Neville Alexander, der im selben Jahr wie Nelson Mandela auf Robben
Island inhaftiert wurde, zählt weltweit zu einem der bedeutendsten
Vorkämpfer einer emanzipatorischen Politik der Mehrsprachigkeit.
Anhand seiner eigenen von Mehrsprachigkeit geprägten
Lebensgeschichte zeichnet er in den Interviews, die zum
vorliegenden Buch zusammengestellt wurden, nach, wie sich seine
sprachen- und bildungspolitischen Positionen aus einem bewegten
Leben heraus entwickelt und geschärft haben. Chronologisch und
strukturiert erzählt Neville Alexander von seinen kindlichen
Spracherfahrungen am Ostkap der Vierzigerjahre, seinen
Studienjahren in Kapstadt und Tübingen und dem militanten Kampf
gegen die Unterdrückung in der Apartheid, der ihn 1964 für zehn
Jahre auf die Gefängnisinsel und für weitere fünf Jahre in
Hausarrest gebracht hat, von wo er seinen Kampf gegen das
Apartheidregime und, immer pointierter, auch gegen die
Monopolstellung der Kolonialsprachen wieder aufgenommen hat. Die
damit verbundene fundamentale Gesellschaftskritik, das wird aus dem
Buch deutlich, hat er bis heute nicht ad acta gelegt. "In der
Arbeit nach meiner Haftentlassung war es in allen Organisationen -
sei es politischen, wirtschaftlichen, sozialen oder kulturellen
eines der Dinge, die ich unaufhörlich tat: den Leuten verständlich
machen, dass Sprache und Mehrsprachigkeit eine wichtige Rolle
spielen, vor allem als eine antirassistische Strategie."
Neville Alexander, geb. 1936, ist Geschäftsführer der 'Health, Education and Welfare Society' in Südafrika und Direktor des Studienprogramms 'Alternative Erziehung' an der Universität Kapstadt. Der an der Universität Tübingen promovierte Literaturwissenschaftler war elf Jahre lang wegen seines Engagements gegen das Apartheid-Regime als politischer Häftling auf Robben Island interniert. Heute gehört er zu den angesehensten Intellektuellen Südafrikas. Sein Buch ist der erste Band in einer Reihe des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen, die von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung gefördert wird.