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"Das wichtigste Stück einer Sammlung ist das, was ihr noch fehlt."
Warum häufen Menschen so viele Dinge auf, die sie nicht brauchen?
Millionen von Sammlern geben sich einer Passion hin, die wahnhafte Züge annehmen und doch so hinreißende Triumphe feiern kann. Vielleicht handelt es sich um den heroischen Versuch, Ordnung - irgendeine Ordnung - in das Chaos der Erscheinungen zu bringen?
Von den Wunderkammern und Kunstschränken der Renaissance bis zur Geburt des Museums und zum klassifikatorischen Raptus der neuzeitlichen Wissenschaft verfolgt der Autor die Geschichte dieser Obsession,
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Produktbeschreibung
"Das wichtigste Stück einer Sammlung ist das, was ihr noch fehlt."

Warum häufen Menschen so viele Dinge auf, die sie nicht brauchen?

Millionen von Sammlern geben sich einer Passion hin, die wahnhafte Züge annehmen und doch so hinreißende Triumphe feiern kann. Vielleicht handelt es sich um den heroischen Versuch, Ordnung - irgendeine Ordnung - in das Chaos der Erscheinungen zu bringen?

Von den Wunderkammern und Kunstschränken der Renaissance bis zur Geburt des Museums und zum klassifikatorischen Raptus der neuzeitlichen Wissenschaft verfolgt der Autor die Geschichte dieser Obsession, die in der Demokratie die Massen ergriffen hat. Es gibt kein noch so phantastisches Objekt, das nicht die Begierde eines Sammlers erregt hätte. So sind Drachen und Kinderleichen, Schmetterlinge und Nägel vom Heiligen Kreuz ebenso gehortet worden wie unbezahlbare Gemälde und billige Plastikbecher.

Philipp Blom trägt seine immense Gelehrsamkeit leicht. Sein Buch ist tiefsinnig und unterhaltsam zugleich: eine Porträtgalerie, eine europäische Kulturgeschichte in nuce, ein Kabinett des Spleens und eine Erzählung von der Sammlernatur des Menschen.
  • Produktdetails
  • Die Andere Bibliothek, Bd. 229
  • Verlag: Eichborn Verlag
  • 2003
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783821845371
  • ISBN-10: 3821845376
  • Best.Nr.: 11883828
Rezensionen
Besprechung von 08.03.2004
Spüre angenehmes Gliederzucken
Auf der Suche nach allem, was selten ist: Philipp Blom setzt sich auf die Spur der Sammelleidenschaft

Am Ende steht eine Warnung - und eine Beobachtung: "Sammeln Sie nie, mein Herr! Das Sammeln ist das Füllen der Leere. Sie haben gerade mit der Hand gezuckt, ich glaube, das war ein wichtiger Satz für Sie." Der betrunkene Wiener, der sich vor sieben Jahren im Kaffeehaus an den Tisch von Philipp Blom setzte, war nüchtern genug, um die Erregung seines Gegenübers am Gliederzucken abzulesen. Denn Blom war schon ein Sammler, oder er wurde es spätestens mit diesem Gespräch. Fortan sammelte er Anekdoten, Bonmots, Berichte über das Sammeln. Herausgekommen ist dabei vor zwei Jahren das Buch "To Have and to Hold", das jetzt in einer prachtvoll gestalteten eigenen Übersetzung des Autors in der "Anderen Bibliothek" erschienen ist.

Nunmehr trägt der Text allerdings einen neuen Titel: "Sammelwunder, Sammelwahn". Damit wird das anekdotische Element gegenüber dem theoretischen herausgestrichen. Blom hat aber nicht nur "Szenen", wie es der Untertitel wissen will, aus der Geschichte des Sammelns zusammengetragen, sondern eben auch kluge Überlegungen zum Phänomen an sich angestellt. Seine zentrale These zum frühneuzeitlichen Sammeln läßt sich auf den Begriff der "praktischen Alchemie" bringen: Die Sammlungen jener Zeit, in der Blom die Geburt seines Gegenstandes erkennt, "reichen über die bloßen Objekte hinaus und werden zu einer Suche nach Sinn, nach des Pudels Kern, nach der Möglichkeit, eine Grammatik zu erkennen, wenn nur genug Buchstaben und Wörter zusammenkommen".

