Nimm dich in acht - Clark, Mary Higgins

Mary Higgins Clark 

Nimm dich in acht

Thriller

Aus d. Amerikan. v. Brigitta Merschmann
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Nimm dich in acht

Die lang herbeigesehnte Luxuskreuzfahrt wird für eine Passagierin zur Reise ohne Wiederkehr. Als man das Gepäck der Toten durchsucht, findet sich ein Ring mit der Inschrift "Du gehörst mir". Jahre später entdeckt die Psychologin Susan Chandler, dass noch weitere junge Frauen ein solches Schmuckstück besitzen. Entsetzt wird Susan klar, dass der Alptraum gerade erst begonnen hat ...

Mary Higgins Clark garantiert Gänsehaut bis zur letzten Seite.


Produktinformation

  • Verlag: Diana
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 368 S.
  • Seitenzahl: 368
  • Diana-Taschenbücher Nr.35474
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 118mm x 30mm
  • Gewicht: 298g
  • ISBN-13: 9783453354746
  • ISBN-10: 3453354745
  • Best.Nr.: 27949179
"Ein raffinierter Psychothriller!" (Süddeutsche Zeitung)<br />"Wettlauf zwischen kaltblütigem Killer und smarter Jägerin" (Stern)

"Wettlauf zwischen kaltblütigem Killer und smarter Jägerin"<br/><br/>
Mary Higgins Clark, geboren in New York, lebt und arbeitet in Saddle River, New Jersey. Sie zählt zu den erfolgreichsten Thrillerautorinnen weltweit.Mit ihren Büchern führt Mary Higgins Clark regelmäßig die internationalen Bestsellerlisten an und hat bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, u.a. den begehrten "Edgar Award".

Leseprobe zu "Nimm dich in acht" von Mary Higgins Clark

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Leseprobe zu "Nimm dich in acht" von Mary Higgins Clark

Er hatte dasselbe Spiel schon einmal gespielt und rechnete dieses Mal mit einer Enttäuschung. Deshalb war er angenehm überrascht, als er feststellte, daß es ihn sogar noch mehr erregte.

Erst gestern hatte er das Schiff im australischen Perth mit der Absicht bestiegen, bis nach Kobe mitzufahren. Doch da er sie auf Anhieb gefunden hatte, erübrigte es sich, die anderen Häfen anzulaufen. Sie saß an einem Tisch am Fenster des holzgetäfelten Speisesaals der Gabrielle, der wie alle Räumlichkeiten des Kreuzfahrtschiffs diskrete Eleganz ausstrahlte. Der Luxusliner hatte genau die richtige Größe für sein Vorhaben. Er reiste immer auf kleineren Schiffen und buchte so einen Abschnitt der De-Luxe-Weltumrundung.

Wenn es auch unwahrscheinlich war, daß ihn ein ehemaliger Reisegefährte wiederkennen würde, so war er doch von Natur aus vorsichtig. Überdies war er ein Meister der Verkleidung, ein Talent, das er in seiner Zeit als Amateurschauspieler im Theaterclub des Colleges an sich entdeckt hatte.

Nachdem er Regina Clausen eingehend studiert hatte, entschied er, daß eine Typberatung für sie nützlich sein könnte. Sie gehörte zu den Frauen um die Vierzig, die durchaus attraktiv waren, jedoch nicht wußten, wie man sich anzog und sich ins rechte Licht rückte. Eine Blondine hätte in ihrem offenbar sehr teuren eisblauen Kostüm fantastisch ausgesehen; zu ihrem extrem hellen Teint dagegen paßte es nicht, sie wirkte wie ausgewaschen, farblos. Ihr hellbraunes Haar, sicher ihre natürliche und gar nicht mal unvorteilhafte Haarfarbe, war zu einem steifen Helm frisiert, der sie selbst aus dieser Entfernung - er stand am anderen Ende des großen Saals - alt, sogar unzeitgemäß erscheinen ließ, wie eine Vorstadthausfrau aus den fünfziger Jahren.

Natürlich wußte er, wer sie war. Erst vor ein paar Monaten hatte er die Clausen auf einer Aktionärsversammlung in Aktion erlebt. Außerdem hatte er sie in ihrer Eigenschaft als Börsenanalystin auf CNBC gesehen. Bei derlei Anlässen strahlte sie Selbstsicherheit und Durchsetzungsvermögen aus.

Aus diesem Grund wußte er, welch leichtes Spiel er haben würde, als er sie allein und traurig am Tisch sitzen sah und später ihre schüchterne, beinahe kindliche Freude beobachtete, als einer der Stewards sie zum Tanz aufforderte.

Er hob sein Glas und brachte mit einer kaum merklichen, an sie gewandten Geste einen stummen Trinkspruch aus.

Deine Gebete sind erhört worden, Regina. Von nun an gehörst du mir.

