Leseprobe zu "Noch mehr Zeit für das Wesentliche"
Den Wert der Zeit für sich erkennen Über 500 Jahre lang haben wir unseren natürlichen Zeit-Rhythmus der mechanischen Uhr und deren Zeitordnung unterworfen. Doch nun ist das Last-Minute-Zeitalter angebrochen, und wir gehen schnell noch einen Schritt weiter. Zeitgewinn, Zeitoptimierung, Zeitnutzung: In unserer hoch technisierten globalen Gesellschaft zählen weder Tag noch Nacht, weder Sonn- noch Feiertag, weder Privatleben noch Freizeit. Was zählt, ist allein die Knappheit unserer Zeit.
Wir betrachten die Zeit als Gegner und nicht als Verbündeten. Wir kämpfen gegen unsere innere Uhr, leben in der Zukunft und verschieben alle Wünsche und Hoffnungen auf später.
" Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nützen. "
Aber: Zeit ist etwas, das man sich nehmen muss - hier und jetzt! Das kann nur gelingen, wenn wir Zeit nicht länger allein unter dem Aspekt des Mangels betrachten. Deshalb darf Zeitmanagement nicht dazu dienen, die Hetze in unserem Leben noch besser zu organisieren, die Verplanung unserer Zeit weiter zu optimieren oder lediglich Stress und Termindruck zu verwalten.
DEN WERT DER ZEIT FÜR SICH ERKENNEN Nachhaltiges Zeitmanagement muss die Vielfalt der Zeit zulassen. Dabei sollten Innehalten und Abschalten allerdings nicht nur als Pausenfüller zwischen unseren hektischen Terminen und Verpflichtungen dienen. Langsamkeit, Trödeln und Müßiggang haben ihren ganz eigenen Wert. Und genau diesen Wert gilt es wiederzuentdecken.
Kapitel 1 Zeit: Was ist das?
Wenn wir frisch verliebt sind, verfliegt die Zeit, die wir mit dem Partner verbringen, im Nu. Aber die Minute, die wir wartend an der roten Ampel stehen, kommt uns wie eine Ewigkeit vor. Die Zeit scheint zu kriechen, wenn wir wünschen, sie möge schnell vorübergehen, und sie scheint sich zu verflüchtigen, wenn wir sie eigentlich möglichst lange auskosten möchten.
"Endlich weiß man, was Zeit ist:
Warum das so ist? Ganz einfach: Zeit lässt sich objektiv messen - in Sekunden, Stunden, Jahren. Tagtäglich versuchen wir, sie in den Griff zu bekommen. Wir messen sie, teilen sie ein und verschwenden sie - doch letztlich beherrscht sie uns. Früher war für die Menschen Zeit das, was die Natur ihnen vorgab. Sie bestimmte den Takt ihrer Tage, Monate, Jahre. Sie lebten im Rhythmus der Naturzeit, nicht im Rhythmus der Uhrzeit. Aber: Die Zeiten haben sich geändert. Erdbeeren im Dezember, Frühlingsblumen im Januar - schon lange lassen wir den Dingen nicht mehr ihren natürlichen Lauf. Wir treiben sie an. Selbst die Reifezeiten von Früchten und Pflanzen wollen wir nicht mehr akzeptieren. Das Ergebnis schmecken wir beim Käse oder bei Tomaten - es schmeckt eben nicht.
1. Immer erreichbar: Jederzeit und überall Wir sind eine Gesellschaft, die es verlernt hat zu warten, die pausenlos aktiv ist. Die kleinsten Unterbrechungen - ob in der Kantine, bei Sportereignissen oder im Theater - werden zum Telefonieren oder zur Sichtung neu eingegangener Nachrichten genutzt.
Rund um die Uhr und beinahe an jedem Ort der Welt sind wir erreichbar. "Jederzeit und überall!" - so lautet das Motto unserer Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft. Wir machen die Nacht zum Tag, und wenn unser Körper nicht mehr mitspielt, helfen wir mit Kaffee, Koffein-Drinks oder anderen Muntermachern nach. Einfach auch mal nicht erreichbar zu sein, ist in Zeiten von Mobiltelefonen, Laptops und E-Mails fast nicht möglich.
Schneller ist nicht immer besser!
Hektische Spurwechsel vor Supermarktkassen, gefährliche Überholmanöver auf dem Weg zur Arbeit: Alle beklagen sich über die Hetze - und alle produzieren sie. Für viele von uns ist der Tag eine einzige Rushhour. Wir gehen schnell mal was essen, wir tun noch kurz dies oder das und sollen alles so fort und gleich erledigen. Und: Wir freuen uns, wenn wir noch schnell mal jemanden hinter uns lass en - in der Warteschlange vor dem Ticketschalter, an der Kino-Kasse, ja sogar im Fast-Food-Restaurant geht es uns immer noch nicht schnell genug.
Der ewige Zeitdruck treibt uns in die Raserei. Tempo beherrscht unser Leben. Wir glauben, alles müsse mit Höchstgeschwindigkeit vonstatten gehen: zu jeder Zeit, immer und überall.
Sind wir erst einmal vom Tempowahn befallen, beeilen wir uns ohne Sinn und Verstand. So hasten wir durch eine wichtige Besprechung oder erledigen unsere Arbeit im Eiltempo, um auch ja rechtzeitig fertig zu sein. Hinterher stellen wir dann oft fest, dass wir über der ganzen Hektik das Wichtigste vergessen oder einen dummen Flüchtigkeitsfehler gemacht haben - hätten wir uns doch nur mehr Zeit genommen!
Selbst-Check: Leben auf der Überholspur Hektik, Stress, Zeitnot? Sind Sie vom allgegenwärtigen Tempowahn infiziert? Machen Sie den Test: Entscheiden Sie, was am ehesten auf Sie zutrifft: