." Ich dagegen bewegte mich sehr schnell; ich rannte zur Tür hinaus, schnappte mir dabei meine Autoschlüssel, entriegelte mit der Fernbedienung den Kofferraum und griff hinein. "Glauben Sie, die Schlange hat sie gebissen?" Zu meiner eigenen Verblüffung erinnerte ich mich, dass das Baby ein Mädchen war. Vor ein paar Wochen hatte ich vor dem Haus einen rosa Luftballon gesehen.

"Keine Ahnung! Sie sieht aus, als ob sie schläft. O Gott, was ist, wenn sie nicht schläft?"

"Ist ihre Gesichtsfarbe normal? Können Sie sehen, ob sie atmet?" Ich raffte ein paar Sachen aus dem Kofferraum zusammen und machte mich auf den Weg. Ganz oben an der Straße konnte ich das Haus der Hustons sehen, ein hübsches, weiß gestrichenes Cottage. Die Familie war neu im Ort; sie wohnte erst seit ein paar Wochen hier, doch ich glaubte, mich an die Mutter zu erinnern: ungefähr in meinem Alter, ziemlich groß, schulterlanges helles Haar. Wir hatten noch nie miteinander gesprochen.

"Ja, ich glaube, ja, sie sieht normal aus. Können Sie herkommen? Bitte sagen Sie, dass Sie herkommen können!"

"Ich bin schon fast da. Das Wichtigste ist, die Schlange nicht zu erschrecken. Tun Sie nichts, was ihr Angst machen könnte." Ich stieß das Gartentor auf und rannte den Weg zur Haustür hinauf. Abgeschlossen. Ich hastete zur Rückseite des Hauses. Das Telefon in meiner Hand war zu weit von seiner Basisstation entfernt und begann zu piepsen. Also brach ich die Verbindung ab und drückte gegen die Hintertür.

Ich befand mich in einer farbenfrohen, modernen Küche. Für ein Haus mit einem neugeborenen Baby war es hier bemerkenswert sauber und ordentlich. Ich legte das Telefon auf den Tisch und ging den Flur entlang, auf die Stimme zu, die ich oben etwas Unverständliches stammeln hörte. In der Nähe der Treppe bemerkte ich feuchte Stellen und Schlammspuren auf dem ansonsten makellosen Fliesenboden. Und ich hörte ein vertrautes Geräusch. In einem kleinen Wirtschaftsraum zu meiner Rechten sah ich einen Brutkasten mit frisch geschlüpften Küken. Die Familie hielt Hühner.

"Ich bin da", rief ich leise. Als ich das obere Ende der Treppe erreichte, spähte ein verängstigtes, kreidebleiches Gesicht hinter einer Tür am anderen Ende des Korridors hervor. Die Frau winkte, trat einen Schritt zurück und ließ mich eintreten.

Ich stand in einem kleinen, in gebrochenem Weiß und Rosa gehaltenen Mansardenzimmer. Holzbalken hoben sich dunkel vom weißen Putz der Wände ab. Rosafarbener Stoff, mit Elfen und Fliegenpilzen bedruckt, umrahmte das kleine, tief in die Mauer eingelassene Fenster. Überall Stofftiere, zumeist rosa. An der Längsseite des Zimmers stand das Kinderbett, eine Prinzesschenwiege wie aus dem Märchen, mit cremeweißer Spitze und rosa Rüschen. Ich trat näher, in der stillen Hoffnung, es würde sich um eine Spielzeugschlange handeln, ein Streich, den ein älteres Geschwisterkind der Mutter gespielt hatte.

Das Baby, winzig und vollkommen in einem weißen, mit rosa Häschen bestickten Strampler, atmete schnell und leise. Der Mund der Kleinen stand ein wenig offen, ich konnte die vollendet feinen Poren über ihre Oberlippe erkennen, lange dunkle Wimpern und die schwache Andeutung eines Milchekzems auf den Wangen. Sie hatte die Ärmchen im Schlaf nach oben gestreckt und sah kerngesund aus.

Nichts Beunruhigendes, außer dass sie sich ihr Bettchen mit einer Giftschlange teilte, die augenblicklich zubeißen würde, sobald die Kleine sich bewegte.

Die Schlange schien ebenfalls zu schlafen, was in Anbetracht des Krachs, den die Mutter gemacht hatte, erstaunlich war. Halb eingerollt, halb ausgestreckt, lag sie quer über der Brust des Babys und nahm die Wärme des Säuglingskörpers langsam in sich auf, bis ihre eigene Körpertemperatur der des Kindes entsprach. Sie war ungefähr fünfunddreißig Zentimeter lang und maß an der dicksten Stelle etwa neun Zentimeter im Umfang. Kein Jungtier.

Bei meinem Eintreffen hatte sich die Mutter beruhigt, sah jedoch noch immer aus, als könne sie jeden Augenblick durchdrehen.

"Ich dachte, es ist wahrscheinlich eine Ringelnatter", sagte sie in theatralischem Flüsterton, "aber ich war mir nicht sicher. Die können doch auch dunkelgrau sein, oder?"

Ich zog meine dicken Lederhandschuhe an, die mir bis an die Ellenbogen reichen. Sie schützen meine Arme vor den Bissen größerer Säugetiere, Dachse, Füchse und dergleichen. Für eine Schlange hatte ich sie noch nie benutzt.

"Das ist keine Ringelnatter. Bleiben Sie, wo Sie sind, und bewahren Sie Ruhe. Keine plötzlichen Bewegungen oder Geräusche."

"O Scheiße, es ist doch keine Kreuzotter, oder? Dieser Mann da letzte Woche, der an der Hauptstraße wohnt, den hat eine Kreuzotter gebissen. Es heißt, er ist schwer krank."

Ich trat näher. Von einem Schlangenbiss war mir nichts bekannt, aber was im Dorf so passierte, kümmerte mich auch nicht besonders. "Der wird schon wieder", setzte ich an. "Der Biss einer Kreuzotter ist^" Abrupt hielt ich inne. Ich hatte sagen wollen, dass ein Kreuzotterbiss für einen gesunden Erwachsenen nicht tödlich sei, was unter den gegebenen Umständen extrem taktlos gewesen wäre. Der letzte Mensch, der in Großbritannien am Biss einer Kreuzotter gestorben war, war ein fünfjähriges Kind gewesen. Ein Neugeborenes würde es vielleicht nicht einmal bis ins Krankenhaus schaffen.

