Orangen und Engel - Schulze, Ingo

Ingo Schulze 

Orangen und Engel

Italienische Skizzen

Mit Fotografien v. Matthais Hoch
Gebundenes Buch
 
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Orangen und Engel

Schon bevor Ingo Schulze 2007 für ein Jahr mit seiner Familie in die Villa Massimo nach Rom zog, finden sich italienische Spuren in seinen Büchern. Die vorliegenden neun Erzählungen sind nun alle Italien gewidmet.

Der Ich-Erzähler, der offenbar wert darauf legt, einem deutschen Stipendiaten der Villa Massimo ähnlich zu sein, berichtet von Rom, von den Ausflügen und Reisen nach Neapel, Apulien und Sizilien. Doch man kann nicht von Tempeln, Kirchen, Fresken und Bildern schwärmen, ohne dass illegale Einwanderer, Prostituierte und Touristen mit in den Blick geraten. Vor dem Hintergrund mythischer Landschaften und antiker Ruinen gewinnen die alltäglich-unalltäglichen Erlebnisse, die Ingo Schulze in diesen Geschichten beschreibt, etwas Exemplarisches und bleiben zugleich vage und ambivalent. Das Heute wird durchlässig für die Schichten der Vergangenheit, auf denen wir uns bewegen. Diese Verknüpfungen gelingen so großartig, dass uns die AS-Roma-Hose, die für eine bessere Behandlung im Krankenhaus sorgt, ebenso in Erinnerung bleiben wird wie ein in Liebe zum Erzähler geratener Oktopus, ein rumänischer Gelegenheitsarbeiter vor dem Supermarkt, der wie in tausendundeiner Nacht fabuliert und doch zum Richter für den Erzähler wird, oder der gegen das Vergessen kämpfende Signor Candy Man, den die Liebe zu einer Frau einst in den Osten geführt hatte. Italienische Skizzen sind auch die Fotografien von Matthias Hoch, der 2003 Stipendiat der Villa Massimo war. Sein Blick auf Italien ist genau und überraschend,doch nie distanziert. Unabhängig voneinander entstanden, führen hier Bild und Text ein Zwiegespräch von spröder Poesie.


Produktinformation

  • Verlag: Berlin Verlag
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 160 S. m. Fotos
  • Seitenzahl: 188
  • Deutsch
  • Abmessung: 224mm x 144mm x 20mm
  • Gewicht: 430g
  • ISBN-13: 9783827009166
  • ISBN-10: 3827009162
  • Best.Nr.: 27881419

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Mit Ingo Schulze ist ein Autor in Rom unterwegs, der ständig ein wenig über die eigenen Füße stolpert, findet Hubert Spiegel in seiner Rezension dieser Sammlung von Impressionen eines Villa-Massimo-Aufenthalts. Die Absicht, hier einen auf römische Alltagsverhältnisse konzentrierten, ganz und gar nicht bildungshubernden Text übers Sein eines Deutschen in Rom zu verfassen, erkennt der Rezensent wohl und hat auch gar nichts dagegen. Supermarkt statt Colosseum: kein schlechter Ansatz. Das Problem liege dann aber darin, dass Schulze das Alltägliche doch ins Bedeutungsvolle hochtunen wolle, ob sich die banalen Vorkommnisse nun dagegen sperren oder nicht. Oft sperren sie sich für Spiegels Gefühl aber schon. Mit seiner Beobachtungs-Selbst-Befangenheit stehe sich Schulze in Rom darum auf nicht unsympathische, aber doch etwas anstrengende Weise selbst im Weg. Besser mache es der Fotograf Matthias Hoch, dessen Bilder aus Rom nicht mehr als die Alltagsimpressionen sein wollen, die sie sind.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 22.06.2010

Wie hat sich doch jeder Reiz der Fiktion verloren
Ingo Schulzes italienische Skizzen wollen das Glück in der Fremde einfangen – doch sie leihen sich ihr Licht von der nacherzählten Anekdote
Freiheit ist eine Sache der Füße. Das wusste niemand besser als Johann Gottfried Seume, der vor zweihundert Jahren vom sächsischen Grimma aus zu Fuß in den Süden reiste und darüber seinen „Spaziergang nach Syrakus“ verfasste. Sein Motto lautete: „Es ginge alles besser, wenn man mehr g i n g e .“ Ingo Schulze liebt ihn sehr, seinen mitteldeutschen Landsmann Seume, der sich auch von widrigsten Umständen nicht abhalten ließ, seinen Weg, den Fußweg nach Italien, zu nehmen.
Das erste, kürzeste Stück in Ingo Schulzes „Skizzen“ aus Italien, mit dem Rest scheinbar unverbunden, trägt den Titel „Füße“. Es geht darin um einen Onkel, der als Soldat 1944 in Italien eine schwere Fußverletzung erlitt, auch später nur schwankend zu gehen vermochte und sich aus der Zeit des Lazarettaufenthalts vor allem an eine grässliche Episode erinnert: Mit Krücken unterwegs zur Toilette, stößt er auf eine Bahre, worauf ein zugedeckter Leichnam liegt, nur die Füße …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 18.09.2010