Das Sammeln ist also auch eine Art philologischer Rekonstruktion des Metaphysischen. Das war der Übergang vom mittelalterlich-scholastischen Prinzip zur modernen Wissenschaftlichkeit - auch wenn Blom nachweist, wie intensiv noch neuplatonisches Denken die ersten großen Sammlungen bestimmt hat. Allerdings muß er sich die Frage gefallen lassen, ob seine Festlegung auf den Wechsel vom sechzehnten auf das siebzehnte Jahrhundert als Sattelzeit des Sammelns - zentrale Figur ist natürlich Kaiser Rudolf II. - zutrifft. Blom begründet diese Wahl mit dem neuen Charakter, den die Sammlungen damals angenommen hätten. Aus John Tradescants, des Organisators der Sammlung des Herzogs von Buckingham, 1625 an die britische Handelsflotte adressierter Anweisung, für den Herzog bitte Augen und Ladeluken weit offenzuhalten, entnimmt Blom die für ihn zentrale Bestimmung des zeitgenössisch Sammelwürdigen: "Alles, was seltsam ist". Diese plötzliche Neugier auf das Nichtkonforme sieht er durch zwei Entwicklungen hervorgerufen: Einmal habe die Reformation die ausschließliche Konzentration auf das Jenseits hinweggefegt und im Wohlstand zu Lebzeiten eine Heilsbotschaft der Prädestination erkennen lassen; der dadurch im Sinne Max Webers wachgeküßte kapitalistische Geist sei dann einhergegangen mit einem größeren Bewußtsein für die eigene Sterblichkeit, so daß jede Abweichung vom Ideal göttlicher Schöpfung auch als Vanitas-Symbol getaugt habe.

Vor allem aber war die Demut vor den Lehren der Kirche und den klaren Eingrenzungen der Schöpfungsgeschichte beseitigt. Das aber war keine Neuerung des sechzehnten Jahrhunderts. Sosehr die soziologische Beobachtung Bloms zutrifft, daß nun nicht länger nur Herrscher und Adel, sondern auch Bürger sich dem Sammeln widmeten, sowenig unterscheiden sich deren Sammlerinteressen. Die Gier nach Kuriosa war zuvor nicht nur religiös verbrämt, wie Blom es am Beispiel des Reliquienkults im Spätmittelalter ausführt, sondern hatte sich schon immer auch auf Unbekanntes erstreckt, daß man als Bereicherung des eingeschränkten Wissenskreises der christlichen Lehren betrachtete.

Blom hätte dazu nur in Notkers nach 884 verfaßten "Gesta Karoli Magni" nachlesen müssen, wo im zweiten Buch der rege Geschenkaustausch zwischen Karl dem Großen und anderen Herrschern geschildert wird: "Die Perser", heißt es da über eine Gesandtschaft des Kalifen Harun al-Raschid, "brachten dem Kaiser einen Elefanten und Affen, Balsam, Narden, mancherlei Salben, Wohlgerüche und Heilmittel der verschiedensten Art . . . Es kamen zu ihm auch Beauftragte des Königs von Afrika, die einen Löwen aus der Marmarica und einen Bären aus Numidien brachten nebst Erz aus Iberien, Purpur aus Tyros und anderen Ehrengaben dieser Länder . . . An den Perserkönig aber schickte der unermüdliche Kaiser spanische Maulesel und Pferde, sowie friesische Tuche von weißer und grauer Farbe, gemustert und saphirfarben, die, wie er erfuhr, in diesen Gegenden selten und sehr teuer waren; auch Hunde, die sich durch ihre Schnelligkeit und Kühnheit auszeichneten."