"Ruhe jetzt, bitte."

"Was soll ich tun? Soll ich einen Krankenwagen rufen?"

Sie konnte einfach nicht still sein. Ich musste sie irgendwie aus dem Zimmer schaffen.

"Ja, aber telefonieren Sie unten, und leise. Erklären Sie die Situation, und sagen Sie, dass Ihr Baby möglicherweise sofort notärztlich versorgt werden muss. Die müssen darauf vorbereitet sein, einen Säugling zu reanimieren."

Widerstrebend ging sie hinaus, und ich trat an die Wiege. Meine Beine wollten mir nicht recht gehorchen, und meine Hände zitterten in den dicken Handschuhen. Es schien sehr lange her zu sein, dass ich vor einem Tier Angst gehabt hatte. Ich war zu Tigern in den Käfig geklettert und hatte Elefanten die Zehennägel geraspelt. Ich hatte vor Schmerzen tobenden Dachsen Betäubungsmittel verabreicht und einer Büffelkuh bei einer Geburt beigestanden. Ich kannte die Erregung, die Freude und natürlich auch die Nervosität, die mit so etwas einhergeht. Angst jedoch hatte ich nur selten empfunden.

Und doch hatte ich sehr große Angst um dieses unschuldige kleine Würmchen vor mir, das seine Babyträume von Milch und Kuscheln träumte. Denn das Tier auf dem Bauch der Kleinen, das wie ein Parasit ihre Körperwärme in sich aufsog, verfügte über eine phänomenal tödliche Waffe. Schlangengift ist eine komplexe Substanz, das die Beute lähmt, tötet und anschließend deren Verdauung erleichtert. Wurde dieses kleine Wesen dort gebissen, so würden die gerinnungshemmenden Wirkstoffe im Gift der Schlange binnen Minuten verhindern, dass sein Blut sich verdickte, und es würde weiter aus der Wunde bluten. Der Säugling hätte unglaubliche Schmerzen, und schon der daraus resultierende Schock könnte ihn töten. Nach einer Weile würden proteolytische Enzyme allmählich das Körpergewebe auflösen, und es käme zu inneren Blutungen. Schließlich würde das Fleisch des kleinen Mädchens anschwellen, ihre Haut würde sich blau verfärben, violett, sogar schwarz.

Und das alles durch einen einzigen Biss. Nur ein einziges, blitzschnelles Zustoßen, und ihr kurzes Leben wäre zu Ende. Selbst wenn sie überlebte, würde sie schwer gezeichnet sein.

Nun, nicht, wenn ich dabei mitzureden hatte.

Ich atmete tief durch. Die Schlange schlief noch immer, doch das Baby - o Gott! - wachte allmählich auf. Die Kleine murmelte, streckte sich, wand sich. Wenn sie auch nur im Entferntesten meinen Nichten glich, würde sie beim Aufwachen feststellen, dass sie einen Mordshunger hatte und augenblicklich nach ihrer Mutter brüllen. Sie würde mit den Beinen strampeln und mit den Armen fuchteln. Die Schlange würde in Panik geraten und sich verteidigen. Ich hatte keine Zeit zu verlieren. Doch selbst jetzt rührte ich mich nicht.

Noch nie hatte ich eine wild lebende Schlange angefasst. Ich war mir nicht einmal sicher, ob ich überhaupt schon einmal eine Kreuzotter zu Gesicht bekommen hatte, doch es bestand kein Zweifel daran, was ich hier vor mir sah. Ringelnattern sind lang und schlank, mit ovalen Köpfen. Diese Schlange war kürzer, gedrungener, mit der unverwechselbaren Zickzackzeichnung auf der dunkelgrauen Haut und dem V auf der Stirn, das für Viper steht.

Das Baby gab einen Laut von sich, und die Schlange erwachte.

Züngelnd richtete sie sich auf und schaute sich um; sie spürte eine Bedrohung, war sich jedoch nicht sicher, woher diese kam. Draußen war ein plötzliches Geräusch zu vernehmen. Lynsey war wieder da. Ich griff nach der Schlange. Sie fuhr herum, biss nach mir, und wir hielten uns gegenseitig gepackt.

Als die Kreuzotter ihre Fangzähne ins Leder meiner Handschuhe schlug, bekam ich sie mit der anderen Hand dicht hinter dem Kopf zu fassen und hob sie hoch, fort von der Wiege.

Lynsey stieß einen unverständlichen Schrei aus und stürzte - schneller als die zustoßende Schlange, schien es mir - auf das Bett ihres Babys zu. Sie riss das Kind an sich und fing an, irgendwelche Mama-Sinnlosigkeiten zu murmeln, während ich mit dem Fuß den Deckel der Transportbox aufklappte, die ich aus meinem Kofferraum mitgenommen hatte, und die Schlange hineinfallen ließ. Es bedurfte einiger Überredung, damit sie meinen Handschuh losließ, doch ein sanfter Druck dicht hinter dem Kopf zeigte Wirkung. Ich schloss die Kiste wieder, verriegelte sie und zog die Handschuhe aus. Mein rechtes Handgelenk wies zwei winzige Dellen auf, wo die Schlange zugebissen hatte, doch die Haut war unversehrt. Ich wandte mich Lynsey und ihrer Tochter zu. Tränen strömten der Mutter übers Gesicht.

"Wir müssen sie ausziehen", sagte ich. "Ich bin sicher, dass sie unverletzt ist, aber wir müssen nachsehen."

Ich lotste die beiden zum Wickeltisch, und da Lynsey anscheinend nicht fähig war, normal zu funktionieren, nahm ich ihr sanft das Baby ab und legte es hin. Dann streifte ich Strampler, Hemdchen und Windel ab und konnte es kaum fassen, wie weich die perlmuttgleiche Haut des Säuglings war.

