Post Mortem / Alex-Delaware Roman Bd.22 - Kellerman, Jonathan

Jonathan Kellerman 

Post Mortem / Alex-Delaware Roman Bd.22

Deutsche Erstausgabe

Aus d. Amerikan. v. Jochen Stremmel
Broschiertes Buch
 
Vergriffen, keine Neuauflage
Nicht lieferbar
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Post Mortem / Alex-Delaware Roman Bd.22

Ein atemberaubender Psychothriller um Rache, Mord und das Vermächtnis des Bösen Als kleines Mädchen war Tanya Bigelow wegen einer Zwangsneurose bei Alex Delaware in Behandlung. Heute, mit 19 Jahren, hat sie ihre Symptome zwar im Griff, dafür belasten sie nun andere Sorgen: Ihre Adoptivmutter hat auf dem Sterbebett gestanden, vor langer Zeit einen Mord begangen zu haben. In ihrer Verzweiflung bittet Tanya Alex Delaware um Hilfe. Der macht sich seiner ehemaligen Patientin zuliebe auf die Suche nach dem Opfer eines Verbrechens, von dem er nicht einmal weiß, ob es jemals stattgefunden hat ...


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 475 S.
  • Seitenzahl: 475
  • Goldmann Taschenbücher Bd.46403
  • Deutsch
  • Abmessung: 19 cm
  • Gewicht: 385g
  • ISBN-13: 9783442464036
  • ISBN-10: 344246403X
  • Best.Nr.: 22817938
Kellerman ist der absolute Meister des psychologischen Spannungsromans! Publishers Weekly

"Jonathan Kellerman hat den psychologischen Thriller zur Kunstform erhoben."
Jonathan Kellerman ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Kriminalautoren. Nach dem Studium arbeitete er zunächst als Kinderpsychologe. Seine Reihe mit dem Psychologen Dr. Alex Delaware ist berühmt für höchst einfühlsam entwickelte Figuren und eine raffinierte Handlung: Hochspannung von der ersten bis zur letzen Seite. Dafür ist er unter anderem mit dem "Edgar-Alan-Poe-Award", Amerikas bedeutendstem Krimipreis, ausgezeichnet worden.

Leseprobe zu "Post Mortem / Alex-Delaware Roman Bd.22"

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Patty Bigelow hasste Überraschungen und tat ihr Möglichstes, um sie zu vermeiden. Gott hatte andere Pläne.

Pattys Vorstellung von einem höchsten Wesen schwankten zwischen einem Ho-Ho-Ho-Weihnachtsmann und einem Odin mit Feuer sprühenden Augen, der Blitze schleuderte.

So oder so, ein weißbärtiger Typ, der in den Wolken kampierte. Der je nach Laune Süßigkeiten verteilte oder mit den Planeten Murmeln spielte.

Falls man ihr die Pistole auf die Brust setzte, würde Patty sich als Agnostikerin bezeichnen. Aber wenn das Leben verrückt spielte, warum sollte sie es dann nicht wie alle anderen machen und einer höheren Macht die Schuld geben?

In der Nacht, als Lydia sie überraschte, war Patty seit zwei Stunden zu Hause und versuchte, sich nach einem harten Tag in der Unfallstation zu entspannen. Mit einem Bier zu relaxen, dann mit noch einem, und als das nicht wirkte, indem sie dem DRANG nachgab.

Zuerst brachte sie die Wohnung auf Vordermann, machte Sachen, die nicht nötig waren. Schließlich rückte sie dem Fugenkitt der Arbeitsplatte in der Küche mit einer Zahnbürste zuleibe, reinigte die Zahnbürste mit einer Drahtbürste, die sie unter heißem Wasser abspülte und sauber zupfte. Immer noch angespannt, sparte sie sich das Beste für den Schluss auf: das Arrangement ihrer Schuhe. Sie wischte jeden Halbschuh, jeden Sportschuh, jede Sandale mit einem Fensterleder sauber, sortierte sie nach Farben und sorgte dafür, dass alles genau in dem gleichen Winkel ausgerichtet war.

Zeit für die Blusen und Pullover ... die Türklingel ertönte.

Zwanzig Minuten nach eins in Hollywood, wer zum Kuckuck würde da vorbeischauen?

Patty wurde ärgerlich, dann nervös. Hätte die Knarre kaufen sollen. Sie nahm ein Tranchiermesser mit zur Tür und schaute für alle Fälle durch das Guckloch.

Sah schwarzen Himmel, da draußen war niemand ... ach doch.

Als sie begriff, was Lydia getan hatte, stand sie da, zu verdattert, um irgendjemandem die Schuld zu geben.

Lydia Bigelow Nardulli Soames Biefenbach war Pattys kleine Schwester, aber sie hatte eine Menge mehr Leben in ihre fünfunddreißig Jahre gequetscht, als Patty sich vor Augen halten wollte.

Drop-out-Jahre, Groupie-Jahre, Bardamen-Jahre, auf-dem-Harley-Rücksitz-verbrachte-Jahre. Vegas, Miami, San Antonio, Fresno, Mexico, New Mexico, Wyoming, Montana. Keine Zeit für Postkarten oder Anrufe von Schwester zu Schwester - wenn Patty von Liddie hörte, ging es immer um Geld.