"In diesen Gegenden selten" (in illis partibus rara) - das ist nichts anderes als was Tradescant 750 Jahre später als Sammelinteressen seines Herrn angibt. Vor allem die wechselseitigen Tiergeschenke dienten nicht merkantilen Interessen, sondern der Bestückung der herrscherlichen Raritätenkollektionen. Abu Abbas, der berühmte Elefant in Aachen, fraß sein Gnadenbrot und wurde bestaunt. Und auch wenn die von Karl verschenkten Hunde, wenn wir Notker Glauben schenken, im fernen Bagdad Furore bei den Jagden des Kalifen machten, darf man angesichts des dortigen Wildbestandes wohl Zweifel daran hegen. Fasziniert waren die Herrscher - wie später die modernen Sammler im Sinne Bloms - vom Neuartigen.

Natürlich ist das Buch eine Fundgrube, ist selbst ein Sammelsurium der unglaublichsten Kuriosa. Es beginnt mit Ulisse Aldrovandi, der 1572 einen leibhaftigen Drachen gesehen haben will (einen sehr kleinen Drachen, der von einem Schäfer mit einem Stock erschlagen werden konnte) und sich sofort bemüßigt sah, ein siebenbändiges Werk zu verfassen, in dem er alle Belege für die tatsächliche Existenz von Drachen versammelte. Wie für Blom selbst - und deshalb steht diese "Dracologia" auch zu Recht am Anfang seines Buches - war auch für Aldrovandi eine Begegnung Auslöser für eine Textsammlung, und das Manische, das dieses Projekt prägte, bestimmt auch Bloms Buch.

Wir treffen darin auf Peter den Großen, der wie viele seiner Herrscherkollegen für seinen Hofstaat Zwerge und Verwachsene sammelte und sich nicht einmal scheute, sich selbst bei der Beerdigung seines Lieblingszwergs in die Reihe der trauernden, nach Körpermaß aufgereihten Kleinwüchsigen zu stellen - als der größte Zwerg. Wir begegnen etlichen Gunther von Hagens avant la lettre, Sammlern von Leichen und Fehlgeburten, die mit wissenschaftlichen Motiven ihre Lust am Schrecken kaschierten. Oder wir folgen mit Blom den Knochen des 1801 in Nordamerika entdeckten Mastodon, des ersten entdeckten prähistorischen Säugetiers, dessen Fund der biblischen Schöpfungsgeschichte lange vor Darwin einen schweren Schlag versetzte. Der Maler und enzyklopädische Sammler Charles Willson Peale sicherte sich das Skelett, doch seine gewaltige naturgeschichtliche Kollektion wurde von den Erben in alle Winde zerstreut, und so steht das Mastodon heute im Hessischen Landesmuseum von Darmstadt.

Tod und Sammeln sind für Blom eng verknüpft: Das Individuum überlebt in seinen aufgehäuften Schätzen. Leider fehlt eine Erörterung, wie traumatisch die Erwartung für einen Sammler sein muß, seine Lieblinge irgendwann wieder zerstreut zu sehen. Welche namhafte Individualsammlung hat denn mehr als hundert Jahre überstanden? Da hätte man sich doch ein Weniges an Empirie gewünscht.

Doch das ist nicht der wahre Malus. Schwerer wiegt, daß Bloms ausgebreitetes Wissen angelesen wirkt. Die Kunst lebendigen Sachbuchschreibens besteht darin, das Gefühl zu erwecken, man wohne als Leser gerade der Verfertigung eines Gedankens bei. Deshalb ist der Epilog, die Begegnung im Kaffeehaus, eine so fulminante Passage. Hier hat Blom etwas erlebt, es nicht erlesen. Erlesenheit mag für Sammler ein wichtiges Motiv beim Erwerb einzelner Stücke sein; in seiner zweiten Bedeutung bezeichnet der Begriff etwas, was der Sammler scheuen müßte, sofern am Ende seiner Bemühung ein Buch stehen soll.

ANDREAS PLATTHAUS.