Das kleine Mädchen begann wie am Spieß zu brüllen. Schnell fasste ich seine Handgelenke und streckte die Ärmchen aus, dann tat ich dasselbe mit den Beinen. Schließlich drehte ich die Kleine auf den Bauch und untersuchte ihren Rücken, ihren runden kleinen Po, ihren Nacken. Alles unversehrt.

Widerstrebend (wie seltsam, ich hatte mir nie etwas aus Babys gemacht) reichte ich das Mädchen seiner Mutter zurück. Lynsey griff nach ihrer Tochter, als sei sie ein fehlender Teil ihres eigenen Körpers, und riss sich die Bluse auf.

Nach ein paar Minuten, während derer Lynsey anscheinend kein Wort herausbrachte und ich nichts zu sagen hatte, hörte ich unten Schritte und eine Männerstimme. Ich ging innerlich in Abwehrstellung - Fremden zum ersten Mal gegenüberzutreten, ist immer eine Qual. Dann nahm ich die Kiste mit der Schlange und ging hinunter, um mit den Rettungshelfern zu sprechen. Während ich sorgsam jeglichen Blickkontakt vermied, erklärte ich, was geschehen war, schnappte mein Telefon und rief ein paar Abschiedsworte zu Lynsey und ihrer Tochter hinauf.

Erst auf dem Heimweg fiel mir ein, dass ich mich gar nicht nach dem Namen des Babys erkundigt hatte und wahrscheinlich nie Gelegenheit dazu bekommen würde. Pearl, beschloss ich; so würde ich sie nennen, weil ihre Haut einer glatten, rosigen Perle glich.

Als ich die Haustür öffnete, zeterten die Eulenküken, hoffnungsvoll wie stets, von Neuem los. Wahrscheinlich machten sie weniger Lärm als das Telefon und mein Handy, aber nur unwesentlich. Ich warf einen Blick auf das Telefon, das ich immer noch in der Hand hielt. Auf dem Display war die Nummer meiner Arbeit. Dann sah ich auf das Handy, das auf dem Tisch lag. Dieselbe Nummer. Tolle Auswahl.

"Clara, wir kriegen Dachse rein." Es war Harriet, meine Tierarzthelferin und Rezeptionistin. "Schwer verletzt. Sind gerade unterwegs. Wie schnell können Sie hier sein?"

"Dachse? Mehrere?"

"Drei Stück, halb tot. Sind heute Morgen in einem Lagerhaus am Stadtrand von Lyme gefunden worden. Sie sind wirklich übel zugerichtet."

Ich seufzte und warf einen Blick auf die Uhr. 7 Uhr 20, und ich hatte bereits einer Giftschlange die Stirn geboten und mit drei Menschen mehr geredet, als ich es normalerweise während des ganzen Vormittags tue. Und jetzt musste ich mich mit einem ganz besonders hässlichen Fall von Dachshetze herumschlagen.

Leseprobe zu "Schlangenhaus" von Sharon J. Bolton

Die finsterste Stunde, die ich jemals erlebt habe, brach letzten Donnerstag an, kurz bevor die Sonne aufging.

Ich weiß noch, wie ich dachte, dass es ein schöner Morgen werden würde, als ich das Haus verließ; sanft und schwül, voller geflüsterter Versprechen, wie nur ein Sommertag beginnen kann. Die Luft war noch kühl, doch ein Schimmern am Horizont ließ den heißen Tag bereits ahnen. Die Vögel sangen, als könne jeder Ton ihr letzter sein, und sogar die Insekten waren früh aufgestanden. Schwalben flitzten um mich herum, so nahe, dass sie mich fast berührten.

Als ich auf die Auffahrt zuging, die zu Matts Haus führte, stieg der Duft wilder Kamille vom Wegrand auf. Sein Lieblingsgeruch. Einen Augenblick starrte ich regungslos den Weg an, der zwischen Lorbeerbüschen verschwand. Unwillkürlich scharrte ich mit den Schuhen im Kies, um den Geruch aufzuwirbeln und dachte, dass Kamille nach reifen Äpfeln roch und nach dem ersten Hauch von Holzrauch in der herbstlichen Brise. Ich konnte nicht anders, ich überlegte, wie es wohl wäre, die Auffahrt hinaufzugehen, mich ins Haus zu stehlen und Matt zu wecken, indem ich Kamille auf sein Kopfkissen rieb.

Ich ging weiter.

Als ich das obere Ende der Carters Lane erreichte, sah ich, dass die Tür von Violets Cottage einen Spaltbreit offen stand. Das konnte eigentlich nicht sein, nicht um diese Zeit. Ich ging zum Haus, blieb auf der Schwelle stehen und betrachtete die abblätternde Farbe, die Dunkelheit im Flur dahinter. Wahrscheinlich war sie eine Frühaufsteherin wie viele alte Menschen, doch beim Anblick dieser offenen Tür spannte sich irgendetwas in mir an.

Die Türschwelle war feucht. Jemand hatte kurz zuvor mit nassen Schuhen hier gestanden. Das hatte nicht unbedingt etwas zu bedeuten; es konnte durchaus Zufall sein, doch meine Unruhe wuchs. Ich drückte gegen dieT ür. Sie öffnete sich ein kleines Stück, bevor sie gegen ein Hindernis stieß.

"Violet?", rief ich. Keine Antwort. Wieder drückte ich gegen die Tür. Sie gab noch etwas nach und auf dem Boden wurde eine feuchte Spur sichtbar. Ich quetschte mich durch den Spalt und trat in den Flur.

Der Sack hinter der Tür war aus Jute, die Öffnung mit einer Schnur fest zugezogen. Er sah aus wie die Sandsäcke, die bei Hochwasser von der Behörde ausgegeben werden. Doch ich glaubte nicht, dass dieser Sack Sand enthielt. Zum einen war er nicht schwer genug. Außerdem hatte er nicht die pralle, regelmäßige Form eines Sandsacks, besonders eines feuchten. Und dieser hier war nicht nur feucht, er war triefnass.

"Violet!", rief ich abermals. Wenn Violet mich hören konnte, so antwortete sie nicht.

Die Tür am Ende des Flurs stand offen, und ich konnte sehen, dass das Zimmer dahinter leer war. Von Violets Hund Bennie war nichts zu sehen.

Das war der Augenblick, in dem sich meine Beklommenheit in Angst verwandelte. Denn ein Hund, selbst einer, der ziemlich betagt und krank ist, wird normalerweise niemandem gestatten, sein Haus zu betreten, ohne irgendwie zu reagieren. Violet könnte noch schlafen; vielleicht hatte sie mich nicht gehört. Bennie jedoch hätte mich gehört.

Obwohl es das Letzte war, was ich tun wollte, drehte ich mich um und bückte mich nach dem Sack. Kalt, nass, fest, aber definitiv kein Sand. Ich zog das kleine Taschenmesser hervor, das ich immer bei mir trage, und schnitt die Schnur durch. Dann packte ich die beiden unteren Enden und kippte den feuchten, leblosen Inhalt auf den abgetretenen Linoleumboden von Violets Hausflur.

Bennie sah sogar noch kleiner aus als zu Lebzeiten. Ich brauchte ihn nicht anzufassen, um zu wissen, dass er tot war, doch ich beugte mich trotzdem herab und strich über sein nasses Fell. Im Gesicht und am Hals hatte er ein paar Schürfwunden; bestimmt hatte er versucht, sich freizustrampeln, als man ihn in den Teich oder Fluss geworfen hatte. Doch der Sack war noch nicht leer. Ich schüttelte ihn leicht, und noch etwas anderes fiel heraus. Schwer verletzt, den Körper zerfleischt und stellenweise fast in Stücke gerissen, zuckte die Schlange einmal, ehe sie still dalag.

Einen Moment lang dachte ich, ich müsste mich übergeben. Ich sank auf den kalten Boden und wusste, dass ich Violet suchen musste, brachte jedoch nicht den Mut dazu auf. Und ein sehr eigenartiger Gedanke ging mir durch den Kopf.

Denn es schien, als fehle hier etwas. Ich dachte daran, wie wir in der Schule römische Geschichte durchgenommen und an den Lippen des Lehrers gehangen hatten, als dieser uns mit Schilderungen römischer Rechtsprechung unterhielt und von Folterungen und Hinrichtungen erzählte. Eine ganz besondere Todesart hatte unsere Fantasie schwer beschäftigt: Der Verurteilte (der wohl ein schreckliches Verbrechen begangen haben musste) wurde mit einem Hund, einer Schlange und noch etwas anderem in einen Sack eingeschnürt - war es ein Affe oder irgendein kleines Tier? - und in den Tiber geworfen. Die meisten in meiner Klasse hatten gelacht. Das war schließlich alles so lange her, und diese Menagerie hatte etwas Komisches an sich. Sogar ich konnte das sehen. Aber ich hatte nie darüber nachgedacht, wie es sein musste, zusammen mit einem Tier in einen Sack gesteckt und ins Wasser geworfen zu werden. Bestimmt würde man kämpfen, hysterisch, wie von Sinnen, überall Zähne und Krallen, während einem das Wasser in die Lunge drang. Und die Schmerzen wären jenseits aller ^ Ich musste Violet finden.

Langsam ging ich durch den Flur ins Wohnzimmer. Eine Tür am anderen Ende führte zur Treppe. Ich fand einen Lichtschalter. Es war keine lange Treppe, doch es schien eine Ewigkeit zu dauern, sie hinaufzusteigen.

Oben waren zwei offene Türen. Zur Linken ein kleines Zimmer: zwei Einzelbetten, ein Kamin und ein Fenster mit Blick auf den Wald. Ich holte tief Luft und wandte mich nach rechts.

Teil I Sechs Tage vorher Wie hatte alles angefangen? Wahrscheinlich mit jenem Tag, an dem ich ein Neugeborenes vor einer Giftschlange rettete, vom Tod meiner Mutter erfuhr und meinem ersten Gespenst begegnete. Wenn ich recht darüber nachdenke, könnte ich sogar die genaue Uhrzeit angeben. An einem Freitagmorgen, ein paar Minuten vor sechs, geriet mein ruhiges, geordnetes Leben völlig außer Kontrolle.

Sieben Minuten vor sechs. Ich hatte mich beim Laufen ziemlich verausgabt. Keuchend und schweißnass fand ich meine Schlüssel und drückte die Hintertür auf. Augenblicklich begannen meine jungen Schützlinge zu kreischen.

Ich rubbelte mir mit einem Handtuch den Nacken ab, ging in die Küche und hob den Deckel des Brutkastens an. Darin kauerten drei hungrige, übellaunige Flaumbälle, jeweils kaum mehr als eine Handvoll: Schleiereulenküken. Zwei Wochen alt und nach nur drei Tagen zu Waisen geworden, als ihre Mutter gegen einen riesigen Lastwagen geprallt war. Ein Hobby- Ornithologe hatte die tote Eule entdeckt und gewusst, wo ihr Nest zu finden war. Er hatte die Küken in die Klinik für Wildtiere gebracht, wo ich als Tierärztin arbeitete. Sie waren dem Tod nahe gewesen, unterkühlt und ausgehungert.

Und hungrig waren sie seitdem ständig. Ich hob ein Tablett vom Kühlschrank, nahm eine Pinzette und hielt eine winzige tote Maus in den Brutkasten. In ein paar Wochen, so hoffte ich, würde ich sie mit gefiederten Pflegeeltern bekannt machen können, die ihnen das Jagen beibringen sollten.

Drei Minuten vor sechs. Ich wollte gerade zum Duschen nach oben gehen, als das Telefon klingelte und ich mich mental darauf einstellte, in die Klinik gerufen zu werden, um wieder einmal ein Reh zu versorgen, das auf der A35 angefahren worden war.

"Miss Benning? Ist da Miss Benning, die Tierärztin?" Die Stimme einer jungen Frau. Die Stimme einer sehr erregten jungen Frau.

"Ja, am Apparat", antwortete ich und fragte mich, ob ich überhaupt noch zum Duschen kommen würde.

