Der Bruch mit dem Aristotelismus im Hellenismus und im späten Mittelalter - seine Bedeutung für die Entstehung eines epochalen Gegensatzbewusstseins von Antike und Moderne
Herausgeber: Schmitt, Arbogast u. Radke-Uhlmann, Gyburg
Die Frühe Neuzeit hat über ihre eigene Vergangenheit ein
vernichtendes Urteil gefällt, das in der Vorstellung vom finsteren
Mittelalter bis heute weiter wirkt. Tatsächlich wendet sich die
beginnende Moderne nicht von einer Zeit ohne Künste und
Wissenschaften ab, sondern entwickelt ein verändertes Verständnis.
Sie greift dazu auf eine neue Antike, die Antike des Hellenismus,
v. a. in römischem Gewand, zurück und wendet sich von der
veralteten Antike des Aristotelismus ab. Eine solche Abwendung
hatten die hellenistischen Philosophenschulen selbst schon (um 300
v. Chr.) vollzogen. Das Verhältnis zwischen diesen beiden Brüchen
mit dem Aristotelismus wurde bisher kaum erforscht. Die Studien des
Tagungsbandes beleuchten Gemeinsamkeiten und Differenzen dieser
Umbruchphasen. Ein erstes wichtiges Ergebnis ist eine neue Sicht
auf das Verhältnis der Moderne zum Mittelalter: Hier steht nicht
eine naive einer selbstbewusst gewordenen Epoche gegenüber, sondern
es verdrängen sich zwei hochkomplexe, in sich geschlossene Systeme
- mit Folgen, die bis in die Gegenwart wirken.
Arbogast Schmitt, Professor für Literatur und Philosophie der griechischen Antike in Marburg. Forschungsschwerpunkte: Homer, Tragödie, Platon, Aristoteles, die Antithese von 'antik' und 'modern' und ihre Folgen für das Selbstverständnis der Moderne und die Deutung der Antike in der Moderne.
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