Mit folgenden Künstlern:
Sophie Calle
Bas Jan Ader
Philippe Petit
Marina Abramovic
FLATZ
Christian Boltanski
Yoko Ono
Tino Sehgal
Christoph Büchel
Santiago Sierra
Jochen Gerz
Raumlabor
Pina Bausch
Rimini Protokoll
Erwin Wurm
Roman Signer
Richard Long"Was will der Künstler damit sagen?" ist eine
Frage, die bei Kunst z.B. von Sophie
Calle, Tino Sehgal oder Jochen Gerz nicht beantwortet werden kann.
Angeli Janhsen
fragt, wie diese neue Kunst funktioniert, wenn sie ihre Betrachter
nicht belehren
will.
"Light a match and watch till it goes out" ist eine
Partitur von Yoko Ono, die zur Zeit ihrer Entstehung, 1955, sicher
noch leichter aufzuführen war als heute. Noch in den 70er Jahren
hatte immer irgendwer Streichhölzer in der Tasche, Künstler und
Intellektuelle rauchten selbstverständlich. Diese
selbstverständliche Alltäglichkeit ist heute verloren, aber
Streichhölzer sind üblich genug, so dass die Partitur aufgeführt
werden kann. Möglich und richtig ist die Aufführung an den
verschiedensten Orten, zu den verschiedensten Zeiten. Es muss nicht
dunkel sein. Man zündet nach Anweisung der Partitur ein Streichholz
an, nicht um das Feuer an eine Zigarette oder eine Kerze oder was
auch immer weiterzugeben, sondern um es zu sehen, zu beobachten,
"to watch".
Die Zeit zum Sehen ist begrenzt, man weiß das gleich und versteht
es doch erst jetzt.
Diese Partitur ist eins der Kunstwerke, um die es hier geht. Mit
"Light a match and watch till it goes out" kann ich
zeigen, was ich im Folgenden ausführen möchte. Ich deute hier nur
an: Ein "ordentliches" Kunstwerk ist das sicher nicht. Es
hat keine Botschaft, aber es ist sinnvoller als viele Botschaften.
Man kann es eigentlich nicht verstehen, kunsthistorische Methoden
greifen hier wenig, aber es gibt Kriterien für einen guten Umgang
damit. Es vergeht, aber es wirkt, es greift ein, es ändert
jemandem, deres kennt, das Leben. Yoko Onos Partitur wirkt als
Katalysator. Diese Funktionsweise neuer Kunst interessiert mich.
Wenn man das Vorher und Nachher und all das, was man beim Brennen
des Streichholzes im Sinn hat, nicht bedenken würde, wäre die
Aktion sinnlos und überflüssig, wie jeder Katalysator allein nicht
überzeugt. Wer aber sieht, was alles an dieser Partitur deutlich
und gebündelt ist, lebt mit dieser Partitur vergnügter,
aufmerksamer, wirklicher.
Angeli Janhsen; Professorin für Kunstgeschichte der Moderne an der Universität Freiburg i. Br; Veröffentlichungen: Perspektivregeln und Bildgestaltung bei Piero della Francesca; Hier. Jetzt. Wirklichkeitserfahrungen mit zeitgenössischer Kunst; Herausgabe der Schriften Max Imdahls zur Moderne.
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