Leseprobe zu "Phantastische Wirklichkeit" von Hans-Peter Schwarz
Zur Einführung
"Wir leben in haarsträubenden Zeiten ... Neben der enormen Zunahme konventioneller Verbrechen haben wir jetzt außerdem noch das politische Verbrechen." So ließ der damals noch junge Frederick Forsyth in seinem Bestseller "Der Schakal" einen Geheimdienstbeamten sinnieren. Knapper und zutreffender läßt sich die Thematik des Polit-Thrillers nicht erfassen. Es dreht sich um eine besondere Spielart des Verbrechens: die Polit-Kriminalität auf höchster Ebene. Während der Kriminalroman von Conan Doyle bis Elizabeth George den Mord und die Aufspürung des Mörders gewissermaßen im Alltag von Herrn und Frau Jedermann schildert, konzentriert sich der Polit-Thriller auf die Weiße-Kragen-Kriminalität in den Spitzenetagen der Gesellschaft sowie die Versuche, ihrer Herr zu werden.
Häufig geht es dabei um Spionage. Aber diese ist in der Regel nur Teil einer Handlung, die sich um Vorgänge auf hoher und höchster Entscheidungsebene entwickelt. Spionage und Spionageabwehr, politische Intrigen, ideologisch oder von Geldgier motivierter Landesverrat und Hochverrat, Putschversuche und die Gefahr der Auslösung von Weltkriegen, pathologische Machtbesessenheit, auch sexuelle Obsessionen von Staatspräsidenten, Ministern, Admiralen oder Top-Managern mitsamt deren Gespielinnen, kaltblütiger Massenterror und dessen Vereitelung, doch genauso die Einsamkeit des Spions und die Angst des Individuums auf der Flucht vor den Killern der Geheimdienste - das und vieles mehr sind die Stoffe, aus denen die Polit-Thriller ihre Spannung beziehen. Bekanntlich waren das auch Zentralthemen der Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts, und schon heute läßt sich erkennen, daß es im 21. Jahrhundert wie bisher polit-kriminell weitergehen wird. Die hohe Politik ist zwar nicht im Regelfall so gemeingefährlich, wie sie im Polit-Thriller erscheint, aber doch viel häufiger, als es die stets hochmoralisch daherredenden Staatsmänner zugeben möchten. So gesehen, steckt in vielen dieser Romane ein zeitkritischer Kern.
Freilich würde sich kein Massenpublikum finden, wäre der Thriller nicht Spannung pur. Nichts darf fehlen, was die Phantasie ängstigt und zugleich anregt: Fahndung nach den großen Schurken im Dschungel der Geheimdienstbürokratien oder in exotischen Ländern, eine rasche Abfolge von cliffhanger-Szenen, Schießereien aus altmodischen großen Revolvern oder mit Laser-Kanonen, Grauen, Gefahr, Erpressung, Folterszenen und Verfolgungsjagden - der Polit-Thriller ist eine Fortentwicklung des klassischen Abenteuerromans im düsteren Stil des 20. Jahrhunderts.
Doch die Größen des Polit-Thrillers, die im folgenden vorgestellt werden, also die Eric Ambler, Graham Greene, Ian Fleming, Frederick Forsyth oder John Le Carré, wußten und wissen genau, daß gepfefferte Spannungsromane allein kaum ausreichen würden, das Interesse einer anspruchsvollen Leserschaft auf Dauer zu fesseln. Die Polit-Thriller schlagen Jahr für Jahr Millionen süchtiger Leser auch deshalb in ihren Bann, weil sie ein weiteres Element enthalten: die jeweils aktuellsten Schrecken der Zeitgeschichte, von denen sich jeder seelisch oder auch ganz existentiell bedrängt sieht, der nicht völlig stumpf durch die Welt läuft.
