Regenbogenkind - Schreiber-Wicke, Edith

Edith Schreiber-Wicke 

Regenbogenkind

Mit e. Nachw. v. Ruediger Dahlke

Gebundenes Buch
 
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Regenbogenkind

Die Geschichte eines mongoloiden Mädchens
Bevor sich ein Kind auf die große Lebensreise macht, sucht es sich eine Aufgabe aus, die es auf der Welt erfüllen will. Naomi, ein mongoloides Mädchen, hat sich vorgenommen, dass jeder, der ihr begegnet, darüber nachdenken soll, was wirklich wichtig ist im Leben. Als Bruder hat sie sich Jakob ausgesucht und weiß, dass er ihr bei ihrer Aufgabe helfen wird.


Produktinformation

  • Verlag: Thienemanns
  • 2000
  • 2000.
  • Ausstattung/Bilder: 63 S. m. Illustr. v. Carola Holland.
  • Seitenzahl: 63
  • Altersempfehlung: ab 10 Jahren
  • Deutsch
  • Abmessung: 209mm x 149mm x 12mm
  • Gewicht: 200g
  • ISBN-13: 9783522172981
  • ISBN-10: 3522172981
  • Best.Nr.: 08483211
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 22.03.2000

Freude am Augenblick
Die Geschichte von Naomi, einem Down-Syndrom-Kind
Das schmale Buch über Naomi, ein Down-Syndrom-Kind, beginnt wie ein Märchen. Unter dem Regenbogen liegt ein imaginärer Luftraum, die Wiege aller Menschen, aus der sie in das reale Leben hineingeboren werden. In dieser Vorwelt unbegrenzter Möglichkeiten und großangelegter Lebensstrategien hebt sich das Mädchen Naomi mit einem ebenso bescheidenen wie schwierigen Wunsch ab: Sie möchte anders sein, als die anderen. Wenn sich nun der Blick auf unsere Wirklichkeit richtet, reduzieren sich die großen Pläne der Kinder zumeist auf die Sorgen mit streitenden Eltern und unglücklichen Müttern. Jakobs Eltern streiten nicht. Erwartungsvoll sehen sie der Geburt eines Babys entgegen, es wird Naomi sein, ein geistig behindertes Kind. Statt Freude machen sich Zweifel breit, ob und wie man der schweren Aufgabe gewachsen sein wird. Vieles in dieser Geschichte, deren flüchtige Szenen zwischen Märchen, Traum und Wirklichkeit abwechseln, bleibt nur angedeutet. Naomi – wie es auch ein Nachwort des leiblichen Vaters bekräftigt – war einem äußerst akademisch gebildeten Elternhaus vorherbestimmt; dennoch …

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Im Land unter dem Regenbogen
"Was ich will? Ich will, dass jeder, der mir begegnet, darüber nachdenkt, was wirklich wichtig ist." Sagt Noemi. Noemi lebt im Land unter dem Regenbogen, dort wo alle sind, bevor sie ihre Reise zur Erde antreten, um sich Gedanken darüber zu machen, was sie später, wenn sie erst mal dort sind, alles anfangen werden. Noemi ist ein Down-Kind.
Jakob hingegen ist ein ganz normaler zehnjähriger Junge, der zur Schule geht und sich langsam mit dem Gedanken vertraut macht, großer Bruder zu werden - obwohl ihn eigentlich viel mehr beschäftigt, dass die Eltern seiner Schulfreundin Selina sich scheiden lassen.
Die Geschichte auf zwei Ebenen, in der "Regenbogenzeit" und im Umfeld von Jakob, zeigt recht anschaulich und ohne dick aufzutragen, welche Reaktionen "besondere" Kinder zu erwarten haben - dass man sie anstarrt oder wegschaut. Oder kränkende Dinge über sie sagt. Aber - und vor allem auch - dass sie ihrer Familie, ihren Freunden so viel Wärme und auch Weisheit geben können, wenn man nur genau hinsieht und auf das hört, was diese Menschen (nicht unbedingt notwendigerweise mit Worten) mitzuteilen haben.
Eine lebenslange Aufgabe
Das Buch vermittelt aber auch, dass das Herangehen an eine Behinderung vielleicht einfach nur mit der Sichtweise aller Betroffenen zu tun hat. Was nämlich, wenn die Menschen selbst ihre Situation als Herausforderung, als lebenslange Aufgabe, die sie sich selbst erwählt haben, begreifen würden? Würden sie dann nicht viel mehr Bewunderung als Mitleid oder gar Ablehnung verdienen?
Entstanden ist die Geschichte nach einer Idee von Margit Dahlke, einer "betroffenen" Mutter - im Nachwort erzählt der Vater, Dr. Ruediger Dahlke, ein wenig vom Alltag mit der kleinen Naomi und davon, was die ganze Familie jeden Tag von diesem besonderen Kind lernen kann.
Die Widmung lautet:
Für alle, die ein bisschen anders sind
Unwägbar - in einer Welt der Gewichte ...
Unermesslich - in einer Welt der Maße ...
(Marina Zwetajewa)