Philipp Blom: "Sammelwunder, Sammelwahn". Szenen aus der Geschichte einer Leidenschaft. Vom Autor aus dem Englischen übersetzt. Die Andere Bibliothek, Band 229. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2004. 408 S., 62 Abb., 4 Tafeln, geb., 34,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 08.01.2003
Christi Zähne
Philipp Blom sammelt
Anekdotisches über das Sammeln
Im Mittelalter sammelt man Reliquien: zum Beispiel Splitter des echten Kreuzes Jesu – so viele, dass ganze Wälder abgeholzt werden müssen, um den Bedarf zu decken. Klöster sammeln Körperteile von Heiligen. Als eine Bruderschaft gar einen Zahn Christi präsentiert, erbost sich ein Geistlicher: Der zum Himmel Emporgestiegene könne wohl kaum Zähne zurückgelassen haben. Dies theologische Problem löst ein gewitzter Mönch mit der Bemerkung, es handele sich um einen Milchzahn.
Zu Zeiten der Renaissance, als man das Diesseits und neue Kontinente entdeckt, wird alles Seltsame und Neue gesammelt. Den Pflanzensammler John Tradescant treibt seine Passion dazu, vom Gärtner zum Soldaten umzusatteln: Er heuert bei einem Regiment an, das nach Algier ausrückt: Dort soll es herrliche goldene Aprikosen geben.
Während der Voraufklärung geraten der Mensch und sein Körper mehr in den Mittelpunkt des Interesses. Der holländische Anatom Frederik Ruysch kreiert ein ganzes Orchester aus Skeletten, die Geigen aus Knochenmark spielen, Bögen aus getrockneten Arterien führen und auf einen Dirigierstab stieren, der mit winzigen Nierensteinen besetzt ist.
Im 19. Jahrhundert blüht der Gedanke der Nation auf. Die Sammlungen der Museen enthalten nicht mehr das Kuriose, sondern das für die Nation Typische. Eine Nation hat damit ein Problem, denn sie ist noch recht jung: die Vereinigten Staaten. Der Medienmogul William Randolph Hearst schafft sich sein eigenes Kulturerbe, in Europa sammelt er Kirchengestühl, Treppenhäuser, Sarkophage, dekorierte Fenster und Decken und installiert sie in seinem Haus.
Sammeln, so muss man Philipp Bloms Kulturgeschichte entnehmen, war zu allen Zeiten eine ziemlich verrückte Beschäftigung. Im Sammler – den vermeintlich betulichen Philatelisten eingeschlossen – toben Urinstinkte und Leidenschaften: das seltene Glücksgefühl der Kontrolle und Macht, die Sehnsucht nach Unsterblichkeit, der Jagdinstinkt und sogar eine gewisse Mordlust: „Was wir sammeln, müssen wir töten” – entweder buchstäblich im Fall von Schmetterlingen oder im übertragenen Sinne, wenn wir dem Sammelobjekt seinen Nutzwert rauben – „kein Briefmarkensammler plündert sein Album für den Briefwechsel”. Zu tatsächlichen Mördern werden nur wenige Sammler, aber es kommt vor: Der Büchersammler Don Vincente tötete 1836 in Barcelona einen Buchhändler, der ihn bei einer Auktion überboten hatte. Objekt der Begierde: ein Buch aus dem 15. Jahrhundert.
Öfter als zum Mörder bringen es Sammler zum eremitischen Sonderling. Beglückt wandelt der Amerikaner Alex Shear durch seine Lagerhallen. 100000 Objekte hat er angehäuft: Leere Senfgläser, Barbie-Puppen, Mixgeräte, Toaster, Werbung für Waschmaschinen, Autoskooter vom Jahrmarkt – alles aus den Fünfziger Jahren, der Zeit seiner Kindheit. Viele alte Männer tauchen in Bloms Buch auf. Und viele von ihnen träumen sich über das Sammeln in ihre früheren Jahre zurück.
Casanovas Kollektion
