Rudi Dutschke - Rabehl, Bernd

Bernd Rabehl 

Rudi Dutschke

Revolutionär im geteilten Deutschland

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Produktbeschreibung zu Rudi Dutschke

Bernd Rabehl, langjähriger Freund und Mitstreiter Rudi Dutschkes, gilt als Abtrünniger auf dem langen Marsch zu den Fleischtöpfen der Republik. Nicht deshalb, weil er nichts aus sich gemacht hätte, sondern weil er nicht aufhört zu behaupten, daß zwei Dinge nicht zusammenpassen: Mythisierung der eigenen Herkunft aus dem revolutionären Milieu der Studentenbewegung bei längst erfolgter, lückenloser Arriviertheit.
Bernd Rabehl, heute Professor an der Freien Universität Berlin, hatte über lange Jahre mit jedweder Art von Revolution und Radikalopposition abgeschlossen und sich selbst den zugleich bitteren und realistischen Titel eines "Intellektuellen Mittelständler" gegeben. Jedoch trieb nicht nur ihn der Regierungswechsel 1998 zu einer erneuten Ergründung der eigenen Wurzeln.
"Personen, die ich gut kannte, spielten nun Macht in Ministerjobs: Josef Fischer, Gerhard Schröder, Hertha Däubler-Gmelin, Rudolf Scharping. Sie waren eingetaucht in die Nachkriegsordnung und bereiteten sich auf Kriege und Interventionen vor".
Hatte Dutschke zuletzt, in der Gründungsphase der Grünen, nicht auf ganz andere Köpfe gesetzt? Auf Nationalökologen wie Herbert Gruhl oder Baldur Springmann? Auf Konservative, bei denen er Substanz und Stehvermögen gesucht und gefunden hatte? Und: Hätte sich Dutschke nicht mit Händen und Füßen gewehrt gegen die Oligarchisierung eines vormals revolutionären Aufbruchs? Überlegungen wie diese trug Rabehl vor und geriet damit in ein politisches Kesseltreiben.
"Jede Besinnung auf die Dialektik der Freiheit sollte unterbunden werden. Es bestanden also Ängste, daß das Kartell der Lügen zusammenbrechen könnte, und daß jenseits der Staatsparteien Alternativen entstehen könnten. Plötzlich wurde ich von außen in das Denken von Dutschke gestoßen und erst jetzt begriff ich seinen revolutionären Ansatz."
In diesem Sinn ist Rabehls Dutschke eine Vereinnahmung oder: eine Perspektive.

Produktinformation


  • Gewicht: 133g
  • ISBN-13: 9783935063067
  • ISBN-10: 3935063067
  • Best.Nr.: 11134472

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Fortschreitenden Realitätsverlust" konstatiert Martin Jander bitter bei Bernd Rabehl, dem einstigen Weggefährten Rudi Dutschkes, der ebenso aus der DDR stammte, die APO anführte und in bezug auf die DDR seine eigenen Gedanken hegte. Als einen "Nationalrevolutionär" möchte Rabehl nun Dutschke einer rechten Leserschaft einverleiben. Jander macht darauf aufmerksam, dass dieser Essay in der Edition antaios erschienen ist, einem Verlag, der dem Institut für Staatspolitik" nahe steht, das sich als "Reemtsma-Institut von rechts" definiere. Seit einiger Zeit schreibe der Berliner FU-Professor für rechtslastige Zeitschriften, berichtet Jander. Rabehls Behauptung, der nationale Dutschke würde tabuisiert, hält er für falsch. Die vorliegenden Dutschke-Biografien von Gretchen Dutschke, Wolfgang Kraushaar und Jürgen Miermeister hätten diesen Aspekt nicht unterschlagen. Rabehl deute sogar einen Auftragsmord der Stasi an - eine These, die er an anderer Stelle (Feindblick") bereits aufgegriffen habe, doch nie belegen konnte, meint Jander. Für ihn ist Rabehl Opfer seiner eigenen paranoiden Verschwörungstheorie, die nicht untypisch sei für manche Alt-68er, die einst angetreten seien, die Verbrechen ihrer nationalsozialistischen Vorfahren aufzuklären, und heute zur eigenen Entlastung überall ausländische Geheimdienste im Sinne einer jüdisch-amerikanischen Weltverschwörung operieren sähen.

© Perlentaucher Medien GmbH

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