Der Ratgeber informiert über die unterschiedlichen Formen von
Ticstörungen und beschreibt verständlich die
Behandlungsmöglichkeiten. Bezugspersonen erhalten konkrete
Ratschläge zum Umgang mit der Problematik in Familie, Kindergarten
und Schule.
Dieser Ratgeber gibt eine knappe Übersicht über die
Erscheinungsformen, die Ursachen, den Verlauf und die
Behandlungsmöglichkeiten von Tic-Störungen. Bei den Tics handelt es
sich um unwillkürliche, plötzlich auftretende Muskelzuckungen oder
Bewegungen, die z. B. als Blinzeln, Grimassieren, Augenverdrehen
oder Kopfrucken auftreten, oder um Äußerungen von Lauten,
Geräuschen, Worten oder Sätzen. Treten sie in Form einer
Kombination aus motorischen und vokalen Tics auf, spricht man von
einem Tourette-Syndrom.
Der Ratgeber will Eltern, Erziehern und Lehrern eine erste
Orientierung geben, wenn sie mit einer Tic-Störung in der Familie
oder im Beruf konfrontiert werden. Außerdem erhalten Jugendliche,
die an dieser Problematik leiden, Tipps zur Selbsthilfe. Der
Ratgeber enthält zahlreiche konkrete Ratschläge, die dabei helfen,
in der Familie und in der Schule mit der Tic-Problematik besser
zurechtzukommen.
Professor Dr. Manfred Döpfner, Dipl.-Psych., ist Leitender Psychologie der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Universität Köln.
Leseprobe zu "Ratgeber Tics"
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Leseprobe zu "Ratgeber Tics"
"12 Was können Ärzte und Psychotherapeuten tun? (S. 32-33)
Sowohl bei der Diagnostik als auch der Therapie ist es wichtig, einen Arzt zu konsultieren, da nur der Arzt andere körperliche Ursachen für die auf? fälligen Bewegungen ausschließen und die Notwendigkeit einer medika? mentösen Therapie einschätzen kann. Fachärzte für Kinder? und Jugend? psychiatrie und Kinderneurologen haben dafür die beste Fachausbildung.
Auch wenn die Tics Ihres Kindes leicht ausgeprägt sind und noch nicht länger als ein halbes Jahr bestehen, kann es sinnvoll sein, dass Sie Ihr Kind zu einer diagnostischen Abklärung vorstellen und ein orientierendes Bera? tungsgespräch suchen. Hierbei geht es speziell darum, Ihre und die Fragen Ihres Kindes zu beantworten. Gemeinsam mit Ihnen und Ihrem Kind wird der Fachmann überlegen, wie die Situation einzuschätzen ist und welche Diagnostik eventuell sinnvoll ist. Ein erstes gemeinsames Vorgehen kann besprochen werden. Dies beinhaltet meist den Umgang mit dem Kind und seinen Tics sowie eine gezielte Beobachtung des weiteren Verlaufs der Tics.
Wenn die Tics Ihres Kindes stärker ausgeprägt sind und länger bestehen, dann sollten Sie sich weitere professionelle Hilfe bei einem Arzt oder Psy? chotherapeuten holen. Psychotherapeuten können sowohl Ärzte als auch Psychologen sein. Wenn Sie einen nichtärztlichen Psychotherapeuten auf? suchen, dann muss ein Arzt andere organische Erkrankungen ausschließen und überprüfen, welchen Stellenwert die medikamentöse Behandlung zur Linderung der Tics haben soll.
In der Kinder? und Jugendlichenpsychothe? rapie zahlt die Krankenkasse zwei verschiedene Arten von Psychotherapie: die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die Verhaltensthe? rapie. Bei der Behandlung von Tic?Störungen hat sich neben der medika? mentösen Therapie nur die Verhaltenstherapie bewährt. Nach einer ausführlichen Untersuchung und Befragung ist es wichtig, dass folgende Punkte mit Ihnen geklärt werden:
• Ist eine Behandlung der Tic?Symptomatik notwendig und ist eine Be? handlung möglicherweise anderer psychischer Störungen oder Proble? me erforderlich? • Ist zunächst ein medikamentöser Behandlungsversuch oder zunächst ein verhaltenstherapeutischer Behandlungsversuch sinnvoll? • Oder ist eine Kombinationsbehandlung bestehend aus medikamentöser Therapie und Verhaltenstherapie sinnvoll?
Eine Entscheidung über eine medikamentöse Therapie kann nur der Arzt mit Ihnen gemeinsam treffen. Die Kriterien für eine medikamentöse The? rapie werden im Kapitel 13 behandelt.
Ein verhaltenstherapeutischer Behandlungsversuch wird eher dann emp? fohlen, wenn die Tics länger als sechs Monate bestehen und nur eine ma? ximal mittlere Intensität haben oder wenn die Symptomatik aus wenigen Tics besteht. Wenn eine sehr schnelle Symptomreduktion als notwendig erachtet wird, dann eignet sich Verhaltenstherapie nicht als erstes Behand? lungsverfahren. Eine Kombination aus medikamentöser und Verhaltens? therapie wird meist dann empfohlen, wenn eine der beiden Einzeltherapien nicht einen hinreichenden Behandlungserfolg erbracht hat."
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