Die Handlung der Polit-Thriller dreht sich somit nicht nur um die jeweiligen Helden und deren Widersacher, so unverzichtbar diese auch sein mögen. Das tiefere Bewegungsgesetz des Genres ist die Zeitgeschichte selbst. Es sind die schrecklichen Gefahren der Gegenwart, welche die Handlung untergründig in Gang setzen und vorantreiben - die Weltkriege zwischen den Großmächten oder auch zwischen den Regierungen kleiner, aber grausamer Länder, der vierzigjährige Kalte Krieg, ethnisch und religiös bedingte Schlächtereien auf dem Balkan und in Dritte-Welt-Ländern, die unendliche Schreckensgeschichte des Nahostkonflikts zwischen Israel und den arabischen Terror-Organisationen, maritime oder weltraumgestützte Operationen, der Krieg im Dunkel zwischen den mörderischen Geheimdiensten KGB, CIA und MI6, die Labilität der Finanzmärkte, die rasante galoppierende Waffentechnologie mit allen von den ABC-Waffen und den riesigen Raketenarsenalen ausgehenden Gefahren, überhaupt das irrsinnige Entwicklungstempo des technisch-naturwissenschaftlichen Zeitalters, das zunehmend fürchterlichere Anschläge ermöglicht.
Die Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts und die Polit-Thriller haben somit dieselben Themen. Wer kann den Gefahren begegnen, die ganzen Großgesellschaften, großen Imperien, ja der Menschheit drohen? Wird es entschlossenem Handeln gelingen, die Schrecken im letzten Moment abzuwehren und die Bösewichte zu vernichten? Wenigstens die besseren dieser Romane sind ein Spiegel der Moderne, deren absurdes Bedrohungspotential noch nicht erschöpft ist. "Das Zeitalter der Angst", hat seinerzeit der britische Schriftsteller W. H. Auden die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg vorherrschende Grundstimmung benannt. Das ist in der Tat auch das in den Polit-Thrillern vorherrschende psychologische Klima.
Doch die Thriller-Schreiber begnügen sich nicht mit der Schilderung des Grauens der modernen Zeitgeschichte. Erstaunlicherweise legen zumindest die bedeutenden Mitglieder dieser Zunft ein ganz bemerkenswertes politisches Engagement an den Tag. Sie ergreifen Partei und machen für jene Ziele, Mächte und Ordnungsvorstellungen Stimmung, die sie zu Recht oder zu Unrecht für die gerechten halten. In den Zeiten von Jean-Paul Sartre und Albert Camus hat man viel von der littérature engagée hergemacht. Gemeint waren damit die Intellektuellen unter den Literaten Frankreichs, Italiens, Englands, Amerikas oder auch Deutschlands. Bisher wurde aber weitgehend übersehen, daß Tausende von Polit-Thrillern, die im 20. Jahrhundert auf den Markt kamen, häufig gleichfalls littérature engagée sind. Gewiß, die Thriller-Schreiber möchten mit ihren Trivialromanen viel Geld verdienen, und den berühmtesten unter ihnen gelingt das
auch. Doch es ist erstaunlich, wie penetrant und wie schamlos sie das Medium dieses Genres nutzen, um - bald ganz unverblümt, bald mehr unterschwellig - ihre recht unterschiedlichen politischen Botschaften zu verkünden.
Legt man ein Rechts-Links-Schema zugrunde, so sind Graham Greene, Eric Ambler in seinen Anfängen, John Le Carré und Robert Ludlum ganz eindeutig linke Autoren. Ebenso eindeutig artikulieren John Buchan, Ian Fleming, Colin Forbes, Frederick Forsyth und Tom Clancy konservative Positionen. Deshalb ist es übrigens auch geboten, den Blick auf die oft weniger bekannten Biographien dieser Autoren zu lenken. Schiebt man einmal den ganzen Klamauk der Spannungshandlung beiseite, so geht es den genannten Autoren und manchen anderen ihresgleichen um die Legitimität der politischen Ordnung. Dieses Problem wird vielfach festgemacht an der Tätigkeit der Geheimdienste. Wie man weiß, drehen sich viele Polit-Thriller um die Frage, ob die Tätigkeit der westlichen Geheimdienste legitim ist, moralisch fragwürdig oder einfach nur absurd. Indem die im Folgenden dargestellten Schriftsteller die Motivation und Psychologie der Geheimagenten, Verräter, Terroristen und Spitzenpolitiker ihrer Romane schildern, nehmen sie dazu direkt oder indirekt Stellung. Je nach politischem Standort porträtieren sie die entsprechenden Figuren als unerschrockene Patrioten, als traumatisierte Existenzen oder gar als Doppelagenten mit unwiderstehlicher Neigung zur Verräterei am eigenen Land.
