Russland gegen Napoleon - Lieven, Dominic

Dominic Lieven 

Russland gegen Napoleon

Die Schlacht um Europa

Übersetzung: Ettinger, Helmut
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Russland gegen Napoleon

Eine grundlegend neue Bewertung der Napoleon-Zeit auf der Basis erstmals ausgewerteter russischer Quellen
Der Sieg Russlands über Napoleon markiert ein epochales Ereignis der europäischen Geschichte. Nach der Zerschlagung der vertriebenen Grande Armée 1812 wurde Napoleons Heer 1813 ein weiteres Mal auf deutschen Schlachtfeldern besiegt, bevor russische Truppen an der Spitze der siegreichen Koalition am 31. März 1814 in Paris einmarschierten. Damit begründete das Zarenreich im bis dahin längsten Feldzug der europäischen Geschichte Stabilität und Frieden im damaligen Europa. Dominic Lieven bezieht erstmals umfassend die russische Ereignisperspektive ein und revidiert zentrale Positionen bisheriger Geschichtsschreibung, die sich vornehmlich auf westliche Quellen stützt. Dabei werden drei kriegsentscheidende Stärken Russlands sichtbar: die logistische Meisterleistung, eine halbe Million Truppen außerhalb des eigenen Staatsgebiets zu versorgen, die Überlegenheit der russischen Kavallerie und die oft verkannte Weitsicht von Zar Alexander I.


Produktinformation

  • Verlag: C. Bertelsmann Verlag
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 763 S. m. Ktn., 16 meist farb. Bildtaf.
  • Seitenzahl: 763
  • Deutsch
  • Abmessung: 233mm x 162mm x 51mm
  • Gewicht: 1100g
  • ISBN-13: 9783570100509
  • ISBN-10: 3570100502
  • Best.Nr.: 33334283
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 20.02.2012

Die Diplomatie und das Grauen des Krieges
Starke Kraft des alten Europa: Dominic Lieven erzählt die Geschichte des napoleonischen Zeitalters aus russischer Perspektive
„Russland gegen Napoleon. Die Schlacht um Europa“ – sind das nicht längst verwehte Töne? Der Autor, Dominic Lieven, ist Professor für russische Geschichte an der London School of Economics; ja, denkt der Leser, in England, da gibt es noch die literarische Kriegsgurgel. Aber so ist es selbst dort nicht mehr, wie Lieven beobachtet: „Wenn man partout als ungeeignet für jede britische oder gar amerikanische Universität erscheinen möchte, dann braucht man nur zu erklären, man wolle die Geschichte von Schlachten, von Diplomatie und Königen erforschen.“ Und doch hat der Autor den drei missachteten Gegenständen ein Buch gewidmet, sogar ein recht dickes. Das war eine hervorragende Idee.
Denn die Geschichte des napoleonischen Zeitalters aus russischer Sicht darzustellen, ist neu. Die Archive sind erst seit 1991 geöffnet, so hatten es ältere Historiker schwer, Solides zu leisten. Aber es war auch das Interesse gering. In dieser Epoche konstituieren sich die modernen Nationen, da ist es …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Eigentlich dachte Stephan Speicher, dass zur Schlacht um Europa längst alles gesagt wäre. Dominic Lieven, Professor für russische Geschichte in London, jedoch belehrt ihn mit beherztem Griff in die nicht allzu lange zugänglichen Archive eines Besseren und gibt die russische Perspektive. Lievens Sympathie gilt dem russischen Soldaten, seiner Zähigkeit und Treue, merkt Speicher schnell und erklärt sich das mit dem humanen Interesse des Autors am unbekannten Soldaten. In Sachen russische Politik und Kriegsführung der Jahre 1813 und 1814 sieht Speicher Lievens Leistung in der vergleichsweise starken Gewichtung des russischen Anteils gegenüber dem der napoleonischen Truppen. Und die Handlungsoptionen des historischen Moments wurden ihm derart beeindruckend auch noch nie präsentiert. Tief in die Mühen der Diplomatie führt der Autor den staunenden Rezensenten.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 11.03.2012