In die Hand geben möchte man dieses sehr poetische und doch kindgerechte Buch über eine doch immer wieder auftretende Behinderung jedoch allen kleinen (und großen) Lesern, die sich dem Thema unbefangen nähern wollen - und man möchte wünschen, dass sie das NACH der Lektüre auch mit allen Menschen mit Down Syndrom tun. (Michaela Pelz)


Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Heitere Lebensweisheit hat der Rezensentin Barbara von Korff-Schmising dieses Buch gespendet. Mit einer "federleichten Geschichte" erzähle Edith Schreiber-Wicke, welch ein Schreck es bedeute, ein geistig behindertes Kind auf die Welt zu bringen, welch ein Glück es aber auch bringe - denn das "Regenbogenkind" wird mit dem Down-Syndrom geboren. Korff-Schmising empfiehlt das Buch auch den Eltern zur Lektüre. Es könne ihnen "einfachste Worte für die schwierigen Ereignisse des Lebens mitgeben".

© Perlentaucher Medien GmbH
Edith Schreiber-Wicke: "Ich schreibe Geschichten über Phantasie-Wesen, andere Wirklichkeiten und alles, was man nicht erklären kann, nur Geschichten über mich selbst schreibe ich nicht so gern. Also ganz kurz: Ich habe zwei Töchter, zwei Katzen, einen Ehemann (zwei darf man nicht) und wohne abwechselnd in Grundlsee und Venedig."

Leseprobe zu "Regenbogenkind" von Edith Schreiber-Wicke

Jakob betrachtete den Winzling im Babykorb. "War ich auch so klein"?, fragte er. "Mit so kurzen Fingern?" Er merkte, wie seine Eltern einen schnellen Blick wechselten. "Kann mir vielleicht irgendwer sagen, was los ist?", beschwerte sich Jakob. Wieder dieser Blick. "Es ist doch nicht, weil es ein Mädchen ist?", forschte Jakob weiter. Jetzt wenigstens lachten die beiden ein bisschen. "Nein, das ist es nicht." "Was dann?", fragte Jakob. "Naomi ist ein Down-Syndrom-Kind", sagte Jakobs Vater langsam. "Was für ein Kind?" fragte Jakob. "Ich denke, es ist unser Kind?" Darüber lachten sie wieder. "Na, immerhin, sie haben's nicht verlernt, das Lachen", dachte Jakob. "Down Syndrom, das bedeutet, Naomi ist anders als andere Kinder." "Ja, und?", fragte Jakob. "Macht das was?" "Sie wird manches weniger können", sagte Jakobs Mutter. "Meinst du Basketball?", fragte Jakob. "Das macht gar nichts. Ist mir sowieso nicht so wichtig wie früher." "Nein, es geht nicht um Basketball", sagte Jakobs Va ter. "Naomi wird später als andere Kinder laufen und sprechen lernen." "Dann eben später", sagte Jakob. "Ist doch nicht eilig, oder?"