"Hier ist Lynsey Huston. Ich wohne in derselben Straße wie Sie, ein Stück den Hügel hinauf. In Nummer zwei. In dem Bettchen von meinem Baby ist eine Schlange. Ich weiß nicht, was ich machen soll! Ich weiß nicht, was ich verdammt noch mal tun soll!" Ihre Stimme wurde mit jedem Wort lauter, sie war kurz davor, hysterisch zu werden.

"Sind Sie sicher?" Blöde Frage, ich weiß, aber ganz ehrlich, eine Schlange in einem Babybett sieht man nicht alle Tage.

"Natürlich bin ich sicher! Ich stehe genau davor! Was zum Teufel soll ich machen?"

Sie war zu laut.

"Bleiben Sie ruhig, und machen Sie keine schnellen Bewegungen." Ich dagegen bewegte mich sehr schnell; ich rannte zur Tür hinaus, schnappte mir dabei meine Autoschlüssel, entriegelte mit der Fernbedienung den Kofferraum und griff hinein. "Glauben Sie, die Schlange hat sie gebissen?" Zu meiner eigenen Verblüffung erinnerte ich mich, dass das Baby ein Mädchen war. Vor ein paar Wochen hatte ich vor dem Haus einen rosa Luftballon gesehen.

"Keine Ahnung! Sie sieht aus, als ob sie schläft. O Gott, was ist, wenn sie nicht schläft?"

"Ist ihre Gesichtsfarbe normal? Können Sie sehen, ob sie atmet?" Ich raffte ein paar Sachen aus dem Kofferraum zusammen und machte mich auf den Weg. Ganz oben an der Straße konnte ich das Haus der Hustons sehen, ein hübsches, weiß gestrichenes Cottage. Die Familie war neu im Ort; sie wohnte erst seit ein paar Wochen hier, doch ich glaubte, mich an die Mutter zu erinnern: ungefähr in meinem Alter, ziemlich groß, schulterlanges helles Haar. Wir hatten noch nie miteinander gesprochen.

"Ja, ich glaube, ja, sie sieht normal aus. Können Sie herkommen? Bitte sagen Sie, dass Sie herkommen können!"

"Ich bin schon fast da. Das Wichtigste ist, die Schlange nicht zu erschrecken. Tun Sie nichts, was ihr Angst machen könnte." Ich stieß das Gartentor auf und rannte den Weg zur Haustür hinauf. Abgeschlossen. Ich hastete zur Rückseite des Hauses. Das Telefon in meiner Hand war zu weit von seiner Basisstation entfernt und begann zu piepsen. Also brach ich die Verbindung ab und drückte gegen die Hintertür.

Ich befand mich in einer farbenfrohen, modernen Küche. Für ein Haus mit einem neugeborenen Baby war es hier bemerkenswert sauber und ordentlich. Ich legte das Telefon auf den Tisch und ging den Flur entlang, auf die Stimme zu, die ich oben etwas Unverständliches stammeln hörte. In der Nähe der Treppe bemerkte ich feuchte Stellen und Schlammspuren auf dem ansonsten makellosen Fliesenboden. Und ich hörte ein vertrautes Geräusch. In einem kleinen Wirtschaftsraum zu meiner Rechten sah ich einen Brutkasten mit frisch geschlüpften Küken. Die Familie hielt Hühner.

"Ich bin da", rief ich leise. Als ich das obere Ende der Treppe erreichte, spähte ein verängstigtes, kreidebleiches Gesicht hinter einer Tür am anderen Ende des Korridors hervor. Die Frau winkte, trat einen Schritt zurück und ließ mich eintreten.

Ich stand in einem kleinen, in gebrochenem Weiß und Rosa gehaltenen Mansardenzimmer. Holzbalken hoben sich dunkel vom weißen Putz der Wände ab. Rosafarbener Stoff, mit Elfen und Fliegenpilzen bedruckt, umrahmte das kleine, tief in die Mauer eingelassene Fenster. Überall Stofftiere, zumeist rosa. An der Längsseite des Zimmers stand das Kinderbett, eine Prinzesschenwiege wie aus dem Märchen, mit cremeweißer Spitze und rosa Rüschen. Ich trat näher, in der stillen Hoffnung, es würde sich um eine Spielzeugschlange handeln, ein Streich, den ein älteres Geschwisterkind der Mutter gespielt hatte.

Das Baby, winzig und vollkommen in einem weißen, mit rosa Häschen bestickten Strampler, atmete schnell und leise. Der Mund der Kleinen stand ein wenig offen, ich konnte die vollendet feinen Poren über ihre Oberlippe erkennen, lange dunkle Wimpern und die schwache Andeutung eines Milchekzems auf den Wangen. Sie hatte die Ärmchen im Schlaf nach oben gestreckt und sah kerngesund aus.

Nichts Beunruhigendes, außer dass sie sich ihr Bettchen mit einer Giftschlange teilte, die augenblicklich zubeißen würde, sobald die Kleine sich bewegte.

Die Schlange schien ebenfalls zu schlafen, was in Anbetracht des Krachs, den die Mutter gemacht hatte, erstaunlich war. Halb eingerollt, halb ausgestreckt, lag sie quer über der Brust des Babys und nahm die Wärme des Säuglingskörpers langsam in sich auf, bis ihre eigene Körpertemperatur der des Kindes entsprach. Sie war ungefähr fünfunddreißig Zentimeter lang und maß an der dicksten Stelle etwa neun Zentimeter im Umfang. Kein Jungtier.

Bei meinem Eintreffen hatte sich die Mutter beruhigt, sah jedoch noch immer aus, als könne sie jeden Augenblick durchdrehen.

"Ich dachte, es ist wahrscheinlich eine Ringelnatter", sagte sie in theatralischem Flüsterton, "aber ich war mir nicht sicher. Die können doch auch dunkelgrau sein, oder?"

Ich zog meine dicken Lederhandschuhe an, die mir bis an die Ellenbogen reichen. Sie schützen meine Arme vor den Bissen größerer Säugetiere, Dachse, Füchse und dergleichen. Für eine Schlange hatte ich sie noch nie benutzt.

"Das ist keine Ringelnatter. Bleiben Sie, wo Sie sind, und bewahren Sie Ruhe. Keine plötzlichen Bewegungen oder Geräusche."

