Plattform - Houellebecq, Michel

Michel Houellebecq 

Plattform

Roman

Dtsch. v. Uli Wittmann
Broschiertes Buch
 
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Plattform

"Wie wachsendes Donnergrollen kündigt sich bereits - unvermeidlich bei Houellebecq - eine tobende Polemik um die vermeintlichen Exzesse, Vulgaritäten und reaktionären Entgleisungen des Autors an." (Der Spiegel)

"Plattform" protokolliert erbarmungslos ein Leben: Tristesse, Liebesglück und tragischen Tod. Der Erzähler Michel ist Beamter im Kultusministerium. Vierzig, farblos, frustriert und nach Dienstschluss einsamer Peep-Show-Erotomane und Experte im TV-Zappen. Die Urlaubspauschalreise ins Traumland Thailand verspricht diesem "ziemlich mittelmäßigen Individuum" paradiesisches Glück und Erlösung: Sexgenuss mit Asiatinnen. Die Mitreisende Valerie, eine erfolgreiche Managerin in der Tourismusindustrie, lernt er erst nach der Rückkehr ins lieblose Paris wirklich kennen - und mit ihr ein tiefes menschliches Glück voller Obsessionen, und ohne Bezahlung.
Zusammen erfinden Valerie und Michel ein rettendes Programm für die Reisebranche, die Plattform zum Glück: Wenn mehrere hundert Millionen alles haben, bloß kein sexuelles Glück, und mehrere Milliarden nichts haben als ihren Körper, dann ist das "eine Situation des idealen Tauschs". Michel und Valerie wollen die ver lorene Liebesfähigkeit des Wes in neuartigen Ferienclubs organisieren. Aber das gemeinsame Glück, nach dem Houellebecqs Erzähler Michel verzweifelt sucht, wird bei einem terroristischen Anschlag in Thailand von Islamisten zerstört.


Produktinformation

  • Verlag: ROWOHLT TB.
  • 2007
  • 4. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 339 S.
  • Seitenzahl: 352
  • rororo Taschenbücher Nr.23395
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 115mm x 28mm
  • Gewicht: 281g
  • ISBN-13: 9783499233951
  • ISBN-10: 3499233959
  • Best.Nr.: 11391892
"Wie wachsendes Donnergrollen kündigt sich bereits - unvermeidlich bei Houellebecq - eine tobende Polemik um die vermeintlichen Exzesse, Vulgaritäten und reaktionären Entgleisungen des Autors an." (Der Spiegel)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.02.2002

Skandalautor
Weltekel mit Wahrheitscharakter
Man könnte meinen, zum Thema Sex sei schon genug gesagt. Doch unser skandalsüchtiges Nachbarland, die Grande Nation, lässt sich derzeit von neuer Literatur mächtig erregen. Catherine Millets Beischlaf-Bekenntnisse und Michel Houellebecqs Plädoyer für Sex-Tourismus sprengen die Auflagenrekorde.
Jetzt erscheint des Franzosen neuester Roman, „Plattform”, auf Deutsch, und gleichzeitig muss sich der Autor dafür wegen angeblicher Frauenverachtung und Verunglimpfung des Islam vor einem Pariser Gericht rechtfertigen. Am Donnerstag, 7. Februar, 20 Uhr liest Houllebecq im Hörsaal 1200 der TU, Arcisstraße 21 (ausverkauft!). Politisch korrekt ist die Literatur des 44-Jährigen, der darin auch eigene Sucht und Depression verarbeitet, sicher nicht. Aber eine gnadenlose Analyse der westlichen Zivilisation. Seine Diagnose: Unsere Zeitgenossen sind nur noch funktionierende Rädchen im Getriebe des Kapitalismus, liebes-, sex-, ja überhaupt kommunikationsunfähig, „von Egoismus, Masochismus und Tod durchdrungen”. Sein Therapievorschlag: Gefühlssex mit Prostituierten in der Dritten Welt …