Die Publizistin Margret Boveri, die in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts ihre engagierte Darstellung der Widerstandskämpfer, Atomspione, Kollaborateure, Attentäter und weiterer Typen im Zwielicht veröffentlichte, gab ihrem Buch den Titel "Der Verrat im 20. Jahrhundert". Diese zeitgeschichtliche Thematik wird, oft nur unwesentlich verfremdet, in den Polit-Thrillern nochmals nachgespielt und so oder anders bewertet.
Der Polit-Thriller ist also manches gleichzeitig. Er ist eine Sonderform des Kriminalromans, die in den Korridoren der Geheimdienste und der hohen Politik spielt. Er ist ein mit politischer Thematik befrachteter moderner Abenteuerroman. Er ist aber auch Zeitkritik und littérature engagée.
Von solchen Überlegungen ausgehend, interessieren uns im folgenden die Polit-Thriller eines ganzen Jahrhunderts mit der Frage, wie sie den Zeitgeist der jeweiligen Jahrzehnte, häufig sogar des jeweiligen Jahrs ihres Erscheinens zum Ausdruck bringen. In gewisser Hinsicht haben sie viel mit den zeitgenössischen Filmen gemeinsam, und es ist kein Zufall, daß die erfolgreichsten dieser Spannungsromane verfilmt und damit noch erfolgreicher gemacht, nicht selten allerdings auch verfälscht wurden. Filme, so hat der Doyen der amerikanischen Historiker, Arthur M. Schlesinger, unlängst geschrieben, "mit ihrem Panorama des Lebens, der Arbeit, der Daseinsstile und des Todes in den großen Städten sind wahre Schatzkammern für den Sozialhistoriker. Durchgehende Bilder, Genre, Stile und Mythen könnten sogar tiefere Besorgnisse enthüllen". Was Schlesinger für die Warner movies aus den dreißiger Jahren formuliert hat, gilt auch für die Polit-Thriller. Während aber eine beträchtliche Zahl von Film-Historikern besonders in den USA schon seit langem der Frage nachgeht, inwiefern der relevante Zeitgeist im Medium des Films zum Ausdruck kommt, finden hierzulande die weltweit genauso erfolgreichen, massenwirksamen Polit-Thriller bei den zünftigen Erforschern der politischen Ideen, Ideologien und Mentalitäten bisher nur wenig Beachtung. Unsere Studie versteht sich somit auch als Versuch, dem im 20. Jahrhundert wirksamen Zeitgeist auf diesem wenig begangenen Weg näherzukommen.
Aus der Titelflut, die alljährlich den Druckmaschinen entströmt, mußte natürlich eine Auswahl getroffen werden. Von Interesse konnten nur die Meister des Genres sein, deren Bücher sich über Jahrzehnte hinweg an der Spitze der Bestsellerlisten hielten oder halten und die in viele Sprachen übersetzt wurden. Auf diesem internationalen Polit-Thriller-Markt spielen nur englische und amerikanische Autoren eine nennenswerte Rolle. Teilweise erklärt sich das aus der Weltherrschaft der englischen Sprache. Es gibt aber noch einen anderen Grund dafür.
Der Polit-Thriller ist auch ein imperiales Genre. Man könnte das 20. Jahrhundert mit Oswald Spengler auch als "das Zeitalter der kämpfenden Staaten" bezeichnen.8 Dieses Zeitalter kennt nicht nur Imperien, die aufsteigen, die sich bedroht sehen, die siegreich bleiben oder untergehen, sondern auch Trivialromane, die eben diesen Vorgang schildern. Eigenartigerweise sind die Triumphe, die Tragödien, doch auch die ganz schmutzige Nachtseite der Imperien nur in zwei Ländern zum Gegenstand interessanter Polit-Thriller geworden: in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten.