"O Scheiße, es ist doch keine Kreuzotter, oder? Dieser Mann da letzte Woche, der an der Hauptstraße wohnt, den hat eine Kreuzotter gebissen. Es heißt, er ist schwer krank."

Ich trat näher. Von einem Schlangenbiss war mir nichts bekannt, aber was im Dorf so passierte, kümmerte mich auch nicht besonders. "Der wird schon wieder", setzte ich an. "Der Biss einer Kreuzotter ist^" Abrupt hielt ich inne. Ich hatte sagen wollen, dass ein Kreuzotterbiss für einen gesunden Erwachsenen nicht tödlich sei, was unter den gegebenen Umständen extrem taktlos gewesen wäre. Der letzte Mensch, der in Großbritannien am Biss einer Kreuzotter gestorben war, war ein fünfjähriges Kind gewesen. Ein Neugeborenes würde es vielleicht nicht einmal bis ins Krankenhaus schaffen.

"Ruhe jetzt, bitte."

"Was soll ich tun? Soll ich einen Krankenwagen rufen?"

Sie konnte einfach nicht still sein. Ich musste sie irgendwie aus dem Zimmer schaffen.

"Ja, aber telefonieren Sie unten, und leise. Erklären Sie die Situation, und sagen Sie, dass Ihr Baby möglicherweise sofort notärztlich versorgt werden muss. Die müssen darauf vorbereitet sein, einen Säugling zu reanimieren."

Widerstrebend ging sie hinaus, und ich trat an die Wiege. Meine Beine wollten mir nicht recht gehorchen, und meine Hände zitterten in den dicken Handschuhen. Es schien sehr lange her zu sein, dass ich vor einem Tier Angst gehabt hatte. Ich war zu Tigern in den Käfig geklettert und hatte Elefanten die Zehennägel geraspelt. Ich hatte vor Schmerzen tobenden Dachsen Betäubungsmittel verabreicht und einer Büffelkuh bei einer Geburt beigestanden. Ich kannte die Erregung, die Freude und natürlich auch die Nervosität, die mit so etwas einhergeht. Angst jedoch hatte ich nur selten empfunden.

Und doch hatte ich sehr große Angst um dieses unschuldige kleine Würmchen vor mir, das seine Babyträume von Milch und Kuscheln träumte. Denn das Tier auf dem Bauch der Kleinen, das wie ein Parasit ihre Körperwärme in sich aufsog, verfügte über eine phänomenal tödliche Waffe. Schlangengift ist eine komplexe Substanz, das die Beute lähmt, tötet und anschließend deren Verdauung erleichtert. Wurde dieses kleine Wesen dort gebissen, so würden die gerinnungshemmenden Wirkstoffe im Gift der Schlange binnen Minuten verhindern, dass sein Blut sich verdickte, und es würde weiter aus der Wunde bluten. Der Säugling hätte unglaubliche Schmerzen, und schon der daraus resultierende Schock könnte ihn töten. Nach einer Weile würden proteolytische Enzyme allmählich das Körpergewebe auflösen, und es käme zu inneren Blutungen. Schließlich würde das Fleisch des kleinen Mädchens anschwellen, ihre Haut würde sich blau verfärben, violett, sogar schwarz.

Und das alles durch einen einzigen Biss. Nur ein einziges, blitzschnelles Zustoßen, und ihr kurzes Leben wäre zu Ende. Selbst wenn sie überlebte, würde sie schwer gezeichnet sein.

Nun, nicht, wenn ich dabei mitzureden hatte.

Ich atmete tief durch. Die Schlange schlief noch immer, doch das Baby - o Gott! - wachte allmählich auf. Die Kleine murmelte, streckte sich, wand sich. Wenn sie auch nur im Entferntesten meinen Nichten glich, würde sie beim Aufwachen feststellen, dass sie einen Mordshunger hatte und augenblicklich nach ihrer Mutter brüllen. Sie würde mit den Beinen strampeln und mit den Armen fuchteln. Die Schlange würde in Panik geraten und sich verteidigen. Ich hatte keine Zeit zu verlieren. Doch selbst jetzt rührte ich mich nicht.

Noch nie hatte ich eine wild lebende Schlange angefasst. Ich war mir nicht einmal sicher, ob ich überhaupt schon einmal eine Kreuzotter zu Gesicht bekommen hatte, doch es bestand kein Zweifel daran, was ich hier vor mir sah. Ringelnattern sind lang und schlank, mit ovalen Köpfen. Diese Schlange war kürzer, gedrungener, mit der unverwechselbaren Zickzackzeichnung auf der dunkelgrauen Haut und dem V auf der Stirn, das für Viper steht.

Das Baby gab einen Laut von sich, und die Schlange erwachte.

Züngelnd richtete sie sich auf und schaute sich um; sie spürte eine Bedrohung, war sich jedoch nicht sicher, woher diese kam. Draußen war ein plötzliches Geräusch zu vernehmen. Lynsey war wieder da. Ich griff nach der Schlange. Sie fuhr herum, biss nach mir, und wir hielten uns gegenseitig gepackt.

Als die Kreuzotter ihre Fangzähne ins Leder meiner Handschuhe schlug, bekam ich sie mit der anderen Hand dicht hinter dem Kopf zu fassen und hob sie hoch, fort von der Wiege.

Lynsey stieß einen unverständlichen Schrei aus und stürzte - schneller als die zustoßende Schlange, schien es mir - auf das Bett ihres Babys zu. Sie riss das Kind an sich und fing an, irgendwelche Mama-Sinnlosigkeiten zu murmeln, während ich mit dem Fuß den Deckel der Transportbox aufklappte, die ich aus meinem Kofferraum mitgenommen hatte, und die Schlange hineinfallen ließ. Es bedurfte einiger Überredung, damit sie meinen Handschuh losließ, doch ein sanfter Druck dicht hinter dem Kopf zeigte Wirkung. Ich schloss die Kiste wieder, verriegelte sie und zog die Handschuhe aus. Mein rechtes Handgelenk wies zwei winzige Dellen auf, wo die Schlange zugebissen hatte, doch die Haut war unversehrt. Ich wandte mich Lynsey und ihrer Tochter zu. Tränen strömten der Mutter übers Gesicht.

"Wir müssen sie ausziehen", sagte ich. "Ich bin sicher, dass sie unverletzt ist, aber wir müssen nachsehen."

Ich lotste die beiden zum Wickeltisch, und da Lynsey anscheinend nicht fähig war, normal zu funktionieren, nahm ich ihr sanft das Baby ab und legte es hin. Dann streifte ich Strampler, Hemdchen und Windel ab und konnte es kaum fassen, wie weich die perlmuttgleiche Haut des Säuglings war.

Das kleine Mädchen begann wie am Spieß zu brüllen. Schnell fasste ich seine Handgelenke und streckte die Ärmchen aus, dann tat ich dasselbe mit den Beinen. Schließlich drehte ich die Kleine auf den Bauch und untersuchte ihren Rücken, ihren runden kleinen Po, ihren Nacken. Alles unversehrt.

Widerstrebend (wie seltsam, ich hatte mir nie etwas aus Babys gemacht) reichte ich das Mädchen seiner Mutter zurück. Lynsey griff nach ihrer Tochter, als sei sie ein fehlender Teil ihres eigenen Körpers, und riss sich die Bluse auf.

Nach ein paar Minuten, während derer Lynsey anscheinend kein Wort herausbrachte und ich nichts zu sagen hatte, hörte ich unten Schritte und eine Männerstimme. Ich ging innerlich in Abwehrstellung - Fremden zum ersten Mal gegenüberzutreten, ist immer eine Qual. Dann nahm ich die Kiste mit der Schlange und ging hinunter, um mit den Rettungshelfern zu sprechen. Während ich sorgsam jeglichen Blickkontakt vermied, erklärte ich, was geschehen war, schnappte mein Telefon und rief ein paar Abschiedsworte zu Lynsey und ihrer Tochter hinauf.

Erst auf dem Heimweg fiel mir ein, dass ich mich gar nicht nach dem Namen des Babys erkundigt hatte und wahrscheinlich nie Gelegenheit dazu bekommen würde. Pearl, beschloss ich; so würde ich sie nennen, weil ihre Haut einer glatten, rosigen Perle glich.

Als ich die Haustür öffnete, zeterten die Eulenküken, hoffnungsvoll wie stets, von Neuem los. Wahrscheinlich machten sie weniger Lärm als das Telefon und mein Handy, aber nur unwesentlich. Ich warf einen Blick auf das Telefon, das ich immer noch in der Hand hielt. Auf dem Display war die Nummer meiner Arbeit. Dann sah ich auf das Handy, das auf dem Tisch lag. Dieselbe Nummer. Tolle Auswahl.

"Clara, wir kriegen Dachse rein." Es war Harriet, meine Tierarzthelferin und Rezeptionistin. "Schwer verletzt. Sind gerade unterwegs. Wie schnell können Sie hier sein?"

"Dachse? Mehrere?"

"Drei Stück, halb tot. Sind heute Morgen in einem Lagerhaus am Stadtrand von Lyme gefunden worden. Sie sind wirklich übel zugerichtet."

Ich seufzte und warf einen Blick auf die Uhr. 7 Uhr 20, und ich hatte bereits einer Giftschlange die Stirn geboten und mit drei Menschen mehr geredet, als ich es normalerweise während des ganzen Vormittags tue. Und jetzt musste ich mich mit einem ganz besonders hässlichen Fall von Dachshetze herumschlagen.
Eine englische Dorfidylle. Mysteriöse Todesfälle. Und die Rückkehr eines Albtraums.

Ein englisches Dorf wird von einer Schlangenplage heimgesucht. Bald gibt es den ersten Todesfall. Tierärztin Clara Benning versucht das Rätsel zu erforschen und stößt auf eine Tragödie, über die alle Überlebenden eisern schweigen. Doch nun drängt die Wahrheit ans Licht.

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Kundenbewertungen zu "Schlangenhaus" von "Sharon J. Bolton"

4 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.8 von 5 Sterne bei 4 Bewertungen   ausgezeichnet)
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Bewertung von Kerry aus Berlin am 17.09.2011   sehr gut
Die Tierärztin Clara Benning lebt zurückgezogen in einem kleinen englischen Dorf. Durch einen Unfall in ihrer frühesten Jugend ist ihre linke Gesichtshälfte entstellt, auch die plastische Chirurgie kann hier keine Besserung herbeiführen. Auf Grund ihres äußerlichen Makels lebt sie sehr zurückgezogen und zieht die Gesellschaft von kranken und verletzten Tieren, denen sie helfen kann, denen der Menschen vor.

Doch eines morgens wird sie von einer Nachbarin um Hilfe gerufen. Im Bett ihres Babys hat sie eine Schlange entdeckt. Clara zögert nicht lange und eilt der jungen Frau umgehend zu Hilfe. In letzter Minute kann Clara die Schlange aus dem Babybett entfernen, bevor diese dem Kind etwas antun kann.

Später am selben Tag erhält Clara einen Anruf ihres Vaters, der ihr mitteilt, dass ihre Mutter verstorben sei. Clara, die von jeher kein besonders enges oder gutes Verhältnis zu ihrer Mutter hatte, kann sich mit dieser Nachricht jedoch nicht auseinander setzen, denn schon bald häufen sich die Vorkommnisse um weitere Schlangenansammlungen in Wohnhäusern. Doch hierbei handelt es sich nicht nur um harmlose, ungiftige Schlangen, nein auch tödliche, nicht in England heimische Schlangen, werden vermehrt in Häusern gefunden und anscheinend gibt es bereits die ersten Todesfälle durch Schlangen ...

Als Clara nach und nach die Erkenntnis kommt, dass es sich hierbei nicht um natürliche Schlangenansammlungen handelt, sondern jemand gezielt diese platzieren muss, gerät sie, da sie Erfahrung mit Reptilien und auch Schlangen hat, bald selbst ins Fadenkreuz der Ermittler, doch es ist nicht immer alles so, wie es erscheint ...