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Sexualität als Tauschware<br /> "Ich bin im großen und ganzen kein guter Mensch, Güte ist kein Charakterzug, der mich auszeichnet. Der humanitäre Gedanke widert mich an, das Schicksal der anderen ist mir im allgemeinen gleichgültig, ich kann mich nicht erinnern, jemals das geringste Gefühl von Solidarität empfunden zu haben."<br /> So beschreibt sich der Ich-Erzähler, ein kleiner Beamter im Pariser Kulturministerium, der sich nach Feierabend entweder durch 128 Kanäle zappt oder sich in Peepshows die schnelle Befriedigung kauft, in Houellebecqs neuem Roman selbst. Ist es Zufall, dass der Protagonist des Romans wie der Autor selbst, also Michel heißt? Wie auch immer - auf jeder Seite des Buches werden die provokanten, geradezu abstoßenden Wesenszüge des Beamten deutlich:<br /> Nach dem Tod seines Vaters reist Michel als Pauschaltourist nach Thailand, um sich dort mit thailändischen Mädchen zu vergnügen. Valérie, einer Mitreisenden, begegnet er nach seiner Rückkehr in Paris wieder. Sehr schnell werden Michel und Valérie ein Paar. In ungezügeltem Sex scheinen beide ihr gemeinsames Lebensglück zu finden. Aber auch außerhalb ihrer Privatsphäre beschäftigt sie ausschließlich das Thema sexuelle Befriedigung: So entwickelt Valérie, die in der Tourismusbranche tätig ist, gemeinsam mit Michel die Idee eines konzernmäßig organisierten Sex-Tourismus. Das Programm soll "Eldorado Aphrodite" heißen. Dahinter verbirgt sich ein sehr simples, animalische Konzept, den Tourismus durch Sex anzukurbeln. Gerade in den Ländern der Dritten Welt soll dem frustrierten West-Tourist die Möglichkeit, ja eine Plattform geboten werden, hemmungslosen Sex zu haben; und das nicht heimlich in irgendwelchen Clubs, sondern als Teil seiner Pauschalreise. Sex wird zur Tauschware. Gutes Geld gegen guten Sex. Kein Wunder also, dass der Roman seit seinem Erscheinen in Frankreich im letzten Jahr eine Welle öffentlicher Erregung auslöste, die bis heute anhält. (Wibke Garbarukow)<br/><br/>"Wie wachsendes Donnergrollen kündigt sich bereits - unvermeidlich bei Houellebecq - eine tobende Polemik um die vermeintlichen Exzesse, Vulgaritäten und reaktionären Entgleisungen des Autors an." (Der Spiegel)<br/><br/>

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Milo Rau sieht die Stärken des französischen Autors in der präzisen Beschreibung des "existenziellen "Verlusts", unter dessen Empfinden seine Protagonisten so leiden. Dagegen wirke die Hauptfigur des Romans Michel, der sich auf einer Thailandreise in die Mitreisende Valerie verliebt, wenn er glücklich ist, "uninteressant und unscharf", weshalb es der Rezensent als "Glück" bezeichnet, dass dieses Liebesglück auch sehr bald wieder zerstört wird, weil Valerie von einem Fundamentalisten erschossen wird. Denn für das Glück, bemerkt der Rezensent, herrscht bei Houellebecq geradezu ein "Bildverbot", es interessiert den Autor nicht. Erst "wo das Leben unerträglich ist", so Rau beeindruckt, entfaltet sich dessen "unvergleichliche Sprache", weshalb ihm der letzte Teil des Romans, in dem eine "Feinanalyse der Depression im Stadium ihrer Vollendung" entwickelt wird, am besten gefällt.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Wie wachsendes Donnergrollen kündigt sich bereits - unvermeidlich bei Houellebecq - eine tobende Polemik um die vermeintlichen Exzesse, Vulgaritäten und reaktionären Entgleisungen des Autors an." (Der Spiegel)
Michel Houellebecq, geb. 1958 in La Réunion, lebt in Irland. Er ist Preisträger des angesehenen Grand Prix des Lettres, des Prix Novembre, des Impac-Preises und des Prix de Flore.

Kundenbewertungen zu "Plattform" von "Michel Houellebecq"

1 Kundenbewertung (Durchschnitt 5 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
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Bewertung von danielzock aus Dresden am 07.05.2002 ***** ausgezeichnet
Dieses Buch taugt nichts. Die apokalyptischen Tiraden über den Untergang des Abendlandes gegen Ende des Romans bedienen zu offensichtlich die Erwartung der Houellebecq-Fangemeinde und haben mit dem Rest des Romans überhaupt nichts zu tun. Ein glatter Konstruktionsfehler, wie er sonst eigentlich nur Anfängern unterläuft. Der Roman war fast schon geschrieben, da besann sich H., dass seine Fans seine Bücher ja lieben wegen der Tiraden von Schmerz, Unglück und Vergeblichkeit, und da hat er noch schnell eine ansonsten ganz unmotivierte Passage hinten dran "geklatscht", die eben dieses Bedürfnis bedient. Hat der Mann das nötig? Ist er plötzlich der Gewinngier verfallen? Nach zwei wirklich vorzüglichen und ernst zu nehmenden Romanen jetzt dieser Absturz? Noch einmal wird sich H. das nicht leisten können, will er nicht seinen Ruf als einer der Großen endgültig ruinieren.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

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