Sigmund Freud, der es wissen muss, weil er selbst Bücher und Antiquitäten anhäufte, sieht im Sammeln einen Ersatz für eine „Vielzahl von Eroberungen” und stellt es auf eine Stufe mit anderen Kompensationshandlungen wie „Bergsteigen und Leistungssport”. Blom führt den Gedanken Freuds in einer Weise fort, die den Wiener Psychologen vielleicht selbst überrascht hätte, und präsentiert den Frauenhelden Casanova als Apotheose des Sammlers schlechthin. Die Memoiren des Venezianers sieht er als Sammelkatalog, der Unsterblichkeit garantiert. Außer als Sammelobjekt kommen Frauen in Bloms Kulturgeschichte, die immerhin 288 Seiten hat, nicht vor. Exzessiv, so meint der Autor, sammeln nur Männer: Eine fixe Idee, der Tunnelblick, abgeschiedenes Vor-sich-hin- Werkeln, Wettbewerb und der Wille, zu siegen, zu erobern und zu besitzen, seien „vor allem mit der männlichen Psyche verbunden”. Das hinter dieser Vorstellung stehende Wunschdenken – Männer denken nur an sich selbst, Frauen denken nur an Männer – mutet etwas überkommen und absonderlich an ebenso wie Bloms Feststellung, dass eine von Frauen dominierte Gesellschaft „glücklicher, harmonischer und mittelalterlicher” wäre.
Bloms Kulturgeschichte des Sammelns ist ein wahrhaftes Kuriositäten- Kabinett abenteuerlicher Geschichten. Der Sammelleidenschaft des Autors entgeht kaum eine Anekdote, und Blom präsentiert seine Ausbeute mit Sinn für Humor und Dramatik. Manchmal kann er einer lustigen Geschichte einfach nicht widerstehen, auch wenn sie mit dem Sammeln wenig zu tun hat. Die Passagen, in denen es um die Analyse der Sammelleidenschaft geht, leiden darunter, dass der Autor nicht klar kenntlich macht, wann er seine Privatüberlegungen ausbreitet und wann er eine der psychologischen Studien einbezieht, die im umfangreichen Literaturverzeichnis stehen. Trotzdem gelingt Blom, von einigen Längen abgesehen, ein anregendes Wechselspiel aus unterhaltsamer Schilderung und instruktiver Erläuterung. Büchersammler haben doppelt etwas von diesem Buch und mögen im Fall des Erwerbs darauf achten, den Buchhändler am Leben zu lassen.
KATHARINA KRAMER
PHILIPP BLOM: To Have and to Hold: An Intimate History of Collectors and Collecting. Allen Lane, The Penguin Press, London 2002. 288 Seiten, 18,99 britische Pfund.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Es gebe keinen passenderen Ort für dieses schöne Buch als die limitierte Reihe der "Anderen Bibliothek" des Eichborn-Verlags, schwärmt Susanne Ostwald, deren nummerierte Ausgaben bibliophile Sammlerherzen höher schlagen lassen ließen. Zumal es sich, wie in diesem Fall des von Philipp Blom verfassten Buches, um eine Kulturgeschichte des Sammelns handelt. Blom streift durch die Geschichte und sammelt die Geschichten von Sammlern, die naturgemäß exzentrisch und verrückt waren. Seine Sammlung setzt erst mit der Neuzeit ein, erklärt Ostwald, als das Sammeln zur privaten Leidenschaft wurde; vorher war es eine Domäne der Kirchen und Fürsten, die anhäuften, was kostbar erschien. Ab der Renaissance aber interessierte man sich plötzlich brennend für alles, was möglichst fremd und wunderlich schien, die Entdeckung neuer Kontinente heizte Phantasie, Wissensdurst und Tatendrang an. Sammeln half aber auch, weiß Ostwald, die neue, immer unübersichtlicher werdende Welt zu ordnen. Das Schöne an Bloms gelehrtem Streifzug durch die Kulturgeschichte sei jedoch sein eigener Hang zum Sammeln, meint Ostwald, und zwar von Anekdoten, die er höchst lebendig erzähle.

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