Nichts als Gespenster  - Hermann, Judith

Judith Hermann 

Nichts als Gespenster

Erzählungen

Broschiertes Buch
 
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Nichts als Gespenster

Neue, wunderbare Geschichten von Judith Hermann. Enthusiastische Kritiken, über 250.000 verkaufte Exemplare und Übersetzungen in 17 Sprachen ließen ihr Debüt Sommerhaus, später zu einem der größten literarischen Erfolge der letzten zehn Jahre werden. Judith Hermann fand, so Hellmuth Karasek, den Sound einer neuen Generation . In Nichts als Gespenster entfaltet Judith Hermann den ihr eigenen unwiderstehlichen Sog und unergründlichen Bann (Neue Zürcher Zeitung) intensiver noch als zuvor. Nichts als Gespenster - große deutsche Gegenwartsliteratur.


Produktinformation

  • Verlag: FISCHER (TB.), FRANKFURT
  • 2004
  • Ausstattung/Bilder: 2004. 317 S.
  • Seitenzahl: 320
  • Fischer Taschenbücher Bd.15798
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 124mm x 19mm
  • Gewicht: 233g
  • ISBN-13: 9783596157983
  • ISBN-10: 3596157986
  • Best.Nr.: 12406690
"Es gibt keine andere junge Erzählerin mit einer so ausgeprägten, eigenen Stimme (...). Auf kein Buch wird so lautstark gewartet wie auf ihr nächstes." (Jörg Magenau, FAZ)<br />"Wir haben eine neue Autorin bekommen, eine hervorragende Autorin. Ihr Erfolg wird groß sein." (Marcel Reich-Ranicki)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 31.01.2003

Liebst Du mich?
Judith Hermanns Erzählband „Nichts als Gespenster”
Es gibt Menschen, die einen Zug besteigen können, heute, im hellsten Licht der Gegenwart, und denen dabei wunderliche Dinge widerfahren: „Die Fahrt von Berlin nach Würzburg dauerte sechs Stunden, und in diesen sechs Stunden war ich glücklich.” Sechs Stunden. Wie mag dieser Zug gefahren sein – über Meiningen und Bebra oder über Bayreuth und Bamberg? In welchem Zeitloch, in welchem romantischen Tunnel ging er verloren? Und wunderlich geht diese Fahrt fort: „Ich ging eine Zigarette rauchen im Zugbistro, da saßen krumme Gestalten vor Biergläsern, schweigend, die Landschaft vor den getönten Fensterscheiben hügelig und grün, die Felder schon abgeerntet, auf den schwingenden Telegrafenleitungen kleine Vögel in einer langen, dunklen Kette.” Getönt sind die Fensterscheiben, gewiss – aber spätestens seit den frühen siebziger Jahren sind alle Hauptstrecken der deutschen Eisenbahnen elektrifiziert, und schon deshalb werden ihnen entlang keine Telegrafenmasten mehr gestanden haben. Wie groß muss der Umweg gewesen sein, den dieser Zug machte? Schlug er einen Bogen durch Anton Tschechows …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 01.02.2003

Ich will mich nehmen, wie ich bin
Schöne Seelen im Sinkflug: Judith Hermann legt ihr zweites Buch vor und erweist sich als Geisterjägerin ihrer Generation

Drei Jahre bevor Judith Hermanns Erzählungsband "Sommerhaus, später" erscheint, steht ein junger Mann bei Fisch-Gosch in List auf Sylt und trinkt ein Jever aus der Flasche. Weil es ein bißchen kalt ist und der Westwind weht, trägt er eine gefütterte Wachstuchjacke englischen Fabrikats, die damals zu einer Art Erkennnungszeichen unter Gleichgesinnten avanciert war. Er ißt Scampi mit Knoblauchsoße, zwei Portionen, schaut in den Himmel und unterhält sich mit einer Blondine mit Pagenkopf und zuviel Gold an den Fingern. Das Gespräch kreist um denkbar banale Gegenstände, unser Wachstuchjackenträger hört daher auch gar nicht zu, sondern beobachtet lieber, wie seine Gesprächspartnerin ihr Haar aus dem Nacken wirft, und schließt daraus auf hinreichende Qualitäten im Bett. Dann steigt man in einen offenen Sportwagen und schnüffelt freudlos am Leder der Sitze.