Lydia war schnell bei der Hand mit Erklärungen, die Verhaftungen wären Kleinscheiß, keine Chance, dass da was nachkäme. Als Reaktion auf Pattys Schweigen, wenn sie per R-Gespräch aus irgendeinem Provinzgefängnis anrief und ihr Geld für die Kaution abschwatzte.

Sie zahlte das Geld immer zurück, das musste Patty ihr lassen. Immer derselbe Zeitplan: sechs Monate später, auf den Tag genau.

Liddie konnte sehr effizient sein, wenn sie wollte, aber nicht, wenn es um Männer ging. Vor, zwischen und nach den drei dummen Ehen gab es eine endlose Parade gepiercter, tätowierter Verlierer mit dreckigen Fingernägeln und leerem Blick, die Liddie unweigerlich ihre "Schätzchen" nannte.

Trotz ihrer zahllosen Liebhaber wundersamerweise nur ein Kind.

Vor drei Jahren hatte Liddie, allein in einem osteopathischen Krankenhaus außerhalb von Missoula, dreiundzwanzig Stunden gebraucht, um das Baby herauszupressen. Tanya Marie, zweitausendvierhundertachtunddreißig Gramm. Liddie schickte Patty ein Säuglingsfoto, und Patty schickte Geld. Die meisten Neugeborenen waren rot und affenähnlich, aber dieses Kind sah ziemlich süß aus. Zwei Jahre später tauchten Lydia und Tanya vor Pattys Tür auf, reingeschneit auf dem Weg nach Alaska.

Keine Rede davon, warum es Juneau sein musste, ob sie da irgendwen trafen, ob Liddie clean war. Keine Andeutungen, wer der Vater war. Patty fragte sich, ob Lydia es überhaupt wusste.

Patty konnte nichts mit Kindern anfangen, und als sie sah, wie das Kleinkind Liddies Hand festhielt, verkrampften sich ihre Halsmuskeln. Weil sie angesichts der Umstände mit einer wilden kleinen Göre rechnete. Ihre Nichte stellte sich als sanft und still heraus, irgendwie hübsch mit einem Flaum weißblonder Haare, forschenden grünen Augen, die zu einer Frau mittleren Alters gepasst hätten, und ruhelosen Händen.

"Reinschneien" dehnte sich zu einem Aufenthalt von zehn Tagen. Patty gelangte schließlich zu der Überzeugung, dass Tanya wirklich süß und keine große Belästigung war, wenn man von dem Gestank schmutziger Windeln absah.

Genauso plötzlich, wie sie aufgetaucht waren, verkündete Liddie, dass sie ihre Zelte abbrechen würden.

Patty war erleichtert, aber auch enttäuscht. "Das hast du gut gemacht, Lid, sie ist eine richtige kleine Lady." Sie stand vor ihrer Haustür und sah zu, wie Lydia das Kind mit einer Hand nach draußen zog und in der anderen einen ramponierten Koffer schwenkte. Ein Yellow Cab stand mit laufendem Motor am Bordstein und spie Abgase aus. Vom Boulevard weiter unten war Lärm zu hören. Auf der anderen Straßenseite schlurfte ein Penner vorbei.

Lydia warf ihre Haare zurück und grinste. Ihr früher mal überwältigendes Lächeln wurde von zwei ernsthaft gesplitterten Schneidezähnen beeinträchtigt.

"Eine Lady? Du meinst, nicht so wie ich, Pats?"

"Ach, hör doch auf und nimm es als Kompliment", sagte Patty.

"Hey", erwiderte Lydia, "ich bin eine Schlampe und auch noch stolz darauf." Sie schüttelte ihren Busen und wackelte mit dem Hintern. Lachte so laut, dass der Taxifahrer den Kopf drehte.

Tanya war zwei, aber sie musste gewusst haben, dass Mommy sich danebenbenahm, denn sie zuckte zusammen. Patty war sich ganz sicher.

Patty wollte sie in Schutz nehmen. "Ich wollte nur sagen, dass sie ein tolles Kind ist, du kannst sie jederzeit mitbringen." Sie lächelte Tanya an, aber das Kind schaute auf den Bürgersteig.

Liddie lachte. "Auch mit all den verschissenen Windeln?"

Jetzt starrte das Kind in die Ferne. Patty ging zu ihr und legte ihr die Hand auf den kleinen Kopf. Tanya wollte schon zurückzucken, erstarrte dann aber.

Patty beugte sich zu ihr hinunter und sagte leise: "Du bist ein braves Mädchen, eine richtige kleine Lady."

Tanya verschränkte die Hände vor dem Bauch und brachte das schmerzlichste Lächeln zustande, das Patty je gesehen hatte.

Als ob eine innere Stimme sie in den Benimmregeln unterwiese, die im Verhältnis zwischen Nichte und Tante angebracht sind.

Lydia sagte: "Verschissene Windeln sind okay? Cool, das werd ich mir merken, Pats, für den unwahrscheinlichen Fall, dass wir hier noch mal aufkreuzen."

"Was gibt's denn in Juneau?"

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