Flaneur mit Kinderwagen
Klassik ist gerade jetzt: Ingo Schulzes Skizzen

Von Hubert Spiegel

Zur Standardausrüstung des klassischen Italien-Reisenden des neunzehnten Jahrhunderts gehörte das Skizzenbuch, in dem Landschaftszeichnungen, Veduten, Tempelfriese und andere Impressionen festgehalten wurden. Das Reisen und das Zeichnen waren untrennbar miteinander verbunden, bis die Erfindung der Fotografie das Skizzenbuch fast vollständig verdrängte.

Ingo Schulze ist kein Italien-Reisender im klassischen Sinne. Seine italienische Reise geht auf ein Stipendium zurück, das ihn und seine Familie für ein Jahr in die Villa Massimo nach Rom führte. Seine Anspielungen auf das Motiv der Italien-Sehnsucht, die deutsche Künstler seit Winckelmann in Scharen über die Alpen ziehen ließ, sind zaghaft bis sparsam. Keine kunsthistorischen Schwelgereien, kein ausgestelltes Kennertum, keine prahlerisch vorgeführte Genießerattitüde - Schulze gibt den bescheidenen Otto Normalschriftsteller auf Stipendienfahrt. Wo andere lustvoll oder auch nur pflichtbewusst Bildungsprotzerei betreiben, weil man sich als deutscher Schriftsteller zu der Überdosis Kultur, …

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Ingo Schulze wurde 1962 in Dresden geboren, studierte klassische Philologie in Jena und arbeitete in Altenburg als Schauspiel dramaturg und Zeitungsredakteur. Seit 1993 lebt er in Berlin. Seine Bücher wurden vielfach ausgezeichnet und in mehr als 30 Sprachen übersetzt.

Matthias Hoch wurde 1958 in Radebeul bei Dresden geboren und lebt in Leipzig. Nach dem Studium der Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) war er Meisterschüler dort. Es folgten zahlreiche Einzel und Gruppenausstellungen im In- und Ausland.

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Kundenbewertungen zu "Orangen und Engel" von "Ingo Schulze"

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Bewertung von MaWiOr aus Halle am 14.05.2012 ***** sehr gut
Italien ist bekanntlich seit Jahrhunderten für viele Deutsche das Land der Sehnsüchte. Nicht erst seit Goethe besingen sie immer wieder das Land, in dem die Zitronen blühen. Die frühen Bildungstouristen wie Winkelmann, Seume oder Goethe machten sich zu Fuß oder mit der Kutsche auf die Reise.

Nun ist auch Ingo Schulze nach Italien gereist. Er hat jedoch die modernen Fortbewegungsmittel unserer Zeit benutzt. Ein Jahr lang war der Autor Stipendiat der Villa Massimo in Rom. Begleitet wurde er dabei von seiner Ehefrau und seinen zwei Töchtern.

Zwar interessiert sich der Autor - wie seine berühmten Vorreisenden - auch für die antiken Sehenswürdigkeiten, doch seine Reise wird ebenso vom italienischen Alltag geprägt. In neun Episoden, Schulze nennt sie selbst „italienische Skizzen“, erzählt er von seinen Alltagsbeobachtungen und Zufallsbegegnungen. Nein, Schulze ist kein Italien-Reisender im klassischen Sinne. Er nimmt den Leser mit in Supermärkte, in eine Autowerkstatt oder in eine x-beliebige Pizzeria.

Der Erzähler hat zwar ständig den Italien-Baedeker zur Hand, aber meist streift er ziemlich ziellos durch die Ewige Stadt. Auch zu Künstlern und Intellektuellen hat er kaum Kontakt, vielmehr sind ihm die Begegnungen mit einem Krippenschnitzer aus Neapel, mit einem rumänischen Gelegenheitsarbeiter oder mit einem indischen Tüteneinpacker im Supermarkt erwähnenswert.

Italien ist für Schulze weniger das Bildungsideal sondern ein Land voller Eindrücke und Geschichten, die erzählt werden wollen … und er tut dies humorvoll und mit einer Lebendigkeit, die den Leser bis zur letzten Seite fesselt. Dazu werden diese lesenswerten Skizzen mit 50 Farbfotos aufgelockert. Sie stammen von Matthias Hoch, der selbst einmal Stipendiat in der Villa Massimo war.

Fazit:“Orangen und Engel“ sind flüchtige Skizzen eines Italienreisenden, der auf historischem Boden auch das Alltagsleben entdeckt.

Manfred Orlick

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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