Ruhm am Nachmittag - Gauß, Karl-Markus

Karl-Markus Gauß 

Ruhm am Nachmittag

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Ruhm am Nachmittag

In der deutschen Provinz erschießt ein schüchterner Schüler Lehrer und Klassenkameraden; waggonweise wird im Jahr der Finanzkrise Geld verbrannt, das bereits vorher nicht existiert hat; Lieblinge der Medien und Günstlinge der Politik halten ihren Vorteil für die einzige Wahrheit, der sie sich verpflichtet fühlen. In seinen Texten verwandelt Gauß die Dinge des Lebens: Im Marginalisierten zeigt er das Bedeutsame, im Unscheinbaren Schönheit, Würde, Renitenz. Von Leben und Tod erzählt dieser Grenzgänger der Epochen, Länder und Genres aus Österreich. Und zuletzt geht es um die Frage, wie man gegen die Anfechtungen der Zeit ein richtiges Leben führen kann und dabei den Anspruch auf das Glück nicht preisgibt.


Produktinformation

  • Verlag: Zsolnay
  • 2012
  • Ausstattung/Bilder: 2012. 282 S.
  • Seitenzahl: 282
  • Best.Nr. des Verlages: 551/05567
  • Deutsch
  • Abmessung: 208mm x 136mm x 30mm
  • Gewicht: 420g
  • ISBN-13: 9783552055674
  • ISBN-10: 3552055673
  • Best.Nr.: 34518564
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 10.03.2012

Duck dich, oder es setzt eine Watschen

Führt noch einer Tagebuch? Karl-Markus Gauß tut es, um Gott, der Welt und Tilman Jens eins mitzugeben.

Von Sabine Berking

In der Früh zwischen vier und fünf sterben die meisten Leute, im Krankenhaus, wohlgemerkt. Diese empirisch nicht belegte Behauptung hörte er als Kind vom Vater und schreckt seit einem halben Jahrhundert jede zweite Nacht auf, sich vergewissernd, dass er nicht tot ist. So fangen Krimis an oder jene zahlreichen Romane über Männer in einer anhaltenden Midlife-Krise.

Karl-Markus Gauß hat weder das eine noch das andere geschrieben, und die Geschichte steht auch nicht am Anfang, sondern in der Mitte des Buches, das eine Art Journal darstellt, eine Selbst- und Fremdreflexion über Gott und die Welt. Und weil "Gott und die Welt" eine ziemlich breiig-klebrige Masse ist, die leicht zerläuft, hat der in seiner Geburtsstadt Salzburg lebende Autor sie in eine Form gegossen, das Jahr 2009, das immerhin das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends zu einem erschöpften Ende brachte. Wenn man in Millennien denkt, was Gauß nicht tut, dann könnte man sagen, früher hatten wir die …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Karl-Markus Gauß' "Ruhm am Nachmittag" präsentiert sich Hans-Peter Kunisch als kluge essayistische Betrachtung des Jahres 2009, die allerdings über das bloße Tagesgeschehen hinausgeht. Schon der intensive Ton und die Perspektivwechsel, die der Autor vornimmt, sind dazu angetan, den Rezensenten zu fesseln und ihm gefallen die hartnäckigen Fragen und Reflexionen, die Gauß der Finanzwelt, dem Autor Sandor Marai oder der von ihm in der Kunst beobachteten "Zurschaustellung" des Todes angedeihen lässt. Auch wenn es offensichtlich (nicht näher herausgestellte) Urteile des Autors gibt, denen Kunisch sich nicht anschließen will, ist es ihm besonders positiv aufgefallen, dass sich Gauß nicht in Larmoyanz ergeht, und er sich in seinem kritischen Denken auch "selbst aufs Korn nehmen" kann.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Ein aus vielen bunten Steinchen zusammengesetztes Mosaik der Gegenwart, das in der Ästhetik an die Arbeitsweise von Alexander Kluge, in persönlicher Herangehensweise und Konsequenz an Navid Kermanis Mammutwerk "Dein Name" erinnert." (Wolfgang Huber-Lang, APA, 17.2.2012)<br/><br/>"Einmal mehr tritt uns Karl-Markus Gauß als aufmerksamer Beobachter und scharfsinniger Analytiker entgegen, der stilistisch brillant das politische Weltgeschehen mit Reiseerlebnissen und Lektüreerfahrungen zusammenführt, mit Gedanken über das Alter und die Vergänglichkeit." (Kristina Pfoser, Ö1, 20.02.2012)<br/><br/>"Auf Ruhm am Nachmittag passt ein Spruch, der auf Facebook die Runde macht, besonders gut: Lesen gefährdet die Dummheit." (Peter Pisa, Kurier, 25.02.2012)<br/><br/>"Im Vergleich zur Wirrnis des wirklichen Lebens und Denkens bietet Gauß ein klug formuliertes, durchgeistigtes Abbild seiner Wahrnehmungen. Er schreibt über Alltägliches, oder besser: über das, womit er den Alltag seiner Gewöhnlichkeit entreißt." (Hedwig Kainberger, Salzburger Nachrichten, 25.02.2012)<br/><br/>"Als kritischer, zuweilen knorriger Zeitgenosse fügt Gauß in "Ruhm am Nachmittag" divergierende literarische Formen wie Tagebuch, Porträt, Polemik und Verriss zu einem Lesebuch in bestem Sinn." (Wolfgang Paterno, profil, 27.02.2012)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.04.2012

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Karl-Markus Gauß’ kluger Essay „Ruhm am Nachmittag“
Seit etwas mehr als zehn Jahren gehört Sándor Márai zu den Helden des Literaturbetriebs. Lange vergessen, begann für ihn mit der Neuübersetzung seiner Novelle „Glut“ ein internationaler Höhenflug, der bis heute nicht recht abgebrochen ist. Beim großen Publikum, das die Romane und Erzählungen liebt, aber auch in der Literaturwelt, die die abgeklärt sentenzenhaften, spätexistentialistisch störrischen Tagebücher bewundert, in denen sich, wie Karl-Markus Gauß anmerkt, ungewöhnlich wenige Daten finden. Was meint, dass es Márai weniger um die Zeitlichkeit der Ereignisse geht, die er reflektiert, mehr um die dabei angeschlagenen Themen selbst.
Karl-Markus Gauß hält es in „Ruhm am Nachmittag“ ähnlich. Es ist eine Art erzählerischer Essay, der sich klar an die Ereignisse des Jahres 2009 lehnt, aber nie bloß versucht, „auf dem Laufenden zu bleiben“. Auf jeder zweiten Seite leistet sich Gauß Abschweifungen, und immer wieder werden Erzählperspektiven variiert. Dominant ist die des Ichs, aber manchmal erzählt Gauß auch in der dritten Person, macht seinen …

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Karl-Markus Gauß, geboren 1954, schreibt für große Zeitungen wie die "ZEIT", die "FAZ", die "NZZ" und "Die Presse". Er ist Autor und Herausgeber der Zeitschrift "Literatur und Kritik" und lebt heute in Salzburg. Der Essayist erhielt 2006 für sein Gesamtwerk den "Georg-Dehio-Buchpreis" des Deutschen Kulturforums östliches Europa sowie den "Manès-Sperber-Preis", 2007 den "Mitteleuropa-Preis" und 2009 den "Donauland-Sachbuchpreis". Im Jahr 2010 wird ihm der Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay verliehen.

Leseprobe zu "Ruhm am Nachmittag"

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