"Wilde war ... ein höchst regsamer Ire, der ein ästhetisches
Credo in epigrammatischer Form brachte, das andere vor ihm
seitenlang ausgewalzt hatten ... Ungezogen, wie sein ganzes Werk
war, erregte er stets Aufsehen, ohne je in den feierlichen Ton oder
die hochtrabende Verschwommenheit zu verfallen, wie sie bei
Künstlern verbreitet ist, die nur Erschrecken hervorrufen
wollen."(Jorge Luis Borges)
Oscar Wilde (1854-1900), der berühmte und dann berüchtigte
anglo-irische Dandy und Dichter aus Dublin, Autor in englischer und
französischer Sprache, Familienvater und Männerliebhaber, Reformer
und Rebell, Protestant im Leben und Katholik im Tode, machte in
London literarische Karriere und wurde zum Nachfolger der
Romantiker zum Vorläufer der Moderne.
Oscar Wilde ist vor hundert Jahren gestorben und der Buchmarkt produziert zu diesem Anlass Wildeiana en masse. Holger Gumprecht hat sich einige der Neuerscheinungen bzw. Neuausgaben angesehen und informiert (nach einer länglichen biografischen Einleitung zum unglücklichen Schicksal des Autors) darüber in einer Sammelbesprechung. Wer sich nicht zu viel erwartet, wird von dieser einführenden Biografie nicht enttäuscht sein, meint der Rezensent. Sie sei "knapp, aber dennoch gut recherchiert" und verschaffe den notwendigen Überblick für den mit Wildes Leben und Werk noch nicht Vertrauten. Vor allem aber ist sie, befindet Holger Gumprecht, dem Konkurrenzprodukt aus der rororo-Bildmonographien-Reihe in jedem Falle vorzuziehen.
Jörg W. Rademacher, geb. 1962, Studium der Anglistik und Romanistik; 1993 Promotion. Seit 1996 freier Schriftsteller und Übersetzer mit einem Schwerpunkt in irischer Literatur und Geschichte.
2 Marktplatz-Angebote für "Oscar Wilde" ab EUR 3,00
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