Selbstbehauptung und melancholischer Abstieg des britischen Empire kommen in den Polit-Thrillern der angelsächsischen Autoren ebenso zum Ausdruck wie der von Selbstzweifeln weniger belastete Aufstieg der amerikanischen Weltmacht. Wie nicht anders zu erwarten, figuriert das rätselhafte Deutschland in diesen Polit-Thrillern recht prominent, allerdings durchweg aus britischer und amerikanischer Sicht. Da unser Buch für deutsche Leser geschrieben wird, findet das recht differenzierte Bild Deutschlands und der Deutschen natürlich besondere Beachtung. Lassen wir es dahingestellt, weshalb es den verbissenen Deutschen nicht selbst gegeben war, ihr imperiales Schicksal in die Form des Spannungsromans zu bringen. Das Errichten von Gedenkstätten und Museen liegt ihnen mehr.
Doch genauso aufschlußreich wie das Deutschland-Bild ist das Negativ-Bild, das Rußland, China, Japan, Frankreich und seit langem auch schon die arabischen Gesellschaften in den Angst-Szenarien der angelsächsischen Polit-Thriller spielen. Eine Welt voller Feinde oder doch recht zweifelhafter Freunde - so stellt sich das 20. Jahrhundert aus angelsächsischer Perspektive dar. Dabei zeigt sich indessen, daß auch die Amerikaner den Briten und die Briten den Amerikanern häufig mißtrauen. Wer die Faktoren Xenophobie und Rassismus im Verhältnis der modernen Gesellschaften studieren möchte, kann in den Thrillern seine Entdeckungen machen. Doch wie alle Völker beschäftigen sich auch Briten und Amerikaner am intensivsten mit ihrem eigenen Überleben inmitten einer Welt, die aus dem Ruder gelaufen ist. Alles in allem ist dieses Genre somit auch ein Spiegel der politischen Dynamik in der westlichen Welt seit den fernen Tagen der Dreadnoughts und der deutschen Gefahr bis zu den Zukunftskriegen Tom Clancys.
Wie soll man ein durchaus eigenwilliges Buch komponieren, in dem Autoren und Romane für untersuchungswürdig erachtet werden, die von der zünftigen deutschen Zeitgeschichtsforschung bisher beiseite gelassen wurden? Bei der Komposition haben wir uns "The World Atlas of Wine" des zu Recht berühmten Hugh Johnson zum Vorbild genommen. Auch er beginnt mit einer knappen Einführung und erklärt, wie man die Weine servieren und verkosten soll. Dann aber wendet er sich den einzelnen Weingebieten zu, um ihre Lagen und die Qualität der dortigen Jahrgänge zu studieren. Vinologischer Genuß erfordert, daß man sich nicht verzettelt, sondern auf bestimmte Zielgebiete konzentriert. So gehen auch wir vor. Anders als Johnson wollten wir jedoch keine enzyklopädische Vollständigkeit anstreben. Wohl aber macht es Sinn, die mentalitätsgeschichtliche Thematik jeweils am Beispiel einzelner Autoren zu behandeln. Die Konzentration auf rund ein Dutzend Größen aus der Polit-Thriller Szene ist aufschlußreicher, aber auch genußvoller, als es jeder Versuch wäre, das einige hundert Mann und ein paar Damen starke Kontingent weniger erfolgreicher, zumeist auch schlicht mediokrer oder ganz mieser Thriller-Schreiber zu erfassen.
Die Kapitel unseres Buches sind locker chronologisch angeordnet. Der Leser ist eingeladen, am Beispielfall der hier behandelten Autoren zu entdecken, welche Gefährdungen im Verlauf des Jahrhunderts jeweils ins Blickfeld traten, wie sie bewertet wurden und wie sie mit viel Glück unschädlich gemacht werden. Der Durchgang läßt zugleich Themen erkennen, die als eine Art Zeitsignatur des 20. Jahrhunderts immer wieder auftauchen. Das sind die eigentlich bedenklichen Phänomene nicht bloß der Thriller-Welten.
Bei der Auswahl unserer Autoren wurde ebenfalls darauf geachtet, fast ausnahmslos Bestseller-Autoren zu erörtern, die über Jahrzehnte hinweg publiziert haben. Die Art und Weise, wie ein begabter Verfasser im Verlauf eines längeren oder sehr langen Lebens seine Themen wechselt, ist besonders aufschlußreich. Gewitzte Bestsellerautoren achten schließlich genau darauf, welche Stimmungen und Einstellungen bei ihren Lesermillionen gefragt sind. Der Polit-Thriller funktioniert dann als eine Art Indikator der jeweils vorherrschenden Ängste und Abneigungen. Im übrigen wurden in der Regel nur solche Autoren aufgenommen, deren Thriller heute noch frisch und im Buchhandel erhältlich sind. Die Exhumierung längst vertrockneter Größen hat uns nicht gereizt.