Drei Jahre später Wenn nicht gerade ein Schneesturm oder ein Hurrikan tobte, ging Dr. Susan Chandler zu Fuß von ihrer Wohnung in einem Brownstone-Haus in Greenwich Village zur Arbeit. Ihre gutgehende Privatpraxis war in einem um die Jahrhundertwende erbauten Haus in Soho untergebracht. Außerdem war die klinische Psychologin als Moderatorin des beliebten Talkradios Fragen Sie Dr. Susan, das jeden Werktag auf Sendung ging, zu einer gewissen Berühmtheit gelangt.

Es war frisch und windig an diesem frühen Morgen im Oktober, und sie war froh, daß sie sich entschieden hatte, unter ihrer Kostümjacke einen langärmeligen Rollkragenpullover anzuziehen.

Ihr schulterlanges, vom Duschen noch feuchtes dunkelblondes Haar war windzerzaust, und sie bereute, daß sie keinen Schal mitgenommen hatte. Die alte Ermahnung ihrer Großmutter fiel ihr wieder ein: "Geh nie mit nassen Haaren nach draußen, sonst holst du dir den Tod." Ihr wurde bewußt, daß sie in letzter Zeit ziemlich oft an Gran Susie dachte. Aber ihre Großmutter war ja auch in Greenwich Village aufgewachsen, und manchmal fragte Susan sich, ob ihr Geist nicht noch irgendwo in der Nähe schwebte.

An der Ampel Ecke Mercer und Houston Street blieb sie stehen. Es war erst halb acht, und auf den Straßen herrschte noch nicht viel Betrieb. In einer Stunde würde es hier nur so wimmeln von New Yorkern, die am Montag morgen wieder zur Arbeit antreten mußten.

Gott sei Dank habe ich das Wochenende überstanden, sagte sich Susan erleichtert. Sie hatte den Samstag und fast den ganzen Sonntag in Rye bei ihrer zutiefst niedergeschlagenen Mutter verbracht - kein Wunder, überlegte Susan, am Sonntag hätte sie ihren vierzigsten Hochzeitstag gefeiert. Zu allem Überfluß hatte Susan sich auch noch mit ihrer älteren Schwester Dee angelegt, die aus Kalifornien eingeflogen war.

Am Sonntag nachmittag, bevor sie nach New York zurückfuhr, hatte sie einen Höflichkeitsbesuch bei ihrem Vater im nahegelegenen Bedford Hills absolviert, wo er und Binky, seine zweite Frau, in seinem palastähnlichen Haus eine Cocktailparty gaben. Susan hatte den Verdacht, daß die Wahl des Zeitpunkts der Party Binkys Werk war. "Heute vor vier Jahren waren wir zum ersten Mal verabredet", hatte sie geschwärmt.

Ich liebe meine Eltern heiß und innig, alle beide, dachte Susan, als sie das Bürogebäude betrat. Aber es gibt Momente, da möchte ich ihnen sagen, daß sie doch bitte schön endlich mal erwachsen werden sollten.

Gewöhnlich traf Susan morgens als erste auf der obersten Etage ein, doch als sie an der Anwaltskanzlei ihrer alten Freundin und Mentorin Nedda Harding vorbeikam, sah sie zu ihrer Überraschung im Empfangsbereich und im Korridor Licht brennen. Nedda selbst mußte die Frühaufsteherin sein.

Resigniert schüttelte sie den Kopf, öffnete die äußere Tür zur Kanzlei, die eigentlich verschlossen sein sollte, und ging an den noch dunklen Büros von Neddas Teilhabern und Angestellten vorbei. In der offenen Tür zu Neddas Büro blieb sie lächelnd stehen. Wie gewohnt war Nedda so konzentriert, daß sie Susan nicht bemerkte.

Nedda war in ihrer gewohnten Arbeitspose erstarrt - mit dem linken Arm auf dem Schreibtisch abgestützt, hielt sie mit der linken Hand ihre Stirn, während ihre rechte Hand über dem dicken Aktenordner verharrte, der geöffnet vor ihr lag, um bei Bedarf weiterzublättern. Das kurzgeschnittene silbergraue Haar war schon jetzt zerrauft, ihre Halbbrille rutschte ihr an der Nase herunter, und ihr kompakter Körper vermittelte den Eindruck, als wolle sie jeden Augenblick aufspringen und fluchtartig den Raum verlassen. Sie war eine der renommiertesten Anwältinnen von New York, doch ihre eher mütterliche Erscheinung ließ auf den ersten Blick kaum vermuten, mit wieviel Geschick und aggressiver Energie sie ihrer Arbeit nachging, was besonders ins Auge fiel, wenn sie vor Gericht einen Zeugen ins Kreuzverhör nahm.Die beiden Frauen hatten sich vor zehn Jahren an der Universität von New York kennengelernt und Freundschaft geschlossen.

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