Daniel Marc Segesser legt eine neue innovative Studie zur
Geschichte der juristischen Verfolgung von Kriegsverbrechen vor. Er
dokumentiert und analysiert die internationale Debatte von Staats-
und Völkerrechtlern mit dem Schwerpunkt auf der Zeit zwischen dem
Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und der Errichtung des
Nürnberger Tribunals am Ende des Zweiten Weltkrieges. Er betritt
damit ein Feld, das in den letzten Jahren ein erhöhtes öffentliches
Interesse gefunden hat, von der Geschichtswissenschaft aber bisher
nur am Rande thematisiert worden ist.Segesser zeigt, dass es seit
etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts schon eine phasenweise höchst
intensive juristische und politische Debatte über die Ahndung von
Kriegsverbrechen gegeben hat, welche bis heute die Grundlage für
den aktuellen Diskussionsstand bildet. Gestützt auf eine dichte
Quellenbasis, zeigt er den diachronen Wandel eines begrifflich
wenig scharfen und stets umstrittenen juristischen, militärischen
und sozialen Tatbestandes in der internationalen Politik auf.Als
Historiker stellt Segesser den notwendigen Bezug der Debatte zu
ihren politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen her, ein
Vorzug, der sein Buch vor bisherigen Studien aus der Feder von
Juristen auszeichnet. Damit gelingt es ihm auch, die Ambivalenz der
Definition und der Anwendung des Begriffs »Kriegsverbrechen«
aufzuzeigen.
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