Den Auftakt machen Erskine Childers (1870-1922) und John Buchan (1875-1940). Ihre bis heute viel gelesenen Agentenromane lassen bereits charakteristische Grundmuster des Genres erkennen. In der Folgezeit stehen Eric Ambler (1909-1998) und Graham Greene (1904-1991) im Blickfeld, auch sie Engländer, deren Thriller den Zeitraum von der Zwischenkriegszeit bis weit in die Jahrzehnte des Kalten Krieges hinein abdecken, desgleichen die "haarsträubenden Zeiten" in Ländern der Dritten Welt. Neben ihnen wurde die einstmals vielgelesene, entschieden anti-totalitäre Schottin Helen MacInnes (1907-1985) als Kontrastfigur, zugleich auch aus Gerechtigkeitsgründen, aufgenommen, damit in unserer Auswahl von Autoren dieses doch recht ausgeprägt machistischen Genres wenigstens eine Dame vertreten ist.
Alsdann markiert Ian Fleming (1908-1964), der Erfinder von James Bond, mit seinen Thrillern aus den fünfziger und sechziger Jahren eine Art zeitlichen Scheitelpunkt des Agenten-Thrillers im 20. Jahrhundert. Mit John Le Carré (*1931), Paul E. Erdman (*1932), Colin Forbes (*1923), Frederick Forsyth (*1938), Clive Cussler (*1931), Robert Ludlum (1927-2001) und Tom Clancy (*1947) werden dann Bestsellerautoren behandelt, deren Bücher im großen und ganzen die politische Geschichte von den frühen siebziger Jahren bis in unsere Tage abdecken. Während die Thriller bis in die sechziger Jahre hinein den Anschein erwecken könnten, das 20.Jahrhundert sei ein britisches gewesen, dominiert in
diesem Teil unseres Buches mit Paul Erdman, Clive Cussler, Robert Ludlum und Tom Clancy, wie es eigentlich seit dem Zweiten Weltkrieg Wirklichkeit ist, die Perspektive der amerikanischen Weltmacht. Das Panorama des Jahrhunderts der Angst entfaltet und verändert sich, wie gesagt, von Kapitel zu Kapitel, aber auch im Oeuvre der Autoren selbst, das sich vielfach über dreißig oder vierzig lange Jahre erstreckt.
Selbstverständlich ist es geboten, die Darstellung in eine systematische Erörterung einmünden zu lassen. Diese findet sich im abschließenden Kapitel "Das 20. Jahrhundert im Thriller". Je nach Lust und Laune mag der Leser die Lektüre auch mit diesem panoramischen Kapitel beginnen. Wir raten aber dazu, lieber wie der Wein-Papst Hugh Johnson vorzugehen, sich also von Weinberg zu Weinberg vorzuarbeiten und nicht gleich alles durcheinander zu trinken.
Zum Schluß sei nicht ganz verschwiegen, daß mit dem vorliegenden Buch nicht nur eine Vermehrung der Erkenntnis beabsichtigt ist. Thriller-Schreiber wollen unterhalten, sonst sind sie ihr Geld nicht wert. Auch unser Buch möchte unterhalten. Wer es als eine Art zeitgeschichtliches Divertimento versteht, liegt nicht ganz falsch. Jedenfalls ist es nicht allein für Leser geschrieben, denen es wie uns selbst Spaß macht, den politischen Zeitgeist der Moderne einmal mit einem unkonventionellen Ansatz zu erfassen. Das Buch hat auch die Geheimgesellschaft der Thriller-Leser im Visier.Bekanntlich gehört solche Lektüre von Polit-Thrillern zu den harmloseren der nächtlichen Laster, über die man sich nicht gerne outet. Offenbar geht aber die Zahl derer, die sich nach getaner Arbeit oder im Urlaub daran erfreuen, in die Millionen. Sonst wären die entsprechenden Bestseller-Autoren keine schwerreichen Leute.
Sitemap: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20