Ein spannender Roman um eine junge, scheue Frau, die jedoch im Laufe des Buches immer wieder über sich hinauswächst und durch ihren Instinkt nach und nach das Geheimnis um die Schlangenansammlungen lösen kann. Durch eine stattliche Anzahl an Nebenfiguren wird der Schauplatz des kleinen englischen Dorfes glaubhaft dargestellt. Auf Grund von einigen Längen im Buch und einem mit Ach und Krach herbeigeführten Ende, muss ich bei der Notenvergabe leider einen Punkt abziehen, bin jedoch für die Zukunft gewillt, weitere Bücher der Autorin zu lesen, da ich den Schreibstil als sehr spannend und angenehm empfand.

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Bewertung von JED aus Berlin am 09.06.2011   ausgezeichnet
Auf Schlangenhaus bin ich - man soll es ja nicht glauben - über ein Lesezeichen gekommen, was im Buchhandel lag. Darauf war der Inhalt beschrieben und der hat mich so fasziniert, dass ich mir das Buch gleich bestellt habe.

KURZINHALT:

Die Tierärztin Clara wird zu Hilfe gerufen, als im Bett eines Babys eine Schlange entdeckt wird. Doch dies bleibt nicht das einzige Tier. Überall im Dorf tauchen Schlangen auf und bringen den Tod. Clara lässt das Rätsel keine Ruhe, spätestens als sie einer der giftigsten Schlangen der Welt gegenübersteht, die in England eigentlich nichts verloren hat.

MEINE MEINUNG:

Schon allein die Vorstellung einer Schlangenplage lässt einem Gänsehaut über den Rücken laufen. Es ist die alte Feindschaft Mensch-Schlange, die hier beschworen wird. Ausgelöst durch ein Tier, das sich seltsam kriechend über den Boden bewegt und auch für uns Menschen tödlich sein kann. Dazu kommt die Frage nach dem WIE. Das hat mich zuallererst nach dem Buch greifen lassen.

Zudem faszinieren mich Thriller von jeher, die in einer dörflichen Atmosphäre spielen, welche oft eine ganz eigene Dynamik haben. Abgeschlossene kleine Ortschaften, in denen jeder jeden kennt, alte und neue Geschichten kursieren, Gerüchte, gegen die man sich oft nicht wehren kann. Schon gruselig genug. Was zu einem Hexenkessel werden kann. So auch hier. Clara kommt einem Geheimnis aus der Vergangenheit des Dorfes auf die Spur, das mit dem menschlichen Verstand kaum zu fassen ist. Und sieht sich selbst dabei immer mehr bedroht, denn sie hat sich bewusst für die Abgeschiedenheit entschieden, da sie selbst ein Mensch mit einem Geheimnis ist. Wie dieses Geheimnis parallel zu dem der Schlangen aufgedeckt wird, ist ein großartiger Kniff der Autorin.

FAZIT:

Großartig!

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Bewertung von Bücherwurm79 aus Passau am 13.04.2011   ausgezeichnet
S. Bolton versteht es, im Verlauf der Geschichte, aus dem beschaulichen kleinen Dorf mit neugierigen aber netten Einwohnern, einen dunklen, schaurigen Ort zu machen. Durch die Schlangen war für mich immer ein wenig schaurrige Atmosphäre, weil man immer drauf wartet, wo sie wieder auftauchen. Laut Anmerkung der Autorin am Ende des Buches, sind alle angegebenen Fakten durchaus auch zu belegen. Auch das Verhalten der Schlangen und die Wirkung der Schlangengifte, wurden so wahrheitsgetreu wie möglich weitergegeben. Das kann ich natürlich nicht beurteilen, aber ich fand die Handlung sehr glaubhaft geschildert und wurde richtig mit der Geschichte mitgerissen. Natürlich kommt dem Roman bestimmt auch die Angst bzw wenigstens die etwas furchtsame Abneigung der meisten Menschen gegen Schlangen zugute. In manchen Teilen, hat man das Gefühl ein wenig in Richtung Mystery zu gehen, wodurch die düstere Stimmung nur weiter aufgebaut wird, aber ich würde allen "eingefleischten" Thriller- Fans empfehlen, einfach weiterzulesen, nicht abschrecken lassen.

Die Geschichte ist aus Sicht von Clara geschrieben, als ob sie die Geschehnisse aufzeichnen würde. Das fand ich sehr gelungen, da man dadurch noch mehr über die Ängste und Paranoia von Clara erfährt und das der Geschichte noch mehr Tiefe gibt.
Gegen Mitte des Buches dachte ich enttäuscht zu wissen, was oder wer Schuld an dem unheimlichen Schlangen-Phänomen ist, allerdings ist das eine raffinierte kleine Sackgasse der Autorin. Das/Der hat zwar damit zu tun, eigentlich aber auch wieder nicht. Da möchte ich gar nicht zu viel verraten. Kurz darauf geht es aber dann wieder temporeich weiter, und ich hab die zweite Hälfte dann mit stetiger kleiner Gänsehaut weiter verschlungen. Daher auch kein Punktabzug dafür, weil es so von der Autorin wohl geplant war.

Insgesamt fand ich das Buch sehr gelungen. Was man vllt auch daran erkennt, dass ich das Buch innerhalb von zwei Tagen praktisch inhaliert haben ;)

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Bewertung von Silke Schröder, hallo-buch.de aus Hannover am 19.06.2009   ausgezeichnet
Wie „Todesopfer“ ist auch Sharon Boltons zweiter Roman „Schlangenhaus“ wieder ein feinsinniger und packender Krimi, der diesmal im Süden Englands spielt. Bolton baut eine komplexe Geschichte auf, die sich mit Schlangenpredigern, dunklen Geheimnissen, mystischen Ritualen, aber auch mit Claras traumatischer Vergangenheit beschäftigt.

Im Besonderen setzt sie sich dem ambivalenten Verhältnis vieler Menschen gegenüber Schlangen auseinander. In der Mythologie haben diese Tiere viele Bedeutungen, vom Sündenfall in der christlichen Religion bis hin zur Schlange im Aesculapstab der Mediziner. Sharon Bolton räumt in ihrem Krimi mit Vorurteilen auf und erzählt viele interessante Details über die Reptilien ohne Beine. Ein fesselnder Krimi aus England.

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