Kälter als der Tod

Eine Million Opfer: zwei neue Bücher erforschen den grausam gescheiterten Feldzug Napoleons nach Russland im Jahr 1812

Der 6. Dezember 1812 war ein guter Tag zum Sterben in der Ebene westlich der weißrussischen Kleinstadt Molodetschno, auf halber Strecke zwischen Smolensk und Wilna, wo sich die Überlebenden der Grande Armée ein sicheres Quartier nach sechs Wochen Strapazen erhofften. Am Abend zuvor hatte sich ihr Anführer in aller Stille von seinen Generälen verabschiedet, um in der kaiserlichen Kutsche nach Paris vorauszufahren. Das Bulletin, das nach Napoleons Ankunft veröffentlicht werden sollte, lag schon bereit; es endete mit den Worten: "Die Gesundheit Seiner Majestät war nie besser."

Davon konnte bei seinen Truppen keine Rede sein. Am Morgen zeigte das Thermometer des Armeearztes Lagneau 37 Grad unter null. Als die Sonne über der Schneewüste aufging, sahen die um ihre Biwakfeuer gekrümmten Soldaten, wie das ganze Land bis zum Horizont rubinrot zu schimmern begann. Die Kälte hatte den Nebel in der Luft zu winzigen Eissplittern gefrieren lassen, die die Gesichter der Menschen und Tiere blutig schnitten, sobald …

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Leseprobe zu "Russland gegen Napoleon" von Dominic Lieven

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Leseprobe zu "Russland gegen Napoleon" von Dominic Lieven

12 Der Einmarsch in Frankreich (S. 524-525)

Im Feldzug von 1814 mischten sich militärische Operationen mit Diplomatie und französischer Innenpolitik. Das war das unvermeidliche Ergebnis des Erfolgs der Verbündeten im Jahre 1813. Die Bündnisverträge, die Russland, Preußen und Österreich im September 1813 in Teplitz unterzeichnet hatten, verpflichteten sie, Napoleon über den Rhein zurückzudrängen und die deutsche Unabhängigkeit wiederherzustellen. Dieses Ziel war im November 1813 erreicht.

Die Verbündeten mussten nun entscheiden, ob sie bei ihren bisherigen begrenzten Kriegszielen bleiben oder diese erweitern wollten. Sollte die Wahl auf Letzteres fallen, so mussten sie sich auf neue Absichten verständigen. Was immer das war – am Ende brauchten sie eine französische Regierung, die mit ihnen eine Friedensregelung aushandelte und sich dann auch daran hielt. Kriegsmüdigkeit mochte die Franzosen dazu bewegen, kurzfristig auf Frieden einzugehen, aber nach 22 Jahren Krieg wünschte man sich in der Allianz einen dauerhaften Frieden, nicht nur eine zeitweilige Waffenruhe.

Eine Lösung zu erarbeiten, die Frieden und Stabilität für Europa garantierte, den Interessen der verbündeten Mächte Genüge tat und auch noch für die französische Gesellschaft akzeptabel war, musste sich äußerst schwierig gestalten.[1] Sollten die Verbündeten Frankreich dessen »natürliche Grenzen« anbieten, das heißt jene, welche durch den Rhein, die Alpen und die Pyrenäen markiert wurden und in den Verträgen von Teplitz vorgesehen waren? Oder sollten sie versuchen, Frankreich auf seine »historischen« Grenzen zurückzudrängen, das heißt auf das Territorium, über das der französische König 1792 geherrscht hatte?

Das war etwas anderes als die Frage, ob man überhaupt mit Napoleon verhandeln oder seinen Sturz anstreben sollte, aber beide Probleme hingen offensichtlich miteinander zusammen. Man konnte sich vorstellen, dass Napoleon einen Frieden auf der Grundlage der »natürlichen Grenzen« Frankreichs tolerieren würde. Aber nur ein großer Optimist konnte glauben, dass eine Lösung auf der Grundlage der alten Grenzen des Königreichs Frankreich für ihn mehr als einen zeitweiligen Waffenstillstand bedeutet hätte. Zugleich wussten die Verbündeten, dass es weder in ihrer Macht stand noch in ihrem Interesse lag, den Franzosen ein Regime von außen aufzuzwingen.

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