 | Besprechung von 18.12.2007 |
Also sprach er – doch wie soll ihn der Leser betonen?
Auch in schönen Sandalen kann man stolpern: Kurt Steinmanns neue
Versübersetzung der „Odyssee”
Über Johann Heinrich Voß, den sterblichen Dichter eigener Werke,
aber unsterblichen Übersetzer der Klassiker des Altertums, witzelte
man einst, er könne gar nicht mehr anders als in antiken Versmaßen
reden. Auf Reisen soll er die Auskunft gegeben haben:
„Rektor in Eutin bin ich, logiere im Schwarzen Adler.”
Das ist ein Hexameter. Also ein sechshebiger reimloser Vers, in dem
sechs auf der ersten Silbe betonte Daktylen (also lang-kurz-kurz,
wie: rúm-ta-ta) jeweils durch Spondeen (rúm-rum) und im Deutschen
auch durch Trochäen (rúm-ta) ersetzt werden können – wobei der
letzte Daktylus im Vers immer unvollständig ist. Es ist also ein
Hexameter, aber kein guter Hexameter. Denn während die Struktur des
Verses im griechischen und lateinischen Vorbild von der Länge und
Kürze der Silben bestimmt war, muss die anders funktionierende
deutsche Dichtersprache die Hebungen – die Längen – statt dessen
durch die natürliche Betonung der Wörter markieren (was
beispielsweise dem Französischen mit …
Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension
"Eingehend lässt Rezensent Hans-Albrecht Koch die Übersetzungs- und Rezeptionsgeschichte der Homerischen Epen Revue passieren, ehe er sich mit hymnisch preisenden Worten der Neuübersetzung der "Odyssee" von Kurt Steinmann zuwendet. Dass eine präzisere und auch noch ansprechendere Übersetzung als die gelungene Fassung des Archäologen Roland Hampe aus den 1970er Jahren überhaupt möglich ist, hätte der freudig überraschte Rezensent nicht geglaubt. Doch überzeugen ihn die Hexameter Steinmanns vor allem durch ihren "Rhythmus", der mitunter kühn auf eine starke Betonung zu Anfang der Verse verzichte und so alles Mechanische und Starre aus der deutschen Übersetzung tilge. Indem er sich traut, von der korrekten Hexameterform in manchen Fällen abzuweichen, gewinnt die Fassung an Lebendigkeit und Frische, schwärmt Koch. "Frische" sagt der Rezensent auch den Illustrationen von Anton Christian nach, kurz: er ist von dieser "Odyssee" einfach rundum begeistert.
© Perlentaucher Medien GmbH"
"Es ist, als spiegelte sich zum erstenmal die Welt in einer menschlichen Seele." Hugo von Hofmannsthal<br/><br/>"Dies ist ein Text ohne Ende für den Denkenden." Friedrich Nietzsche<br/><br/>"An dieser Stelle gilt es einen Illustrator zu feiern, der schon 'Gullivers Reisen' aus der Kinderbuchecke herausgemalt hat. Es gilt einen Verlag zu preisen, der es in jedem Jahr wagt, atemberaubende Entdeckungen auch unter dem scheinbar allzu bekannten zu machen. Und es gilt eine Übersetzungsleistung zu feiern, die seinesgleichen sucht. ... Selten hat es eine solche Lust bereitet, zu den Quellen zu gehen." Die Literarische Welt<br/><br/>"Ein Triumpf des Erzählens." Virginia Woolf<br/><br/>"Man hätte es kaum geglaubt, daß es genauer überhaupt, auch 'schöner' noch gehen könnte. Und doch ist das dem Schweizer Kurt Steinmann, dem wir schon manche vortreffliche Übertragung griechischer Tragödien verdanken, an vielen Stellen gelungen. ... Nicht mechanisch fällt bei Steinmann immer der Wortakzent mit dem Versakzent zusammen, das nimmt seiner Sprache die Schwere. Das ist in der langen Tradition deutscher Hexameter-Übersetzungen ein wenig gewagt, aber es ist schön und entlastet. Das tun auch die Illustrationen von Anton Christian, im Stil auf Frische bedacht wie die Sprache der neuen Übersetzung." Neue Zürcher Zeitung<br/><br/>"Man hätte es kaum geglaubt, dass es genauer überhaupt, auch "schöner" noch gehen könnte." Hans-Albrecht Koch in NZZ über Übersetzung<br/><br/>"Und es gilt eine Übersetzungsleistung zu feiern, die seinesgleichen sucht." Literarische Welt<br/><br/>"Steinmann überzeugt von Anfang an. Er setzt, das Original fest im Blick, von Anfang an auf Präzision [...] und schafft dabei, o Wunder, eine auffallend geschmeidige, flüssige und wohltuend melodische Nachdichtung. ... Locker, elegant, mit Feingefühl und ausgeprägtem Sprachsinn macht er aus dem alten Versepos ein überraschendes Lesevergnügen. Diese Übersetzung, so frisch und gar nicht kantig, ist ein Glücksfall. Und das Buch, das sie uns bietet, auch. Der Manesse-Verlag Zürich, vorzügliche Adresse für alle, denen die Schätze der Weltliteratur nicht schnuppe sind, die wissen, dass man hier Klassiker in exquisiten Ausgaben druckt, demonstriert uch in diesem Fall die hohe Schule der Schweizer Buchkunst... Eein Buch zum Schwärmen, gehüllt in dunkelblaues Leinen, geschmückt mit sechzehn herrlichen, großen Bildern von Anton Christian, und selbst der illustrierte Schuber ist eine Augenweide. Besser, verführerischer kann man für Homer nicht werben." lesart<br/><br/>"Die Leistung einer neuen Übersetzung wird niemals in den Hexametern bestehen. Sie sind die leichteste Übung. Schwierig ist es, die originalen Bilder und Metaphern und noch dazu in ursprünglicher Reihenfolge wiederzugeben, die festen Formeln unerschütterlich festzuhalten und das Prunkende und Üppige zu vermeiden [...] Kann man sagen, dass Steinmann in seiner Neuübersetzung das gelungen ist? Es ist ihm gelungen." Die Zeit<br/><br/>"Nicht nur leicht lesbar, sondern besonders zu empfehlen wegen der ausgiebigen Erläuterungen und dem Personenverzeichnis." Focus<br/><br/>"Eine sprachmächtige Übersetzung, die trotz des Versmaßes im zeitgemäßen Deutsch erscheint. Eine Leseschatz für Jung und Alt." Brigitte<br/><br/>"In strahlendem, neuen Deutsch von Kurt Steinmann." Die Welt am Sonntag
Homer ist der erste namentlich bekannte Dichter der griechischen Antike. Er lebte vermutlich gegen Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. in den von Griechen kolonisierten Gebieten Kleinasiens und gilt als Schöpfer der ältesten Werke der abendländischen Literatur: der Ilias, der Odyssee und der Homerischen Hymnen. Schon in der Antike wurde über Homers Person und Herkunft diskutiert: Smyrna, Athen, Ithaka, Pylos, Kolophon, Argos und Chios beanspruchten, als sein Geburtsort zu gelten. Über sein Leben ist wenig Genaues bekannt. Die ersten sicheren literarischen Zeugen sind Pindar, Heraklit und Simonides. Wahrscheinlich zog er als fahrender Sänger (Rhapsode) von Hof zu Hof und trug seine Lieder und epischen Dichtungen dem adligen Publikum vor. Armut und Blindheit werden ihm zugeschrieben, seine Teilnahme am Sängerkrieg in Chalkis und sein Tod auf Ios bleiben Vermutung.
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