Ob wir wollen oder nicht - Ott, Karl-Heinz

Karl-Heinz Ott 

Ob wir wollen oder nicht

Roman

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Führen wir nicht mehr
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Ob wir wollen oder nicht

Virtuos komponiert, fulminant erzählt
Mit dem Grauen, das sich im Keller des Gasthofs zugetragen hat, will er nichts zu tun haben. Doch ein Zeuge hat gesehen, wie er den Tatort verließ ...

Der Erzähler in Karl-Heinz Otts neuem Roman befindet sich in Untersuchungshaft, während diejenigen, die die Tat vermutlich begangen haben, spurlos verschwunden sind.
"Dass ausgerechnet ich hier sitzen muss, ausgerechnet ich, in diesem Loch mit einem Waschbecken, einer Kloschüssel und kahlen Wänden, und das bei schönstem Wetter, ausgerechnet ich, von dem jedes Kind weiß, dass ich keinem etwas antun könnte ..."
In einem furiosen inneren Monolog entfaltet Karl-Heinz Ott ebenso spannend wie reflexiv das Seelenpanorama einer Figur, die einmal aufgebrochen war, sich selbst und die ganze Welt zu verändern, um schließlich in jeder Hinsicht im Abseits zu landen. Dabei wird nicht nur sie selbst vom Alb der Vergangenheit eingeholt. Karl-Heinz Ott erzählt in einer so mitreißenden Sprache, dass Schrecken und Komik kaum voneinander zu unterscheiden sind.


Produktinformation

  • Verlag: Hoffmann Und Campe
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 205 S.
  • Seitenzahl: 205
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 135mm x 22mm
  • Gewicht: 342g
  • ISBN-13: 9783455401080
  • ISBN-10: 3455401082
  • Best.Nr.: 23809324

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Schwer beeindruckt zeigt sich Rezensent Edo Reents von Karl-Heinz Otts drittem Roman "Ob wir wollen oder nicht". An Wittgenstein fühlt er sich erinnert, weil die Sprache - und was ihr möglich ist und was nicht - hier im Zentrum stehe, aber auch Thomas Manns "Doktor Faustus" fällt ihm - dem beträchtlichen Umfangsunterschied zum Trotz - als Referenz ein; aber Thomas Bernhard, Eckhard Henscheid, Andreas Maier scheinen auch nicht fern. Worum es geht, wird in der überhaupt referenzreichen Rezension eher vage klar. Der Protagonist, ein Mann namens Richard, sitzt im Gefängnis. Sein Leben ist bestimmt durch ein halb freundschaftliches, halb abhängiges Verhältnis zu einem Pfarrer namens Johannes. Dem wiederum wird Missbrauch seiner Schützlinge vorgeworfen. Die Unklarheit der Verhältnisse liegt offenbar nicht zuletzt darin begründet, dass der Roman als innerer Monolog seiner Hauptfigur angelegt ist.Eines aber ist sicher: Edo Reents findet das Werk "ganz und gar meisterhaft".

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 10.09.2008

Trau nie einer Tirade!
Gedankenmusik mit Dissonanzen: Karl-Heinz Otts Roman „Ob wir wollen oder nicht”
Ausgerechnet. Zumal. Was nicht das Geringste bedeutet. Schließlich weiß ja jeder. Stattdessen. Andererseits. In der Prosa von Karl-Heinz Ott kommt es auf die Verbindungsstellen an. Die Sätze sind so ineinander verkettet, dass aus jeder Aussage die nächste folgt und aus jeder Behauptung die Einschränkung. Textfluss und Gedankenbewegungen reißen nicht mehr ab, wenn man sich einmal auf diesen Wortstrom eingelassen hat. „Ob wir wollen oder nicht” heißt der dritte Roman des in Freiburg lebenden Dramatikers, Schriftstellers und Musikwissenschaftlers. Einmal mehr beweist er darin seine fulminante Sprachkraft in einem manischen Monolog.
Wenn es nicht so abgedroschen wäre, auf Thomas Bernhard zu verweisen, müsste man diese stilistische Nachbarschaft erwähnen. Doch anders als die vielen Bernhard-Epigonen hat Ott seine eigene Sprache. Und die Wut, die sich bei Bernhards Figuren gegen die Welt im Allgemeinen und gegen Österreich im Besonderen richtet, wendet sich bei Otts notorischen Dauerdenkern immer auch gegen sich selbst und das eigene Versagen, das …