Nichts an dieser Szene, mit der Christain Krachts Kultbuch "Faserland" beginnt, ist zufällig, nichts beliebig oder austauschbar. …

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kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Judith Hermanns Debüt "Sommerhaus, später" war vor vier Jahren die Initialzündung für ein "literarisches Fräuleinwunder" (Spiegel): melancholische Skizzen einer Berliner Mittzwanziger-Bohème, bei denen es in erster Linie darum ging, "mit dem Freund der Freundin zu schlafen" (Die Welt). Und nur, wer den ganzen Band in einem Rutsch durchlas, den beschlich das Gefühl, dass die Zielgruppe dieser kunstvollen Erzählungen weniger eine real existierende Szene war als vielmehr ältere, einsame Männer. Jetzt ist der Nachfolger da, "Nichts als Gespenster", besser "Sommerhaus, viel später" - neue Geschichten der traurigen Schönen vom Prenzlauer Berg. Viel verändert hat sich nicht, man steht eben so in der Kälte rum und verliebt sich unglücklich. Hermanns Ästhetik des unerfüllten Begehrens immerhin hat sich verfestigt, "Nichts als Gespenster" vibriert nahezu vor nicht praktiziertem Sex. Einzig wo es um Kunst oder um Theater geht, da spürt man, dass sich manchmal ein recht altbackenes Weltbild hinter diesem schicken, klugen, reflektierten Erzählen versteckt. Nichts dagegen. (fis)
Judith Hermann, geboren 1970 in Berlin, journalistische Ausbildung und Zeitungspraktikum in New York. 1997 erhielt sie das Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste. Buchveröffentlichungen. Auszeichnungen: 1998 Literaturförderpreis der Stadt Bremen, 1999 Hugo-Ball-Förderpreis, 2001 Kleist-Preis, 2009 Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg. Die Autorin lebt und arbeitet in Berlin.

Kundenbewertungen zu "Nichts als Gespenster " von "Judith Hermann"

2 Kundenbewertungen (Durchschnitt 5 von 5 Sterne bei 2 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
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(2)
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Bewertung von tovoka aus Bad Berka am 31.08.2010 ***** ausgezeichnet
In die Fremde aufbrechen, um sich selbst zu finden, in Island oder während des Roadtrips in Amerika Gedanken denken, die eben erst am am anderen Ende der Welt zugelassen und schlussendlich doch wieder abgetan werden. Es sind ja schließlich doch "nichts als Gespenster".
Genau von diesem subtilen Wahrnehmen des Anderen und der eigenen Person, vom verkommenen Miteinander und aufgestauten Emotionen erzählt Judith Herrmann in ihrem Erzählband. Mit schlichten, aber präzisen Worten und einer federleichten Sprache skizziert sie Charaktere, die sich selbst erst entdecken oder erfinden müssen und sich dabei rund über den Globus bewegen. Jeder für sich, jeder auf seine Art.
Die Geschichten berühren beim Lesen, ohne sich aufzudrängen und irgendwie findet man sich wieder, ohne es direkt zu bemerken.
Besonders die Geschichte um das junge Pärchen, das im Auto von der amerikanischen Ost- zur Westküste reist und mehr aus Routine als aus Liebe zusammenbleibt, sticht in meinen Augen besonders hervor. Es erinnert mich an viele menschliche Beziehungen, in denen Probleme erst schmerzhaft realisiert werden müssen, damit sie bewältigt werden können.
Aber was passiert dann mit den Gespenstern?

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Bewertung von Polar aus Aachen am 06.09.2007 ***** ausgezeichnet
Judith Hermann unterstreicht ihr Können. Was, wer weiß, wie schwer es ist, ein zweites Buch nach einem überrascht erfolgreichen erstem zu schreiben, erstaunlich ist. Diesmal führt sie uns weit weg von Zuhause. Ihre Geschichten spielen in der Fremde und könnten so auch gleich um die nächste Häuserzeile passiert sein. Ihre Menschen bleiben bei sich, staunen über Norwegen, Island, Nevada, aber ihre Suche haben sie mit ins Ausland genommen. Nur daß sie diesmal sich in Bewegung zu unbekannten Orten befinden und nicht eingeschlossen in ihrem Alltag den Ausbruch, den Neuanfang ersehnen. Ich haue einfach ab und alles wird besser, ich mache Urlaub, damit mir die Decke nicht auf den Kopf fällt, sammle neue Eindrücke, brauche andere vier Wände. Es gibt viele Ausreden, wenn man den Boden unter den Füßen verloren hat. Flüchtig werden Momentaufnahmen gesammelt, die als Mosaik einen Aufriß über Hermans Menschen ergeben. Diese Gespenster haben Fleisch und Blut, auch wenn sie sich lieber als Gespenster empfinden.

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