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kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Seine Mutter hat's schon immer gewusst: "Du landest noch in der Gosse!" Und tatsächlich wird der Icherzähler von "Ob wir wollen oder nicht" auf seine alten Tage zum Knacki - wenn auch nur für eine Nacht. Er kann das alles aber nicht wirklich ernst nehmen: Was hat er denn schon gemacht? Während die erste Hälfte des Romans noch wie ein Kampf gegen die Mühlen der Justiz anmutet, erweist er sich in der Folge als groß angelegte Studie zur Einsamkeit. Der Blick wird mehr und mehr auf eine ganze Region gerichtet, die bereits vor vielen Jahren dem Verfall preisgegeben wurde. In der Abgeschiedenheit versauern hier die Menschen, ihren Gram tief in sich eingeschlossen. Segen und Fluch zugleich ist in Otts Roman der namenlose Erzähler, der gar nicht erst den Anspruch erhebt, zu erzählen. Es ist vielmehr seine Beobachtungsgabe, die ihn kennzeichnet. Sprachlich ist das sehr stimmig, und ein Gedanke führt ihn stets zum nächsten. Wenn er in seiner Zelle oder vor dem Richter sämtliche Möglichkeiten durchspielt, Möglichkeiten, die immer mehr drohen, unangenehme Realität zu werden, ist das sogar herrlich kafkaesk. In diesen Momenten wird der Leser dann auch für die extrem verschachtelten Sätze entschädigt. (ba)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.02.2009

Auch Unschuld ist nur eine Frage der Sprache

Reden über Gott und die Welt - das ist gar nicht so einfach. Karl-Heinz Ott hat einen Heimatroman und Krimi geschrieben, der erste und letzte Fragen so elegant wie abgründig löst.

Von Edo Reents

Welchen Nutzen haben vergleichende Bibelstudien? Man lernt, wenn man Wittgenstein zu anstrengend findet, "dass alles nur eine Frage der Sprache" ist. Der Philosoph hatte ja nur von sich gesprochen, als er behauptete: "Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt." Aber vielleicht war seine Sprache einfach zu beschränkt, und eine andere hätte die Grenze der Welt weiter hinaus schieben oder gar aufheben können? Wer Letzteres annimmt, ist schon mitten in der Theologie. Zwar will das Neue Testament wissen, dass im Anfang das Wort war; aber der Glaube an eine Wahrheit, die sich anders als sprachlich offenbart, lässt sich deswegen noch nicht preisgeben.

Das also nutzen vergleichende Bibelstudien: Sie lehren, dass alles nur eine Frage der Sprache ist. Ein Pfarrer weiß das. Und Pfarrer Johannes spricht da aus Erfahrung: "Mit Worten könne man Prozesse gewinnen, Prozesse verlieren, Prozesse …

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Karl-Heinz Ott wurde 1957 in Ehingen an der Donau geboren und studierte Philosophie, Germanistik und Musikwissenschaft. Anschließend arbeitete er als Dramaturg an den Theatern in Freiburg, Basel und Zürich. 1998 erschien sein Romandebüt Ins Offene, das mit dem Friedrich-Hölderlin-Förderpreis sowie dem Thaddäus-Troll-Preis ausgezeichnet wurde. Für seinen zweiten Roman Endlich Stille, der 2005 bei Hoffmann und Campe herauskam, erhielt er den Alemannischen Literaturpreis, den Candide-Preis sowie den Preis der LiteraTour Nord. 2007 erschien von ihm Heimatkunde. Baden. Karl-Heinz Ott lebt in Freiburg.

Leseprobe zu "Ob wir wollen oder nicht" von Karl-Heinz Ott

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